Reviews: The Mystery of Woolley Mountain:

The Mystery of Woolley Mountain


Eine böse Hexe kidnappt ein paar Kinder, einige Zeitreisende versuchen, die Kinder zu retten – die Prämisse für 'The Mystery of Woolley Mountain' ist gleichermaßen schräg wie vertraut. Die Entwickler werben damit, dass das Spiel nicht von dieser Welt ist und niemand Geringerer als Ron Gilbert das Projekt via Kickstarter mitfinanziert hat. Wir haben uns angesehen, was es mit dem Geheimnis von Woolley Mountain auf sich hat.

 


Böse Hexe! Böse!

WoolleyScreen

Ehe wir die Kinder retten können, müssen wir die Crew zusammentrommeln.

'The Mystery of Woolley Mountain' hält sich nicht lange mit Kinkerlitzchen auf, sondern wirft einen direkt ins Geschehen: Wir landen gemeinsam mit VanDamme Laudenkleer am Fuße des Titel gebenden Berges und erfahren, dass eine böse Hexe einige Kinder entführt hat. Laudenkleer ist auf eigene Faust losgezogen, um die Kinder zu befreien, landet aber dummerweise selbst im Verlies der Hexe. Zum Glück hat Garland Vanderbilt mitbekommen, dass Laudenkleer sich in diese Mission gestürzt hat und versucht nun alles, um ihm und den Kindern zu helfen. Dass das nicht so einfach ist, wie es klingt, liegt auf der Hand. Schließlich muss Vanderbilt zunächst einmal die Crew seines zeitreisenden U-Bootes zusammentrommeln und dann das Gefährt fit machen, ehe es überhaupt losgehen kann.

Die Entwickler werben auf ihrer Website damit, dass das Spiel nicht von dieser Welt ist, seltsame Kreaturen, verwirrte Roboter und leicht verrückte Charaktere enthält. Zudem wurde es unter anderem von Ron Gilbert via Kickstarter mitfinanziert. Da kann eigentlich nicht viel schief laufen, sollte man meinen. Leider bietet die Geschichte für erwachsene Spieler nichts wirklich Neues mehr. Dass eine Crew aus mehr oder weniger schrägen Vögeln auszieht, um andere Charaktere zu retten, ist ein alter Hut. Auch die Spleens der Figuren sind nicht unbedingt neu, und teilweise sind die Gags vorhersehbar. Dazu gesellen sich wieder Popkultur-Referenzen, dieses Mal in Form von Minispielen, die alten Arkadenspielen nachempfunden sind, für die Story mit einer Ausnahme nur wenig Bedeutung haben und wohl eine Verbeugung vor dem Genre darstellen sollen.

Die Story hat mich in der ersten Hälfte nicht gefesselt, vielleicht, weil sie zeitweise sehr generisch rüberkam. Und teilweise fand ich sie schlicht und ergreifend zu kindlich. Für jüngere Spieler, sprich, Kinder, ist sie womöglich geeigneter. Erst in Hälfte zwei wird das 2D-Abenteuer unterhaltsam. Wir bekommen es mit Zeitreisen zu tun, und obwohl wir immer wieder damit beschäftigt sind, mühsam unsere Crew zusammenzutrommeln und die Mission voranzutreiben, stellen sich in dieser Phase Spannung und Interesse ein. Dass insgesamt drei Charaktere spielbar sind – wenn auch zeitweise nur kurz -, ist ein nettes Asset, mit dem man anfangs nicht unbedingt rechnet. Am Ende erwartet uns im Point&Click-Abenteuer ein Twist, der das Ganze als runde Sache erscheinen lässt und für die zähe erste Hälfte halbwegs entschädigt.



Kindgerechte Grafik

WoolleyScreen

Die Grafik ist putzig, detailreicht und Geschmackssache.

