Reviews: Edgar - Bokbok in Boulzac:

Edgar - Bokbok in Boulzac


Bereits 2018 durften wir 'Edgar - Bokbok in Boulzac' in einer frühen Prototyp-Fassung auf der gamescom ausprobieren. Als Inspirationsquelle für ihr humorvolles 2D-Comic-Adventure hat La Poule Noire bei dieser Gelegenheit die Point&Click-Klassiker von LucasArts, oder etwa 'Night in the Woods' genannt. Umso gespannter waren wir auf das Endprodukt, welches am 26. Februar für Windows PC, Linux, Xbox One und Switch veröffentlicht wurde.


Zu Beginn erleben wir Hauptfigur Edgar als bärtigen Einsiedler. Wohl auch bedingt durch eine sehr eigenwillige Erziehung, ist er selbst im mittleren Alter höchst skeptisch anderen Menschen gegenüber und meidet die Zivilisation. Lieber kümmert er sich im Wald um seine Ernte und plaudert mit seinem geliebten Huhn Precious.

Edgar

Diese Plage zwingt Edgar zum Handeln

Während eines Unwetters geht eines Tages seine Schutzvorrichtung im Garten kaputt, wodurch die Ernte einer Horde gefräßiger Fliegen schutzlos ausgeliefert ist. Zwecks Reparatur wird „Razidium“ benötigt, welches er in der Stadt Boulzac zu finden hofft. Ein solcher Ausflug kostet ihn Überwindung, aber was bleibt ihm anderes übrig. Also hinein ins Boot und los geht die Reise. Natürlich samt gefiederter Begleitung.

Sonderbarerweise will in der Stadt niemand etwas über das seltene Material wissen. Edgar erntet fast durchwegs fragende Blicke. Davon unbeirrt setzen wir unsere Erkundungstour in der Ortschaft fort und bohren weiter nach. Tatsächlich geschehen dort sehr verdächtige Dinge und die gesamte Bevölkerung ist davon betroffen...


Einfache Story, simples Gameplay

Die konventionelle Story hat ein paar nette Momente, ohne wirklich zu überraschen. Etwas leidet sie darunter, dass wir die vielen NPCs in der Spielwelt zu flüchtig kennenlernen. Gesprächsoptionen sind für gewöhnlich Fehlanzeige und die meisten Aufgaben simple Botengänge. Keineswegs etwas, das mehr Einblick in einen Charakter erlauben würde. Übermäßig sympathisch wirken die Bewohner ohnehin nicht, wodurch Edgars Charakterentwicklung nicht ganz so greifbar ist, wie es wünschenswert gewesen wäre. Auf echte Entscheidungsmöglichkeiten wurde bei diesem linear erzählten Comic-Abenteuer übrigens komplett verzichtet.

Edgar

Charaktere gäbe es in der recht nett gezeichneten Umgebung genug, aber kaum jemand bleibt im Gedächtnis

Fordernd wird das Gameplay zudem nie. Wer einmal nicht weiter weiß, der klickt einfach alle Interaktionspunkte in der Umgebung an. Schon ist die Aufgabe gelöst. In zwei Situationen gegen Ende probieren die Entwickler dann zur Abwechslung etwas anderes aus. Beispielsweise wenn das Huhn Precious einen Schlüssel stehlen soll. Dazu wechseln wir mehrfach per Knopfdruck zwischen Anschleichen und Kopf in den Boden stecken, um nicht entdeckt zu werden. Werden wir ertappt, bleiben beliebig viele neuerliche Versuche. In einer anderen Situation laufen wir um unsere Widersacher herum, um ans Ziel kommt.

 

Beides ist keinesfalls schwer, aber auch nicht wirklich unterhaltsam umgesetzt. Jedenfalls wird in 'Edgar - Bokbok in Boulzac' nicht gestorben und einmal abgesehen von ein paar schrägen Besuchen im hiesigen Pub (u.a. um einen Cocktail für eine Katze zu mixen, die einen Schlüssel bewahrt, den wir benötigen...), eignet sich die Story womöglich nicht schlecht für Kinder und Jugendliche.

