Reviews: Batman - The Telltale Series:

Batman: The Telltale Series


Der Start des neuesten Telltale-Abenteuers rund um den Dunklen Ritter stand bei seiner Veröffentlichung im August zunächst unter keinem guten Stern: Technische Probleme machten es für viele PC-Spieler nahezu unmöglich, mit Batman durch Gotham City zu streifen und dem Verbrechen heroisch entgegen zu treten. Dankenswerterweise wurden die technischen Probleme in kürzester Zeit behoben. Zum Ende der ersten Staffel gabs noch mal einen Patch, der Performance-Einbrüche behoben hat, sodass das Spiel bis auf ein paar kleine Aussetzer flüssig lief und der Spielspaß nicht durch technische Widrigkeiten getrübt wurde. In unseren Previews zu den ersten beiden Episoden haben wir Euch einen ersten Vorgeschmack geboten. Inzwischen ist das Spiel fertig, und wir können uns endlich der Gesamtwertung widmen.



Cool, cooler, Batman!

Batman Screens

Wayne Manor hat schon mal bessere Tage gesehen.

Wir hatten es ja bereits in der Preview zur ersten Episode festgehalten: Telltales 'Batman' hat mit der altbekannten (und durchaus kultigen) TV-Serie der 1960er Jahre so gar nichts zu tun, sondern ist viel cooler und vor allem düsterer geraten. Gleich die erste Episode katapultiert uns mitten ins Geschehen, setzt uns den Telltale-üblichen Quick Time Events aus und hetzt in gradezu atemberaubender Geschwindigkeit dahin.

Alles fängt dabei ganz harmlos an: Wir sollen Batman helfen, einen Einbruch zu verhindern. Ganz ohne Kampf geht das logischerweise nicht ab, und der Dunkle Ritter bekommt auch den ein oder anderen Kratzer ab – ein Faktum, an das wir uns gewöhnen müssen, denn die Kämpfe, die Batman auszufechten hat, sind teilweise durchaus hart und lassen ihn mit der ein oder anderen Schramme zurück. Dabei beginnt es relativ unverdächtig. Bruce unterstützt Harvey Dents Kandidatur zum Bürgermeister von Gotham City. Mehr und mehr entwickelt es sich im Lauf der insgesamt fünf Epsioden zu einer spannenden Geschichte, die einen vor den Monitor bannt und die so einige Überraschungen bzw. Wendungen parat hält.

Bruce bzw. Batman müssen gegen verschiedene Gegner antreten, die teilweise durchaus unerwartet sind. Dazu kommen temporäre Allianzen, mit denen ich persönlich jetzt nicht gerechnet hätte. Weil das alles noch nicht ausreicht, darf sich Bruce mit seiner dunklen Seite auseinandersetzen – ein Aspekt, der in abgeschwächter Form auch bei anderen Charakteren zu finden ist. Das Ende schreit geradezu nach einer Fortsetzung und macht definitiv Lust auf mehr.

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Na, kommt Euch der bekannt vor?

Wie immer stellt uns Telltale vor Entscheidungen, die ab Episode 4 auch den Ausgang der Geschichte beeinflussen können – das ist neu. Manche Twists, etwa in Episode 3, fand ich persönlich nicht besonders überzeugend, sie haben sich aber am Ende gut in die Story eingefügt. In Summe hat die Geschichte für mich sehr gut funktioniert, und es macht einfach Spaß, mit Bruce bzw. Batman durch Gotham zu rauschen, im Batmobil unterwegs zu sein und zu versuchen, die verwickelten Stränge der Verschwörung zu entwirren. Es ist auch spannend, zu überlegen, ob man eine bestimmte Situation als Batman oder als Bruce Wayne meistern möchte. Schwarz und weiß ist hier selten etwas, und das macht unterm Strich die Qualität der hervorragend erzählten, actiongeladenen Story aus, in deren Verlauf sich die meisten wichtigen Charaktere weiterentwickeln.

Welcome to Gotham City

Batmans Welt ist sehr düster geraten. Dabei wird die Atmosphäre gleichermaßen von der gelungenen Comicgrafik und der stimmungsvollen, mit Bedacht eingesetzten Musik gestützt. Auch die Rahmenbedingungen tragen ihren Teil bei: Da wendet sich ein alter Freund gegen Bruce, immer wieder entwischen Insassen aus dem berüchtigten Arkham Asylum und vormals idyllische Plätze gehören nun den Junkies und Taschendieben. Obendrein darf man sich in die Abgründe des Wahnsinns bewegen, was nicht unbedingt lustig ist – aber verdammt gut gemacht. Egal, wo man sich bewegt: Die Atmosphäre funktioniert von der ersten bis zur letzten Spielminute. Hier wurde einfach alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann.

Apropos alles richtig machen: Die Vertonung bewegt sich wieder auf einem sehr hohen Niveau. Die Sprecher sind durchwegs überzeugend. Sie transportieren die entsprechenden Emotionen, sie bedienen sich unterschiedlicher Slangs, und wenn es notwendig ist, wird auch mal die Stimme verstellt. Hier gibt es absolut nichts zu meckern.

