Storyteller-Reviews: Assassin's Creed Origins:

Assassin's Creed Origins


Als der französische Entwickler Ubisoft vor zehn Jahren den Assassinen Altaȉr Ibn-La'Ahad in die virtuelle Welt schickte, um es mit dem mächtigen Templerorden aufzunehmen, hat wohl keiner geahnt, dass dies der Startschuss zu einer der erfolgreichsten Spielereihen aller Zeiten sein sollte. Mittlerweile zählt 'Assassin's Creed' zehn Hauptspiele und sieben Nebenspiele, dazu eine Fülle an Romanen, Comics und, seit 2016, eine Verfilmung. Mit dem zehnten Hauptspiel, betitelt 'Origins', will uns Ubisoft einerseits die Ursprünge des Assassinen-Ordens näher bringen, andererseits aber auch der zuletzt schwächelnden Reihe neues Leben einhauchen. Wir haben den Todessprung gewagt und das im alten Ägypten angesiedelte Open-World-Action-Rollenspiel für Euch getestet.

 

 

Ich bin ein Medjai!


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Ein Medjai schaut auch in Grabkammern nach dem Rechten.

In 'Assassin's Creed Origins' schlüpfen wir in die Haut des Medjais Bayek. Ein Medjai (auch: Medjau) diente im alten Ägypten als Karawanenführer, Polizist und Berufssoldat und gehörte einer Elite an, die bis zur 20. Dynastie (bis ca. 1077 v. Chr.) auch urkundlich erwähnt ist. Danach verliert sich ihre Spur, wobei nicht geklärt ist, ob es die Medjai als solche nicht mehr gab oder ob lediglich die Berufsbezeichnung geändert wurde.

Zu der Zeit, in der 'Origins' spielt, um etwa 48 v. Chr., gab es historisch gesehen keine Medjai mehr. Umso schwerer lastet die Rolle auf Bayek, der im Lauf der Geschichte oft als letzter seiner Art bezeichnet wird. Bayek sieht sich als Beschützer der Schwachen, egal, ob griechischer oder ägyptischer Herkunft, und er hat eine Mission. Zu Beginn ist er noch der geachtete Bodyguard von Pharao Ptolemaios XIII. Kurze Zeit später – im Spiel vergehen rund zehn Monate – scheint er ein Ausgestoßener auf einem Rachefeldzug zu sein.

In den ersten Minuten des Spiels erfahren wir noch nicht, was ihn antreibt. Wir wissen nur: Es gibt eine Handvoll Männer, die dran glauben müssen, koste es, was es wolle. Und wir können lediglich erahnen, was passiert sein muss, um aus einem Beschützer einen nach Rache dürstenden Mann zu machen, der permanent gegen seine inneren Dämonen ankämpft. Eine längere Rückblende, die wir erst triggern müssen, gibt Aufschluss über seine Beweggründe.



Im Zeichen der Rache

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Bayeks Frau Aya ist ebenfalls spielbar.

Seine Frau Aya, die von ihm getrennt lebt, tut es ihm auf ihre Art gleich: Sie dient Kleopatra und kann auf ein recht gut ausgebautes Netzwerk an Vertrauten zurückgreifen, die ihr und Bayek in der Folge unter die Arme greifen. Und auch Aya will Vergeltung.

Was als Rachegeschichte beginnt, entwickelt sich durch die Verbindung Ayas zu Kleopatra zu einer politischen Story, in welche die tatsächlichen historischen Ereignisse der Zeit integriert werden. Bayek findet sich dank Aya unvermittelt im Hin und Her politischer Intrigen und in den Wirren des Bürgerkriegs wieder, der das Land zu zerreißen droht. Zwar vergisst er nie seine Rache, aber es geht auch um die Krone Ägyptens, um Stabilität für das Land und eine starke Allianz mit Rom.

