Reviews: Lamplight City:

Lamplight City


Mit 'Sharlight' hat der Steampunk-Krimi 'Lamplight City' – trotz des ähnlich klingenden Namens - nichts zu tun, dennoch stammen beide Point&Click-Adventures aus der Feder von Francisco González (Grundislav Games). Mit Application Systems Heidelberg (u.a. 'Nelly Cootalot') steht ihm diesmal ein anderer Publisher zur Seite, womit es bei den Ermittlungen sogar deutsche Untertitel geben wird. Weiteres verraten wir Euch im ausführlichen Review.

Lamplight


Ein schwer depressiver Ermittler

Wir befinden uns in der fiktiven Hafenstadt New Bretagne, die von einem Mix aus Steampunk und viktorianischer Vergangenheit geprägt ist. In den ersten Minuten beschäftigt uns ein Fall rund um einen höchst sonderbaren Einbruch in einem heruntergekommenen Bezirk. Jemand bricht regelmäßig in dasselbe Blumengeschäft ein, um Oster-Lilien zu stehlen und bezahlt sogar dafür. Protagonist Miles Fordham und sein gesprächiger Kollege Bill Leger sind von der Polizei und untersuchen den Fall.

 

Lamplight City

In der Zeitung steht oft auch etwas, das unseren Fall betrifft

Bill stirbt dabei auf tragische Weise, wobei der Spieler ein paar Entscheidungsmöglichkeiten hat und das Unglück sozusagen mitformt. Der wahre Übeltäter entkommt. Miles gibt sich die Schuld und verwahrlost zusehends, sehr zur Sorge seiner Ehefrau Adelaide. Er verlässt das Polizei-Departement, um als Privatschnüffler zu arbeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass er unentwegt Bills geisterhafte Stimme hört, die darauf pocht, dass sein Mörder endlich gefasst wird. Die Polizei tappt nämlich weiterhin im Dunkeln. Um ab und zu seine Ruhe und etwas Schlaf zu haben, dröhnt Miles sich mit Medikamenten zu.

Eines Tages lässt ihm Constance Upton, eine Kollegin aus alten Polizei-Tagen, heimlich einen mysteriösen Fall zukommen: Madame DuPrée, eine angesehene alte Dame der Oberschicht, wurde eigentlich für tot gehalten und schon in der Familiengruft untergebracht. Bei der Beerdigung ist sie jedoch plötzlich erwacht. Die Polizei meint den Schuldigen bereits gefasst zu haben: Ein Voodoo-Zauberer soll hinter all dem stecken und dessen Familie sei bekannt dafür Voodoo zu praktizieren. Constance ist sich jedoch ziemlich sicher, dass da mehr dahintersteckt und die falsche Person hinter Gittern sitzt. Damit geht unser Abenteuer so richtig los...


Eine Welt der Gegensätze

Lamplight City
Dass es in dieser Welt soziale Konflikte und Ungerechtigkeiten gibt, wird immer wieder deutlich

New Bretagne ist ein Ort voller Gegensätze: Die kleine mächtige Elite steht einer großen armen Bevölkerung gegenüber, die sich oft nur durch Kriminalität über Wasser hält. Das Streben der Oberschicht nach Fortschritt geht häufig auf Kosten der Angestellten, die angesichts diverser neuer Technologien immer wieder ernsten Gefahren ausgesetzt sind. Oder ihre Jobs laufen Gefahr, der Automatisierung zum Opfer zu fallen. Diese und andere Probleme spiegeln sich in nahezu jedem der fünf Fälle wider, mit denen wir es nach dem rund halbstündigen Prolog im Blumengeschäft zu tun bekommen. Jeder Fall steht dabei problemlos für sich. Für das komplette Point&Click-Abenteuer sind schätzungsweise sieben bis acht Stunden Spielzeit einzuplanen.

Bill bekommen wir übrigens nur im kurzen Prolog zu sehen. Er schwirrt somit nicht als Geist über den Bildschirm und es bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis, ober es ihn tatsächlich gibt, oder er ein Produkt von Miles' Psyche ist. Dafür leistet er uns stets durch freche Beobachtungen Gesellschaft, plaudert mit Miles und lockert die Stimmung in dieser manchmal sehr ernsten Welt auf – zum Leidwesen seines unausgeschlafenen Ex-Kollegen. Betrachten wir einen Gegenstand, meldet er sich zu Wort und kritisiert/lobt mitunter unsere Entscheidungen. Ab und zu stehen dem Spieler Dialogoptionen im Gespräch mit Bill zur Auswahl.


Routinierte Point&Click-Kost ohne spielerische Überraschungen

'Lamplight City' setzt bei den Ermittlungen auf eine Ein-Klick-Bedienung und zwar ohne Inventar. Manchmal gibt es Hotspots, die einen bestimmten Gegenstand erfordern, den wir dann in der Umgebung suchen sollen. Hat die Spielfigur diesen eingesteckt, kann sie ihn mit dem Hotspot gleich direkt kombinieren. Für manche Hotspots gibt es sogar eine Nahaufnahme, wo wir zum Beispiel eine zuvor eingesteckte Pinzette benutzen können, um eine Notiz aus einer Ritze herauszuholen (optional kann man es auch nur per Hand probieren, was womöglich mit der Zerstörung von essentiellem Beweismaterial endet).