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Ohne Batsuit geht gar nichts.

Ein Wort zur Grafik: Diese ist ebenfalls sehr gut gelungen; an manchen Stellen stört aber trotz der Patches leichtes Kantenflimmern – allerdings nicht in einem Ausmaß, das den Spielgenuss nachhaltig trüben würde. Man kann locker-lässig darüber hinwegsehen. Man gewöhnt sich mit der Zeit auch an den Umstand, dass die Gesichter der Charaktere speziell im Close-up etwas merkwürdig wirken, etwa, wenn durch schwarze Striche Falten angedeutet werden sollen, obwohl das Gesicht ohnehin schon mit „richtigen“ Falten versehen wurde. Optisch sind die Charaktere bis auf ein, zwei Figuren sofort identifizierbar, weil man sich an die aus den Comics bekannten Charakteristika gehalten hat. Die Mimik funktioniert größtenteils sehr gut, speziell ab etwa der Hälfte des Spiels, und auch Lippensynchronität wurde zumindest versucht – klappt nicht immer, aber meistens.

Zur englischen Sprachausgabe gibt es deutsche Untertitel, die teilweise nicht exakt das wiedergeben, was gesprochen wird oder die z.T. mehr übersetzen, als gesprochen wird. Teilweise fehlen die Untertitel auch oder wurden in englischer Sprache belassen – Fehler, die jetzt nicht wirklich stören, sondern die eher belustigend wirken. Ebenfalls unfreiwillig komisch: Wenn man das Arkham Asylum aufsucht, wird unten links die Ortsbezeichnung „Selinas Apartment“ eingeblendet. Das sind allerdings Kleinigkeiten, die sich durch einen weiteren Patch sicher beheben lassen.

Abgesehen von den bis zum Ende existierenden kleinen Schönheitsfehlern – die im Übrigen auch an der benutzten Grafikkarte oder veralteten Treibern liegen könnten – ist die Grafik von gewohnt guter Qualität und hat mich ab der ersten Minute begeistert. Etwas ärgerlich fand ich in Episode 5 den Umstand, dass es eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis das Spiel gestartet hat und dann noch mal eine halbe Ewigkeit, bis man zum Startbildschirm bzw. zur Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse gelangt ist. Diese Zusammenfassung fand ich zu Beginn von Episode 5 nicht sonderlich gut geglückt, da sie sehr beliebig erschien und die zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Recap-Momenten unnötig lang waren. Das ist allerdings schon Jammern auf hohem Niveau.

Action, Bat-Gadgets, Detektivmodus – Das Gameplay

Zugegeben – bei einem Telltale-Spiel von Gameplay zu sprechen ist etwas übertrieben, handelt es sich doch in der Regel um interaktive Filme. Dennoch hat Telltale bei 'Batman' viel richtig gemacht. Zu Beginn darf man festlegen, welche Farbe die Bat-Gadgets haben sollen. Das ist für den Spielverlauf zwar nicht wichtig, aber eine nette Idee.

Ansonsten ist alles wie gehabt: Wir hangeln uns durch Quick Time Events (QTEs), die dieses Mal einen Zahn zulegen – etwa, wenn wir zwei Tasten gleichzeitig drücken müssen, um etwa einen Bösewicht von uns zu stoßen. Die Kämpfe gewinnen dadurch eine eigene Dynamik, die man speziell gegen Ende hin nur als atemberaubend beschreiben kann.

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Wayne Tech erlaubt uns auch die Überwachung diverser Örtlichkeiten.

Dazu kommen Entscheidungen, deren Auswirkungen sich wie gehabt im Laufe des Spiels zeigen sollen. Wer Telltale kennt, weiß, dass diese Entscheidungen größtenteils Kosmetik sind. Dennoch wurde dieser Aspekt des Gameplays hier gut und überzeugend umgesetzt. Denn man fragt sich unweigerlich, ob die Anschuldigungen gegen Bruce und seine Familie exakt gleich vorgetragen werden würden, hätte man sich zu einem früheren Zeitpunkt anders entschieden. Man fragt sich auch, ob man eine andere Figur hätte retten oder zumindest vor einer grausigen Verletzung bewahren können, hätte man sich anders entschieden.

Eng damit verbunden ist immer die Frage, ob Bruce/Batman durch seine Handlungen seinen Absturz vielleicht selbst herbeigeführt haben könnte, und auch die psychologische Komponente wird gut herausgearbeitet. So kann man beispielsweise entscheiden, ob man einen Gegner foltert oder nicht, wobei das Auswirkungen sowohl auf die Psyche des Charakters als auch auf die Wahrnehmung der Figur durch Dritte haben kann. Im Lauf des Spiels kommt diese psychologische Komponente immer stärker zum Tragen – nicht nur bei Bruce/Batman, sondern auch bei anderen Figuren, mit denen wir zu tun haben und die uns teilweise unterstützen. Im Endeffekt hat so ziemlich jeder sein eigenes Päckchen zu tragen. Die Charaktere sind, wenn man so will, „grau“, weder nur gut noch nur böse – und das kann man zum Teil durchaus durch die Auswahl der zur Verfügung stehenden Dialogoptionen beeinflussen.

