Reviews: A Place for the Unwilling:

A Place for the Unwilling


‘A Place for the Unwilling‘ ist ein narratives Adventure des Indie-Labels AlPixel Games. Die hier erzählte Geschichte führt uns ins Herz einer Stadt, deren Tage aufgrund sozialer Machtkämpfe und Korruption gezählt zu sein scheinen. Das spanische Entwicklerteam verspricht uns in den folgenden Stunden ein erzählerisches Erlebnis mit verschiedenen Enden und tiefgründiger, abwechslungsreicher Story. Wir haben das Spiel für Euch getestet.


Die Stadt

Hauptcharakter sind wir, der Spieler. Mittels einer Charaktererstellung wählen wir zu Beginn unser Geschlecht, unseren Namen und unsere Anrede. Unser Beruf ist immer Händler. Das Testament unseres Kindheitsfreundes Henry hat uns ins Herz einer viktorianischen Stadt geführt. Er hat sich umgebracht, doch die Motive hinter seinem Tod sind seinen Verbliebenen bisher im Verborgenen geblieben. Also versuchen wir seinen rätselhaften Selbstmord aufzuklären. Aber die Stadt hält noch mehr Geheimnisse für uns bereit. Soziale Unruhen erschüttern die Gesellschaft, Henrys Mutter und seine Witwe Julia scheinen ebenfalls unaussprechliche Geheimnisse zu haben und die örtliche Polizei sticht nicht mit ihrem Gerechtigkeitssinn, sondern mit ihrem Hang zu Gewalt und Korruption hervor.

Was wir zu Beginn nicht wissen: Insgesamt bleiben uns 21 Tage in der Stadt, in denen es gilt unsere Fragen zu beantworten. Natürlich können wir auch jederzeit früher die ungastliche Atmosphäre der Stadt wieder verlassen und das Spiel zugunsten eines Neuanfangs beenden. Bereits in unserer ersten Nacht besucht uns unserer toter Freund Henry im Traum. Sein Erscheinen lässt uns mit mehr Fragen als Antworten zurück und es wird nicht sein letzter Besuch in unseren Träumen gewesen sein.


Der König in Gelb

{A Place for the Unwilling}

Ein neues Stück im Theater ist Gesprächsthema in der Stadt.

Und dann ist da noch die geplante Aufführung des Theaterstückes „Der König in Gelb“. Wer mit H. P. Lovecrafts Geschichten um den Cthulhu-Mythos vertraut ist, ahnt vielleicht in welche Richtung uns die Geschichte führen wird. Und tatsächlich werden wir sehr eindrücklich, aber auch sehr unaufdringlich mit Nebeneffekten möglicher Mythos-Begegnungen konfrontiert. Im Verborgenen gilt es okkulte Geheimnisse, rituelle Morde und unmögliche Absonderlichkeiten aufzuspüren und zu verstehen. Und vielleicht ein Ticket für die Aufführung zu erwerben.

‘A Place for the Unwilling‘ ist optisch gesehen in jedem Fall ein sehr hübsches Spiel. Handgezeichnete 2D-Grafiken bieten wundervolle, charismatische Charaktere und ein einzigartiges Stadtsbild. Auch an kleinen Details fehlt es der Kulisse nicht. Mir gefällt die Grafik richtig gut, dennoch passt sie visuell nicht immer zur Geschichte. Tendenziell finde ich den gewollten Kontrast zwischen optisch heiler Welt und okkult-mystischem Hintergrund aber gut gelungen.


Schwache Steuerung

Wer jetzt denkt „Klasse! Das klingt aber nach einer guten Geschichte“ hat völlig Recht. Leider können die Tage in ‘A Place for the Unwilling‘ aber sehr lang und die Nächte dementsprechend kurz werden… Werfen wir einen Blick auf das Gameplay:

{A Place for the Unwilling}

Auf der Taschenuhr links können wir die aktuelle Tageszeit sehen, rechts befinden Sie die Spielermenüs.

Da wäre zum einen die äußerst "kreative" Steuerung. Mit den Pfeiltasten bewegen wir uns durch die Stadt. Mit den Tasten Q, W, E, A, S und D Steuern wir die Menüs. Die Aktionstaste ist den meisten Fällen das S. Die Auswahltasten wechseln zwischen Q und E sowie A und S. Insgesamt können wir so vier verschiedene Menüs steuern: Übersichtskarte mit Schnellreisemenü, Tasche mit Archiv und Gegenständen, Tagebuch und Handelsmenü. Und im schlimmsten Fall (wenn man aus Versehen mal die falsche(n) Taste(n) erwischt) kann man alle vier Menüs gleichzeitig und übereinander öffnen.

