Reviews: Dreamfall - The Longest Journey:

Dreamfall - The Longest Journey


Im Jahr 2000 wurden die Adventurespieler auf eine lange Reise geschickt. Damals noch in 2D und per Point & Click-Steuerung. 'The Longest Journey' überzeugte vor allem durch eine wunderbare Geschichte und überzeugend wirkende Charaktere. Gut sechs Jahre später schicken uns Anaconda und Funcom wieder auf eine Reise nach Arcadia. Jetzt jedoch in 3D und mit einer direkten Steuerung. Was sich sonst noch alles geändert hat und ob 'Dreamfall' ein würdiger Nachfolger ist, steht in unserem Review.


Die Reise geht weiter...

Seit April Ryan die längste Reise angetreten und die Vergangenheit geändert hat, sind 10 Jahre vergangen und die Welt hat sich in einen Überwachungsstaat verwandelt, in dem mächtige Konzerne das Sagen haben.
In dieser Welt lebt auch die junge Zoë Castillo, die vor kurzem ihr Leben umgekrempelt hat: Sie hat Ihr Studium in Biotechnik geschmissen und sich von ihrem Freund Reza getrennt. Seitdem wohnt Zoë wieder bei ihrem Vater Gabriel. Voller Ungewissheit, was die Zukunft für sie bringt, lebt sie ziellos in den Tag hinein. Doch alles ändert sich, als Reza plötzlich verschwindet. Scheinbar war der Journalist einer heißen Geschichte auf der Spur, die ihm nun zum Verhängnis zu werden scheint. Zoë macht sich auf die Suche nach Reza.
Doch das ist nicht ihr einziges Problem. In letzter Zeit wird sie immer häufiger von seltsamen Visionen verfolgt: Auf verschiedenen Displays erscheint ein kleines Mädchen, mit langen schwarzen Haaren und richtet eine Botschaft an Zoë: „Finde April Ryan, Rette sie!“ Diese Botschaft verwirrt Zoë. Sie kennt keine April Ryan und niemand außer ihr kann diese Botschaften sehen. Was steckt dahinter?
April Ryan hingehen lebt noch immer in Arcadia und hat ganz andere Sorgen. Seit der Besetzung Marcurias durch die Tyren vor 10 Jahren und der Befreiung durch die Azadi hat sich nicht viel verbessert. Die Azadi sind noch immer die Stadt. Viele Einwohner sind der Meinung, dass das Leben durch sie und ihre Technologie besser geworden ist, doch einige von Ihnen erkennen die Wahrheit: Die Azadi haben die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht, es gelten ihre Gesetze und Magie ist größtenteils verboten. Ein paar Rebellen, zu denen auch April gehört, wollen sich das aber nicht gefallen lassen und kämpfen im Untergrund gegen die neuen Besetzer.
Die Azadi wollen endlich auch den letzten Widerstand brechen und schicken zu diesem Zweck ihren Krieger Kian nach Marcuria: Er soll den Anführer der Rebellen, den „Skorpion“ töten.

Im Laufe des Spiels steuert man neben Zoë und dem Krieger Kian natürlich auch April. Auf den Wegen durch Arcadia trifft man auf viele alte Bekannte aus 'The Longest Journey', wie die sprechende Krähe Crow oder den Zauberer Roper Klacks. In der Welt der Magie laufen dann auch die Fäden der drei einzelnen Charaktere zusammen.

