Reviews: Gibbous:

Gibbous


Rund drei Jahre nach der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne (eingenommen wurden damals etwa 48.000 Euro) ist 'Gibbous: A Cthulhu Adventure' fertig. Das Erstlingswerk des Indie-Studios Stuck In Attic versucht Lovecraft und Humor miteinander zu verbinden und setzt dabei auf Point&Click-Gameplay. Bei diesem Comic-Abenteuer geht es um das sagenhafte Necronomicon, einen sonderbaren Kult und eine sprechende Katze. Wie sehr es uns überzeugen konnte, das erfahrt Ihr nun im Test.


Den Anfang macht Privatschnüffler Don R. Ketype. Dieser wirkt, als käme er geradewegs aus einem Noir-Krimi - samt rauchiger Stimme, Regenmantel und Dreitagesbart. Sein Job ist es, das Grimoire Necronomicon zu finden. Im Zuge seiner Ermittlungen landet er in der Bibliothek von Darkham, wo er auf den naiven Bibliothekar Buzz Kerwan trifft, der die Existenz des gesuchten Buchs stark anzweifelt. Kurz darauf überschlagen sich jedoch die Ereignisse, was den jungen Skeptiker zum rapiden Umdenken zwingt: Vor den Augen des Bibliothekars wird der Detektiv von Kultmitgliedern entführt und die Bibliothek verwüstet. Damit nicht genug, denn eher zufällig als absichtlich stolpert er selbst über das Necronomicon.


Kitteh und das Necrononmicon

Gibbous

'Gibbous' ist vollgepackt mit kleinen Gags

Gelangweilt vom eigenen Alltagstrott, entschließt Buzz sich schließlich zu einer waghalsigen Rettungsmission sowie dazu, zuhause einen Blick in das Zauberbuch zu werfen. Dass es keine kluge Idee ist, Fremdworte aus so einem Werk laut auszusprechen, wird ihm erst bewusst, als seine stinksaure Hauskatze Kitteh wie aus heiterem Himmel zu sprechen beginnt.

Sie erwartet von ihm, dass er diesen Unfall schleunigst wieder rückgängig macht. An der Sprache der Menschen hat sie nämlich kein Interesse. Ganz so einfach gestaltet sich dieses Unterfangen freilich nicht, denn der Zauber ist sehr mächtig. Obendrein wird bald deutlich, dass hier viel mehr auf dem Spiel steht, denn Dagons Gefolgsleute lauern überall.

 

Mit sieben bis neun Stunden bietet das bunte Abenteuer eine solide Spieldauer. Ein mögliches Sequel wird angeteasert und ein paar Fragen bleiben offen. Das Ende kann aber für sich stehen.


Drei Protagonisten und unzählige Pointen

Gesteuert wird in klassischer Point&Click-Manier, per Maus und Münzinterface (ähnlich wie in 'Monkey Island 3'). Die meiste Zeit verbringen wir mit Buzz Kerwan, der von Kitteh begleitet wird. Im Gegensatz zum Bibliothekar ist die freche Katze mit dem schwarzen Fell nicht direkt steuerbar. Sie lässt sich aber mit Hotspots kombinieren und in Gespräche verwickeln. Für schwer erreichbare Gegenstände kann sie durch ihre Geschicklichkeit nützlich sein. Dazwischen gibt es einige Abschnitte mit Don Ketype. Einen vierbeinigen Begleiter hat der Detektiv nicht, dafür eine besondere Gabe: Er kann frühere mit einem Hotspot zusammenhängende Erinnerungen abrufen, was wertvolle Hinweise bedeuten kann.

Gibbous

Detektiv Ketype lernt den jungen Buzz auf der Suche nach dem Necronomicon eher zufällig kennen

Charaktere und Schauplätze gibt es in 'Gibbous: A Cthulhu Adventure' reichlich. Die Entwickler verlassen sich teils jedoch sehr auf Pointen und Anspielungen, wodurch sowohl die Geschichte als auch die Charaktere etwas auf der Strecke bleiben. In einem Abschnitt geht es zum Beispiel darum, einen eben erst vorgestellten NPC zum Rap-Battle herausfordern. Abseits von Reimen hat dieser nichts zu melden und spielt danach keine nennenswerte Rolle mehr. In solchen und anderen Momenten wäre mehr möglich gewesen und es ist schade, dass manche Persönlichkeiten nicht besser zur Geltung kommen.

 

Kitteh stellt die löbliche Ausnahme dar. Ihre eingebildete wie schlagfertige Persönlichkeit wird im Spiel greifbar dargestellt und sie weiß mit trockenem Humor zu glänzen. Auf diese Weise sorgt sie dafür, dass die Abschnitte mit Buzz spaßig bleiben. Für ihre Synchronisation wurde zudem die ideale englische Sprecherin gefunden. Gleiches gilt nicht für alle weiteren Rollen, obgleich die Sprachausgabe professionell aufgenommen wurde. Die Akzente wirken manchmal gekünstelt und bei Don Ketype hat mich der rauchige Klang der Stimme zu Beginn irritiert, zumal der Sprecher deutlich jünger klingt als die Spielfigur. Deutsche Untertitel sind immerhin verfügbar.


Wunderschöne Comic-Grafik mit gelungenem Soundtrack

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Touristen sind in dieser Welt nicht gern gesehen. Small Talk über das Wetter darf trotzdem nicht fehlen...