Die Grafik ist, wie immer, Geschmackssache und in ihrer Knuffigkeit super für Kinder geeignet. Auch für mich war die Optik eines der Highlights des Spiels, obwohl die Darstellung der Hexe beispielsweise sehr klischeehaft ausgefallen ist. Zugleich passt das, denn im Endeffekt haben wir es mit Figuren zu tun, die gezielt bestimmte Klischees bedienen. Schauplätze und Charaktere können sich jedenfalls sehen lassen, vorausgesetzt, man mag putzige Grafik und hat kein Problem damit, dass die Figuren permanent mit dem Kopf wackeln. 

 

Zwar vermittelt die Optik den Eindruck, dass das Spiel auf Kinder zugeschnitten ist, die Sprachausgabe konterkariert das Ganze allerdings. Denn das Englisch, das in 'The Mystery of Woolley Mountain' gesprochen wird, ist durchaus anspruchsvoll. Speziell in der zweiten Spielhälfte reihen sich Wortspiele aneinander, die selbst für Erwachsene mit guten Englischkenntnissen schwierig werden könnten. Das Spiel lässt sich trotzdem durchspielen, denn die Wortspiele beziehen sich in der Regel nicht auf essenzielle Aktionen oder Inhalte des Spiels. Eine Herausforderung können die in der zweiten Spielhälfte vermehrt auftretenden Slang-Ausdrücke und Wortspielereien dennoch sein.

 

I say there, old bean: Von Slang und Idiomen

Damit sind wir bei der Vertonung angelangt. Die meisten Sprecher machen ihre Aufgabe hervorragend, spielen mit unterschiedlichen Dialekten und Akzenten – aber auch dafür muss man eine gewisse Sprachkompetenz mitbringen. Dagegen ist die blecherne, mechanische Stimme von Auto, dem Roboter, Kinderkram. Diese ist grundsätzlich gut gelungen. Muss man allerdings länger mit Auto sprechen – und das ist in der ersten Spielhälfte der Fall -, so kann es passieren, dass man unwillkürlich per Linksklick den Dialog wegdrückt, sobald man die ebenfalls englischen Untertitel gelesen hat, einfach, weil das blecherne Gelaber mit der Zeit mühsam werden kann. Ähnlich erging es mir mit der Hexe. Ihr Sprachduktus ist passend zum Charakter sehr stereotyp und hexenhaft, nervt mitunter aber. Das bessert sich allerdings mit der Zeit, einfach, weil man sich daran gewöhnt und akzeptiert, dass das Spiel mit solchen Stereotypen arbeitet.

WoolleyScreen

Es wird viel geredet.

Musik und Hintergrundgeräusche sind ein eigenes Kapitel. In der ersten Spielstunde empfand ich beides als so nervtötend, dass ich beides kurzerhand abgedreht habe. Die elektronische Musik, die uns vor allem an Bord des U-Boots begleitet, kann enervierend sein. Ähnlich erging es mir mit einigen Hintergrundgeräuschen, die in einer Dauerschleife abgespielt wurden. Auch das strapaziert die Geduld.

 

Weil die Neugier aber überwogen hat, habe ich sowohl Musik als auch Hintergrundgeräusche nach einer Weile wieder eingeschaltet und festgestellt, dass die Untermalung später an Abwechslung gewinnt. Die Musik würde ich dennoch als eher nervig definieren (abgesehen von einer kurzen Metal-Einlage im letzten Drittel des Spiels). Man darf allerdings nicht vergessen, dass sich das Spiel tief vor alten Spieleklassikern verbeugt und der Sound entsprechend angepasst wird. Speziell in der zweiten Spielhälfte hat das dann in Kombination mit Minispielen und Popkultur-Referenzen mehr Laune gemacht. Ganz ehrlich: Das hätte ich nach der ersten Spielstunde nicht erwartet.

