Reviews: Penumbra - Black Plague:

Penumbra: Black Plague


Mit dem Vorgänger 'Penumbra: Im Halbschatten', machte das kleine Team von Frictional Games erstmals auf sich aufmerksam. Nun wird Protagonist Philip – vertrieben von Koch Media - erneut in eine gefahrvolle 3D-Welt geschickt, in der jeder Schritt der letzte sein kann. Mittlerweile ist die als Trilogie geplante Serie, auf zwei Spiele gekürzt worden und die Frage, die sich stellt, ist, ob Frictional Games es mit dem letzten Teil der Reihe schafft, den Spielern erneut das Grauen zu lehren.
Ob dieses Ziel erreicht wurde, erfahrt ihr in unserem Review.


Willkommen in der unterirdischen Hölle Grönlands...

Ein paar Worte vorweg: Die Handlung knüpft direkt an den Vorgänger an.
Und dennoch werden keine Vorkenntnisse benötigt. Alles was der Spieler an Informationen benötigt, wird direkt zu Beginn erläutert.
Philip lebte Jahre in dem Glauben sein Vater sei tot, bis ihn ein merkwürdiger Brief seines Vaters erreicht. Er bittet seinen Sohn darum, zu vollenden was ihm verwährt geblieben ist. Phillip verfolgt die Spur seines Vaters, bis zu einem geheimen Forschungskomplex in der Grönländischen Tundra.
In einem unterirdischen Tunnelsystem, wird Philip niedergeschlagen und findet sich in einem verriegelten Raum wieder. Nach dem er einen Weg aus dem Raum gefunden hat, muss er schnell feststellen dass die unterirdische Anlage das nackte Grauen beherbergt. Auf der Suche nach seinem Vater und seiner Arbeit, stößt unser Protagonist auf eine Infektion, die die ehemaligen Angestellten in rasende Bestien verwandelt hat. Und auch Philip beginnt bereits, die ersten Anzeichen der Infektion an sich selbst zu bemerken. Dem Wahnsinn nahe, wagen wir uns immer tiefer in den Komplex vor und jegliche Hoffnungen auf ein gutes Ende scheinen aussichtslos.

3 Dimensionaler Alptraum

Wir bewegen uns im Grunde durch Penumbra, wie durch einen Egoshooter.
Mit den W,A,S,D Tasten geben wir die Richtung an, während wir uns mit der Maus umschauen. Mit der Spacetaste springen wir, mit STRG ducken wir uns.
Bewegen wir uns mit W vorwärts und halten dabei die linke, untere Shifttaste gedrückt, rennen wir. Mit der N Taste rufen wir unser Notizbuch auf, während wir mit der Tab Taste unser Inventar öffnen. Durch die sehr realistische Physikengine, unterscheidet sich die Interaktion mit Gegenständen stark von anderen (auch 3D) Adventures. Wollen wir beispielsweise eine Tür öffnen, so müssen wir den Türgriff, mit der linken Maustaste gedrückt halten und die Maus in die Richtung ziehen, in die die Tür sich öffnet. Wollen wir an einem Rad drehen, klicken wir dieses am Griff an und machen mit der Maus kreisförmige Bewegungen. Dieses Prinzip ist dem 'Fahrenheit' System recht ähnlich und recht schnell zu erlernen. Zu Beginn des Spiels, hat man die Möglichkeit sich in einem Tutorial die Steuerung erklären zu lassen. Auf dieses Angebot sollte man unbedingt zugreifen, da man sonst große Probleme bekommen wird.
Die Interaktion mit Gegenständen ist grundsätzlich sehr gelungen, aber in Situationen in denen wir auf der Flucht sind und schnell handeln müssen, stößt diese realistische Spielwelt gelegentlich an ihre Grenzen.
Wenn wir an einem Rad drehen, müssen wir genau die richtige Stelle des Rades anklicken, um das Rad schnell drehen zu können. Generell wäre dies kein Problem, aber wenn einem das Blut bis zum Anschlag pumpt und man von einem Infizierten gejagt wird, dann fällt es mitunter schwer, in all der Panik und Eile wirklich genau die effektivste Stelle des Rades zu erwischen.
Sehr positiv ist, dass die 3D Engine nicht nur ein grafisches Tool ist, sondern konkret das Gameplay diktiert. Ein weiteres Beispiel: Wir müssen eine Laserschranke umgehen, also suchen wir uns alle möglichen Kisten zusammen und stapeln diese so übereinander, das wir die tödlichen Strahlen überspringen können. Wenn wir eine Kiste anklicken und die linke Maustaste gedrückt halten packen wir diese und ziehen sie umher. Mit der C Taste können wir die Kiste nun so drehen, wie wir sie gerade haben wollen.
Hin und wieder, stellt das vertikale oder horizontale Drehen eines Gegenstandes, durchaus mal ein kleineres Problem dar und geht recht langsam vor sich. Hochheben können wir nur Gegenstände, die wir auch logisch begründet stemmen können. Mit der rechten Maustaste werfen wir diese Gegenstände. Somit können wir auch mal z.B. Scheiben einwerfen- Konkret müssen wir dies sogar gelegentlich tun. Wir haben es also nicht mit Spielereien zu tun, was sehr gut für den sehr realistischen Anstrich des Spieles ist.