 

 

Humor steht im Mittelpunkt

 

La Poule Noire setzt gezielt auf Humor, wo die LucasArts-Einflüsse am ehesten spürbar sind. In spielerischer Hinsicht hat es hingegen wenig damit zu tun, zumal es, wie bereits angedeutet, keine echten Rätsel gibt. Leider können wir im Test nur die englische Text-Fassung beurteilen, nicht die französische Vorlage. Die Übersetzung wirkt manchmal umständlich und der Humor hat etwas damit zu kämpfen, dass die zahlreichen Nebencharaktere (auf die gerne einmal angespielt wird) nicht dauerhaft im Gedächtnis bleiben. Aus diesem Grund funktionieren die oft textlastigen Pointen nur bedingt. Von Popkultur-Referenzen bleibt man verschont. Diesbezüglich haben sich in den vergangenen Jahren genug andere Comic-Adventures hinlänglich ausgetobt.

 

'Edgar' bietet keine Sprachausgabe und keine deutsche Übersetzung. Nur ein paar Laute, wie zum Beispiel das Gackern des Huhns, wurden vertont. Ob sich das irgendwann einmal ändert, bleibt abzuwarten. Die Textmenge ist aber sehr überschaubar. Nur sollte man darauf achten, nicht versehentlich im Gespräch auf die Controller-Taste zu drücken. Viele Infos werden nicht wiederholt.



Putziger Comic-Look und einfache Steuerung

Edgar

Das Huhn begleitet uns auch ins Museum. Leider können wir nicht direkt damit interagieren.

Besonders positiv fällt der charmante Comic-Look des Adventures auf. Die Schauplätze wirken liebevoll und der Stil wird konsequent durchgezogen. Die Musikuntermalung ist zwar passend, mitunter aber etwas zu spärlich eingesetzt. Gespeichert wird automatisch und zwar nach jeder Aktion (das funktionierte einwandfrei).

Schade, dass es beim Erkunden kaum Interaktionspunkte abseits der Charaktere gibt. Gravierend fällt das u.a. beim Besuch in einem kleinen Geschäft ein, in dem zahlreiche Produkte zu sehen sind, doch nichts davon ist anklickbar (abgesehen vom Gegenstand, den unsere Spielfigur benötigt). Ähnliches gilt für den alle paar Minuten auftretenden Wetterwechsel, der für visuelle Auflockerung sorgt, aber im Gameplay untergeht. Mehr Komplexität hätte 'Edgar - Bokbok in Boulzac' wohl getan. Schade ist auch, dass wir nicht direkt mit Huhn Precious interagieren können. Das hätte für mehr amüsante Momente sorgen können.

Die Steuerung erfolgt via Controller oder Tastatur. Mittels Richtungstaste steuern wir Edgar durch die Umgebung und sobald wir bei einem Hotspot angelangt sind, wird uns angezeigt, dass wir die Interaktionstaste nutzen können. Bei wenigstens zwei oder drei Gesprächspartnern, sowie einem Gegenstand wurde uns diese Info nicht gleich angezeigt und es war etwas mühsam, die richtige Position zu finden, damit eine Interaktion möglich war. Mit einer weiteren Taste lässt sich das Inventar einsehen, doch das ist mehr als Gedächtnisstütze gedacht, da wir damit nicht gezielt interagieren können. Haben wir einen Gegenstand, den eine Spielfigur benötigt, so wird dieser automatisch ausgewählt.


Galerien

Fazit:

Wertung: 66%

Optisch ist 'Edgar' putzig gelungen und bietet ein paar recht amüsante Momente. Leider ist das Gameplay dünn und die kurze Story zu einfach gestrickt, um alleine begeistern zu können. Nachdenken ist kaum erforderlich, was Genre-Puristen abschrecken dürfte (wie die Tatsache, dass es nur eine direkte Steuerung via Tastatur oder Controller gibt). Mehr Gesprächsoptionen, sowie mehr über Botengänge hinausgehende Interaktionen, hätten den Nebenfiguren womöglich mehr Substanz gegeben und einigen Pointen geholfen. In den rund zweieinhalb bis drei Stunden Spielzeit macht sich stattdessen das Gefühl breit, dass ursprünglich viel mehr geplant war und einiges Kürzungen zum Opfer gefallen ist. Viel Potenzial wurde dabei verschenkt. Als Debüt-Spiel des Studios aus Angoulême, kann sich 'Edgar - Bokbok in Boulzac' dennoch sehen lassen. Für ein junges Zielpublikum (mit Englisch- oder Französischkenntnissen) ist es allerdings eher geeignet, als für Erwachsene.

geschrieben am 26.02.20, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Webseite
Steam


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Dieses Review gehört zu  Edgar.




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