Während die narrativen Elemente Luft nach oben haben, bereiten die toll gezeichneten 2D-Schauplätze Freude. Selbst die Animationen sind ordentlich und es gibt kurze animierte Zwischensequenzen. Stuck In Attic schafft es, dem Lovecraft-Thema visuell gerecht zu werden, ohne zu düster zu werden und ohne den Humor aus den Augen zu verlieren. Abgerundet wird der positive Gesamteindruck vom Soundtrack, der gut mit dem Geschehen harmoniert.

Zwar werden regelmäßig Cthulhu-Aspekte aufgegriffen, mit Horror hat 'Gibbous' aber nichts zu tun und bleibt friedlich. Das Point&Click-Adventure funktioniert selbst ohne Lovecraft-Knowhow gut, zumal es vollgepackt ist mit Anspielungen auf die Popkultur und anderen Gags. Ab und zu übertreiben es die Entwickler allerdings: Der Privatdetektiv läuft zum Beispiel fast ständig ohne Schuhe herum, was zu Beginn für ein Schmunzeln gut sein mag, auf Dauer aber aufgesetzt wirkt.


Klassische Genre-Kost

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Das Finale ist nicht schwer, aber trotzdem nett - hier müssen wir die Form von Buzz und Kitteh an die Umgebung anpassen, um ans Ziel zu gelangen.

Die Spieldauer ist davon abhängig, wie gründlich man sich in der Umgebung umsehen und ob man alle Gesprächsoptionen hören möchte. In den diversen Schauplätzen gibt es einiges zu betrachten und die Spielfigur hat pro Hotspot mehrere Kommentare auf Lager, die amüsant sein können (solange das Auge-Symbol im Münzinterface offen ist, kann man etwas Neues erfahren). Wer keine Lust hat, den Bildschirm nach Interaktionsmöglichkeiten abzutasten, der kann sich mit der Hotspot-Anzeige behelfen, die alles sichtbar macht. Der Schwierigkeitsgrad wird gegen Ende einen Ticken anspruchsvoller, bleibt aber trotzdem casual.

 

Allerdings gibt es zwei Übersetzungsrätsel, an denen man sich stoßen kann. Beim wohl interessantesten Rätsel geht es um das Übersetzen einer fremden Symbolsprache. Verwirrend ist hier allerdings, dass ein Teilhinweis für einen dreistelligen Code in der deutschen Übersetzung aus vier Buchstaben besteht. Dieser ist nicht essentiell für die Lösung (und der andere, wichtigere Teilhinweis ist in beiden Sprachen dafür identisch), kann aber ablenken. Nicht ideal ist abgesehen davon ein Rätsel mit einigen lateinischen Büchern, bei dem es darum geht, die richtigen Worte auszuwählen. Mit der Zeit weiß man, wie es gedacht ist, aber als Nichtlateiner war diese Aufgabe für mich zunächst enorm abschreckend. Machbar ist aber beides.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

Mit 'Gibbous' ist Stuck In Attic ein interessantes Debüt gelungen, welches v.a. in Sachen Präsentation und Humor zu glänzen vermag. Das Rätseldesign überzeugt nicht immer, kann aber trotzdem sehr passabel unterhalten. Knackig wird es jedoch kaum.

Bei der Story und den Charakteren verlieren sich die kreativen Macher zwischendurch gerne im Feuerwerk an Gags und Anspielungen, was auf Kosten der Substanz geht. Dafür wächst einem Kitteh mit ihrer charmant eingebildeten Art rasch ans Herz und hält bei Laune.

Wer Humor und Cthulhu liebt, der ist bei 'Gibbous', trotz so mancher Kritikpunkte, an der richtigen Adresse. Und selbst wer mit Lovecraft wenig am Hut hat, der könnte damit gut unterhalten werden, zumal die Anspielungen sich nicht nur darauf beschränken. In Sachen Humor zählt es wahrscheinlich zu den besten Point&Click-Adventures der letzten Jahre.

geschrieben am 05.08.19, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Homepage
Projektseite bei Kickstarter (erfolgreich)


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Dieses Review gehört zu  Gibbous.




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Kommentare 4
Frogmeetsdog
06.08.2019, 20:29

Freu mich schon seit langem auf den Titel - Hab zwar auf härtere Rätsel gehofft, aber sieht trotzdem ganz gut aus, auch wenn die 90+ reviews von zwei anderen Publikationen doch etwas übertrieben wirken.

Bild kann ich mir ab mirgen ja selber machen, aber ein erhofftes neues Monkey Island 3 wird‘s wohl doch nicht werden. Aber immerhin so weit wohl doch eines der besten Point and Click releases dieses Jahr.

rcatcorner
07.08.2019, 17:52

Die Animationen sind 5 Trillionen Mal besser als z.B. bei Daedalic. Bzw. sind das hier überwiegend Bild für Bild Animationen, wie sie auch in Curse of Monkey Island verwendet wurden. Man merkt, dass die Macher Animatoren sind.

Jehane
07.08.2019, 20:55

Bei mir installiert's grade - ich bin gespannt :)

Ebi
29.09.2019, 16:02

Habe das Spiel jetzt gespielt und bin zufrieden. Der Humor war in der Tat super und die Grafik toll. Die Animationen, wie schon erwähnt, sehr schön, und die Stimmung (das Wichtigste bei einem Adventure) insgesamt gut.

In der Kontinuität gab es noch Luft nach oben. Die Immersion war nicht durchgehend. Das lag an leichten Sprüngen oder Undeutlichkeiten in der Story. Die war keineswegs schlecht, hätte aber an zwei, drei Stellen noch ein wenig dichter sein können.
Mit mehr Mitteln und Leuten ausgestattet (also nicht mehr nur drei Leute), könnte der zweite Teil also noch mal einen Sprung nach vorne machen. Die Ansätze sind top. Absolut spielenswert!


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