Reviews: Life is Strange 2:

Life is Strange 2


Mit 'Life is Strange' ist DONTNOD ein Überraschungshit gelungen, der sich insbesondere durch sympathische Charaktere und eine rund erzählte Geschichte auszeichnen konnte. Beim Nachfolger gehen die Entwickler nun andere Wege, mit neuen Charakteren und einer gänzlich anderen Thematik. Ob dieses Unterfangen gelungen ist, sehen wir uns im Review an.

Life is Strange 2

Sean Diaz und sein neun Jahre alter Bruder Daniel leben in Seattle in einem liebevollen familiären Umfeld. Ihre Mutter hat sich von der Familie abgewandt, doch Esteban macht seine Sache als alleinerziehender Vater gut. Vor Jahren hat er seine Heimat Mexiko verlassen, um ein neues Leben in den USA zu beginnen, wo seine Kinder schließlich geboren wurden. Zugleich bedeutet das aber, dass der 16-jährige Sean sich mehr um Daniel kümmern muss, da sein Vater mit seinem Job als Mechaniker alle Hände voll zu tun hat. Das passt dem Jugendlichen nicht wirklich. Er möchte lieber Zeit mit Schulkollegin Jenn verbringen.

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Vater Esteban kümmert sich liebevoll um seine Söhne

Eines Tages wird die familiäre Idylle zerstört: Ein harmloser Streit unter Schülern eskaliert und ein Polizist interpretiert die Lage falsch. Ihr Vater eilt herbei und versucht eine Deeskalation. Sein friedlicher Versuch endet jedoch tödlich. Daniel ist Zeuge des Dramas. Ihn ergreift plötzlich eine unkontrollierbare telekinetische Kraft mit explosiver Wirkung. Die Folgen sind fatal und die beiden Brüder ergreifen schleunigst die Flucht. Wer würde ihnen Glauben schenken? Und wenn es jemand glauben würde, so ist es doch fraglich, was mit Daniel geschehen würde. Niemand sonst hat solche Kräfte. Voneinander getrennt werden wollen sie auf keinen Fall. Sie fühlen sich wie Wölfe und Wölfe halten fest zusammen.


Ein Leben auf der Straße

'Life is Strange 2' packt in den ersten 15 bis 20 Minuten zahlreiche Klischees aus, die an diverse Serien und Filme erinnern. Erst die heile Familienwelt, gefolgt von der Konfrontation mit Vorurteilen und Ängsten anderen Ethnien gegenüber, was schließlich in einem konstruiert wirkenden Konflikt mit fatalem Ausgang mündet. Das Setup wirkt eher abgelutscht und kann zu Beginn vom Weiterspielen abschrecken. War der Vorgänger sehr geschickt darin, den Spieler von Anfang an in die Geschichte hineinzusaugen, braucht der Nachfolger einige Zeit, um auf Touren zu kommen.

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Ein traumatischer Vorfall zwingt die Diaz-Brüder zur Flucht vor der Polizei

Nach dem holprigen Start wird wird das Roadmovie-Drama immer interessanter: In jeder der fünf Episoden erleben wir andere Arten von Aussteigern: Leute, die meistens im Auto leben, Außenseiter, die in der Gruppe von Ort zu Ort reisen und diverse Jobs annehmen, Sektenmitglieder und so weiter. Wir werden mit unterschiedlichsten Lebensphilosophien konfrontiert, was zwangsläufig mit viel Gesellschaftskritik einhergeht (die nicht jedem Spieler schmecken wird). Durch den Migrationshintergrund sind die Brüder oft nicht willkommen und erleben einige Anfeindungen. Positive Ausnahmen gibt es durchaus, doch das Leben auf der Straße ist hart. Diese schwierige Situation zwingt sie dazu, schnell erwachsen zu werden.


Entscheidungen und Gespräche

Unsere Spielfigur ist Sean: Einerseits muss er möglichst schnell heranreifen und zugleich will er seinem kleinem Bruder im Umgang mit seiner neu entdeckten Superkraft helfen und ein Vorbild sein. Ob er ein positives oder negatives Vorbild ist, hängt stark von unseren Entscheidungen ab. Unterstützen wir Diebstahl und Mord? Oder wollen wir Problemen friedlich begegnen? Dabei ist aber zu bedenken, dass Daniel seinen eigenen Willen hat und dessen Kräfte sind gefährlich. Wir haben also nicht immer die Kontrolle über die Situation und können uns oft nur um Schadensbegrenzung bemühen. Ein Eigenleben führt leider selbst unsere Spielfigur, die vereinzelt Entscheidungen trifft, deren negative Konsequenzen allzu vorhersehbar sind. Das kann frustrierend sein, zum Beispiel, wenn man ein Zimmer nicht heimlich durchsuchen möchte.

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Wir helfen Daniel im Umgang mit seiner neu entdeckten Superkraft. Dabei stellt sich u.a. die Frage, wie viel wir ihm zumuten können, ohne für Frust zu sorgen...

Die meisten Interaktionen basieren auf Dialogen und Entscheidungen. Beim Erkunden der Umgebung gibt es zudem zahlreiche optionale Hotspots. über die Sean mit seinem Bruder sprechen kann, wodurch wir mitunter mehr über die Charaktere erfahren. Auch bietet sich die Gelegenheit, unseren kleinen Begleiter manchmal dazu aufzufordern, seine Kraft einzusetzen. Einerseits ist es wichtig, dass er diese übernatürliche Fähigkeit zu beherrschen lernt. Zugleich ist ein zu offenes zur Schau stellen von Kräften für zwei Leute auf der Flucht ein enormes Risiko. Interessant ist zudem, dass unser junger Begleiter zwar oft Hilfe benötigt, im Verlauf des Abenteuers allerdings immer weniger wie ein Kind behandelt werden möchte.

