Reviews: Afterparty:

Afterparty


Mit dem Debüt-Adventure 'Oxenfree' hat Night School Studio 2016 einen Volltreffer gelandet. Umso gespannter waren wir, ob ihr neues narrativ orientiertes Spiel 'Afterparty' an diesen Erfolg anknüpfen kann. Diesmal verschlägt es uns geradewegs in die Hölle, wo wir zusammen mit Milo und Lola von Bar zu Bar ziehen, um eine Audienz bei Satan zu bekommen. Alles Weitere sehen wir uns im Review an.


Eben noch auf einer Studentenparty unter den Lebenden, im nächsten Moment mausetot bei der Anmeldung zur Hölle. Es geht Schlag auf Schlag für Milo und Lola. Die miteinander befreundeten Hauptfiguren von 'Afterparty' können sich nicht an den Grund für ihr vorzeitiges Ableben erinnern. Unklar ist auch der Grund für ihren Gang in die Hölle. Waren sie tatsächlich böse oder hat jemand einen Fehler gemacht?

Afterparty

Milo und Lola können einiges an Alkohol vertragen

Glücklicherweise hat der für die Zuteilung der Neuankömmlinge zuständige Angestellte gleich Feierabend und schickt das Duo aus purer Bequemlichkeit auf eine Erkundungstour im feurigen Zuhause. Die Hölle erstreckt sich über mehrere kleine Inseln. An Bars mangelt es dort nicht und alles ist kostenlos. Damit dieser Trip nicht zu gemütlich ist, wird ihnen ein persönlicher Dämon namens Wormhorn zugeteilt, der in offene Wunden ihrer Vergangenheit bohren soll. Ein bisschen Strafe muss sein.

Für Milo und Lola steht fest, dass sie diesen Ort schleunigst verlassen wollen. Nur wie soll das gehen? Taxifahrerin Sam erwähnt ein Schlupfloch: Wer Satan im Trinkspiel besiegt, der darf offenbar wieder zurück in die Welt der Lebenden. Ob das nun stimmen mag oder nicht, die beiden Freunde wollen es versuchen. Für eine Audienz beim Chef braucht es die Unterstützung der anderen Fürsten der Unterwelt. Dabei lernen wir nicht nur viel über die Konflikte im Jenseits und das Verhältnis zwischen Gott und Luzifer. Die Freunde erfahren auch mehr über sich und ihr Ableben...


Witzige Story, gewohnt dünnes Gameplay

Afterparty

Mit dem Taxi werden wir von Insel zu Insel befördert

'Afterparty' lebt von witzigen Charakteren und den recht filmtauglichen Dialogen. Die Story greift ein aus Film und Fernsehen vertrautes Setting auf, verleiht diesem durch das alkohöllische Thema aber einen unverbrauchten Touch. Die Macher verzichten auf zähe religiöse Debatten und konzentrieren sich auf greifbare zwischenmenschliche Konflikte. Ähnlich wie in 'Oxenfree' verbringen wir die meiste Zeit damit, von A nach B zu gehen und Gespräche zu führen. Dabei wechseln wir häufig zwischen Milo und Lola hin und her (beide werden abwechselnd gesteuert), in deren Freundschaft nicht alles eitel Wonne ist. Und selbst die Fürsten der Hölle känmpfen mit alltäglichen Problemen, wie zum Beispiel Liebeskummer. Im Hinblick auf die Spielzeit ist übrigens mit fünf bis sieben Stunden zu rechnen.

Abseits von Dialogen und Entscheidungen wird viel Zeit mit dem Erkunden der Inseln verbracht. Das geht jedoch mit einigen Leerläufen einher, denn die Laufwege sind lang und im Gegensatz zum Debüttitel des Studios geht den beiden Hauptfiguren für gewöhnlich bald der Gesprächsstoff aus. Dass man gewisse Laufwege drei-, viermal zurücklegen muss, ist auch nicht förderlich. Schade, denn die Spielwelt wirkt durchaus belebt und einiges hier würde sich zur Interaktion anbieten.


Keine Rätsel, aber dafür ein paar Minigames

Afterparty

Die Minigames dienen zur Auflockerung. Gewinnen ist nicht unbedingt erforderlich.

Echte Rätsel gibt es in diesem Adventure nicht, doch für manche Gespräche braucht es den richtigen Cocktail für den gewünschten Effekt. Wie funktioniert das? Nach einem kleinen Schluck wird die zum Drink passende Gesprächsoption im Gespräch ersichtlich. Dabei gibt es Cocktails um mutiger zu werden, liebenswerten Charme zu vermitteln, zum gemeinen Bully zu mutieren, wie ein Pirat zu sprechen und vieles mehr. Leider kann man in der Regel nicht alle Varianten testen, da es in jeder Bar an Gesprächspartnern mangelt.

Vereinzelt gibt es in 'Afterparty' Trinkspiele: Zum Beispiel werfen wir einen Ball in einen Becher und verunsichern unser Gegenüber mit Hilfe eines Cocktails oder stapeln im betrunkenen Zustand mehrere Gläser aufeinander. Das erfordert ein wenig Geschick, ist zum Durchspielen der Geschichte aber nicht essentiell und kommt selten vor. Gleiches gilt für ein Tanzspiel, bei dem vorgegebene Tastenfolgen via Controller (oder Maus und Tastatur) unter Zeitbeschränkung zu wiederholen sind.


