Reviews: NAIRI - Tower of Shirin:

Nairi - Tower of Shirin


Ein ganz spezieller Grafikstil, herausfordernde Rätsel und eine spannende Geschichte sind die Zutaten, die der niederländische Indie-Entwickler Home Bear Studio seinem Spiel 'NAIRI: Tower of Shirin' zu Grunde gelegt hat. Speziell die Optik legt nahe, dass das Spiel sich auch für Kinder eignet. Wir haben uns im Test genauer angesehen, ob wir es hier tatsächlich mit einem kindgerechten Adventure zu tun haben oder ob auch Erwachsene ihre Freude mit 'Nairi' haben können.



Eine Entführung, ein mysteriöser Turm und eine alte Zivilisation

NairiScreens

Nairi wächst wohlbehütet auf und erhält Unterricht von Waschbär Sami.

Eines muss man dem Spiel lassen: Es hält sich gleich zu Beginn nicht lange mit großartigen Prologen auf, sondern geht in medias res. Die wohlbehütet aufwachsende Nairi, Tochter eines Politikers, erfährt von ihrem Tutor, dem Waschbären Sami, dass ihre Eltern von der könglichen Garde verhaftet wurden. Sie soll, so Samis Plan, zu ihrem eigenen Schutz fliehen und sich bei dem Kaufmann Frederick auf der anderen Straßenseite verstecken. An sich keine schlechte Idee, doch ausgerechnet in dieser Nacht beschließt eine Bande räuberischer Katzen, Frederick zu überfallen und nebenbei Nairi zu entführen. Die findet sich unversehens in der Wüste wieder und steht erst einmal vor der Aufgabe, einen Weg aus dem Unterschlupf der Katzenbanditen zu finden.

Was wie eine recht konventionelle Geschichte beginnt, von der man erwartet, dass die Hauptaufgabe darin bestehen wird, Nairi und ihre Eltern wieder zusammenzuführen, entpuppt sich relativ schnell als deutlich komplexer. Nairi wird in Ereignisse verstrickt, die mit dem mysteriösen Turm in ihrer Heimatstadt Shirin zu tun haben, an dem eifrig gebaut wird und zu dem niemand Zutritt hat. Eine uralte Zivilisation spielt ebenso eine gewichtige Rolle wie die unterschiedlichen sozialen Schichten in der Stadt sowie ein leicht durchgeknallt wirkender Anführer, der aufgrund seiner Verkleidung nur als „Die weiße Maske“ bekannt ist und der so nebenbei auch noch sektenhafte Züge hat. Dazu gesellen sich Wendungen, die zwar zum Teil vorhersehbar sind, die aber dennoch Spaß machen.

Das klingt nach sehr viel Handlung für ein Spiel, das man in fünf bis sechs Stunden durch hat, und tatsächlich werden auch nicht alle Handlungsstränge am Ende aufgelöst. Im Gegenteil: Einige Fragen bleiben offen. Eine Fortsetzung erscheint somit durchaus im Bereich des Möglichen und ist offenbar auch von den Entwicklern geplant.


Bezaubernde Grafik, schöne Musik

NairiScreens

Die Grafik ist einfach nur bezaubernd.

Die Optik von 'Nairi' hat mich von Anfang an in ihren Bann geschlagen. Sie ist einerseits bezaubernd, andererseits auch sehr putzig. Es steckt sehr viel Liebe zum Detail in den Hintergründen und den Charakteren, die wir meistens aber nur zu sehen bekommen, wenn ein Gespräch geführt werden muss. Ansonsten sind wir in der First-Person-Perspektive unterwegs. Speziell die vielen Tiere, die ganz selbstverständlich auch Bürger der Stadt Shirin sind, haben es mir persönlich ja besonders angetan. Der Grafikstil erinnert teilweise an japanische Mangas, kann dabei aber seine Eigenständigkeit behaupten, ohne wie ein billiger Abklatsch oder eine Kopie zu wirken.

Auch die Musik weiß zu überzeugen. Sie wechselt je nach Standort, kann mal heiter-beschwingt, dann wieder orientalisch und im nächsten Moment etwas bedrohlich sein. Eine Sprachausgabe gibt es nicht. Die Dialoge werden als Untertitel eingeblendet, wobei über das Optionsmenü verschiedene Sprachen, darunter auch Deutsch, eingestellt werden können. Hintergrundgeräusche werden dort eingesetzt, wo sie passen. Dazu gesellt sich ein Vogelzwitschern, das uns anzeigt, dass wir gerade den richtigen Inventargegenstand zur Lösung eines Rätsels in der Hand haben bzw. generell auf dem richtigen Weg sind.