Wie das alles letztlich zur Gründung der Assassinen geführt hat, ist durchaus spannend, wenn auch nicht immer ganz logisch erzählt, wobei der Orden der Assassinen selbst für den Großteil des Spiels keine Bedeutung hat. Auf dem Weg zum Gründungsmoment dürfen wir uns aber über kleine Details freuen. So werden die Verwendung der Feder oder das Ritual des abgeschnittenen Ringfingers eingebaut, und wir erfahren am Ende auch, wie es zu dem ikonischen Logo gekommen ist. Die Eden-Artefakte dürfen natürlich nicht fehlen, wobei man sich hier des Eindrucks nicht erwehren kann, dass kaum eine der handelnden Figuren weiß, was es damit auf sich hat – oder wie man es verwendet. Abgerundet wird die Story durch Informationen, die wir in alten Gräbern triggern können - sie lösen in gewisser Weise die Animus-Fragmente und Helix-Glitches ab, ohne dass man in Sammlerwut verfällt - sowie über Bayeks Erinnerungen, die durch die Interaktion mit Steinkreisen ausgelöst werden.


Tolles Setting


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Auf unserer Mission durchstreifen wir das Land.

Ubisoft hätte kein spannenderes Setting für sein neuestes Assassinen-Abenteuer wählen können. Die Zeit Kleopatras war geprägt von innen- und außenpolitischen Konflikten; namentlich der Bürgerkrieg zwischen den regierenden Geschwistern war eine enorme Belastung für das Land am Nil. Zwar ist der Ausgang der Geschichte hinreichend bekannt, allerdings nimmt das dem Spiel nicht die Spannung, zumal Bayek ja weitgehend alleine unterwegs ist und sich aus den politischen Verstrickungen so gut wie möglich heraushält, wenn sie nicht gerade mit seiner persönlichen Rache zu tun haben.

 

Über zahlreiche Nebenquests kann man tiefer in die Gesellschaft der Zeit, die Religion, die Kultur und auch die Probleme eintauchen; Unterdrückungs- und Terrormaßnahmen schlagen vor allem in den unmittelbar mit der Hauptgeschichte verbundenen Nebenquests durch, sodass man einen Eindruck von der Situation der Bevölkerung erhält. Ein Wermutstropfen: Viele Nebenquests erzählen zwar eine eigene kleine Geschichte, ähneln sich aber stark im Aufbau. So muss man unzählige Male einen Gefangenen retten, wobei dieser aus unerfindlichen Gründen immer aus der Gefahrenzone getragen werden muss, weil er in der Regel laut eigener Aussage zu schwach ist, um selbst zu gehen. Das hindert ihn allerdings nicht daran, nach Verlassen der Gefahrenzone aufzustehen und fröhlich von dannen zu springen. Dieses Element wird dermaßen überstrapaziert, dass früher oder später leichter Frust aufkeimt, und das wiederum wirkt sich auf das Interesse an den Nebenquests aus.



Interessante Spielfiguren


Zurück zu Bayek: Der neueste Protagonist im Assassinen-Universum zeichnet sich durch Menschlichkeit, einen starken Willen und trockenen Humor aus. Gleichzeitig haben wir es mit einem gebeutelten Mann zu tun, der hin und wieder durchaus am Rande der Verzweiflung steht und dessen Albträume ich nicht mal geschenkt haben möchte. Die Beziehung zu Aya erweist sich trotz tiefer Liebe als kompliziert, wobei das durchaus plausibel erklärt wird. Für Bayek geht es nicht nur um Rache, sondern auch um seine Ehefrau. Je länger ich ihn auf seiner Reise begleitet habe, umso mehr ist er mir ans Herz gewachsen. Seine Geschichte der Rache ist dabei zwar nicht unbedingt originell, und irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein gestandener Assassine unbedingt Familienprobleme haben und/oder einen Angehörigen verloren haben muss, aber die Geschichte wird glaubwürdig genug erzählt, um einen stundenlang bei der Stange zu halten. Lediglich das Ende ist nicht ganz stimmig und wirkt stellenweise etwas forciert, so, als habe man dem Titel 'Origins' unbedingt Rechnung tragen wollen.

