Reviews: Finding Paradise - To the Moon 2:

Finding Paradise


'Finding Paradise' stammt aus dem beliebten 'To the Moon'-Universum von Freebird Games. Im Zentrum stehen wieder Dr. Rosalene und Dr. Watts, die für die Sigmund Corp. arbeiten. Bereits in 'To the Moon' durften wir das Duo durch Erinnerungen steuern. Das Unternehmen verdient das Geld damit, im Sterben liegenden Menschen den Lebenstraum zu erfüllen. Eine emotionale Geschichte ist dabei vorprogrammiert. Wie gut sie uns gefallen hat, sehen wir uns im Test genauer an.

Finding Paradise


Die Sigmund Corp. erfüllt Sterbenden in den letzten Stunden ihren Lebenstraum, allerdings nicht auf herkömmliche Art und Weise: zwei Mitarbeiter dringen in die Erinnerungen des Kunden ein und durchforsten diese solange, bis ersichtlich wird, welche Veränderungen notwendig sind, um das Ziel zu erreichen. Für die Realität ändert sich dadurch nichts. Es geht lediglich darum, die letzten Momente leichter zu machen und ein Gefühl des Bedauerns zu nehmen.

Diesmal trifft es Colin Reeds, den Jungen aus dem 2014 veröffentlichten Spiel 'A Bird Story'. Inzwischen ist er ein alter Mann und liegt unansprechbar im Sterbebett. Seine Familie kümmert sich um ihn, ein Arzt behält seine Lebenszeichen derweilen per Monitor im Auge. Einige Zeit zuvor wandte der pensionierte Pilot sich mit einer paradoxen Bitte an das Unternehmen: die negativen, wie positiven Erlebnisse sollen unberührt bleiben, denn mit seinem Leben ist er streng genommen zufrieden. Was ihm fehlt, wird in diesem Gespräch nicht wirklich deutlich. Doch das ist nicht das einzige, das Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts grübeln lässt...


Emotionale Kost mit tollem Soundtrack

Finding Paradise

Rosalene und Watts werden zu Beginn von der Familie des inzwischen nicht mehr ansprechbaren Klienten begrüßt

Mit über fünf Stunden Spielzeit wird diesmal mehr geboten als bei den Vorgängern, was zugleich dazu führen mag, dass der Twist vorzeitig auf der Hand liegt. Weniger wäre womöglich besser gewesen, um den Überraschungseffekt nicht zu beeinträchtigen. Grundsätzlich bewegt sich die Story aber wieder auf einem ziemlich guten Niveau, trotz sonderbarer Aktstruktur: Der erste Akt umfasst rund 3/4 des gesamten Abenteuers, Akt zwei ist binnen weniger Minuten vorbei, während das Finale dann wieder länger dauert.

Die Erzählungen von Kan Gao, dem Gründer von Freebird Games, leben von zutiefst berührenden zwischenmenschlichen Momenten, die zwischendurch durch verspielt-witzige Situationen aufgelockert werden. 'Finding Paradise' ist keine Ausnahme. Beim Erkunden einer Erinnerung landet man z.B. in einer Sackgasse und Dr. Watts zaubert scherzhaft eine Truhe im 'Zelda'-Stil als Entschädigung herbei. In einer weiteren Szene nimmt sich der Entwickler sogar selbst auf Korn, wenn es um Colins Erlebnisse in 'A Bird Story' geht (dieses Spiel erntete teils harsches Feedback). Es ist also kein übertrieben ernstes Drama, kann aber sehr wohl zu Tränen rühren.

Die starke emotionale Wirkung hängt übrigens sehr stark mit dem wieder einmal grandiosen Soundtrack, der mit tollen Klavierstücken und anderen Kompositionen aufwartet. In einigen Abschnitten habe ich gern mehr Zeit verbracht, einfach nur um länger der Musik zu lauschen. Schon deshalb wird einem nicht so schnell langweilig. Übrigens steht 'Finding Paradise' problemlos für sich und die Geschichte ist in sich geschlossen. Zugleich werden sehr wohl die Weichen für einen neuen Teil gelegt.