Lamplight City

Hin und wieder betrachten wir Hotspots aus der Ich-Perspektive und interagieren damit direkt

Die meiste Zeit verbringen wir damit, Zeugen und verdächtigen Personen zu befragen, oder die Umgebung nach Notizen und dergleichen abzusuchen. Neue Informationen schalten zusätzliche Dialoge oder neue Schauplätze frei. Zwischendurch gibt es – selten aber doch - Rätsel der komplexeren Sorte, wie eine musikalisch kodierte Botschaft. Unterm Strich bewegt sich der Schwierigkeitsgrad aber in einem sehr angenehmen Bereich, ohne übertrieben einfach oder schwer zu sein. Wichtige Hinweise, wie auch verdächtige Personen werden im jederzeit abrufbaren Fallbuch festgehalten, das gut geeignet ist, um die Erinnerung zwischendurch aufzufrischen.

Momente der Ratlosigkeit hatten wir beim Durchspielen kaum und die Logik ist üblicherweise nachvollziehbar. Was 'Lamplight City' am Ende zum wahren spielerischen Höhenflug fehlt, ist ein ausgefeiltes deduktives System, wie man es z.B. von 'Sherlock Holmes: Crimes & Punishments' kennt, wo der Spieler Hinweise gezielt in Beziehung zueinander setzen konnten, um zur Schlussfolgerung zu gelangen.

 

Lamplight City


Entscheidungen und Konsequenzen

Pro Fall warten viele neue Schauplätze und nur ein Bruchteil davon wird in anderen Fällen erneut wiederverwendet. Dank der jederzeit abrufbaren In-Game-Karte mit Schnellreisefunktion gibt es keine lästigen Laufwege, was für den Spielfluss sehr positiv ist. Im kompletten Spiel warten um die 50 Charaktere, von denen wir mit dem Großteil länger plaudern können und es zumeist eine längere Backstory gibt. Nicht alle Gesprächsoptionen sind relevant und manche führen dazu, dass jemand gar nichts mehr mit uns zu tun haben möchte. Einfach nur alle Gesprächsoptionen durchklicken ist so gesehen also nicht immer die beste Entscheidung.

Lamplight City

Auf der Karte gibt es pro Fall immer sehr viele Schauplätze

Manchmal trifft Miles moralische Entscheidungen, u.a. wenn die schuldige Person zwar gefunden ist, er aber sich die Frage stellen muss, ob sie hinter Gittern landen soll oder eine Alternative bevorzugt wird. Abgesehen davon gibt es stets mehrere Tatverdächtige und es ist möglich, voreilig die falsche Person verhaften zu lassen. Für gewöhnlich lassen die Hinweise jedoch sehr eindeutige Schlüsse zu. Falsche Entscheidungen, oder etwa Konflikte mit anderen NPCs (die mit uns im schlimmsten Fall gar nicht mehr sprechen wollen), können die Lösung mancher Fälle enorm erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen.

Um 'Lamplight City' durchzuspielen, muss man nicht alle Fälle richtig lösen. Vereinzelt bleibt etwas Restunsicherheit zurück, ob man vielleicht etwas übersehen hat. Selbst die persönliche Entwicklung von Miles bestimmt der Spieler mit, denn unterschiedliche Enden sind möglich.


Nette Pixel-Präsentation mit starker Vertonung

Lamplight City

Die 2D-Grafik schwankt zwar manchmal ein bisschen, doch einige Orte sehen wirklich gut aus.

Mit dem atmosphärischen Pixel-Look von 'Shardlight' hält 'Lamplight City' nicht ganz mit, die vielen 2D-Schauplätze sehen trotzdem sehr nett aus. Insbesondere tut sich einiges in der liebevoll visualisierten Umgebung: Qualmende Schornsteine, flackernde Öl-Lampen... solche und andere Details sorgen für eine interessante Krimi-Atmosphäre. Kleine Anspielungen an alte Genre-Klassiker wie Sierras 'Gabriel Knight' dürfen dabei ebensowenig fehlen - schon die markanten Charakter-Profile bei den Befragungen erinnern nicht zufällig daran. Einige dieser Profile sehen richtig klasse aus, andere wirken hingegen nicht ganz so detailliert.

Positiv hervorzuheben ist ansonsten der stimmige orchestrale Soundtrack von Mark Benis, der immer wieder gekonnt zwischen ruhigen und dramatischen Passagen wechselt, ganz wie es die durchdachte Krimi-Story gerade braucht. Nennenswerte Schnitzer leistet sich auch die englische Vertonung keine. Ähnlich wie bei 'Unforeseen Incidents' sind nahezu alle Rollen in dieser Sprachfassung punktgenau besetzt und bringen die Dialoge prima zur Geltung. Eine deutsche Vertonung ist nicht geplant, aber deutsche Untertitel sind bei Bedarf verfügbar.


Galerien

Fazit:

Wertung: 85%

Mit 'Lamplight City' ist Grundislav Games ein sehr empfehlenswertes Point&Click-Adventure gelungen, das insbesondere von gut geschriebenen und vertonten Dialogen lebt. Die Story macht zudem genau das, was man sich von einem stimmigen Krimi erwarten würde: Sie lässt einen in fremde Milieus eintauchen, Geheimnisse aufdecken, verschiedene Spuren folgen und Schritt für Schritt näher zur Wahrheit gelangen. Obendrein sorgt der Mix aus Steampunk und viktorianische Setting für eine stimmige Atmosphäre, in die man gern eintaucht. Im spielerischen Bereich gibt es zwar noch Luft nach oben, das ändert allerdings wenig am ansonsten sehr runden Gesamteindruck. Wer Spaß am Ermitteln hat, der kann getrost einen Blick darauf werfen.

geschrieben am 13.09.18, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Lamplight City.




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