Wie im 'Assassin's Creed'-Universum üblich, gibt es auch in 'Origins' eine Gegenwartshandlung. Wir steuern dabei Layla, eine junge, ehrgeizige Frau, die es geschafft hat, von Abstergo angeheuert zu werden, die aber ganz eigene Vorstellungen davon hat, was man mit dem Animus alles anstellen könnte. Macht man sich die Mühe, ihren Computer zu durchforsten, so findet man eine Menge Informationen über Abstergo und den Animus. Außerdem gibt es Verknüpfungen zu den früheren Spielen sowie – und damit hatte ich nicht gerechnet – zum Film, der somit offiziell zum Kanon gehört. Davon kann man natürlich halten, was man will; ich fand die Integration durchaus glaubwürdig und gelungen. Die Gegenwartsabschnitte sind relativ kurz und, wie die Hauptgeschichte, in Ägypten angesiedelt.



Fast alles neu im alten Ägypten


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Dynamische Kämpfe...

Wie ernst es Ubisoft mit der Frischzellenkur für das erfolgreiche Franchise ist, lässt sich gut an den zahlreichen Neuerungen ablesen, die einem in 'Origins' begegnen. So gibt es erstmals Schwierigkeitsgrade von leicht über normal bis schwer. In Stein gemeißelt ist das allerdings nicht. Wer auf „leicht“ zu wenig gefordert ist, kann jederzeit zu „normal“ oder „schwer“ wechseln; umgekehrt kann man auch von einem zu hohen Schwierigkeitsgrad runterschrauben. Dabei sind die Schwierigkeitsgrade relativ: Eine nervige Seeschlacht bleibt auch auf „leicht“ nervig, während ein schwieriger Boss-Gegner auf „leicht“ abartig einfach zu besiegen ist. Das Balancing funktioniert also nicht immer; dazu werden die Kämpfe erst in der zweiten Hälfte des Spiels richtig fordernd, sodass man gezwungen ist, taktisch vorzugehen und das Angriffsmuster des jeweiligen Gegners zu studieren.


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... und ein paar Rollenspiel-Elemente

Neu sind auch die Rollenspielelemente, die etwas stärker als im Vorgänger zum Tragen kommen. So macht es durchaus einen Unterschied, ob ich Bayek als Krieger, Seher oder Kämpfer skille; manche Waffen wie z.B. Feuerpfeile oder Rauchbomben sind nur über die Freischaltung des jeweiligen Skills möglich, sodass man seinen Assassinen mehr oder weniger individuell gestalten kann. Dazu gibt es ein an klassische Rollenspiele erinnerndes Inventar, eine Ausrüstungsseite und einen umfangreichen Skilltree. Bayek kann meditieren, was die Zeit schneller vergehen lässt – das wurde wohl bei 'The Witcher 3' entlehnt. Alles, was Bayek erlernt, kann Aya übrigens auch. Wir dürfen sie in einigen Abschnitten des Spiels steuern und mit ihr die oben erwähnten Seeschlachten bestreiten sowie einen Boss-Kampf durchstehen. Das Nervige daran: Aya kann zwar auf alle Techniken zugreifen, die Bayek erlernt hat, nicht aber auf seine Waffen. Es gibt auch keine Möglichkeit, sie mit besseren Waffen auszustatten, einfach, weil das Ausrüstungsmenü nicht verfügbar ist, wenn man mit Aya spielt. Wir können uns auch nicht aussuchen, ob wir eine Mission lieber mit Aya machen. Die Abschnitte mit ihr sind fix vorgegeben.



Zahlreiche Quests und Nebenquests

Für so ziemliche jede Aktivität erhält man Erfahrungspunkte, und sei es nur, dass man einen neuen Ort entdeckt oder einen Aussichtspunkt synchronisiert hat – Letzteres ist nicht nur wegen des typischen Todessprungs zu empfehlen, sondern auch, weil synchronisierte Aussichtspunkte als Schnellreisepunkte dienen und sich die Wahrnehmung von Adlerdame Senu erweitert. Dazu komme ich aber noch.

