Storyteller-Reviews: Thronebreaker - The Witcher Tales:

Thronebreaker: The Witcher Tales


In 'The Witcher 3 – Wild Hunt' von CD Projekt RED begegneten wir erstmals einem kleinen Mini-Game, das vielen Spielern im Herzen blieb und mittlerweile ein eigenes Stand-Alone-Spiel ist: Das Sammelkartenspiel Gwent. Seither hat sich das Spiel mehrfach weiterentwickelt und fast schon neu erfunden. Seit 23. Oktober ist 'GWENT: The Witcher Card Game’ aus der Beta und frei erhältlich. Das ist auch für unsere Storytellers-Rubrik spannend, denn zeitgleich veröffentlichte das polnische Studio die Singleplayer-Kampagne 'Thronebreaker: The Witcher Tales'. Klarerweise setzt das Spiel auf die Sammelkartenmechaniken und die atmosphärische, düstere Welt des Witchers/Hexers. Ob dieser Mix aus Storytellers-Sicht gut gelungen ist, oder ob es sogar für eingefleischte Adventure-Fans interessant sein könnte, könnt Ihr in den nächsten Absätzen lesen.

 

 

Für Rivien und Lyrien!

 

Geschichte rund um Meve Thronebreaker
Die Geschichte rund um Meve ist hervorragend erzählt. Deswegen verraten wir hier so wenig wie möglich.

Ein geheimnisvoller Erzähler spielt Gwent mit Söldnern, die ihn gefangen halten. Natürlich spielt er nicht nur Karten, sondern erzählt ihnen und Euch auch die Geschichte von Königin Meve von Rivien und Lyrien und ihren legendären Taten während des ersten nilfgaardischen Krieges 1267. In 'Thronebreaker' schlüpfen wir in die Rolle der einzigen weiblichen Herrscherin des Nordens und durchleben die schwierige Zeit gezeichnet von Kriegsfeldzügen, Banditenangriffen und Familienkrisen. Innerhalb von ungefähr 35 Stunden Spielzeit zieht Ihr mit Meve durch Lyrien, Aedirn, Mahakam, Angren und Rivien, um den Nilfgaardern Einhalt zu gebieten und die nördlichen Königreiche zu retten. 

 

Mehr wollen wir von der Geschichte nicht verraten, denn sie ist das Herzstück des Spiels. Viele, vor allem eher schwierige moralische Entscheidungen warten auf Euch und verursachen oftmals unvorhergesehene Wendungen. Typisch für die Spielwelt des Hexers Geralt gibt es in der Regel kein eindeutiges Gut oder Böse, kein Schwarz oder Weiß. Die Konsequenzen bleiben oft nebulös und erschweren die Entscheidungen. Dieser Aspekt des Abenteuers erinnert an Interactive-Fiction-Titel und bietet u. a. eine komplette deutsche und englische Vertonung. Im narrativen Bereich ist 'Thronebreaker' eines der spannendsten Storytelling-Erlebnisse der letzten Jahre. 

 

Nach einem eher gemächlichen, ruhigen Beginn spitzt sich die Geschichte immer mehr zu und lässt einen kaum mehr los. Selbst Adventure-Fans, die sonst kaum über den Tellerrand blicken, werden hier hervorragend unterhalten und sollten fast schon einen Blick hineinwerfen, denn die Geschichte steht im absoluten Zentrum. Ja, wirklich! Selbst „Rätsel“ gibt es, die im Gwent-Stil lösbar sind. Aber genug des Enthusiasmus, betrachten wir diesen Aspekt genauer.

 

 

Die Mischung machts: Das Kartenspiel als Rätselmechanik

 

Balancing aus dem Ruder
Die Hauptmechanik Gwent ist nur selten schwer und das Balancing ist (noch) nicht ganz ausgereift. Man beachte Eyck mit dem Kartenwert 105.

'Gwent' selbst tritt oftmals in den Hintergrund und das ist interessanterweise gut so. Das Sammelkartenspiel hat in der Singleplayer-Variante nicht mehr viel mit der Beta von Gwent zu tun. Ja, selbst die Release-Fassung nach dem sogenannten Homecoming-Update spielt sich in vieler Hinsicht anders. So ist es irgendwie ein Ding dazwischen und selbst Gwent-Multiplayer-Veteranen können ihre gesammelte Erfahrung nicht ganz ausspielen. 

 

Leider sind deswegen viele der 30 bis 40 Kämpfe selbst auf hohem Schwierigkeitsgraden eher einfach und manche Spielkarten sind viel zu stark und hebeln das Balancing aus. Nur zu Beginn sind manche Kämpfe etwas schwerer und brauchen womöglich etwas Eingewöhnungszeit. Die mit Karten ausgetragenen Kämpfe sind so eher ein Intermezzo zwischen den Story-Elementen und der Landkarte, die man in 2D-Rollenspiel-Manier mit Meve als Hauptfigur erkunden kann. So finden sich optional Vorräte für den Ausbau der eigenen Armee (Gold, Holz und Truppen), die zur Verbesserung des Basislagers dienen, und auch freischaltbare Karten oder Kartenfragmente. Es gibt viel zu tun und für Abwechslung ist gesorgt.

