Reviews: The Suicide of Rachel Foster:

The Suicide of Rachel Foster


Das klingt doch irgendwie nach 'What Remains of Edith Finch'. Das ist der erste Gedanke, der vielen beim Titel 'The Suicide of Rachel Foster' wahrscheinlich durch den Kopf geisterte. Das römische Studio One-O-One Games hat aber tatsächlich eine etwas andere Richtung in ihrem Walking Simulator (oder narrativen Spiel) eingeschlagen. In diesem Mystery-Thriller erkunden wir im Stil eines 'Gone Home' unser familieneigenes Hotel. Nach der namensgebenden Tragödie, dem Selbstmord von Rachel Foster, ist es jedoch verlassen. Wir möchten es nun endlich mit Hilfe einem Immobilienmakler und Anwalt loswerden. Dazu schauen wir uns das Hotel noch ein letztes Mal an, dem Geheimnis um den Selbstmord stets auf der Spur.

 

 

Ein Schneesturm in den 90ern in Montana

 

Der Brief der Mutter in The Suicide of Rachel Foster
Wir sollen zurück in das verhasste Familienhotel. So lautet der letzte Brief der gerade verstorbenen Mutter. Na, dann auf nach Montana.

Wir schlüpfen in die Rolle der Nicole. Über das Testament ihrer Mutter bekamen wir die Aufgabe, das Familien-Hotel schlussendlich zu verkaufen. Der Grund ist simpel: Unser Vater hat eine Affäre mit dem Mädchen Rachel, das ähnlich alt wie wir war. Sie beging schließlich Selbstmord und, um die Sache ein wenig gerechter zu gestalten, rät die Mutter Rachels Verwandten den Erlös zukommen zu lassen. Am Weg zum Hotel tauchen plötzlich Wetterkapriolen auf: Ein ungeahnt starker Schneesturm zwingt uns dazu im verhassten Hotel zu bleiben. Unser einziger Begleiter ist der mit uns per Funktelefon verbundene FEMA-Agent Irving (die FEMA ist für Katastrophenhilfe zu ständig). Mit seiner Hilfe erkunden wir nun das Hotel und versuchen das Mysterium um Rachel aufzudecken. Wir graben in der eigenen Kindheit herum – womöglich haben wir etwas verdrängt? Eine leicht gruselige Geschichte voller Liebe, Melancholie und Nostalgie beginnt. 

 

Und noch so ein Walking Simulator. Das Alleinstellungsmerkmal.

 

Der Ton spielt in  The Suicide of Rachel Foster eine wichtige Rolle
Der Ton spielt in 'The Suicide of Rachel Foster' eine wichtige Rolle.

Das klingt schon ein wenig generisch: First-Person-Ansicht, exploratives Gameplay und ein wenig Gruseln. Wenn da nicht die binaurale Vertonung wäre. Kopfhörer sind deswegen hier nicht nur empfohlen, sondern dringend notwendig. Wir sitzen hier vor dem PC und hören Geräusche tatsächlich weit entfernt – als würde im Garten ein Eimer scheppern, in der Garage ein Regal durchsucht werden oder einfach nur ein Holzbrett über uns knarren. Das trägt ungemein zur Atmosphäre bei und führt zu eine gruseligen Grundstimmung – obwohl keine Jump Scares, Monster oder andere Personen im Hotel sind. Die Vertonung ist nicht nur wegen dieser Technik hervorragend gelungen, sondern auch die englischen Sprecher sind brillant. Freunde deutscher Vertonungen haben hier aber kein Glück, denn es gibt nur deutsche Untertitel.

 

In 'The Suicide of Rachel Foster' setzt das römische Studio auch auf eine trägere Steuerung. Mit Gamepad oder Maus und Tastatur bewegen wir uns wie üblich durch das Hotel. Sich einfach so umdrehen, ist aber nie völlig mühelos nötig. Das Spiel vermittelt eine gewisse Trägheit. Die Bewegungsgeschwindigkeit ist deswegen auch eher langsam – immerhin sollen wir auch alles erkunden. Nach einiger Zeit funktioniert das auch gut, aber vor allem das erste Viertel hat es leider in sich. Die Perspektive verzerrt sich beim Drehen leicht, die Texturen verschwimmen ein wenig und werden erst nach einigen Sekundenbruchteilen wieder scharf dargestellt. Empfindliche Personen sollten hier Probespielen. Eine leicht Bewegungskrankheit (Motion Sickness), oder gar das Gefühl einem Schiff bei Seegang zu sitzen, kann hier schon vertreten. In den Community-Foren wird dies zumindest immer wieder erwähnt. Persönlich hatte ich nur in de Eingewöhnungsphase das Problem, das die Drehungen einfach nicht schön und natürlich aussahen. Es war schon fast ein wenig Uncanny Valley dabei.