Quests werfen logischerweise die meisten Erfahrungspunkte ab, wobei bei Haupt- und Nebenquests darauf geachtet werden muss, dass Bayek das passende Level erreicht hat. Ähnlich wie bei 'The Witcher 3' gibt es Levelempfehlungen für die einzelnen Quests, an die man sich vor allem in der ersten Spielhälfte unbedingt halten sollte. Auch die Gegner, egal ob menschlich oder tierisch, haben Level, die man berücksichtigen muss. Ist ein Gegner zwei, drei Level über Bayek, kann es sein, dass man desynchronisiert, und vor Gegner mit einem roten Totenkopf überm Haupt nimmt man am besten ebenso Reißaus wie vor den Kopfgeldjägern, den Phylakes, die bei ihrem ersten Auftreten deutlich stärker als Bayek und damit vorerst unmöglich zu schlagen sind. An diese zähen Burschen sollte man sich erst wagen, wenn Bayek mindestens Level 20 oder höher erreicht hat.



Dynamisches Kampfsystem


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Waffentechnisch haben wir die Qual der Wahl.

Verändert wurde auch das Kampfsystem, das ebenfalls an 'The Witcher 3' erinnert und deutlich komplexer ausgefallen ist, als man das von 'Assassin's Creed' bisher kannte. Die Wahl der richtigen Waffe ist ebenso wichtig wie Blocken, Ausweichen, Abrollen und Durchbrechen der Deckung – Letzteres gelingt am besten durch einen voll aufgeladenen schweren Angriff. Bayek geht dann im Adrenalinrausch auf seinen Gegner los und hackt selbigen samt Schild kurz und klein. One Hit Kills sind so auch bei gleich starken oder leicht stärkeren Gegnern problemlos möglich, vorausgesetzt, der entsprechende Skill wurde auch aktiviert. Wir können auch unseren Adler Senu zu Hilfe rufen, aber auch dieser Skill muss erst freigeschaltet werden. Ansonsten hilft uns Senu vor allem dabei, Ziele aufzuspüren, und sie macht sich bei der Jagd nützlich. Sie ersetzt den aus den Vorgängern bekannten Adlersinn und kann auch verborgene Treppen oder Schätze aufspüren. Je mehr Aussichtspunkte wir synchronisieren, umso besser wird Senus-Wahrnehmung und umso schneller findet sie unser nächstes Ziel. Zusätzlichen Loot müssen wir selbst entdecken.

Waffentechnisch haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Nahkampfwaffen und Bogentypen, schützen kann sich Bayek mit unterschiedlichen Schilden. Dazu stehen ihm Hilfsmittel wie Bomben zur Verfügung. Jede Waffe lässt sich dem aktuellen Level Bayeks anpassen, wobei sich das nur bei den legendären Waffen auszahlt. Diese haben im Unterschied zu normalen und seltenen Waffen mehrere Boni, die sich in der Regel auf den Angriff und/oder die Abwehr im Kampf auswirken. Ausnahme ist ein legendäres einfaches Schwert, das als „Bonus“ einen Fluch mit sich bringt, der Bayeks Gesundheitsbalken auf ein Drittel reduziert.



Das brauchen wir nicht mehr...

Apropos reduziert: Stealth wurde stark zurückgeschraubt. Zwar kann Bayek sich ducken und durch Büsche schleichen, die den aus früheren Spielen bekannten Tarneffekt mit sich bringen. Aber das Untertauchen in der Menge entfällt ebenso, wie ein eigener Schleich-Skill, den es zuletzt noch in 'Syndicate' gab. Man kann jedoch trotzdem noch mit einer gewissen Raffinesse vorgehen und sich unter Einsatz aller verfügbaren Skills und Hilfsmittel wie Gift- und Schlafpfeile in eine Festung schleichen, ohne dass die Wachen etwas davon mitbekommen. Es ist auch nach wie vor möglich, ungesehen, mehrere Gegner hintereinander per Luftattentat oder aus einem Versteck heraus zu eliminieren.

