Klassiker-Tests: Monkey Island 1 - The Secret of ...:

Monkey Island I: The Secret of Monkey Island


1990- Ein Jahr in dem Lucas Arts/Lucasfilm ihr Meisterstück (bis dahin) abliefen sollten. Angeführt von Ron Gilbert, Tim Schafer und Dave Grossman schrieb das junge Team mit 'The Secret of Monkey Island' Geschichte. Wohl kaum ein Computerspieler hat nicht schon von den Abenteuern des Möchtegern Piraten Guybrush Threepwood, oder seinem Gegenspieler, dem Geisterpiraten Le Chuck gehört. Drei Fortsetzungen sollte das Meisterwerk des Sprachwitzes bis dato nach sich ziehen und auch heute noch ist es nicht schwer nachzuvollziehen, warum der Erstling einst ganze Schuljahrgänge beschäftigt hat. In unserem Klassikertest laden wir euch daher zu einem nostalgischen Trip auf die Affeninsel ein…

 

Wo Vetter Sven denn nun eigentlich geblieben ist, weiß man bis heute nicht.

Tief in der Karibik…
Guybrush Threepwood hat es wahrlich nicht leicht. Nicht will der Jungspund sehnlicher als Pirat zu werden, daher verschlägt es ihn auf Melee Island um diesen Plan in die Tat umzusetzen. Dummerweise hat Guybrush das Problem, dass dieses Anliegen außer ihm selbst niemand ernst nimmt. Zu sehr sind die Inselbewohner (In der Regel Piraten) damit beschäftigt, ihn aufgrund seines dämlichen (Originalzitat) Namens, seines schmächtigen Körperbaus und seiner wenig männlichen Züge zu verspotten. Wenn sich die Groggurgelnden Herren da mal nicht gehörig getäuscht haben.
Will Guybrush seinen Traum erfüllen, so gilt es drei Prüfungen zu absolvieren.
Der auszubildende Pirat muss drei Künste erlernen: Die Kunst des Schatzsuchens, Die Kunst des Diebstahls und die Kunst des Fechtkampfs. Fleißig von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpernd, schafft es unser Held diese Prüfungen erfolgreich zu absolvieren. Damit wäre die Geschichte ja dann eigentlich erzählt oder? Vom Milchbubi zum Piraten, fertig ist die Heldengeschichte. Dummerweise interessiert sich nur kein Mensch (oder Zombie) für Guybrushs´ Abschluss der drei Prüfungen, denn Geisterpirat Le Chuck entführt zur selben Zeit die Gouverneurin von Melee Island -Guybrushs´ große Flamme- Elaine Marley.
Gerüchten zufolge hat der untote Pirat- mit der leicht unnatürlichen Blässe- die Gouverneurin auf die Sagenumwobene Insel Monkey Island verschleppt, deren Namen sich kein Pirat auf Melee auch nur zu auszusprechen traut. Keiner bis auf Guybrush und so folgt er der Spur Le Chucks´ in der Hoffnung seine Traumfrau aus den Klauen des Bösen zu befreien. Doch bevor es zum großen Duell zwischen Herrn Threepwood und Le Chuck kommen soll, gilt es sich unter anderem mit einer meuternden Crew, vegetarischen Kannibalen und der leibhaftigen Verkörperung des Halsabschneider-Kapitalismus- dem Schiffsverkäufer Stan- auseinander zu setzen.

Benutze Buch der Witze mit Reißwolf

Guybrush und die vegetarischen Kannibalen.

Dank dem Scumm System interagiert Guybrush mittels 12 textlich dargestellter Verben mit der Spielwelt. Rechts daneben können wir durch unser (schnell recht umfangreiches) Inventar scrollen, während wir traditionell mit F5 speichern und laden. In Dialogen kommt das Multiple Choice Verfahren zum Einsatz. Auch wenn wir manches Mal erst durch die richtige Wortwahl zum Erfolg kommen, können wir jedes Gespräch von neuem beginnen und brauchen so nicht die Angst zu haben, eventuell etwas für das weiterkommen wichtiges verbockt zu haben. (Anders als man es damals von Sierragewohnt war, worauf sich auch ein herrlicher Seitenhieb im Spiel wiederfinden lässt). Richtig knifflig wird die richtige Wortwahl allerdings dann, wenn es darum geht Schiffhändler Stan eines seiner Schiffe zu einem finanzierbaren Preis abzuschwatzen, was aufgrund des begrenzten Willens unseres Gegenübers im Preis runter zu gehen, durchaus in einen Dialogmarathon ausarten kann. Umso größer dann allerdings auch die Freude, wenn wir Stans Prachtexemplar (Hust) unser eigen nennen.

Das X markiert den Punkt

Ein (weiterer) legendärer Satz Computerspiel-Geschichte.

