gc2016: Der Blick über den Tellerrand: Storytellers der Messe Teil 1

 

 

 

 

Kingdom Come: Deliverance

 

Das Projekt der tschechischen Entwickler Warhorse Studios 'Kingdom Come: Deliverance' scheint auf ersten Blick ein weiteres Open World RPG zu sein. Schon bei der zeitlichen Auswahl wird dies etwas eingeschränkt. 1403 während des Streits der beiden Brüder Sigismund und Wenzel um das Königreich Böhmen und den Thron des Heiligen Römischen Reiches. Diese Vorgeschichte der Hussitenkriege prägte das Europa des Spätmittelalters maßgeblich. 

Andere Kernelemente des Rollenspiels sind schon eher typisch: storylastig, exploratives Wandern und investigative Missionen. Das Kämpfen soll nur eine von vielen Möglichkeiten sein. Beim Stichwort Kämpfe fällt der Fokus der Tschechen am deutlichsten aus. Sie wollen nämlich ein realistisches Mittelalter-RPG, das die damalige Welt, soweit sie erforscht ist, widerspiegelt. So ist die Spielwelt der wirklichen Welt der Zeit nachempfunden und findet in einem echten Fleck Böhmens statt. Außerdem wollen sie bei Rüstung und Schwertkampf einen Realismus erreichen, den vorher noch kein Spiel erreicht hatte. Weg vom durchchoreographierten Schwert-Ballett, hin zu realistischem Schwertkampf und Fechtkunst. Unser Held Heinrich kann deshalb auch nicht vom Sohn eines Schmiedes zum König werden. Er bleibt quasi ein Niemand.

Auf der gamescom zeigten sie uns anfangs neue Waffentypen wie Langwaffen (Speere, Hellebarden) oder Dolche, die für das schnelle Töten aus dem Schleichen verwendet werden können. Letztere sind im offenen Kampf nutzlos, erstere sind mächtige Distanzwaffen. Das integrierte Kollisionssystem macht dies deutlich, denn in Innenräumen oder engen Gängen kann man mit Hellebarden kaum kämpfen. Dieses System führt aber auch dazu, dass beispielsweise Bogenschützen gefährliche tödliche Gegner sind und schnell im Nahkampf ausgeschalten werden müssen.

Das Rüstungssytem zeigt ähnliche Komplexität, denn schon der Oberkörper kann durch sechs verschiedene Schichten geschützt werden, die Beine und der Kopf jeweils mit vier. So schützt Plattenrüstung gegen scharfe Waffen, ist jedoch gegen stumpfe Waffen wirkungslos. Ein gepolstertes Hemd darunter macht diesen Nachteil wieder etwas wett. Zusätzlich gibt es auch noch Ringe und Sporen als Accessoires.

Danach zeigten sie die Open World Elemente und die verschiedenen Möglichkeiten, die man bei Aufgaben einschlagen kann. Selbst ein Fehlschlag ist beispielsweise eine Möglichkeit und verändert die Spielwelt bzw. die Geschichte. Die groben Ereignisse, wie sie in Geschichtsbüchern stehen, bleiben aber unverändert. Als Beispiel diente eine investigative Mission, wo man ein Lager sabotieren sollte. Dazu rüsteten sie Heinrich so aus, dass er ein Meister des Schleichens war. Somit ist er zwar lautlos, aber sobald er gesehen wird, werden die Wachender gegnerischen Fraktion äußerst misstrauisch. gepolsterte, extra getarnte Rüstung ist eine Seltenheit.

Im Lager der Kumanen zeigt sich, dass auch verschwundene Wachen in diesen Hochsicherheitszonen durchaus auffallen. Lautlos klaut man sich eine Rüstung eines Kumanen und kann sich, dank der gelevelten Überzeugungskraft von Heinrich, mit wenigen ungarischen Worten ins Lager einschleichen - die Kumanen waren nämlich Ungarn. Standesgemäß vergiftet man dort ihr Gulasch, kann Pfeilfässer anzünden oder gar das Stroh und den Dunghaufen in Flammen stecken, sodass in der späteren Schlacht die Bogenschützen völlig wirkungslos sind. Natürlich haben auch hier die Aktionen verschiedene Auswirkungen und können Alarm auslösen. Eine schnelle Flucht durch die Hecken beendet dann die Vorführung.