April, Zoë und Kian werden auf ihrer Reise per Tastatur, Maus oder Gamepad gesteuert. Die Tastenbelegung erinnert dabei bedingt durch die 3D-Umgebung an eine Shootersteuerung. Sollte man mit einer Steuerungsart mal nicht weiterkommen, kann während des Spiels jederzeit die Steuerung gewechselt oder kombiniert werden. Die Steuerung klappt nach kurzer Eingewöhnung mit allen Controllern recht problemlos, am Leichtesten lassen sich Zoë und ihre Mitstreiter aber per Gamepad durch Arcadia und Stark dirigieren. Dabei fühlt man sich immer wie in einem Film, so belebt wirken die Straßen.
Mit viel Liebe zum Detail wurde hier eine wunderschöne Welt geschaffen, wie man sie in Adventures bisher nur selten findet. Jede Landschaft wirkt in sich stimmig, die Personen wirken nicht wie Klone, jeder sieht anders aus und wirklich jede Figur hat etwas zu sagen. Auch wenn es bei den Statisten oft nur ein kurzer Kommentar ist, trägt diese Tatsache sehr dazu bei dem Spiel Leben einzuhauchen und die Welt von 'Dreamfall' noch ein wenig Realistischer zu machen. Wäre da nicht ein kleiner Makel: Alle Statisten sind Bauchredner – zumindest bewegen sie ihre Lippen nicht. Warum die Entwickler ausgerechnet dabei gespart haben, dürften sie wohl nur selbst beantworten können. Dafür entschädigen aber die Gespräche mit den Nebencharakteren, die für das Weiterkommen im Spiel wichtig sind. Hier bewegen natürlich alle ihren Mund, die Emotionen wirken für ein Computerspiel recht gut und die Stimmen passen zu den Personen. Anaconda hat dem Spiel eine gewohnt gute Synchronisation verpasst. Für die Freunde von Original-Versionen hat Anaconda noch zusätzlich die englische Sprachausgabe auf die DVD gepackt, die man mit wenigen Klicks im Hauptmenü auswählen kann. So kommt man auch mal in den Genuss, April im Original zu hören.
Die Gespräche laufen in 'Dreamfall' genretypisch per Multiple-Choice ab und werden trotz ihrer Länge nie langweilig. Dabei hilft auch die Kameraführung, die wieder ein perfektes Filmgefühl aufkommen lässt. Besonders interessant wird es dann, wenn zwei spielbare Charaktere aufeinander treffen und man beide abwechselnd im Gespräch steuert. Wer jetzt befürchtet, dass es langweilig sein ist mit sich selbst zu sprechen, sei beruhigt. Die „Selbstgespräche“ sind intelligent geschrieben und machen richtig Spaß.

Everybody is Kung-Fu-Fighting

Schon recht früh im Spiel trifft man auf die erste Möglichkeit, das neue Kampfsystem auszuprobieren. Zoë nimmt bei einer Trainerin Martial-Arts-Stunden und die braucht man auch, um sich an die Steuerung im Kampf zu gewöhnen. Während dieser Trainingskämpfe kann man nicht sterben, dafür aber alle Angriffs- und Abwehrmanöver einstudieren – und das sollte man auch unbedingt machen. Aber keine Angst: 'Dreamfall' ist kein Action-Adventure. Zwar kommt man um den einen oder anderen Kampf nicht herum, in den meisten Fällen gibt es aber auch andere Lösungsmöglichkeiten. So kann man die Gegner im Gespräch ablenken, sich daran vorbei schleichen oder – wenn wirklich nichts mehr hilft – auch mal einen Kampf wagen. Das steigert auch die Motivation, 'Dreamfall' wieder zu spielen und dabei einen anderen Weg einzuschlagen. Dabei sind die meisten Kämpfe recht leicht zu meistern, sollte es mal nicht klappen und Zoë, April oder Kian sterben, kann man den direkt vor Kampfbeginn automatisch gespeicherten Spielstand wieder laden und es noch einmal versuchen. Genauso kann man verfahren, wenn man eine Schleicheinlage verpatzt. Schleichen ist oftmals die Alternative zum Kampf, aber auch die Schleichpassagen sind recht kurz und leicht. Neben Kämpfen und Schleichen findet sich in 'Dreamfall' auch ein anderes umstrittenes Element moderner Adventures wieder: Minispielchen bzw. Logikaufgaben. Diese Rätsel kommen immer dann vor, wenn es darum geht, ein Schloss zu Knacken oder die Kontrolle über eine Maschine zu bekommen. Es gibt aber nur zwei verschiedene Rätselarten, entweder müssen gleiche Symbole miteinander verbunden werden oder es geht darum, das richtige Symbol in die richtige Stellung zu drehen. Die Minispielchen sind, wie auch schon die Kämpfe, recht leicht und halten daher auch nicht sonderlich auf. All diese neuen Elemente fügen sich nahtlos und stets passend in das Spiel ein und sorgen so für Abwechslung.