Survival Adventure

Genau genommen ist 'Penumbra' kein reines Adventure, sondern ein Genremix mit dem Hauptaugenmerk auf Adventureelementen. Wir erforschen den geheimen Forschungskomplex in Advenuremanier. Wir lesen Notizen, sammeln Gegenstände auf, benutzen oder kombinieren diese und lösen das ein oder andere Rätsel. Des Weiteren sind überall im Komplex Fackeln, Batterien und auch Überlebensrationen versteckt. Die Batterien benötigen wir für unsere Taschenlampe, die wir in einigen stockfinsteren Abschnitten auch gut gebrauchen können. Alternativ können wir aber auch Fackeln und Leuchtstäbe benutzen. In mehreren Räumen stehen uns Computerterminals zur Verfügung, auf denen wir Nachrichten lesen können, Türen entriegeln oder Rätsel lösen.
Unser Notizblock stellt sich auch ein ums andere Mal, als essenzielle Hilfe heraus. Manche Rätsel lassen sich nur mit den Notizen lösen, die sich Philip unterwegs macht.
Oft können wir nur weiterkommen, indem wir die zuvor beschriebene Phsysikengine ausnutzen, uns Brücken bauen oder Kisten verschieben.
Hierbei gibt es oft mehrere Wege die zum Ziel führen. Allerdings sind Elemente wie Kistenschieben gut verteilt, so dass das Gameplay durchaus Abwechslungsreich ist. Stets stellen sich neue Herausforderungen und für Kurzweil ist gesorgt. Ein sehr wichtiges Element des Spiels, sind die Panikelemente, wo wir uns eher in Gefilden des Lovecraft Action Adventures 'Call of Cthulhu: Dark corners of the earth' bewegen. Kleiner aber feiner Unterschied:
In 'Penumbra' wehren wir uns nicht mit Waffengewalt, sondern nehmen entweder die Beine in die Hand, verstecken uns oder nutzen (in manchen Situationen) die Spielengine um den Infizierten fiese Fallen zu stellen. In einem konkreten Falle findet man sich mit einem Infizierten zusammen, in einem abgeschlossenen Raum wieder.
In der Mitte des Raumes hängt eine Kiste an einem Seil. Das Rad auf der rechten Seite des Raumes scheint das Seil hochzuziehen. Wir müssen den Infizierten in die linke Ecke locken, sprinten nach rechts, drehen hektisch am Rad ( während uns der Infizierte bereits wieder gefährlich nahe kommt), rennen schnell wieder nach links, flüchten und wiederholen das Spiel bis die Kiste hoch genug hängt. Dann sprinten wir erneut nach rechts und müssen einen Knopf drücken, der die schwere Kiste auf dem Untoten zu Fall bringt und ihn unter sich begräbt. Die Infizierten sind allerdings verdammt schnell und hochaggressiv, so dass wir nur sehr wenig Zeit haben eine Aktion auszuführen, bevor es uns an den Kragen geht. Zumal auch die Ansicht während dieser Attacken verschwimmt und die Orientierung erschwert. Nicht nur diese Sequenzen bieten einen Adrenalinrausch par Excellence. Das Werk aus Skandinavien schaft es, den Spieler durchweg in panische Angst zu versetzen. An jeder Ecke kann der Tod lauern, was in einem schlechten Spiel schnell zum Rohrkrepierer werden könnte, hier geht das Prinzip jedoch auf. Lediglich die immer wieder mal verlorene Übersicht unter Zeitdruck, ist ein negativer Begleiteffekt dieser Spielweise.
Eines steht fest, 'Black plague' bietet Psychoterror pur. Wie schon angedeutet, wurde auch Philip infiziert. Eine der ersten Begleiterscheinungen der Infektion, ist der Beginn einer Schizophrenie. Ständig hören wir Philips geistesgestörtes zweites Ich, das den Spieler noch mehr in Angst versetzt und uns eindringlich davon abrät, ein Gegenmittel gegen die Infektion zu finden.
Sehr gut sind auch die anderen Auswirkungen der Infektion auf Philip gelungen.
An einer Stelle des Spiels suchen wir nach der Tür zur Bücherei (an der wir schon zuvor vorbeigekommen sind, die sich aber noch nicht öffnen ließ)
Als wir an der richtigen Stelle angekommen sind, ist die Tür nicht mehr da. Unsere Sicht verschwimmt (wie so oft) und unser Alter Ego weist uns darauf hin, dass wir scheinbar dabei sind vollständig den Verstand zu verlieren. Laufen wir dann in eine andere Richtung des Komplexes und kommen kurze Zeit später zurück, so ist die Tür plötzlich wieder da. Unser Verstand hat uns tatsächlich einen Streich gespielt. Es sind kreative Szenen wie diese, die zeigen wie ausgeklügelt der psychologische Effekt in diesem Spiel ist.

