Reviews: Tales of Monkey Island:

Tales of Monkey Island - EP4: The Trial and Execution of Guybrush Threepwood


Spätestens seit seinem dritten Abenteuer weiß der Adventurekundige Zocker, dass Guybrush Threepwood, seines Zeichens mächtiger Pirat, Herr über Geister, Zombies und erfahrener Schatzsucher, im Grunde gar nicht sterben kann, ist er doch nichts weiter als eine „liebevoll gezeichnete Trickfigur“. Umso verblüffender mag da der Titel des vierten und vorerst vorletzten Teils von Telltales Episoden-Abenteuer 'Tales of Monkey Island ' anmuten, der das vorzeitige Ableben Guybrushs in Aussicht stellt. Bedeutet das etwa das endgültige Ende der Piratensaga? Muss man den fünften Teil gar ohne den bekannten PC-Piraten bestreiten? Wie wird wohl Elaine mit diesem Verlust umgehen? Naja, aufgrund des gruseligen Voodoofluchs der auf der schönen Elaine lastet, kann man zumindest die letzte Frage mit relativer Sicherheit beantworten, die da lauten würde „ziemlich gut“. Sollte Guybrush nämlich den Voodooschwamm La Esponja Grande nicht rechtzeitig einsetzen, dann würde Elaine den Rest ihres Daseins als mordgieriger und aufbrausender Zombie fristen. Und nicht nur sie: die halbe Karibik scheint mittlerweile von dem garstigen Fluch befallen zu sein. Kann der Spieler da die Hinrichtung von Guybrush überhaupt Verantworten? Absolut nicht! Also ran an die Säbel und säubert eure Musketen! Telltale hat zum vierten Mal aufgetischt und wir haben vorgekostet.


Tief in der Karibik...


Für den Vierten Teil gehts zurück nach Flotsam Island.

Nachdem man im dritten Teil das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Walrosse zur Paarungszeit ausgiebig studieren musste, um Guybrush aus den nass-klebrigen Eingeweiden des Meeressäugers zu befreien, gab es leider kein Happy End, sondern stattdessen einen gemeinen Schlag auf die Rübe von der hübschen aber gefährlichen Kopfgeldjägerin Morgan LaFlay, die Guybrush nun zurück nach Flotsam Island bringt und ihn gerade dem verrückten DeSinge ausliefern will, als plötzlich eine wütende und infizierte Meute von Flotsams Einwohner sich Guybrush bemächtigt und ihn kurzerhand vor den Kadi schleppt. Schlimme Dinge werden Threepwood vorgeworfen: Zufügung einer Verbrennung dritten Grades durch Nachokäse, Verbreitung gefälschter Piraten-Action-Figuren, seelische Terrorisierung einer Katze und andere Grausamkeiten soll unser Held verübt haben und nur er selbst kann seine schmuddelige Weste wieder reinwaschen. Das könnte sich aber als schwieriger als zunächst angenommen erweisen, denn Anwalt der Kläger ist niemand anderes als Tausendsassa Stan und jeder der den redegewandten Karoträger schon einmal in Aktion gesehen hat, der wird sich an dieser Stelle wundern, dass Stan erst im fünften Anlauf die Juristerei für sich entdeckt hat, denn hier ist er wahrlich in seinem Element. Guybrush muss Beweise für seine Unschuld sammeln und die vermeintlichen Zeugen austricksen um wieder auf freien Fuß zu kommen, denn nur er kann mit Hilfe des im dritten Teil erworbenen Voodooschwamms eine Zombie-Epidemie verhindern.


Der Verrückte Marquis DeSinge ist wieder mit von der Partie.

Kam der dritte Teil als ein relativ abgeschlossenes Adventure daher, das nicht viele Vorkenntnisse aus den ersten beiden Episoden verlangte, so ist der vierte wieder um einiges stärker in den Kanon der 'Tales'-Reihe eingebunden und daher empfiehlt sich auf jeden Fall die ersten drei Abenteuer zu absolvieren, bevor man sich an den neuen Teil macht. Die Rätsel lassen sich zwar auch ohne Insiderwissen lösen, aber um die Story komplett zu durchblicken sind Vorkenntnisse dringend nötig und diejenigen, die mit Teil Eins bis Drei nicht vertraut sind, werden zwangsläufig einiges verpassen, denn Telltale zieht mit dem vierten Teil storytechnisch an. Schon allein der erste Part von 'The Trial and Execution of Guybrush Threepwood' knüpft mit dem pointierten Erscheinen des alten Stan und einer kuriosen Gerichtsverhandlung beinahe an alte Zeiten an. Die Dialoge sind clever, witzig und sprühen vor sprödem, bärbeißigen Piratencharme. Ein absolutes Novum liegt im zweiten Akt, als die Geschichte um den Voodoofluch ernstere Züge annimmt. Der Transit vom bekannt albernen und spaßigen Abenteuer in ernstere Gefilde geht fließend vonstatten und zum ersten Mal in der Geschichte von Monkey Island, mag der Spieler erkennen, dass selbst eine Zeichentrickfigur das Zeitliche segnen kann.