Auf der Rätselseite stimmt bei 'The Secret of Monkey Island' eigentlich alles. Wie man es von Lucas Spielen kennt, ist nicht jede Rätsellösung im Vorhinein logisch, aber durch die Reaktion die die Lösung auf die Umwelt hat lässt sich meistens erkennen, dass es einen begründeten Sinn für die Lösung gab. So ist 'Monkey Island' trotz niedrigem Spielumfang durchaus fordernd und der ein oder andere Erstspieler mag hier und da nur mit Trial and Error Prinzip weiterkommen. Zum Großteil lösen wir mit Guybrush Inventarrätsel, die nicht klassischer sein könnten. Doch auch die bereits erwähnten Multiple Choice Dialoge bieten das ein oder andere Rätsel. Absolut legendär sind da natürlich die Beleidigungsduelle mit anderen Piraten. Eine der drei zu erledigenden Prüfungen sieht es vor, die Schwertmeisterin von Monkey Island zu besiegen, allerdings nicht im Kampf Mann gegen Frau, sondern im Kampf Wort gegen Wort. Dafür müssen wir allerdings erst im Duell mit anderen Piraten trainieren, bis wir uns ihr stellen sollten. In diesen Duellen schmeißt man sich Beleidigungen an den Kopf, auf die es jeweils die richtige Antwort zu finden gilt. Umso mehr Übungserfahrung wir haben, desto mehr Beleidigungen und noch wichtiger, richtige Antworten auf Beleidigungen lernen wir, so dass wir der Schwertmeisterin gehörig einheizen können. Es sind kreative Rätsel wie eben dieses, die Spielegeschichte geschrieben haben und eigentlich keiner weiteren Vorstellung benötigen. Der stets humorvolle Anstrich der mit den meisten Rätseln einhergeht, macht die Knobelei in 'Monkey Island' zu einem Suchtfaktor, dem man sich einfach nicht entziehen kann.

Atmosphärisch-altmodisch

Tief unter Monkey Island...

Logischerweise kann eine Grafik aus dem Jahre 1990 heutzutage keine Begeisterungsstürme ernten, auch der Nachfolger zeigte sich zwei Jahre später optisch deutlich verbessert und dennoch… Der verpixelte Grafikstil eines 'Monkey Island 1' schafft es exzellent die lieb gewonnenen Charaktere charmant auf den Bildschirm zu zaubern. Als 'Monkey Island 3' 1997 mit – für damalige Verhältnisse- Prachtgrafik erschien, hatte es für mich den Anschein als sei mit der Modernität ein großer Reiz der ersten beiden Abenteuer verloren gegangen, denn gerade dieser charmant-altmodische Grafikstil gibt 'Monkey Island 1' eine Identität, die ich heute für nicht mehr reduplizierbar halte.
Zudem überließ es die Technik der frühen Neunziger, dem Spieler eigene Vorstellungen im Kopf zu entwickeln, während es Teil 3 – unter anderem durch die Einführung der Sprachausgabe- schwer machte, Lücken für eigene Interpretationen um Guybrush und Co zu schaffen (Was allerdings keine Abwertung der Qualität des dritten Teils bedeuten soll). Doch zurück zum ersten Teil: Gerade auf die Atmosphäre bezogen, haben die oftmals – von der Oberfläche der Affeninsel selbst abgesehen- dunklen Farben ihre ganz eigene Faszination entwickelt, die auch heute noch für wohlige Gänsehaut sorgt. Dazu noch die stimmungsvolle Musik, finstere Untote et Voila.. Fertig ist der atmosphärische Hochgenuss.

Le Chuck´s Theme

Ein schöner Tag um tot zu sein.

Wie es sich für ein Meisterwerk nun mal gehört, kann auch der musikalische Aspekt mit den restlichen Stärken mithalten. Ob es sich um stimmungsvolle Reggae Klänge oder das markant, finster-amüsante Maintheme von Le Chuck handelt, hier passt jeder Ton. Leider wurden sich die Musikstücke hier allerdings hauptsächlich für Zwischensequenzen aufgehoben, während es bereits beim Nachfolger wesentlich üppigere Musikuntermalung zu bestaunen gab. Leicht amüsant wirken heute die gelegentlichen Hintergrundsounds, wie etwa das Schlurfen von Schuhen, die sich nicht nun unbedingt nachdem anhören, was sie darstellen sollen, aber dafür kann man im Jahre 2008 wohl kaum jemandem einen Vorwurf machen.

Funktionalität auf modernen Rechnern


Wie immer bei Lucas Arts Spielen wird lediglich das Programm ScummVm benötigt.

Verfügbarkeit

'Monkey Island' ist in so einer hohen Auflage veröffentlich worden, dass es in sehr großer Stückzahl im Internet erhältlich ist. Standardmäßig dient hier besonders Ebay oder Amazon Marketplace als erste Anlaufstelle. Ob als Einzelausgabe im Karton, als Teil der '10 Adventures'-Box oder als Heftinhalt der Zeitschrift Bestseller Games, eine Verfügbarkeitsdürre in Sachen 'Monkey Island' dürfte so schnell wohl nicht stattfinden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 5 / 5

Was soll ich sagen, schon als die ersten Worte auf dem Screen erschienen, war es wieder da, dieses glorreiche 'Monkey Island' Fieber. Der Spielumfang ist eher geringerer Natur, aber für die meisten Spieler die es zum ersten Mal spielen, dürften die knackigen Rätsel trotzdem viele Stunden an perfekter Unterhaltung bieten. Die Charaktere sind wunderbar amüsant und originell. Die vor absurd-sympathischem Witz triefenden Dialoge sind nicht nur so lustig, wie nur ganz wenige andere Spiele, sondern ganz nebenbei auch noch sehr intelligent geschrieben. Ebenso wissen die vielen Querverweise auf andere Lucas Spiele oder Filme zu begeistern. Auch das Gameplay könnte kaum besser sein. Die Rätsel sind fordernd, dabei nicht minder originell und machen einfach einen Heidenspaß. 'Monkey Island' ist auch heute noch so gut, dass sich auf Humor ausgelegte Spiele nach wie vor an Gilberts Kultspiel messen lassen müssen. Es kann kommen was will, für 'The Secret of Monkey Island' wird im Adventureolymp immer ein Platz frei sein!
Ingmar Böke

geschrieben am 29.07.08, Ingmar Böke

Systemanforderungen Weitere Links
ScummVM

Download von ScummVM
Trailer im Adventure Corner Videoplayer


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Dieser Klassiker-Test gehört zu  Monkey Island 1.




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