Natürlich gibt es in 'Dreamfall' auch eine ganze Menge Rätsel nach dem Prinzip Sammle und Kombiniere. Oft genügen jedoch schon ein paar Dialoge, um der Lösung näher zu kommen, selten müssen Gegenstände im Inventar, dass sich auf Knopfdruck am unteren Bildrand einblendet, kombiniert werden. Nach bestimmten Gegenständen suchen ist nur sehr selten erforderlich.
Der Spieler wird bei der Lösung der Rätsel nie vom Spiel allein gelassen, man weiß immer was als nächstes zu erledigen ist. Diese Informationen kann man sich bei Bedarf auch im Tagebuch nachlesen, wo Zoë immer eine Zusammenfassung Ihrer Aufgaben sowie die letzten Gespräche bereit hält. So kommen auch Anfänger schnell ins Spiel und frustrierte Stunden vor dem Monitor werden vermieden.

Ein weiteres wichtiges Element in 'Dreamfall' ist das so genannte Fokus-Feld. Dabei wird die genaue Blickrichtung der Spielfigur blau eingefärbt und es sind auch Aktionen mit Figuren oder Dingen möglich, die in weiter Ferne sind. So lassen sich beispielsweise andere Personen belauschen.

Wie im Kino

In 14 Kapiteln erlebt der Spieler eine filmreife Geschichte mit einem wunderschönen und stimmigen Soundtrack und Grafiken, die im Adventuregenre zur absoluten Spitzenklasse gehören. Per Motion-Capturing wurden alle Bewegungen in das Spiel gebracht und das kann man auch sehen: Alle Protagonisten bewegen sich natürlich und flüssig. Dazu kommen dann noch die sehr schönen und detaillierten Hintergründe, die die Welt von 'Dreamfall' glaubhaft werden lassen. Wettereffekte, Wasser und Feuer passen sich der sehr guten restlichen Grafik an und wirken fast realistisch.

Trotz der nicht besonders schweren Rätsel werden selbst erfahrene Adventurespieler einige Zeit benötigen, bis der Abspann auf dem Monitor zu sehen ist. Wenn es dann doch mal so weit ist, sieht man eine lange, ausführliche Endsequenz, die auch nach dem Abspann noch weiter geht. Dabei werden nicht alle Fragen geklärt, was die Hoffnung auf eine Fortsetzung schürt.

Die Zeit, die man mit dem Spiel verbringt, abzuschätzen fällt sehr schwer, denn man wird schon nach kürzester Zeit so in die Geschichte gesogen, dass man alles um sich herum vergisst. Irgendwann blickt man zur Uhr und wundert sich, dass es schon wieder so spät ist – Ein Effekt, den nur ganz wenige Spiele erreichen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 89%

'Dreamfall' macht einfach Spaß. Man erlebt in den Stunden vorm Monitor eine fantastische Geschichte, die fast perfekt inszeniert wird. Gestört haben eigentlich nur die recht oft auftauchenden Ladebildschirme und die „Bauchredner“. Aufgrund der ansonsten gelungenen Präsentation und der dichten Atmosphäre zählt 'Dreamfall' zu den besten Adventures der letzten Jahre und ist ein in allen Belangen würdiger Nachfolger für 'The longest Journey'.

geschrieben am 12.07.06, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP
Pentium 4, 1,6 Ghz
64 MB Grafikkarte (DirectX9-kompatibel)
Soundkarte (DirectX9-kompatibel)
4 GB freier Festplattenspeicher
Offizielle Homepage
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Dieses Review gehört zu  Dreamfall.




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