 

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Senu hilft uns beim Spionieren

Verfolgt man einen Gegner, dann ist es nicht mehr wichtig, darauf zu achten, dass er einen nicht entdeckt. Anders als in den vorigen Spielen der Reihe führt die Entdeckung nicht zur Desynchronisierung, sondern meistens einfach nur zum Kampf. Oder es passiert gar nichts. So nervig manche Verfolgungsmissionen in anderen 'Assassin's Creed'-Teilen auch waren – zeitweise fehlen sie einem dann doch, einfach, weil sie in der Regel eine Herausforderung darstellten, die, richtig platziert, durchaus Spaß machen konnte. Ebenfalls der Vergangenheit an gehören die Turn- und Klettereinlagen in verborgenen Gräbern, was ich persönlich sehr schade finde. Zwar konnten auch diese teils mit Zeitlimit versehenen Einlagen durchaus Nerven kosten, aber unterm Strich waren sie dann doch ganz unterhaltsam. Die Erkundung der ägyptischen Grabkammern hätte man diesbezüglich ruhig etwas aufpeppen können. Es muss ja kein Zeitlimit sein, aber ein bissl herausfordernd darf so eine Pyramide dann doch sein. Ein, zwei Gräber gibt es, in denen wir zumindest ein bisschen klettern dürfen, aber schwierig ist das nicht. Da ist es mühsamer, im Halbdunkel durch überflutete Gewölbe zu tauchen und zu hoffen, dass man eh an der richtigen Stelle herauskommt, ehe Bayek die Luft ausgeht. Die Steuerung ist dabei übrigens sehr präzise ausgefallen. Die Zeiten, in denen ein Assassine dank unzulänglicher Steuerung irgendwo hin springt (meist in den Tod), sind offenbar auch endgültig vorbei.



Perfekte Synchronisierung ist kaum noch relevant

Ebenfalls eliminiert wurde die 100%-ige Synchronisierung, die in den Vorgängerspielen davon abhängig war, wie gründlich man die untergeordneten Ziele einer Mission erfüllt hat bzw. ob man sie überhaupt geschafft hat. Diese zusätzliche Herausforderung, die sich immerhin bis inklusive 'Syndicate' gehalten hat, gehört nun der Vergangenheit an, was allerdings nicht weiter stört. Verabschiedet hat man sich weiters von Zeitlimits. Lediglich an einer Stelle wurde ich mit einem Countdown konfrontiert, der ausgelöst wird, wenn man den fordernden Boss-Kampf nicht rasch zu Ende bringt und der Boss die Umgebung dermaßen demoliert, dass es richtig gefährlich wird. Im zweiten Anlauf ließ sich das vermeiden; ob es also überhaupt zum Countdown kommt, hängt gänzlich vom Spieler ab und der Art, wie man an den Boss-Kampf herangeht bzw. wie schnell man es schafft, den Boss zu besiegen.

Noch ein Feature aus früheren Assassinen-Abenteuern wurde in 'Origins' dankenswerter Weise ignoriert: die überall in der Welt verteilten Animus-Fragmente oder Helix-Glitches, die bestenfalls mehr Hintergrundinformation zum Animus-Programm und den Eden-Artefakten gebracht haben, schlimmstenfalls aber einfach sinnlos waren und lediglich auf den Sammlertrieb im Spieler abzielten. Überhaupt wird vergleichsweise wenig gesammelt. In der ganzen Welt sind Schätze verteilt, die wir einsammeln können, oft erst nach einem Kampf; manche müssen wir an Hand von Papyrusrollen aufspüren. Es zahlt sich aus, vor allem die Papyrusrollen abzuarbeiten, weil man in der Regel eine seltene oder legendäre Waffe erhält.



