Storyteller-Reviews: Battlefield V:

Battlefield V


In Zeiten, in denen Battle Royale die Multiplayer-Shooter beherrscht und auch 'Battlefield V' einen solchen Modus bekommt, ist eine Singleplayer-Kampagne schon selten. Die 'War Stories' vom neuesten Kriegs-Shooter von EA DICE sind genau eine solche Storyteller-Kampagne und sollen sich auch noch mit Randnotizen der Geschichte auseinandersetzen. Das klingt spannend und deswegen schauen wir uns für Euch diesen Mix an.

 

 

2. Weltkrieg mal anders: Algerien, Norwegen und die Provence

 

nazis in BFV
Nazis in Battlefield V? Keine Symbolik, aber spielbar.

Der 2. Weltkrieg wurde schon von vielen Spielen als Schauplatz genommen und war jahrelang das beliebteste Setting für Computerspiele. Deswegen hat EA DICE in 'Battlefield V' bewusst Schauplätze gewählt, die so noch nicht, oder zumindest selten, gezeigt wurden: Algerien, Norwegen und die Provence. Dabei ist nicht nur der Schauplatz eine Seltenheit, sondern auch die Protagonisten. In der ersten War Story schlüpfen wir in die Rolle eines Bankräubers, der hinter feindlichen Linien operiert, um so dem Gefängnis zu entkommen. Die zweite Geschichte dreht sich um eine norwegische Widerstandskämpferin, die ihrer Mutter dabei helfen will, das deutsche Atomprogramm zu sabotieren. Die dritte Geschichte zeigt die Geschichte zweier senegalesischer Tirailleure, die freiwillig für Frankreich kämpften und dort nur als Truppen zweiter Klasse wahrgenommen wurden. Die gewagteste Geschichte ist hingegen erst am 4. Dezember mit der ersten Erweiterung erhältlich – die übrigens alle kostenfrei sind –: Ein Panzerkommandant der Nazis, der die Panzeroffensive von Tobruk, Libyen miterlebt. Selten wird der Krieg aus Sicht der Nazis gezeigt. Das sollte eigentlich heißen, dass sich EA DICE in 'Battlefield V' einiges traut, oder? Schauen wir uns das Spiel im Detail an.

 

Krieg kann so gut aussehen – auch im Mehrspieler

 

Was für eine Technik in BFV
Technisch herausragend.

Wir konnten am PC zwar nicht mit maximalen Details (Grafikeinstellung Ultra) spielen, aber selbst knapp darunter oder auf niedrigsten Details sieht 'Battlefield V' unglaublich gut aus. Rauch, Wettereffekte oder einfach nur Skifahren durch Norwegen sind brillant umgesetzt. Oft kommt man kaum aus dem Staunen heraus. Dazu kommt der erstklassige Sound, der mich sofort ins Spielgeschehen zog. Der Kriegs-Shooter ist eine technische Meisterleistung.

 

Ebenso spaßig war der Mehrspieler-Teil, den wir für einige Stunden angespielt haben. Hier zeigt 'Battlefield V' sein wahres Gesicht und kann für Spaß oder Ärger sorgen – je nachdem, ob unser Team gewinnt. Dabei ist noch vieles nicht ganz fertig und man merkt sofort, dass der Mehrspielerteil stets erweitert werden soll. Schon am 4. Dezember wird die erste Erweiterung erscheinen und liefert neben neuen Karten auch neue Kleidung, Tarnfarben und Waffen. Den eigenen Soldaten zu gestalten ist nämlich ein Kernelement, auf das die Entwickler viel Wert legen. Selbst weibliche Soldaten kann man spielen und die Individualisierungsmöglichkeiten sind jetzt bereits ordentlich.

 

Warum schreiben wir hier vom Mehrspieler-Teil, wenn es doch um die War Stories gehen soll? Das liegt an der Länge des Einzelspieler-Teils, denn dieser dauert pro Kampagne eine knappe Stunde. Für jene, die die großen Levels genauer untersuchen und die versteckten Briefe gefallener Soldaten ist noch etwas mehr drin. Selbst mit der weiteren Geschichte Anfang Dezember sind das knappe 4 Stunden Unterhaltung, die einen Vollpreis-Titel nicht rechtfertigen können. Wer hingegen ein Origin Access Premier (nur PC) Abonnement hat und ohnehin ohne Zusatzkosten ans Spiel kommt, kann eher nur für den Storyteller-Teil des Spiels zugreifen. Widmen wir uns deswegen diesem Teil und schauen uns an, ob sich dieser denn auch entsprechend lohnt.

 

Die War Stories – Kriegsgeschichten im Hollywood-Stil

 

Meme BFV
Potential? Check. Ausführung? Naja.

Leider kann man gleich vorwegnehmen, dass das große Potenzial großteils verschenkt wird. Da es ein Spiel ist und sich auch nicht damit brüstet, möglichst historisch korrekt zu sein, sondern eher auf Authentizität setzt, gibt es natürlich historische Ungenauigkeiten. Diese sind aber auch nicht sonderlich interessant, denn das Spiel will unterhalten und maximal nebenbei das Geschichtsinteresse wecken. Spielt man die Geschichten sequentiell, hat man gleich am Anfang die interessanteste Geschichte vor sich. Denn hier traut sich EA DICE auch durchaus, den Wahnsinn des Krieges abzubilden und ist schon fast satirisch. Auffällig ist dabei die Betonung auf das Schleichen, die in allen drei Geschichten eingehalten wird. Dafür ist 'Battlefield V' weder bekannt, noch kann es das wirklich gut. Dafür kann die zweite Geschichte mit spaßigen Skifahr-Einlagen punkten. Im Großen und Ganzen ist die Geschichte der drei Teile aber einfach nicht spannend genug erzählt, um bei der Stange zu halten. Im Gegenteil sind es meist Hollywood-Klischees der heldenhaften Soldaten, die für ihr Land kämpfen oder sich heldenhaft aufopfern. Als Storyteller taugt die Kampagne also nur aus optischer Sicht.