 

Im Gegenzug zu den mäßigen Story-Kämpfen gibt es waschechte Rätsel-Kämpfe, die weniger auf typische Sammelkarten-Kämpfe setzen, sondern spannende Kopfnüsse darstellen. Diese reichen vom einfachen Durchgehen einer Art Labyrinths mit einem Hund per Sammelkarten bis zu gezielten Überlebenskämpfen, wo keine Karte „sterben“, d. h. vom Spielfeld verschwinden, darf. Diese optionalen Rätsel sind quasi das spielmechanische Highlight und einige brauchen etwas Überlegung, um gemeistert zu werden. Ab und zu liegt das aber an der nicht immer intuitiven Beschreibung der Funktionsweise mancher Karten, die von Rätsel zu Rätsel variieren kann. Vereinzelt gibt es zudem kleine RNG (Random Number Generator)-Elemente bei den Rätseln. So können manche Karten zufällig gegnerische Einheiten beschädigen und, wie es der Zufall eben will, die Rätselaufgabe lösen oder vermasseln.

 

 

Die eigene Moral in Frage gestellt: Rassismus, Gewalt

 

Entscheidungen im Spiel
Die düstere Welt ist voller schwieriger Entscheidungen.

Was die Qualität des Storytellings und den Aufwand, den CD Projekt RED betreibt, ganz klar unterstreicht, ist die Komplexität Ihrer Geschichte. Entscheidungen beeinflussen nicht nur verfügbare Helden, denn manchmal verlassen diese Meve bei aus ihrer Sicht falschen Entscheidungen, sondern auch den Verlauf der Geschichte. Insgesamt gibt es um die 20 Enden, die in Nuancen oder zum Teil diametral verschieden sind. Besonders bemerkenswert ist, dass sich die polnischen Entwickler nicht zu schade sind, auch moralisch schwierige Themen anzusprechen. 

 

Wie schon in 'The Witcher 3: Wild Hunt' wird gezielt der eigene Moralkompass geprüft. Rassismus und Gewalt sind nur Beispiele der vielfältigen Themen, die hier aufgearbeitet werden. Klar steht dies in der Tradition der Entwickler, ist aber trotzdem hervorzuheben, denn die Spieleindustrie ist gerade heutzutage besonders bekannt dafür, unpolitisch zu sein und möglichst wenig anecken zu wollen. 'Thronebreaker: The Witcher Tales' ist ein Musterbeispiel dafür, dass die Kunstform Spiele gleichzeitig moralische Themen ansprechen und so Denkanstöße liefern können. Vorbildlich!

 

 

Exkurs: Die Problematik der Wertschätzung

 

Grandiose Erzählung
Trotz Schwächen siegt die Dramatik. Ein bemerkenswertes Spiel.

'Thronebreaker: The Witcher Tales' eine passende Wertung zu geben, ist keine leichte Aufgabe. Das Spiel hat klare Mängel im Gameplay-Bereich, wie das Balancing der Story-Kämpfe. Diese bekommen zwar im Dezember einen neuen Schwierigkeitsgrad per Update spendiert, sind derzeit jedoch nicht ganz ausgegoren. Im Gegensatz dazu ist die Geschichte hervorragend gelungen und für jeden Spieler uneingeschränkt zu empfehlen. Dieses hohe Storytelling-Niveau relativiert viele Schwächen und lässt beim Spielen über einige Mängel geradezu hinwegblicken. Dazu kommt der hervorragende Soundtrack, der sich auch zum Nachhören außerhalb des Spiels lohnt. Diese Punkte fließen auch in unsere Wertung hinein, denn 'Thronebreaker: The Witcher Tales' ist eine der Storytelling-Perlen der letzten Jahre und deswegen uneingeschränkt zu empfehlen – trotz der spielmechanischen Schwächen. Hier liefert CD Projekt RED Spiele-Storytelling vom Feinsten.

 


Galerien

Fazit:

Wertung: 89%

Es hat doch eine Weile gedauert bis mir 'Thronebreaker: The Witcher Tales' ans Herz gewachsen ist. Manche Kämpfe waren anfangs ungewöhnlich schwer, aber nach wenigen Stunden war das alles völlige Nebensache. Die Geschichte gefiel mir dann so gut, dass mir eigentlich das spielmechanische Kernstück – Gwent, das Sammelkartenspiel – völlig nebensächlich erschien. Ich fieberte mit Meve bis zum Ende mit, war über ihre Feinde erzürnt und wollte wissen, wie es ihr in der weiteren Geschichte ergeht. So verflogen die nächsten 30 Stunden fast gleich schnell wie die ersten paar Eingewöhnungsstunden. Rückblickend passiert mir das nur in wenigen Storytellern und selten hatte eine Geschichte eine solche Wirkungskraft auf mich. Das Balancing und die teilweise harten Kopfnüsse der Rätsel beiseitegeschoben, liefert CDPR einen der besten Storyteller der letzten Jahre. Deswegen gibt es von mir auch die klare Spielempfehlung – egal welches Genre man bevorzugt.

geschrieben am 22.11.18, Peter Färberböck

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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Thronebreaker.




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