 

Eine erwachsene Geschichte mit wenig Interaktion

 

Das Hotel steht im Mittelpunkt in The Suicide of Rachel Foster
Die Karte braucht man zu Beginn häufiger. Der Großteil ist sehr früh frei zugänglich. Die zu bewältigenden Aufgaben sind aber äußerst linear.

In den ungefähr vier Stunden Spielzeit erleben wir eine sehr erwachsene, tiefgründige Geschichte, die bis zum Schluss überzeugen kann. Der eine oder andere Twist mag vielleicht vorhersehbar sein, aber trotzdem bleibt die Geschichte stimmig. Ich fühlte mit Nicole mit und sie wuchs mir auch ans Herz. Die Reise zurück in die doch schwierige Kindheit löst Gänsehaut aus. Die tatsächlich herausragenden Sprecher tragen hier einen wichtigen Teil bei. Die Tragödie, die sich im Haus zugetragen hat, hat bei mir hervorragend funktioniert.

 

Wiederspielwert bietet 'The Suicide of Rachel Foster' so gut wie keinen. Es gäbe zwar verschiedene Enden, aber je nach Spielerfahrung wird den meisten Spielern hier nur eines zusagen. Die Entscheidung fällt man hier auch erst ganz zum Schluss. Das Adventure selbst bleibt so ein lineares Spiel mit wenig Interaktionsmöglichkeiten. Hier und da kann man etwas betrachten, die drei Gimmicks (Taschenlampe, Polaroid-Kamera und Richtmikrofon) kommen fast gar nicht zur Geltung. Meistens sind sie schlichtweg unnötig. Einzig das Richtmikrofon hat für ein Achievement eine kleine Seitenaufgabe neben der Hauptgeschichte zu bieten.

 

Die frühen 90er perfekt eingefangen

 

90er-Jahre-Flair und viele Details
Die Liebe zum Detail ist überall sichtbar. Keine Kassette und kein Buch wiederholt sich. Die 90er wurden ausgezeichnet eingefangen.

Neben der Geschichte ist sicherlich das Hotel selbst der Star. Auf vier Stockwerken bewegen wir uns die meiste Zeit völlig frei und können viele Räume erkunden. VHS-Kassetten, Poster aus der Kindheit oder Notizen der Eltern führen so eine vergangene Welt. Das Hotel Timberline Mountain ist aber tatsächlich eine der detailreichsten Plätze in Walking Simulatoren. Während in 'Gone Home' noch auffiel, dass die Familie interessanterweise einige wenige Bücher mehrfach besaß, sind es hier eine Unzahl von verschiedenen Büchern, die rumliegen. Objekt-Recycling wird nur ganz wenig betrieben. Diese Detailfülle regt die Exploration erst richtig an. An jeder Ecke finden wir interessante Portraits, Fotos oder einfach nur die alte Lieblingsspieluhr. Gerade jene, die in den 90ern ihre Jugend verbracht haben, werden vieles wiedererkennen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 78%

Die Skepsis war groß. Das klingt doch alles so generisch. Das hat sich auch genauso angefühlt, wenn nicht diese komische Perspektivenverzerrung wäre. Der Anfang war somit zäh und vor allem eins: Höchstens mittelmäßig. Als sich die Geschichte rund um Rachel und auch Nicole aber entwickelt, entfaltet das Spiel seine Stärke. Spätestens, wenn man kurz ungläubig den Kopfhörer abnimmt, um zu horchen, ob ein Geräusch nicht doch aus dem Haus kam, musste ich anerkennend nicken. ’The Suicide of Rachel Foster’ ist einer der bessereren Walking-Simulatoren. Die Geschichte rund um das Kindheitstrauma überzeugt, die Sprecher sind hervorragend und es lohnt sich zu erkunden. Wenn Ihre Euch mit der Story und der Optik anfreunden könnt, solltet Ihr tatsächlich reinspielen. Ich für meinen Teil war trotz der Probleme und der zum Teil eher mäßigen Interaktivität gut unterhalten.

geschrieben am 05.03.20, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Homepage
Bei Steam


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Bei Humble Store kaufen (Affiliate Link)

Dieses Review gehört zu  The Suicide of Rachel Foster.




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Kommentare 2
Storyfan
09.03.2020, 19:44

Ohne Werbung machen zu wollen, ein kleiner Youtuber hat das ganz angenehm gespielt und präsentiert:

https://www.youtube.com/playlist?list=P ... 1TYJKHJGSj

sinnFeiN
09.03.2020, 23:02

Wie ist die Tonqualität von den Videos (konnte noch nicht reinschauen). Ohne den binauralen Sound ginge da nämlich einiges verloren, finde ich.


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