 

Riddle me this

'The Mystery of Woolley Mountain' beginnt einfach und steigert sich aber mit der Zeit, was den Schwierigkeitsgrad betrifft. Richtig knifflig wird es jedoch nie – so viel sei vorab verraten. An manchen Stellen muss man ums Eck denken, und es zahlt sich aus, Gesprächen aufmerksam zu lauschen bzw. den Hinweisen des Hauptcharakters Garland nachzugehen. Was mir gefallen hat: Man wird zeitweise auch in die Irre geführt. So stolpert man relativ am Anfang über eine Karte mit mysteriösen Symbolen. Als geeichter Adventurespieler weiß man, was zu tun ist: Man überträgt die Symbole in den neben dem Computer liegenden Notizblock. Nur: Sie spielen überhaupt keine Rolle. Das Ganze ist ein Red Herring, der sich gewaschen hat.

WoolleyScreen

Das Inventar brauchen wir regelmäßig, um Rätsel zu lösen.

Die Bandbreite bei den Rätseln ist beachtlich: Mal müssen wir Inventargegenstände miteinander oder mit einem Gegenstand in der Umgebung kombinieren, dann wiederum müssen wir so banale Dinge erledigen wie ein Leck stopfen oder die richtige Route finden. Wir müssen Zeitreisen durchführen, um Gegenstände einzusammeln, die wir in der Gegenwart brauchen, um z.B. eine lästige Karaoke-Boyband auszuschalten. Wir müssen ein Lebewesen, das nur aus Seil besteht, vor Wölfen retten. Wir dürfen im Labor des U-Boots experimentieren und Schabernack treiben. Es gibt kleine Minispiele, die man einfach so absolvieren kann und solche, die für den Fortgang der Geschichte absolut notwendig sind – in der Regel orientieren sich diese Minispiele an Retro-Spielen, ohne zu sehr in-your-face zu sein.

 

Summa summarum sind die Aufgaben und Rätsel stets logisch. Es gibt keine Dead Ends, kein Game Over. Manche Aufgaben wirken, als wären sie von 'Monkey Island' inspiriert. So muss man z.B. einen alten Seebären bezwingen, indem man mit Hilfe von Seilen Figuren formt, die seine übertreffen – eine abgeschwächte Form des Beleidigungsfechtens. Es gibt auch ein Tonrätsel, bei dem es darum geht, die richtigen Töne zu identifizieren und dann in der korrekten Reihenfolge anzuordnen. Und die letzte Aufgabe erfordert etwas Geschicklichkeit bzw. Tempo, ist aber gut zu schaffen.

 

Das Spiel arbeitet übrigens mit Motivationsschüben: Hat man eine Aufgabe erfolgreich gelöst, führt Garland einen lustigen kleinen Freudentanz auf, und über ihm blinkt entweder das Wort „Bravo!“ oder das Wort „Hooray“. Für erwachsene Spieler ist das mitunter wahrscheinlich befremdlich, für Kinder könnte es wiederum recht gut funktionieren.


Galerien

Fazit:

Wertung: 68%

War die erste Hälfte von 'The Mystery of Woolley Mountain' noch holprig, so hat sich im weiteren Verlauf gezeigt, dass das Spiel durchaus seine Qualitäten hat und Spaß macht. Der schräge Humor ist jedoch nicht jedermanns Sache, und die gehäuft auftretenden Wortspiele bzw. Slang-Ausdrücke in der zweiten Spielhälfte werden nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Die durchdachten Rätsel wurden dafür allesamt logisch in die Handlung eingebettet und der Twist am Ende verleiht dem Spiel eine unerwartete Dimension. Dank der einfachen Handhabung eignet es sich für Adventure-Neulinge und Kinder – sofern diese gut genug Englisch können. Auch die anfangs generische Handlung bessert sich mit der Zeit. Gegen Ende wünscht man sich aber etwas mehr Hintergrundwissen zu den Zeitreisenden und der bösen Hexe. Mit vier bis fünf Stunden Spielzeit ist das Point&Click-Adventure zudem recht kurz geraten.

geschrieben am 15.05.19, Susanne Lang-Vorhofer

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Dieses Review gehört zu  The Mystery of Woolley Mountain.




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