Neu ist die Funktion, die es uns erlaubt, Entscheidungen von Freunden zu sehen bzw. die Abstimmung per Voting, welche Entscheidung letztlich gefällt wird. Dabei wurde eine Veto-Funktion eingebaut: Wenn mir nicht passt, was meine Freunde entscheiden, dann kann ich ein Veto einlegen und so entscheiden, wie ich das möchte. Man kann drüber streiten, ob es das wirklich braucht oder nicht. Man kann auch sicherlich darüber diskutieren, ob es notwendig ist, am Ende eine Statistik zu präsentieren, die einem zeigt, wie moralisch man sich im Lauf der fünf Episoden verhalten hat.

Neben den QTEs, die in Kämpfen zum Einsatz kommen oder wenn es darum geht, einer Falle auszuweichen und den Entscheidungen gibt es einen ziemlich coolen Detektiv-Modus, der uns erlaubt, Tatorte zu untersuchen oder mit Hilfe von Drohnen Verdächtige auszuspionieren. Außerdem kann man mit Hilfe von Indizien Abläufe an Tatorten rekonstruieren oder Angriffe planen – und das macht richtig, richtig Spaß. Man hat alle Hände voll zu tun, wobei man sich größtenteils in altbekannten Bahnen bewegt. Neue Elemente wie die oben erwähnten Drohnen tragen ihren Teil zum Spielspaß bei. Da stört es auch nicht, dass es beispielsweise kein Inventar gibt oder dass man in weiten Teilen des Spiels nur zusieht. Es macht trotzdem Spaß, und man will immer wissen, wie es weitergeht.


Galerien

Fazit:

Wertung: 88%

Mit 'Batman' hat Telltale eines der besten interaktiven Spiele vorgelegt, die mir bis dato untergekommen sind. Hier stimmt fast alles: Die Grafik weiß zu überzeugen, technische Probleme wurden sehr flott ausgeräumt, die Geschichte zieht einen in ihren Bann, die Vertonung ist hervorragend, und am Ende fragt man sich unweigerlich: „War das schon alles? Ich will mehr!“ Das Gameplay wurde – für Telltale-Verhältnisse – verfeinert und etwas komplexer gestaltet, indem man etwa die QTEs etwas schwieriger gestaltet hat als das bisher der Fall war. Klar: Gestandene Adventure-Spieler werden 'Batman' als keine großartige Herausforderung empfinden. Der Fokus liegt allerdings auch auf der Geschichte und weniger auf den sehr einfachen Rätseln oder den QTEs. In Sachen Story weiß das Spiel voll und ganz zu überzeugen, es macht von der ersten bis zur letzten Sekunde Spaß. Mit etwa 10-12 Stunden Spielzeit passt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis.


Zusätzliches Fazit von Peter Färberböck: "I am Batman". Der wahrscheinlich bekannteste Batman-Spruch der letzten Jahre. Fan-Herzen schlagen üblicherweise höher, wenn sie selbst in die Haut des dunklen Ritters schlüpfen können. Mit dieser Erwartungshaltung ging ich auch an 'Batman - The Telltale Series' heran. Die Gadgets sind da, tolle Kämpfe sind da und natürlich die einzigartigen Bösewichte. Selbst Rocksteadys Arkham-Reihe bringt einem Batman kaum näher. Spielt man jedoch dann etwas länger, merkt man schnell, dass der Name des Spiels eigentlich Bruce Wayne sein sollte. Manchmal kann man sich sogar bewusst entscheiden, als Bruce jemanden zu treffen, nicht als Batman. Das ist neu, denn Bruce Wayne beleuchten bis jetzt selbst die Comics erst in den letzten Jahren. Bruce Wayne kombiniert mit einem diesmal wieder hochklassigen Telltale-Adventure funktioniert über die meisten Strecken nahezu perfekt. Man fühlt sich als Bruce Wayne, man leidet während der emotionalen Achterbahnfahrt förmlich mit und will Gotham retten. Folglich ist das Leitmotto des Spiels eher "I am Bruce Wayne". Klasse! Wo bleibt die nächste Staffel?


Zusätzliches Fazit von Matthias Glanznig: Telltales 'Batman' kann problemlos mit den richtig guten Superhelden-Serien im TV mithalten. Es hat nicht ganz die hohe Dynamik und Originalität von 'Tales from the Borderlands', doch das ist Jammern auf hohem Niveau. Auch in spielerischer Hinsicht macht das amerikanische Studio einen Hüpfer in die richtige Richtung. Selbst die Entscheidungen sind diesmal weniger leicht ausrechenbar, als noch beim enttäuschenden 'Game of Thrones'. Ein starkes Spiel. Mögen noch weitere Abenteuer mit der Fledermaus folgen!

geschrieben am 19.12.16, Susanne Lang-Vorhofer

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