Reviews: Paradise:

Paradise


Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von 'Syberia 2' meldet sich Chefdesigner Benoît Sokal mit seinem eigenen Entwicklerstudio White Birds Productions zurück und will den Spieler in 'Paradise' in die fantastische Welt des fiktiven afrikanischen Staates Mauranien entführen. Ob er dabei auch paradiesische Gefühle erwecken kann, erfahrt ihr in unserem Review.

 



Der Niedergang des Paradieses

Es herrscht Bürgerkrieg im einst so paradiesisch schönen Mauranien, einem abgelegenen Land im Herzen Afrikas. Während sich der im Laufe der Jahre verbitterte König Rodon, der auf skrupellose Weise mit großer Autorität über das Land herrscht, aus unerfindlichen Gründen in seine abgelegene Residenz zurückzieht, rücken rebellische Kämpfer immer weiter vor. Inmitten dieses Krisengeschüttelten Landes stürzt eines Tages ein Flugzeug in der Wüste nahe der nördlich gelegenen Stadt Madargane ab. In den Trümmern des Fliegers kann nur noch eine Überlebende geborgen werden: Eine Junge Frau, die zwar körperlich vollkommen unversehrt ist, jedoch das Gedächtnis verloren hat und zur Genesung in den Harem des Prinzen von Madargane gebracht wird. Nur ein Buch über die Flora und Fauna Mauraniens deutet darauf hin, dass der Name der Frau Ann Smith lauten könnte. Doch der Prinz ahnt, dass mehr hinter Anns Anwesenheit in Mauranien steckt und beschließt Ann auf eine sonderbare Reise zu schicken. Sie soll gemeinsam mit einem geheimnisvollen schwarzen Leoparden als Reisegefährten quer durch das von Bürgerkrieg und Rebellion gefährdete Land reisen…

Spätestens seit 'Syberia' und 'Syberia 2' sollte der Name Benoît Sokal in Adventurekreisen zu einem festen Begriff geworden sein. Anders als noch bei diesen beiden Spielen, genoss Sokal aber die Freiheit 'Paradise' mit seinem eigenen Entwicklerstudio White Bird Productions zu produzieren, um so noch mehr Kontrolle über die Verwirklichung seiner Vision ausüben zu können. Teil dieser Vision ist auch eine mehrteilige Comicbuch-Reihe, die zeitgleich zum Spiel veröffentlicht wurde, bisher allerdings nur auf Französisch erhältlich ist.

Paradiesische Landschaften

Der Grafikstil von 'Paradise' trägt eindeutig Sokals Handschrift und erinnert sogleich an die 'Syberia'-Spiele. Mit viel Liebe zum Detail ist es 'White Bird Productions' gelungen eine sehr schöne, stimmige Grafik zu erzeugen, die gut ins afrikanische Mauranien passt.
Kleinere Animationen, wie umher fliegende Vögel hauchen den weitläufigen Hintergründen Leben ein. Mit mehr als 250 Locations und 60 Charakteren ist die Welt von 'Paradise' recht umfangreich ausgefallen, obwohl viele Screens keinerlei Interaktionsmöglichkeit bieten, sondern nur zur Erweiterung der Spielwelt dienen. Sämtliche Charaktere können angesprochen werden, auch wenn sie oft nur eine pampige Bemerkung für Ann übrig haben und generell etwas steif wirken.

ANACONDA ist bei 'Paradise' erneut eine tolle Lokalisierung gelungen. Die Sprecher sind allesamt passend gewählt und machen ihren Job sehr gut. Zwar fehlen diesmal die ganz großen Namen aus dem Synchronisationslager, an der Qualität der Sprecherleistungen ändert dies jedoch wenig. Auch die Hintergrundsgeräusche sind abwechslungsreich und stets passend, während die Hintergrundsmusik ihr übriges tut, um die gelungene Vertonung abzurunden.

Klassische Steuerung und wenig Bugs

In 'Paradise' findet eine klassische Point & Click-Steuerung Verwendung, die einige kleinere Schwächen bei der Wegfindung aufweist. Der Maus-Cursor verändert seine Form, wenn eine Interaktion mit einem Gegenstand oder einer Person möglich ist.
Es ist übrigens dringend davon anzuraten den animierten Cursor in den Optionen des Spiels zu aktivieren. Dieser sieht zwar schick aus, reagiert aber doch sehr langsam. Gerade bei der Suche nach den manchmal doch sehr gut versteckten Hotspots, erschwert der animierte Cursor das Leben doch ungemein. Per Linksklick lässt sich nun die Protagonistin Ann durch die exotischen Landschaften steuern und Aktionen ausüben, während ein Rechtsklick das Inventar öffnet, in dem man Gegenstände kombinieren oder aufgesammelte Dokumente durchlesen kann.
Auch die Dialoge werden ganz klassische über ein Multiple-Choice Verfahren geführt. Der Spieler wählt dazu Anns Gesprächsthemen aus einer stichwortartigen Liste aus. Einen besonders großen Einfluss habt der Spieler allerdings nicht auf die Dialoge, da in der Regel alles angesprochen werden muss, um alle Hinweise zu erhalten oder gewisse Ereignisse im Spielverlauf auszulösen.