 

Der Krieg bietet keinen Spielspaß – er ist aber interessant

 

Battlefield V Sandbox
Battlefield-Sandbox: Die War Stories alleine haben nur ganz wenige Höhepunkte.

Trotzdem finde ich, dass die War Stories durchaus einen Blick wert sind. Eben unter der Prämisse, dass man entweder das Origin Access Premier Abo hat oder das Spiel ohnehin im Multiplayer spielen möchte. Aber warum? Das ist nicht so einfach zu erklären und es folgt ein Versuch. Im Internet (vor allem auf reddit.com) entbrannten Diskussionen um einige Themen von 'Battlefield V'. Ein paar sind sinnlos, wie die Diskussion um historische Genauigkeit, oder ob im zweiten Weltkrieg Frauen als Soldaten möglich sein sollten. Zur Wiederholung: Es ist ein Spiel und will gar nicht historisch genau sein, berücksichtigt aber die heutige gesellschaftliche Normalität und holt so die Geschichte in die Gegenwart. Interessanter sind hingegen Diskussionen zum Thema, ob Krieg in Spielen überhaupt Spaß machen soll. Da bietet zumindest die erste War Story eine Antwort, denn sie zeigt satirisch, wie sinnlos Krieg ist. 

 

Darüber hinaus verzichtet 'Battlefield V' auf nationalsozialistische Symbolik, obwohl es bald einen Nazi-Panzerkommandanten zu spielen gibt und im Multiplayer ohnehin beide Seiten spielbar sind. Warum das so ist, kann viele Gründe haben. Einerseits will man wahrscheinlich nirgends politisch anecken und wahrscheinlich ist ihnen auch bewusst, dass der Krieg im Spiel eigentlich zeitlos ist. Sieht man von den authentischen Waffen ab, eine MP40, Kar98K oder Tiger-Panzer dürfen nicht fehlen, ist 'Battlefield V' ein Musterbeispiel dafür, dass es eigentlich zeitlich unabhängig jeden Krieg als Thema haben könnte. Es ist eine Art Schlachtfeld-Sandkasten, wo man experimentieren kann. Selbst die War Stories lassen das aufgrund der großen Levels zu, auch wenn sie durch den Schleichfokus nicht ganz so frei sind wie der Multiplayer-Teil. 'Battlefield V' zeigt, dass das Phänomen Krieg fast zeitlos ist. Klar könnten sie auf die 30-60 Millionen Toten eingehen, einen düstereren Ton wählen und vielleicht einen Blick auf die Gräuel werfen. Das wollen die Schweden aber gar nicht, denn es ist eher ein militärhistorischer Blick, den sie auf die Zeit werfen. Sie nutzen das Thema 2. Weltkrieg als Setting. Klar kann man das kritisch sehen, genauso wie man daran Spaß haben kann. Deswegen glaube ich, dass es der Einzelspieler-Teil durchaus wert ist zu spielen. Er regt zum Nachdenken an. Er macht bewusst, dass vielleicht die Hollywood-Action-Komödien im Krieg nicht alles sein sollten, was man zum 2. Weltkrieg wissen möchte. Vielleicht lädt man sich darauf auf Steam das kritische Adventure 'Attentat 1942'? Vielleicht nimmt man an Diskussionen teil? Vielleicht bemerkt man, dass Spiele eine Kunstform sind und Diskussionen aufgrund von Spielen erst der Anfang sind? 'Battlefield V' regt zum Nachdenken an. Der Mehrspieler-Modus bietet zusätzlich noch Spaß mit Freunden/Bekannten/Fremden.


Galerien

Fazit:

Wie bewertet man eine dreistündige Kampagne eines 60€ Vollpreis-Spiels? Schwierig. Deswegen gibt es auch keine Wertung. Ich kann jedoch abraten, nur aufgrund der War Stories 'Battlefield V' zu kaufen. Gleichzeitig finde ich schon, dass sie einen Blick wert sind. Wenn es auch nur dazu reicht, dass man sich die Wikipedia-Artikel zu Waffen durchliest, den senegalesischen Tirailleuren oder gar nur in die Gedanken ruft, dass der 2. Weltkrieg grausam war. Egal, allein die Auseinandersetzung mit diesen Themen wäre es wert. Ist es deswegen ein guter Storyteller? Keineswegs. Wäre es hingegen schade, wenn, wie bei 'Call of Duty', der Singleplayer-Teil, der vielleicht Gedankengänge anstößt, komplett wegfällt? Ja, auf jeden Fall. Deswegen bin ich hier sehr ambivalent. Wirklich spannend empfinde ich die am 4. Dezember erscheinende Geschichte rund um den deutschen Panzerkommandanten. Hier brechen sie fast schon ein unausgesprochenes Tabu. Schade, dass die War Stories insgesamt diesem Potenzial nicht gerecht werden können.

geschrieben am 28.11.18, Peter Färberböck

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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Battlefield V.




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