Zwar bleibt uns bei manchen Entscheidungen nur begrenzt Zeit, was jedoch nicht mit Quicktime-Events zu vergleichen. Auch auf klassische Rätsel verzichten die Entwickler. Am ehesten erinnern zwei kleine Suchspiele daran, wo Daniel uns Hinweise bei einer Schatzsuche gibt. Sean selbst ist übrigens ein ganz gewöhnlicher Jugendlicher, ohne Superkraft. Dafür zeichnet er gerne. An einigen Orten haben wir die Möglichkeit, mit ein paar Knopfdrücken die Umgebung abzuzeichnen. Das dient primär dazu, den Protagonisten besser kennenzulernen. Man kann hier nichts falsch machen.


Gute technische Umsetzung

Der 3D-Grafikstil orientiert sich am Vorgänger und bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Wie bei einem Roadmovie verweilen wir kaum irgendwo lange. Auf der Flucht von Seattle durchqueren wir die USA und erleben unterschiedliche Orte, wie zum Beispiel den Mount Rainier Nationalpark, Haven Point in Nevada oder einen entlegenen Ort in Arizona. Es gibt sogar eine kleine Brücke zum Vorgänger, die für die beiden Hauptfiguren aber nicht wirklich bedeutsam ist. Die Umgebung ist also sehr abwechslungsreich visualisiert und es wird nur selten etwas recycled.

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Zu Beginn jeder Episode wird die Vorgeschichte als Comic rekapituliert - Wölfe repräsentieren dabei die beiden Hauptfiguren

In Sachen Steuerung gibt es wenig zu meckern, zumal es abseits von Dialogen und einfachen Hotspot-Interaktionen nicht viel zu tun gibt und Sean keine spezielle Fähigkeit hat. Wobei das Zeichnen via Controller angenehmer von der Hand geht als per Maus. Auch die englischen Sprecher machen ihre Sache prima und sorgen für glaubwürdige Charaktere. Wer sich mit der englischen Sprache schwertut, der kann jederzeit auf deutsche Untertitel zurückgreifen.

Bugs sind uns zumindest auf der PlayStation 4 keine aufgefallen. Die Ladezeiten auf der Konsole sind beim Start recht lang, dafür läuft das Spiel danach rund und ohne nervige Unterbrechungen. Im Hinblick auf die Spielzeit sind schätzungsweise 15 bis 18 Stunden einzuplanen. 'Life is Strange 2' bietet somit recht viel fürs Geld, was jedoch angesichts des etwas langsamen Erzähltempos und dem dünnen Gameplay mitunter etwas Geduld erfordert. Zuletzt möchten wir auf die hervorragende (und kostenlose) Standalone-Episode 'Die Fantastischen Abenteuer von Captain Spirit' hinweisen, zu der es im Hauptspiel eine Verbindung gibt. Unsere Vorschau dazu findet Ihr hier.


Galerien

Fazit:

Wertung: 72%

Vom Grundprinzip her erinnert 'Life is Strange 2' an die finale Staffel von 'The Walking Dead'. In beiden Spielen bringen wir einem Jungen bei, wie er sich in der Welt verhalten soll und bekommen schließlich das Ergebnis präsentiert. Jedoch funktioniert das Zombie-Szenario besser, weil uns dort keine Gesetzeshüter auf den Fersen sind und die Ausgangslage freier ist.

Im Sequel von DONTNOD wirkt dieser Ansatz weniger ausgereift, obwohl es sogar mehr unterschiedliche Enden gibt. Egal ob man den friedlichen oder den kriminellen Weg gehen möchte, beim Ausgang der Geschichte ist der Spieler angesichts der eher aussichtslosen Ausgangslage von der Willkür der Storyschreiber abhängig. Ein positives Ende ist anders schwer vorstellbar. Vielleicht wäre es aus Entwicklersicht klüger gewesen, narrativ weniger dick aufzutragen und eine klassische Ausreißergeschichte ohne viel Tamtam zu erzählen.

Immerhin treffen wir im Zuge des Abenteuers auf diverse interessante Aussteiger und abweichende Lebensphilosophien, die über weite Strecken bei Laune halten können. Eine satte Portion Gesellschaftskritik darf dabei nicht fehlen, was nicht jedem zusagen dürfte, aber in jedem Fall zum Nachdenken anregen kann. Auch die Diaz-Familiengeschichte ist gut aufbereitet und das Studio nimmt sich Zeit für die Charaktere und das Erkunden der Umgebung. In solchen Momenten fand ich 'Life is Strange 2' richtig unterhaltsam, obgleich das Erzähltempo hin und wieder etwas träge.

Leider neigt selbst Sean dazu, dem Spieler bei wichtigen Entscheidungen keine Wahl zu lassen, wodurch man sich manchmal nur wie Beobachter fühlt, der bestenfalls für Schadensbegrenzung sorgt. Für die Immersion ist das nicht förderlich. Solche und andere Probleme trüben den Gesamteindruck. Für Fans der Reihe ist der Nachfolger dennoch einen Blick wert, wenngleich die Atmosphäre schwer mit dem Vorgänger vergleichbar ist.

geschrieben am 13.12.19, Matthias Glanznig

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Dieses Review gehört zu  Life is Strange 2.




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Kommentare 2
gdnthznghnfgh
13.12.2019, 14:47

Danke für das Review!

Mikej
13.12.2019, 22:44

Gerne doch :)


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