Im Laufe des Spiels übernimmt man auch manchmal die Steuerung des schwarzen Leoparden. Diese Komponente des Spiels, die an und für sich eine gute Idee ist, kann man aber getrost als missraten abhaken. Ohne erklärt zu bekommen, was der Sinn und Zweck dieser Sequenzen ist, kann der Spieler versuchen den Leoparden mit der Maus durch weiträumige Szenarien, wie etwa den Palastgarten zu steuern. Durch verschiedenfarbige Cursor-Pfeile soll dabei die Bindung des Leoparden zu Ann symbolisiert werden. Je nach Farbe der Pfeile reagiert das Tier auf den Befehl oder bleibt einfach stehen. So hüpft und springt der Leopard munter in der Gegend umher, ohne dass dem Spieler klar ist, was er überhaupt tun soll.
Glücklicherweise ist aber niemand gezwungen diese Sequenzen wirklich auszuspielen. Ein einfacher Klick auf die ESC-Taste beendet die Szene und lässt uns das richtige Spiel fortsetzen.

Im Bereich der Fehlerbeseitigung hat ANACONDA ganze Arbeit geleistet. Zumindest auf meinem Rechner ist im kompletten Spielverlauf kein einziger Bug aufgetreten. Dies ist besonders in sofern erstaunlich, da die englische Version von 'Paradise' durch zahlreiche Bugs fast unspielbar wurde. Es wäre schön, wenn immer soviel Aufwand in diesem Bereich betrieben werden würde.

Rätselhafte Bezugsperson

Die Vielfalt der Aufgaben in 'Paradise' erstreckt sich von einfachen Botengängen, über Inventar-Kombinationsrätsel bis hin zu Maschinen- und Schalterrätseln und weist variierende Schwierigkeitsgrade auf. Manchmal liegt des Rätsels Lösung unmittelbar auf der Hand, manchmal ist langwieriges Rumprobieren angesagt. Hin und wieder fühlt man sich als Spieler einfach allein gelassen, weil es keine sinnvolle Untersuchen-Funktion gibt, in der Ann vielleicht noch mal den einen oder anderen Kommentar oder Hinweis zu einem Gegenstand äußert. Stattdessen kommt man häufiger in die Situation, erst einmal vollkommen ziel- und planlos an einer Maschine rumprobieren zu müssen, um im Spielverlauf voranschreiten zu können.
Nach der erfolgreichen Lösung eines Rätsels wir der Spieler oftmals mit einer gelungenen Videozwischensequenz belohnt, die darauf hin auch im Menü freigeschaltet wird und nochmals betrachtet werden kann.

Sokal gelingt es gut eine einzigartige Atmosphäre des durch Bürgerkrieg und Rebellion gefährdeten Landes zu erzeugen. Die ungewöhnliche Tier- und Pflanzenwelt gliedert sich gut in das fiktive afrikanische Land ein und bringen ein märchenhaftes Flair ins Spiel.
Jedoch will einfach keine rechte Bindung zur Protagonistin Ann Smith aufkommen. Als Spieler kann man keinen richtigen Einfluss auf ihre Entwicklung nehmen und gewinnt den Eindruck, die junge Frau würde alle Informationen über ihre Vergangenheit, die sie im Laufe des Spiels bekommt, einfach ignorieren. Einige ihrer Handlungen, gerade gegen Ende des Spiels, kamen doch recht unerwartet und ließen ein gewisses Unverständnis zurück.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

Trotz der fehlenden Bindung zur Protagonistin ist 'Paradise' dennoch ein gelungenes Spiel, kann aber nicht ganz an die 'Syberia'-Spiele herankommen. ANACONDA hat ganze Arbeit geleistet und liefert das Spiel in einer bugfreien Version mit ausgezeichneter Lokalisierung ab. Anders als in der englischen Originalversion ist es so endlich möglich das Spiel so zu erleben, wie es von vornherein angedacht war. 'Paradise' ist sicherlich kein Spiel für jedermann, wird aber ganz bestimmt seine Fangemeinde finden.

geschrieben am 10.08.06, Matthias Mangelsdorf

Systemanforderungen Weitere Links
Windows 2000 / Me
PIII 800 CPU
256MB RAM
2000MB HD
3-D-Karte
Offizielle Homepage
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Dieses Review gehört zu  Paradise.




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