Von Händlern und Crafting


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Altairs Montur kann freigespielt werden.

Um unsere Ausrüstung aufzumotzen oder um das Inventar etwas zu leeren, können wir verschiedene Händler aufsuchen: Beim Schmied gibt es Waffen und Schilde. Er kann außerdem jede Waffe auf unser aktuelles Level bringen, sodass das Lieblingsschwert noch mehr Schaden anrichtet. Auch Schilde lassen sich auf diese Art verbessern. Beim Weber können wir neue Monturen kaufen, in Ställen gibt es Reittiere. Außerdem können wir bei allen Händlern Dinge verkaufen, die wir nicht mehr benötigen. Eine hübsche Idee ist der Nomadenbasar, den wir in jedem Ort antreffen und der einerseits sehr seltene Waffen und Schilde parat hat, die in einer Art Überraschungsbox versteckt sind. Andererseits können wir uns hier täglich eine neue Quest abholen, die in der Regel mindestens eine seltene Waffe als Belohnung abwirft, oft genug aber auch eine legendäre Waffe.

Zusätzlich steht uns über das Ausrüstungsmenü die Möglichkeit zur Verfügung, verschiedene Gegenstände selbst herzustellen. Den Anfang macht ein Brustschutz, später kommen Armschienen für Fern- und Nahkampf dazu sowie ein Beutel für Hilfsmittel wie Bomben, Giftpfeile oder Schlafpfeile. Und natürlich verfügen wir ab einem bestimmten Punkt im Spiel auch über eine versteckte Klinge. All diese Gegenstände lassen sich aufwerten. Was wir dazu brauchen, sind verschiedene Materialien, etwa weiches und hartes Leder, Felle, Holz, Eisen oder Bronze. Das bedeutet: Wir müssen unter anderem auf die Jagd gehen und dürfen Löwen, Leoparden, Krokodile, Nilpferde, Kobras, Steinböcke und Antilopen erlegen. Durch Zerlegen von alten Waffen und Schilden kommen wir an Holz und Bronze, seltener Eisen. Letzteres lässt sich durch Überfälle auf Transporte ergattern, und in alten Gräbern finden wir ultraseltene Herstellungsmaterialien, die wir nirgends kaufen können, die wir aber brauchen, um die Ausrüstung weiter zu verbessern. 

Wer den Eindruck hat, nicht schnell genug voranzukommen, kann über den Shop Spielwährung, Herstellungsmaterialien und verschiedene Waffen sowie Monturen kaufen. Die Mikrotransaktionen sind dabei sehr unaufdringlich ausgefallen. Man muss schon sein Ubisoft-Club-Konto aufrufen oder das Hauptmenü, um dort einen Verweis auf den Shop, den Season Pass und die verschiedenen Mikrotransaktionen zu finden. Im Spiel selbst gibt es keine Kaufaufrufe oder dergleichen. Und man kommt auch wunderbar durchs Spiel, ohne zusätzliches Geld in Upgrades oder Monturen zu investieren – irgendwann weiß man eh nicht mehr, wohin mit all den legendären Waffen und Schilden.

 

 

Schönheit, dein Name ist 'Origins'


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Auch nachts sieht Ägypten fantastisch aus.

Kommen wir noch zu den technischen Aspekten des Spiels, namentlich zu Grafik und Vertonung. Ich mache es kurz: 'Origins' sieht fantastisch aus. Das alte Ägypten wurde hervorragend in Szene gesetzt, Licht bricht sich auf dem Wasser des Nils, in der Wüste erwarten uns spektakulär-kitschige Sonnenuntergänge, überall gibt es etwas zu entdecken, und kaum ein NPC gleicht dem anderen. Alexandria ist mit seinem stark griechischen Einfluss eine wahre Augenweide. Wir können die legendäre Bibliothek besuchen, den Leuchtturm von Pharos und das Grab Alexanders des Großen. Wir klettern auf Berge und Pyramiden, und sei es nur, um die Aussicht zu genießen. In den Städten und Dörfern wuselt es vor NPCs, in der freien Wildbahn bekommen wir es mit verschiedenen Tieren zu tun, Grabkammern wurden extrem stimmungsvoll gestaltet, wir können prachtvolle Tempel erkunden, und mehr als einmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich einfach nur mit Bayek durch die Gegend gestreift bin, um die Schönheit des Spiels zu bewundern. Um selbige festhalten zu können, wurde ein Fotomodus integriert. Dieser stoppt das Spiel und erlaubt uns, die Kamera zu drehen, zu zoomen und spektakuläre Bilder zu machen, die automatisch mit der gesamten Community geteilt werden.

