Reviews: Whispers of a Machine:

Whispers of a Machine


Wir befinden uns in Schweden, wo sich Stadt und Land zusammentun: Der ländliche Ort Hedemora und die Stadt Göteborg beherbergen jeweils zwei Adventure-Entwicklungsstudios. Da wäre Clifftop Games ('Kathy Rain') am Land und Faravid Interactive ('The Samaritan Paradox') am Land. Trotz der Entfernung (ganze 428 km) haben sich die beiden kleinen Studios zusammengetan und arbeiten an 'Whispers of a Machine', um ihre Stärken zu bündeln. Herausgekommen ist ein klassisches Point-and-Click Pixel-Adventure das die Zeit nach dem Zusammenbruch der KI-befeuerten Technik beleuchtet. Was wäre, wenn die KI abgeschaltet werden muss, um den Untergang zu vermeiden? Werfen wir einen Blick auf diese Prämisse.

 

 

Die Zeit nach dem Kollaps der Roboter

 

Dialogoptionen Whispers of a Machine
Schon erste Dialogoptionen beeinflussen die späteren Optionen stark.

Im nordisch angehauchten SciFi-Noir Adventure 'Whispers of a Machine' schlüpfen wir in die Rolle von Special Agent Vera Englund des Central Bureau, oder der Sonderermittlerin des Zentralen Büros. Sie wird in das einsame Kaff Nordsund beordert, der normalerweise typisch friedlich ist. Es geschah aber ein rätselhafter, äußerst gewalttätiger Mord. Kaum kommt Vera an, wird sich mit einem weiteren Mord konfrontiert, der auf die gleiche Art und Weise ausgeführt wurde. Sind wir hier einem Serienkiller auf der Spur? Vera befragt deswegen den hiesigen Polizisten Gabriel. Wir können dabei wählen, ob wir ihn eher einfühlsam, selbstbewusst oder analytisch ansprechen. Je nachdem ändert sich nicht nur das Verhalten mancher Charaktere, sondern auch die weiteren Lösungswese der Rätsel. 

 

Vera Englund ist nämlich eine At Cyborg und mit Implantaten versehen, die ihre Ermittlung erleichtern. Je nach eingeschlagenem Verhalten kann man später beispielsweise das Kurzzeitgedächtnis anderer Charaktere „löschen“. So eröffnet sich ein Wiederspielwert. Gleichzeitig helfen uns die Implantate auch bei der Fallaufklärung, denn per Scanner suchen wir den Tatort ab, per Muskelkraft-Implantat sind wir kurzzeitig stärker oder können die biometrischen Werte anderer messen und so bemerken, wenn jemand lügt. All das kann für die Lösung des Falls eingesetzt werden. Klingt doch einfach, oder? Keine Sorge, der Fall wird innerhalb der vier Tage im Spiel immer komplexer.

 

Pixelig

 

Whispers of a Machine Pixeljagd
Die Jagd nach den versteckten Pixeln.

Ja, gleich auf den ersten Blick sehen wir, dass wir es mit einem Pixel-Adventure zu tun haben. Die Hintergründe wissen zu überzeugen und sind ganz in Ordnung. Die Charaktere stechen leider etwas hervor und wirken manchmal etwas deplatziert. So ganz wollen sie mit den Hintergründen nicht harmonieren. Außerdem nehmen es die Schweden mit SciFi-Noir sehr ernst und so ist betongrau die dominierende Farbe. Einzig der Himmel wirkt farbenfroh und hoffnungsvoll. Es ist eine eher triste Umgebung. Die Sprachausgabe ist dafür ordentlich, wenn auch nur auf Englisch verfügbar. Es gibt deutsche Untertitel, die auf weite Strecken in Ordnung sind, aber manchmal schwere Böcke abschießt. Phrasen wie "messergroße Wunden" sagt niemand auf Deutsch und auch die Satzstellung ist nicht immer ganz so natürlich. 