Die Warhorse Studios versuchen bewusst schwierigere Themen anzugehen und so wird auch der beginnende Nationalismus der Zeit angesprochen, oder das schwierige Verhältnis zwischen Banditen, Söldnern und Soldaten gezeigt. Dazu gehen alle Charaktere ihren Tagesabläufen nach und selbst der "Faustkampf" ist historisch richtig mit den Handballen. Den Charakter verbessert man hauptsächlich über die Ausrüstung und in geringerem Ausmaß über sogenannte Perks, wodurch Heinrich dann in gewissen Waffentypen oder in der Überredungskunst besser geschult ist. 

'Kingdom Come: Deliverance' will die Lücke zwischen Rollenspiel und Realismus/Historismus kleiner machen und brilliert durch die abmitionierte Vielschichtigkeit. Das Mammutprojekt soll 2017 für Xbox One, PS4 und PC erscheinen.

 


 

 


Days Gone

 

In 'Days Gone' spielen wir einen Kopfgeldjäger nach einer globalen Pandemie. Die grafisch überzeugende Zombie-Action erinnert im ersten Moment an 'The Last of Us', setzt jedoch deutlich mehr auf Action, denn auf Story und Stealth-Gameplay. Sonys 20-minütige Präsentation wurde zu etwa 50% damit verbracht vor hunderten Zombies davonzulaufen und diese Horde langsam mit Waffengewalt zu dezimieren. Dabei erlaubt die Umgebung einigen Spielraum für unterschiedliche Strategien und andere Laufwege. In spielerischer Hinsicht bot diese Open-World-Action wenig Neues und die Qualität der Story ist schwer einzuschätzen. Einen Release-Termin gibt es noch nicht.

 

 

 


 

 

Bound

 

Anspielbar war in den öffentlichen Hallen auch der am 16. August für die PlayStation 4 veröffentlichte, narrativ angereicherte 3D-Plattformer 'Bound', bei dem es u.a. darum geht, die ungewöhnliche Umgebung durch ästhetische Tanzbewegungen zu erkunden. Für Fans von atmosphärischen Spielen wie 'Journey' könnte 'Bound' eine sehr interessante Wahl sein. Allerdings sollte man damit rechnen, dass es einige Geschicklichkeiteinlagen gibt und auch Sterben möglich ist (was aber keine dramatischen Konsequenzen hat).

 

 

 

 

Titanfall 2

 

Beim Stand von EA durften wir eine kommentierte Version eines 20 minütigen Ausschnitts der Einzelspieler-Kampagne von 'Titanfall 2' sehen. Die ehemaligen Infinity Ward-Mitarbeiter betonten, dass es zwar ein gewisses 'Call of Duty'-Feeling in der Einzelspieler-Kampagne aber auch ruhigere und nachdenklichere Momente geben wird. Es soll also kein reines Action-Stakkato werden, sondern Exploration und die persönliche Verbindung des Hauptcharakters mit seinem Titan sollen ebenso im Vordergrund stehen. Es wurden sogar Puzzles und Platforming erwähnt. Freunde narrativer Spiele können den Titel also etwas genauer betrachten.

Das 'Titanfall'-Universum soll weiterhin tiefgründiger und vielfältiger als auf dem ersten Blick bleiben. Dieses Mal spielen wir John Cooper, ein Mitglied der Milita, der dort nur einfacher Schütze ist. Sein Traum ist es zur Elite zu gehören und ein Pilot, inklusive eigenem Titan, zu werden. Er dient auf dem Großkampfschiff MCS James MacAllen und soll die Rolle seines wohlwollenden vorgesetzten einnehmen. Nach einem Angriff und anschließendem Absturz erfolgt genau das und man erlebt erste Dialoge zwischen dem Titan und John. Dabei gibt es auch mehrere Dialogoptionen, die auch Auswirkungen auf das Spiel haben sollen. Schnell merkt man, dass das Großkampfschiff auch Forschungsschiff und noch in so einigen mysteriösen Dingen verwickelt war. Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine bestimmt das Spiel und es wird auch einige Platform-Sequenzen sowie Rätsel geben. Wie viel Tiefgang diese Zweierbeziehung und die Geschichte wirklich haben wird, wird sich spätestens beim Release am 28. Oktober zeigen. Potential hat die Geschichte und kann den üblichen storylastigen Shootern durchaus Paroli bieten.

 

 

 

zum zweiten Teil der gc2016 Storytellers


geschrieben am 27.08.2016, Team Adventure Corner




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