Die tolle Grafik ist allerdings nicht ganz makellos: Es gibt immer wieder Glitches vom Typus „Hand greift durch Wand“. Ruckler hatte ich auf der Playstation (Standardversion) praktisch keine, was mich angesichts des Detailreichtums und der riesigen Weltkarte zugegebenermaßen doch etwas gewundert hat. Zu bemängeln gibt es in Sachen Grafik noch, dass die Haare der Figuren sowie das Fell von Tieren speziell im Zoom nach wie vor sehr unnatürlich wirken, und auch die Mimik hätte hin und wieder etwas lebendiger ausfallen können.



Saubere Vertonung
 

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Der Todessprung wird vom typischen Adlerschrei untermalt.

In Sachen Ton gibt es kaum etwas zu beanstanden. Die englische Lokalisation ist dank der Sprecher sehr gut gelungen, Bayek hat eine sehr angenehme Stimme mit leichtem Akzent, die ihm noch mehr Charakter verleiht. Überhaupt wurde bei der englischen Lokalisation darauf geachtet, dass die Charaktere nicht zu ähnlich klingen. Manche stottern, manche lispeln, es gibt eine Fülle unterschiedlicher Akzente zu hören, und in größeren Städten vernehmen wir auch schon mal griechische bzw. lateinische Wortfetzen. Am Land wird gerne auch Ägyptisch gesprochen. Natürlich wird niemand gezwungen, 'Origins' auf Englisch zu erleben: Zusätzliche Sprachpakete, darunter eines in Deutsch, können separat heruntergeladen werden. Das passiert im Hintergrund, sodass man währenddessen weiterspielen kann. Zudem ist es möglich, zwischen den ausgewählten Sprachen zu wechseln. Untertitel sind optional zuschaltbar.


Die Atmosphäre wird durch sorgfältig komponierte, auf die jeweilige Quest abgestimmte und unaufdringliche Musik unterstrichen. Dazu gesellen sich zahlreiche Hintergrundgeräusche, die das alte Ägypten zum Leben erwecken – ganz gleich, ob es das Fauchen eines angreifenden Jaguars ist oder das Plätschern von Wasser, das Heulen eines Sandsturms, die Geräusche von Bayeks Reittier, das Maunzen einer Katze oder das Rasseln ritueller Gegenstände im Tempel: Überall tut sich was, sodass die Welt, durch die wir uns bewegen, sehr lebendig wirkt. An einer Stelle hatte ich allerdings einen Tonausfall, d.h. der entsprechende Dialog wurde nur teilweise abgespielt. Und man muss unter Umständen die Musik im Optionsmenü leiser drehen, da sie sonst die Dialoge übertönt. Aber auch das sind Kleinigkeiten, über die man gut hinwegsehen kann und die den Spielspaß ebenso wenig trüben wie die zeitweise etwas langen Ladezeiten, die man einem Spiel dieser Größe aber verzeihen kann.