Entscheidungen und inhaltliche Verzweigungen

Afterparty

An jeder Bar gibt es recht unterschiedliche Cocktails, die jeweils einen eigenen Effekt im Gespräch haben

Manche Entscheidungen gestalten sich in moralischer Hinsicht gar nicht so einfach, zumal stets die Möglichkeit mitschwingt, dass alles nur ein Test sein könnte, eine fiese Endlosschleife, oder was auch immer. Will man eine unschuldige Person also zur Hölle verdammen, nur um ein Ziel zu erreichen? Will man ein dämonisches Paar wieder vereinen, auch wenn diese Kombination nicht wirklich gesund erscheint?

Darüber hinaus bietet die Geschichte kleine Verzweigungen, die den Wiederspielwert erhöhen sollen. In manchen Schlüsselmomenten entscheidet der Spieler selbst darüber, welche Hauptfigur das Kommando in einem sehr wichtigen Gespräch haben soll. Das wirkt sich auf die Unterhaltung aus. Auch beim Bewältigen einer Aufgabe gibt es teils zwei Herangehensweisen, wobei die Optionen in der Regel eindeutig auf der Hand liegen. Bei einer Aufgabe hat man zum Beispiel die Wahl, entweder im Gespräch einen Streit anzuzetteln, oder ein Trinkspiel zu gewinnen. Auf der Suche nach einer Einladung stehen uns auch zwei Gesprächspartner zur Auswahl, die jeweils auf einer anderen Insel wohnen. Angesichts der Laufwege, in Kombination mit dem schlichten Gameplay ist es allerdings fraglich, ob man nur deshalb einen weiteren Durchlauf wagen möchte.


Nette Umsetzung mit ein paar Bugs

An der Steuerung gibt es wenig auszusetzen. Die meiste Zeit gehen wir ohnehin nur nach links und rechts, wechseln die Etage, wählen Gesprächsoptionen aus und bestellen Cocktails an der Bar, die wir später per Tastendruck Schluck für Schluck trinken. Die vereinzelt auftauchenden Minigames erfordern ein wenig Geschick und Timing, sind steuerungstechnisch aber simpel. Sterben ist im Spiel dafür nicht möglich (Milo und Lola sind ja schon tot) und hat man einen Abgrund erreicht, bleibt die Spielfigur automatisch stehen. Leider war das feuchtfröhliche Abenteuer zum Release nicht frei von Bugs. Wir sahen uns zweimal zu einem Neustart gezwungen und bei der Auswahl der Cocktails gab es manchmal Probleme mit der Steuerung (wir konnten keinen anderen Cocktail auswählen). Die automatischen Speicherstände liegen zudem nicht immer nahe beisammen und es gibt keine manuelle Speicherfunktion.

Afterparty

Manche Höllen-Bewohner posten ihren Status öffentlich, der dann im Menü aufscheint. Dem Gameplay gelingt es jedoch nicht, mit diesem Element viel anzufangen.

Stilistisch erinnert die 2.5D-Comic-Grafik ein wenig an 'Oxenfree', wobei die Charaktere diesmal größer im Bild zu sehen sind und im Hintergrund mehr Bewegung herrscht. Die Texturen wirken aus der Nähe mitunter altbacken und die Gesichter könnten detaillierter sein. Abgesehen davon vermittelt die Grafik aber eine sehr nette Stimmung und die Musik sorgt für die passende Untermalung des Party-Abenteuers.

Bei der englischen Vertonung tummeln sich viele vertraute Stimmen, wie zum Beispiel Dave Fennoy (bekannt als Lee Everett in 'The Walking Dead'), Erin Yvette (Snow White in 'The Wolf Among Us') und Ashly Burch (Chloe Price in 'Life is Strange'). Lola wird wiederum sehr passend von Filmschauspielerin Janina Gavankar ('True Blood', 'Sleepy Hollow' oder zuletzt im Spiel 'Star Wars: Battlefront II' zu sehen) verkörpert. In diesem Bereich kann 'Afterparty' problemlos mit jeder AAA-Produktion mithalten und schlägt sich großartig. Bislang gibt es keine deutschen Untertitel. Bei Oxenfree wurden diese einige Zeit später nachgereicht, es besteht also Hoffnung.


Galerien

Fazit:

Wertung: 77%

'Afterparty' könnte hervorragend sein, wären da nicht die interaktiven Leerläufe zwischendurch. Die Umgebung ist visuell belebter als in Night School Studios 'Oxenfree', doch es gibt üblicherweise weniger zu tun, weniger Gespräche zu führen. Am Anfang passt die Mischung, dann geht dem Abenteuer etwas die Luft aus. Insbesondere mit den Cocktails hätte ich gerne mehr experimentiert, aber nach einem Drink fehlen die Gesprächspartner für weitere Tests. Stattdessen laufen Milo und Lola manchmal minutenlang wortlos durch die Gegend, um die nächste Destination zu erreichen. Die Größe der Spielwelt ist so gesehen kein Vorteil und lenkt mitunter von den narrativen Stärken ab. Die exzellent vertonten Dialoge sind nämlich wieder unterhaltsam und die Story hält gut bei Laune, mit einem schönen Finale. 'Afterparty' ist also kein schlechtes Spiel. Es wirkt nur nicht immer ganz zu Ende gedacht. Story-Fans die auch ohne Rätsel auskommen, amerikanischen Humor mögen und Englisch beherrschen, können hier dennoch auf ihre Kosten kommen.

geschrieben am 04.11.19, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Afterparty.




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