Grafik

Optisch ist 'Black Plague' nicht wirklich eine Schönheit. Gelegentlich fühlt man sich an den ersten 'Half Life' Teil erinnert. Der Untergrundkomplex kommt in recht tristen Farben- mit nicht sehr schönen Texturen- daher. Aber letztlich passt dieser Grafikstil gut zu dem beklemmendem Ort, den wir erkunden.
Der grobkörnige Touch der Grafik ist im Übrigen beabsichtigt und man kennt ihn bereits aus 'Call of Cthulhu: Dark corners of the earth'. Wenn man im Hinterkopf behält, dass hier kein großes Entwicklerstudio beteiligt war, haben Frictional Games auch grafisch durchaus gute Arbeit geleistet.

Nichts wie raus hier

Hauptcharakter Philip bleibt im eigentlichen Sinne stumm- Seine Gedanken erfahren wir nur schriftlich. Anders sieht es mit seinem wahnsinnigen zweiten Ich aus, dass sich mit seinen kranken Gedanken nicht zurück hält.
Gelegentlich hören wir an einem Computerterminal auch mal die Stimme der Wissenschaftlerin Amabel, sonst gibt es kaum Sprachausgabe. Bei einem kleinen Projekt wie 'Penumbra: Black Plague', kann man aber auch nicht wirklich eine aufwendige Synchronisierung erwarten, zumal es auch theoretisch wenige Möglichkeiten für Gesprächspartner gibt.
Generell ist der Sound allerdings hochgelungen und stellt einen elementaren Baustein der grandiosen Atmosphäre dar. Ständig werden wir mit gruseligen Hintergrundgeräuschen konfrontiert, die die Furcht vor dem Unbekannten schüren.
Die Infizierten geben mehr als boshafte Geräusche von sich, die es nahe legen sich von den Herren und Damen fernzuhalten.
Wenn wir einen Raum betreten und wir die Monster näher kommen hören und uns panisch hinter einer Kiste verkriechen, diese den Raum betreten, die Lage inspizieren und untereinander kommunizieren, ist der Nervenkitzel kaum zu beschreiben.
Die Musikuntermalung bietet sphärische Klänge, die das Gefühl des sich verloren Fühlens noch unterstreichen und fabelhaft zum Spiel passt. Eine gelungene Abrundung für ein starkes Soundgerüst. Meine Empfehlung: Das Spiel mit Kopfhörern spielen.