Mühsame Wegfindung, tolle Rätsel

Damit komme ich auch schon zum Gameplay von 'Nairi'. Die Handhabung des Spiels ist denkbar simpel: Mehr als die linke Maustaste braucht man nicht, um 'Nairi' spielen zu können. Eine Lupe zeigt uns an, dass an dieser Stelle etwas untersucht bzw. getan werden kann. Ansonsten hat der Cursor standardmäßig die Form einer Hand, wobei man diese ebenfalls einsetzen sollte – sie dient dazu, versteckte Münzen aufzuspüren, die man im Lauf des Spiels immer wieder mal benötigt.

NairiScreens

Schieberätsel dominieren das letzte Drittel des Spiels.

In einem Inventar, das sich am unteren Ende des Bildschirms befindet, sammeln wir alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist. Gegenstände, die nicht mehr benötigt werden, verschwinden automatisch wieder aus dem Inventar. Wir können Objekte dabei mit der Umgebung, mit anderen Charakteren oder miteinander benutzen. Speziell in der ersten Spielhälfte haben wir es vor allem mit klassischen Inventar-Rätseln zu tun sowie einer Fülle von Dialogen und einigem an Hin- und Hergerenne, da es immer wieder notwendig ist, für andere Figuren eine Aufgabe zu erledigen. Dabei gestaltet sich die Wegfindung speziell in Shirin mitunter etwas unübersichtlich und mühsam. Das liegt in erster Linie daran, dass man dank der First-Person-Perspektive, in der wir die meiste Zeit unterwegs sind, nicht auf den ersten Blick erkennt, aus welcher Richtung man nun eigentlich gekommen ist. Und das führt wiederum dazu, dass man mehr als einmal wieder dort landet, wo man gestartet ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die etwas umständliche Wegfindung in der Stadt, und auch in einem Mini-Labyrinth findet man sich relativ rasch zurecht.

Zu den Stärken des Spiels gehören ganz klar die Rätsel. Während man die ersten beiden Drittel noch problemlos ohne großes Grübeln schafft, sich dafür aber die virtuellen Hacken wund rennt, wird es im letzten Drittel deutlich kniffliger. In einem Heiligtum dürfen wir nämlich mehrere Schieberätsel lösen, die es teilweise echt in sich haben – einfach, weil sich ihre Logik nicht sofort erschließt. Für jedes dieser Rätsel gibt es Hinweise, die man finden und richtig interpretieren muss. Praktischerweise landen sie zusätzlich im Notizbuch, das sich ebenfalls im Inventar befindet. Die meisten dieser Puzzles sind nachvollziehbar und mit einiger Überlegung relativ problemlos zu lösen. In zwei Fällen war mir allerdings überhaupt nicht klar, warum das Rätsel genau so gelöst werden musste, und in diesen beiden Fällen war auch einiges an Trial and Error dabei, weil die Hinweise nicht klar genug waren oder ich sie schlichtweg nicht verstanden bzw. zu kompliziert gedacht habe.

Trotzdem haben mir die Aufgaben im letzten Drittel durchwegs Spaß gemacht. Der Schwierigkeitsgrad zieht dabei gegenüber den ersten Spielstunden deutlich an, allerdings bleiben die Rätsel dennoch fair. Jedes Schieberätsel ist anders als das vorherige, dazu lassen sich Räume verschieben, was notwendig ist, um z.B. einen Durchgang freizulegen oder um an ein Objekt zu kommen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

'NAIRI: Tower of Shirin' ist ein bezauberndes Spiel mit einer durchwegs tollen Optik, die einen von Anfang an in den Bann zieht und an der man sich kaum sattsehen kann. Die verzweigte Geschichte schreit geradezu nach einer Fortsetzung, und die Aufgaben sind, auch wenn sie gegen Ende hin deutlich schwieriger werden, lösbar und fair. Größter Kritikpunkt ist die oftmals verwirrende Wegfindung speziell in Shirin und die etwas langen Laufwege in der Stadt sowie im Mini-Labyrinth. Abgesehen davon habe ich absolut nichts auszusetzen. Die Frage, ob das Spiel auch für Kinder geeignet ist, würde ich durchaus mit einem Ja beantworten – es gibt zwar eine Art seltsamen Kult, es gibt Banditen, es gibt Schläger, und es gibt im erwähnten Labyrinth eine Menge Skelette. Dennoch könnten größere Kinder Freude mit dem Spiel haben, zumal sich Hauptfigur Nairi natürlich auch als ideale Identifikationsfigur für Kinder anbietet.

geschrieben am 14.12.18, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  NAIRI.




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