Die Rätsel sind leider wieder ein wenig zu einfach.

Die Rätsel können da leider nicht ganz mithalten und gehen oft zu schnell von der Hand. Hier muss Telltale auf jeden Fall noch eine Schippe drauflegen, um mit dem Piraten-Episoden-Epos komplett den Durchbruch zu schaffen. Zwar sind die meisten Aufgaben originell und, wie für das Karibikabenteuer üblich, hervorragend in die Story eingearbeitet, aber die Lösung präsentiert sich dem erfahrenen Abenteurer ein wenig zu eindeutig. Selten muss man mal richtig knifflig um die Ecke denken um die Nuss zu knacken. Vor allem da 'Execution' schon den vierten von insgesamt fünf Teilen darstellt, könnte man so etwas wie eine Lernkurve verlangen. Schließlich will der Pirat von heute mental gefordert werden.


Hoch am Wind


Stan ist mittlerweile Jurist. Wen wunderts?

Grafisch legt 'The Trial and Execution of Guybrush Threepwood' im Gegensatz zu den Vorgängern noch einen drauf und präsentiert sauber gerenderte Hintergründe und größtenteils hervorragend animierte Charaktere. Vor allem in der Mimik der Nebencharaktere lassen sich im Vergleich zum dritten Teil deutliche Unterschiede erkennen. Die Kritik bleibt aber dennoch die gleiche: Telltales beschränkte Engine schafft es nur bedingt mit sterilen Stränden und peinlich gepflegten Djungelpfaden echtes Piratenfeeling aufkommen zu lassen. Natürlich lassen sich bei niedrigerem Budget solche Abstriche nicht vermeiden und hässlich ist das Ganze keinesfalls, aber wenn das Interieur der Piratenbar eher nach gepflegtem Familienrestaurant aussieht, als nach einer Kaschemme in der sich stinkende Seeräuber Blut und Rotz aus dem Leib prügeln, dann drückt das schon ein wenig aufs Gemüt.


Aber hallo! Zwei hübsche Damen duellieren sich um Guybrush!

Im direkten Vergleich zum dritten Teil kann Michael Lands Musik deutlich mehr überzeugen. Ob es an der vertrauteren Atmosphäre der Karibikinsel an Stelle eines Walrossbauches liegt, oder an der Tatsache, dass Teil Vier wesentlich mehr dramatisches Element enthält, wer weiß. Die heißen Calypsonummern und ruhigen Streicher-Staffetten sowie mitreißende Vollorchester-Passagen wissen auf jeden Fall zu gefallen und machen hie und da auf mal einen grafischen Mängel wett.


Galerien

Fazit:

Wertung: 85%

Wer die Review zum dritten Teil gelesen hat, dem mag das Fazit bekannt vorkommen: der zu leichte Schwierigkeitsgrad ist immer noch ein Manko, genauso wie die mittelprächtige Grafik. Was Teil 3 im Gegensatz zu seinen Vorgängern besser machte, gelingt auch dem vierten Teil: die Story wird, idealerweise für ein Episodenadventure, immer spannender und bleibt auch im vorletzten Teil kohärent. Wer es bis hier gespielt hat, der wird um Teil 5 niemals herumkommen. Musik und Sound können ebenfalls einen kleinen Aufwärtstrend verbuchen und so ist 'The Trial and Execution of Guybrush Threepwood' der bislang stärkste Teil der Quintologie, lässt aber immer noch Luft nach oben. Bleibt zu hoffen, dass die Jungs und Mädels von Telltale für das Finale noch mal zulegen können. Wir sind gespannt.

geschrieben am 03.12.09, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
2.0 GHz +
512MB
DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
DirectX 8.1 kompatible Grafikkarte mit 128MB
DirectX 9.0c
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Dieses Review gehört zu  Tales of Monkey Island.




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