Etwas mehr Interaktivität als zuletzt

Finding Paradise

Wichtige Erinnerungen werden freigeschalten, in dem wir das richtige Symbol passend anordnen

Bei 'Finding Paradise' ist das Bemühen ersichtlich, für etwas mehr Interaktivität zu sorgen. Glänzen kann es diesbezüglich nicht, ohne richtig negativ aufzufallen. Optisch erinnert es an alte JRPGs, vom Gameplay her hat es damit aber wenig zu tun und fügt sich gut ins Adventure-Genre ein. Wir suchen Erinnerungen nach Mementos ab (das sind bedeutsame Gegenstände, Ereignisse oder dergleichen), um Barrieren zu einem besonders wichtigen Hinweis zu durchbrechen, der uns Zutritt zum nächsten Erinnerungsabschnitt verschafft. Im nächsten Schritt muss man Symbole richtig anordnen (es ist schwer, hier viel falsch zu machen) und erreicht so den nächsten Bereich. Welcher Hotspot ein Memento freischaltet, das wird vom Spiel automatisch bestimmt. Schade, dass der Spieler hier nicht selbst überlegen darf.

 

Zu Beginn der Geschichte gibt es vereinzelt kleine Entscheidungen zu treffen. Dieses interaktive Element wird aber bald verworfen. Lediglich am Ende experimentiert das kanadische Indie-Studio auf humorvolle Weise mit anderen Elementen, wie Turnbased Combat (der wie ein Rätsel aufgebaut ist) oder etwa Shoot-'em-up-Gameplay. Hier ist mitunter Geschicklichkeit gefordert und die Steuerung könnte bei diesen Aufgaben besser sein (teilweise muss man hier auf die Tastatur zurückgreifen) - richtig schwer sind sie aber nicht und es ist schnell vorbei.


Nette Umsetzung

Finding Paradise

Dr. Watts baut immer wieder kleine Gags in die Simulation ein - hier zum Beispiel einen Charakter-Editor

Im Hinblick auf die technische Umsetzung wird das Potenzial der limitierten RPG-Maker-Engine nahezu optimal ausgeschöpft. Freebird Games hat sich sichtlich weiterentwickelt und manche der 2D-Schauplätze sind stimmungsvoll gelungen. Zwar setzt die Grafik auf ein 4:3-Bildformat, sie wird aber bei Bedarf automatisch zu einem 16:9 in die Breite gestreckt und sieht dabei sogar deutlich schicker ist. Natürlich ändert das wenig daran, dass dieser Retro-Look nicht jedem zusagen wird.

Die Fortbewegung per Maus erfüllt ihren Job halbwegs zufriedenstellend, richtig flüssig funktioniert sie nicht. Immerhin werden beim Bewegen des Cursors schnell die Hotspots ersichtlich. Wer lieber nur per Tastatur erkundet, der tut sich beim Entdecken vermutlich ein bisschen schwerer. Nur gegen Ende sieht man sich als Maus-Veteran ein paar Mal gezwungen auf die Tastatur zu wechseln. Controller werden nicht unterstützt.

Während der Soundtrack herausragend ist, gibt es nur Untertitel und keine Sprachausgabe (Deutsch wird unterstützt). Die Textmengen sind immerhin überschaubar und verzichten auf unnötige Ausschweifungen. 'Finding Paradise' liest sich recht angenehm und der sehr verspielte Humor hat selbst in der deutschen Fassung überlebt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 75%

Wie schon 'To the Moon' erzählt 'Finding Paradise' eine berührende Geschichte, die u.a. sehr von der hervorragenden musikalischen Vertonung lebt. Es hilft den Vorgänger sowie 'A Bird Story' gespielt zu haben, das 2D-Adventure funktioniert aber problemlos ohne Vorwissen. Leider hat mir diesmal der Überraschungseffekt gefehlt, denn der Twist ist vorhersehbar (wer dieses Problem nicht teilt, der wird natürlich deutlich besser auf seine Kosten kommen). In spielerischer Hinsicht fällt das Sequel zudem immer noch recht dünn aus. Im Finale tut sich dafür einiges und die Erzählung bietet genug schöne Momente, um trotzdem bis zum Schluss bei Laune zu halten. Für Fans der Reihe ist es sowieso ein Must-Play, denn die Weichen für das nächste Abenteuer werden gestellt.

geschrieben am 12.06.19, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Finding Paradise.




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