Galerien

Fazit:

Wertung: 85%

Mit 'Assassin's Creed Origins' ist es Ubisoft eindrucksvoll gelungen, der zuletzt schwächelnden Assassinen-Reihe neues Leben einzuhauchen. Zahlreiche Neuerungen sorgen für frischen Wind. Die Entwicklung hin zu einem Action-Rollenspiel ist ein Schritt in die richtige Richtung, das neue Kampfsystem und auch das Crafting machen eine Menge Spaß. Allerdings funktioniert das Balancing nur bedingt. Etwas mehr Entscheidungsfreiheit für den Spieler wäre auch nett, etwa, ob man mit Bayek oder Aya spielen will. So interessant ich Aya als Charakter fand: Die Abschnitte, in denen man sie spielen konnte, wirkten sehr forciert und etwas aufgepfropft – als hätte man eine Quote zu erfüllen gehabt.

Die Geschichte ist zwar nicht sonderlich originell, wird aber über weite Strecken spannend inszeniert und durch interessante Nebenquests aufgepeppt. Die Erzähltiefe eines 'The Witcher 3' erreicht die Story zwar nie, sie kann aber getrost als eine der besseren im Assassinen-Universum bezeichnet werden. Bayek ist ein sympathischer Hauptcharakter, den man gerne auf seiner ausgedehnten Reise durch das alte Ägpyten begleitet – umso mehr, als die optische Inszenierung hervorragend ist und man sich an der Schönheit Ägyptens gar nicht sattsehen kann. Allerdings erschlägt einen die riesige Karte nach einer Weile - weniger wäre hier mehr gewesen. Überall gibt es etwas zu sehen, überall gibt es etwas zu tun: Wer alle Aktivitäten und Questen beenden will, wird eine Weile beschäftigt sein. Allein für die Hauptgeschichte plus Nebenaktivitäten kann man 40 bis 50 Spielstunden rechnen.


Zusätzliches Fazit von Matthias Glanznig: Visuell ist 'Assassin's Creed Origins' zweifellos sehr stimmungsvoll gelungen und die gewaltige Spielwelt vermittelt ein recht gutes Gefühl für diesen wichtigen Teil der historischen Vergangenheit. Leider versagt Ubisoft für meinen Geschmack über weite Strecken beim Balancing: Die ersten beiden Drittel sind so einfach, wie kaum ein Action-Adventure der letzten Jahre und erst dann nähert sich der Schwierigkeitsgrad einem halbwegs vernünftigen Maß. Bis dahin kämpft man sich in nahezu schlafwandlerischer Sicherheit durch die Massen. Wer Herausforderung sucht, ist so gesehen wahrscheinlich an der falschen Adresse.

Gamedesign-Patzer passieren zudem im Open-World-Design, wo die Fülle an NPCs gerade am PC nicht selten für chaotische Situationen sorgt. Da pfeift man sein Kamel herbei und es trampelt auf dem Weg zufällig einen Passanten brutalst nieder. Oder man jagt ein Krokodil und Soldaten fühlen sich dadurch bedroht und greifen einen währenddessen plötzlich an. Solche Dinge passieren oft und stören manchmal den Spielfluss.

Abgesehen davon möchte die grundsätzlich sehr passable Hauptstory gegen Ende etwas krampfhaft eine "Origins"-Story sein und der Spannungsbogen ist im finalen Abschnitt eher seltsam geraten: Nach dem sehr intensiven Höhepunkt plätschert es etwas vor sich hin, um dann nach ein paar Stunden endlich zum Punkt zu kommen. Weniger Quantität hätte 'Origins' generell sehr gut getan. Immerhin gibt es ein vernünftiges Ende.

Unterm Strich fühlte ich mich dennoch gut unterhalten. Die Hauptfigur zählt definitiv zu den deutlich interessanteren der Assassinen-Reihe. Ein paar der Quests sind klasse umgesetzt. Selbst die Kämpfe spielen sich recht spaßig und die bunte Waffenvielfalt tröstet in einigen Momenten über die fehlende Herausforderung sowie viele repetitive Aktivitäten hinweg. Die Richtung stimmt so gesehen durchaus, sehr viel Potenzial bleibt aber (noch) ungenützt. Wem es nur um Story, Charaktere und Setting geht, der könnte hier allerdings richtig liegen.

geschrieben am 24.11.17, Susanne Lang-Vorhofer

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