Das ist genauso chaotisch wie es klingt und zugleich furchtbar frustrierend. Hier hätten man sicherlich eine bessere und spielbare Lösung finden können. Controller-Support gibt es immerhin, womit es womöglich etwas besser von der Hand geht. Testen konnten wir die Controller-Steuerung aber nicht. Zumindest haben die Entwickler vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass es in Zukunft Verbesserungen, wie etwa eine manuell anpassbare Tastenbelegung, geben soll.

Viele Dinge in der Stadt lassen sich untersuchen, klassische Point-and-Click Interaktion gibt es nicht. Leider bringt das Untersuchen von Gegenständen oft keinen sichtbaren Mehrwert der Story. Gespräche sind der zentrale, erzählerische Spielmechanismus. Doch die Geschichten sind gut. Sie sind wundervoll erzählt, schlüssig und hintergründig. Gespräche wirken sich auf unser Umfeld aus und auf unseren sozialen Status. Bisher ist ‘A Place for the Unwilling‘ mit englischen und spanischen Texten erhältlich. Eine deutsche Lokalisierung fehlt also.


Lange Tage, kurze Nächte

{A Place for the Unwilling}

Gespräche sind wichtig und eröffnen uns verschiedene Interaktionsmöglichkeiten.

Bei diesem narrativen Adventure geht es v.a. um soziale Interaktion und das Aufbauen von Beziehungen, um an Antworten zu kommen. Zeit spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wir beginnen unsere Tage immer gegen 9 Uhr morgens. Ab 18 Uhr können wir schlafen gehen und den Tag beenden. Im Journal werden sowohl kurzfristige, tagesbezogenen Aufgaben als auch langfristige Aufgaben festgehalten. Können wir etwas an einem Tag nicht erledigen, haben wir oft am Tag darauf auch keine Gelegenheit mehr dazu. Das ist sehr schade, da Charaktere auf halb erledigte Aufgaben gar nicht weiter eingehen. Ob wir etwas zu tun haben, wie z. B. der Besuch einer Party, ist ganz vom jeweiligen Tag abhängig. Einige Aufgaben sind schnell erledigt, andere benötigen den ganzen Tag. Die Stadt ist groß und oft kommt viel langweilige Laufarbeit auf uns zu.

Natürlich lassen sich einige Wege auch per Kutsche abkürzen. Doch dafür benötigen wir Geld, das beim Handeln verdient wird. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Händler in der Stadt, die uns die gleichen Waren zu den gleichen Preisen verkaufen. Kaufen wir preiswert ein, können wir durch vernünftigen Verkauf eine Menge Profit machen. Unsere Einnahmen können wir dann in unsere soziale Stellung, städtische Projekte, Menschen oder Kutschfahrten investieren. Leider fehlt es diesem System an Dynamik und es kommt schnell Langeweile auf. Hat man einmal die besten Handelswege gefunden, genügt das einfache Ablaufen, Ankaufen und Verkaufen.

Der ganze Spielmechanismus bringt leider 21 lange, sich ständig wiederholende Tage mit sich. Immer tun wir das gleiche. An einigen Tagen haben wir auch nichts zu tun. Unsere Tage abzukürzen ist leider unmöglich, eine Uhr zeigt uns jedoch die aktuelle Uhrzeit. Haben wir um 14Uhr nichts mehr zu tun, müssen wir trotzdem bis 18Uhr warten, um den Tag zu beenden. Für einen kompletten 21-Tage Durchlauf habe ich in Summe knapp zehn Stunden benötigt. Ich empfinde die Spielzeit in diesem Fall als sehr problematisch. Es gab nämlich viele Stunden an denen ich nichts tun konnte als die Zeit verstreichen zu lassen, um endlich mit der Story weitermachen zu können. Charaktere wollten nicht mit mir interagieren oder waren erst gar nicht auffindbar. Tagesaufgaben gab es keine. Das kann schnell Langeweile und Frust erzeugen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 60%

Die Geschichte von ‘A Place for the Unwilling‘ hat mir gut gefallen. Die grafischen und erzähltechnischen Kontraste zwischen heiler Welt und okkultem Horror halten bei Laune. Auch die Grafik habe ich schnell liebgewonnen. Allerdings machen die zuvor erwähnten Gameplay-Defizite das Spiel für mich persönlich nahezu unspielbar. Insgesamt sollen zehn verschiedenen Enden freischaltbar sein. Leider habe ich es in zwei Durchläufen nicht geschafft, zwei unterschiedliche Enden zu erreichen. Die sich ständige wiederholende Gameplay-Routine ist mehr als anstrengend und in Kombination mit der unmöglichen Steuerung eine echte Zumutung. Schade um das Potenzial.

geschrieben am 23.08.19, Christiane Biederbeck

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Dieses Review gehört zu  A Place for the Unwilling.




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