Speicherpunkte

Frei speichern können wir nicht, was manch einen kritisch, hellhörig machen dürfte. Hier kann aber direkt Entwarnung gegeben werden, denn letztlich ist das System der Speicherpunkte Augenwischerei.
In kurzen Abständen finden wir Artefakte, die wir berühren müssen um zu speichern. Allerdings erstellt das Spiel permanent Autosaves, so dass nie die Gefahr besteht wirklich mal einen Abschnitt wiederholen zu müssen.
Auch wenn wir unser Leben verlieren, können wir direkt zu Beginn dieser Situation erneut beginnen, so dass auch hier drin kein Problem besteht


Galerien

Fazit:

Wertung: 81%

Es ist erstaunlich, was hier wenige Leute ohne große finanzielle Mittel, aber dafür mit umso mehr Kreativität abgeliefert haben. Natürlich wirkt 'Black Plague' im Grafischen eher spartanisch, aber die ausgeklügelte psychologische Komponente, lässt solche Schwächen vergessen machen. Die Interaktion mit der 3D Welt ist sehr gelungen, wenn auch gelegentlich etwas umständlich.
Die Story ist recht simpel und dennoch reicht sie als Gerüst für ein spannendes Spielerlebnis völlig aus. Das was einen antreibt ist der pure Überlebenswille, gepaart mit dem Willen nach Auflösung der mysteriösen Vorgänge. Sehr positiv ist, dass das gelungene Ende diese auch schlüssig erklären kann.
Dieses Spiel ist wohl eines der gruseligsten Adventures, das man finden kann und das auch noch zum Budgetpreis von gerade mal 20 Euro.
Für eventuell anfallende Therapiestunden, kommt Frictional Games hingegen nicht auf - An dieses Spiel, sollten sich definitiv nur Nervenstarke heranwagen.
Der Abschluss der 'Penumbra' Reihe ist kein epochales Meisterwerk, aber ein fesselndes, Furchteinflössendes Spiel, das mehr als nur einen Geheimtipp darstellt. Klar ist aber auch, dass es nicht zwangsläufig ein Spiel ist, welches dem traditionellen Adventurefan gefallen muss – Zu stark weicht man dafür von traditionellen Pfaden ab und zu hastig und panisch dürfte manch einem das Gameplay sein. Mein Tipp: Unbedingt die Demo spielen und sich selbst ein Bild machen, um Enttäuschungen auszuschließen.
Wem die Demo gefällt, der kann sich hingegen auf einen wahren Höllentrip gefasst machen.
Man mag sich gar nicht vorstellen, was Frictional Games mit einem großen Budget im Rücken abliefern könnten. In jedem Falle, kann man nur auf mehr nervenzerreißende Spannung aus Skandinavien hoffen!

geschrieben am 07.06.06, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
Betriebssystem: Windows 2000/XP/Vista(32-Bit) oder Linux
CPU: 1,0 GHz Pentium od. 100% kompatibler Prozessor
Speicher (RAM): ab 256 MB RAM
CD-ROM: Laufwerk erforderlich
Grafikkarte: Radeon 8500/GeForce3
Offizielle Homepage
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieses Review gehört zu  Penumbra.




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