 

Pixelig ist kann man auch das Rätseldesign nennen. Der Scanner ist nämlich ein relativ kleines Quadrat, das man über die Spielwelt ziehen muss, um so ein paar Pixel gelb leuchten zu lassen: Das sind die Spuren. Falls man keine findet, kann man (und muss man manchmal) das ganze mehrfach machen, denn der Scanner weiß nur auf ein Element, das man ihn wie eine Erweiterungskarte einsteckt. Er kann ein Smart-Scanner sein, der allgemeine Spuren entdeckt, er kann nach einer spezifischen DNA suchen oder nach einem speziellen Muster. Das macht vor allem am ersten Tag manche Szenen zur Pixeljagd. Glücklicherweise kommt das im Laufe des Spiels dann seltener vor, denn dann greifen die verschiedenen Implantate. Je nach Verhalten gegenüber Charakteren, seien es Antworten in Dialogen oder Nettigkeiten, wie das Zurückgeben von geborgten Gegenständen, verändert sich Veras Persönlichkeit. Dadurch kann sie viele Rätsel auf drei verschiedene Varianten lösen. Das hat bei mir weniger den Wiederspielwert gefördert, als vielmehr die eigene Identifikation mit Agent Englund verstärkt. Sie bekommt dann eine Persönlichkeit.

 

Interessantes Setting, akzeptable Story und der gefürchtete Cliffhanger

 

Whispers of a Machine Story
Das Setting und die Meta-Story um die Mordfälle sind gelungen.

Spielbar ist es damit jedoch trotzdem und die Geschichte weiß hier zu entschädigen. Die weiß zu überzeugen und die zentrale Wendung in 'Whispers of a Machine' kommt ziemlich überraschend. Es werden einige Mysterien aufgemacht und man wartet gespannt auf eine Auflösung. Die kommt dann auch nach ungefähr fünf Stunden – leider nicht ganz nach Wunsch. Denn neben den Mordfällen gibt es noch eine Meta-Story über künstliche Intelligenzen. Sollen KIs zurückkehren, waren sie überhaupt schuld am Kollaps oder waren es religiöse Fanatiker, die sie zerstörten? Dann kommt noch die Substanz namens Blue, die allen Charakteren rätselhaft ist und auf deren Spur man auch ist – immerhin leidet Vera an Halluzinationen aufgrund der Substanz. Diese gesamte Meta-Story wird immer weiter aufgebaut und mit dem Mord verwoben. Es bleibt dann ein Cliffhanger am Ende und man verlässt das Spiel ähnlich schlau wie zuvor. Man kann nur hoffen, dass es hier einmal weitergeht, denn diese Hintergrundgeschichte wäre es wirklich wert zu Ende erzählt zu werden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 71%

‘Whispers of a Machine macht nichts ganz richtig, aber auch nichts falsch – außer den Cliffhanger am Ende. Die Rätsel sind in Ordnung, denn Exploration, etwas Hirnschmalz und Dialoge mit Charakteren sind notwendig, um sie zu lösen. Dann kommt gleich zu Beginn mehrfach die Jagd nach gelben Pixeln, die schon kurz sauer aufstößt. Als dann in den nächsten Spieltagen die Story an Fahrt gewinnt und mysteriöse Organisationen auftauchen, rieb ich mir die Hände. Das kann doch nur gut werden! Eine Verschwörungsgeschichte mit der moralischen Frage, ob Maschinen selbst denken dürfen oder nicht. Fantastisch. Dann kam das Ende und ich war gleich schlau als vorher. Ja, die Morde waren gelöst, aber die Geschichte beginnt eigentlich jetzt erst richtig. Ich will wissen, wie es mit Vera Englund weitergeht. Stattdessen ist warten und hoffen angesagt, dass dieses Setting noch einmal verwendet wird. Wer es mit der deutschen Sprache genau hält, wird auch mit den Untertiteln nicht ganz glücklich werden. Ich empfehle es jedenfalls auf Englisch zu spielen – Vertonung und Untertitel sind auch dank Tonregie von Dave Gilbert sehr ordentlich. Das alles macht es schwierig eine Einschätzung zu geben. Es ist ein ordentliches Adventure, das aber doch einige Mängel vorweist. Wer gern Noir-Detektiv-Geschichten hat, kann aber ruhig einmal einen Blick hineinwerfen.

geschrieben am 17.04.19, Peter Färberböck

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