Reviews: Tales of Monkey Island:

Tales of Monkey Island - EP5: Rise of the Pirate God


Trinkt aus, Piraten!

Die Sonne senkt sich auf die geglätteten Wogen des Meeres, die dichten Wolken lichten sich. Eine kalte Brise kommt auf und umspielt das Topsegel während der purpurne Himmel langsam aber sicher immer dunkler wird. Auch das grüne Meer verwandelt sich mit der sterbenden Sonne immer mehr in ein schwarzes, unheilvolles Wasser. Ein Mond geht auf. Kein Laut ist hier zu hören, hier, irgendwo im Golf von Melange, dem grausamsten und geheimnisvollsten Ausläufer der Karibik. Trinkt aus Piraten, jo-ho! Trinkt aus und dann, solltet ihr irgendwo auf dieser Welt auch nur die blasseste Erinnerung an einen sicheren Hafen haben, an eine Geliebte, an einen Freund, oder einfach nur an einen Zufluchtsort, dann hisst die Segel und macht Fahrt, denn hier könnt ihr nicht bleiben. Die Karibik ist keine freundliche und warme Kulisse mehr, kein Mix aus Salz und Sonne, aus Kokosnuss, Grapefruit und Banane, kein Ort mehr, an dem man sich Geschichten über Glanz und Gloria der Piraterie erzählt. Denn, hör gut zu Seemann, Smutje, einsamer Ausguck im Krähennest: Guybrush Threepwood, mächtiger Pirat und einziger Mann im Kampf gegen den dämonischen Captain LeChuck ist tot. Sein Körper verrottet und sein Geist ist verschwunden. Fahr zu Seemann. Das Ende der Piraten-Ära ist eingeläutet.

Wie konnte es dazu kommen?


Guybrush hat tatsächlich das Zeitliche gesegnet.

Du willst wissen, warum der wahrscheinlich tapferste Pirat, der jemals die Karibik besegelte nun in einer schäbigen Holzkiste unter vier Kubikmetern Dreck liegt und von Würmern zerfressen wird? Na gut. Rück ein wenig näher, dann erzähl ich es dir.

Threepwood hatte endlich alle nötigen Gegenstände beisammen um die Waffe zu schmieden, die LeChucks endgültigen Untergang bedeuten würde: den verfluchten Krummsäbel von Kaflu. Aber irgendetwas lief mit dem Malzbiergemisch das er für den finalen Schlag benutzte schief und anstatt den Dämonen-Piraten zu vernichten, verwandelte LeChuck sich zurück in einen Menschen. Threepwood aber wurde durch die folgende Voodooexplosion an die Küste von Flotsam Island geschleudert und seine Hand von LeChucks grausamem Fluch besessen. Wieder von der Insel herunter zu kommen war schwieriger als Guybrush gedacht hatte, denn alle Winde wehen auf der gottverfluchten Insel Land einwärts und zusätzlich hatte es auch noch der wahnsinnige Wissenschaftler LeSinge auf Guybrushs Damönenhand abgesehen. Threepwood konnte trotzdem entkommen, obwohl er seine linke Hand dalassen musste.

Die Karten lügen nicht. Guybrush wurde betrogen.

Die Voodoo Lady, die Guybrush auf Flotsam getroffen hatte, erklärte ihm was nun zu tun sei. Denn die Explosion hatte nicht nur verheerende Folgen für Guybrushs Hand, sondern für die ganze verdammte Karibik! Sind dir die ganzen grünen Piraten in der letzten Zeit nicht aufgefallen? Die Pocken von LeChuck, eine Krankheit zehnmal so schlimm wie der schlimmste Skorbut, verbreitete sich in rasender Geschwindigkeit über den Golf von Melange. Um der Epidemie Einhalt zu gebieten musste Guybrush sich auf die Suche nach einem Artefakt machen. Nein, nicht Big Whoop, Big Whoop ist dagegen so mächtig und geheimnisvoll wie eine Piraten-ÜberraschungsEi-Figur. Threepwood brauchte die magischen Fähigkeiten von La Esponja Grande, dem Voodooschwamm.

Gehetzt von dem schrecklichen Gedanken Elaine mit LeChuck allein gelassen zu haben und außerdem gejagt von der schönen aber gefährlichen Kopfgeldjägerin Morgan LaFlay, wurden die Beiden schließlich mitsamt Kapitän Van Winslow von einem riesigen Walross verschlungen, überlebten aber dieses grausame Schicksal und trafen im Inneren der Kreatur auf Coronado de Cava, Exfreund der Voodoo-Lady und Experte für Voodooschwämme. Frag mich nicht woher ich das weiß. Guybrush konnte schließlich irgendwie aus dem Walross entkommen und fand La Esponja Grande auf dem Grund des Meeres. Bevor er ihn aber benutzen konnte, schleift Morgan ihn zurück nach Flotsam. DeSinge hatte ihr den Auftrag gegeben, denn er wollte nebst der Hand nun auch noch den Rest von Guybrush für Versuchszwecke haben.

Der Fährmann wartet schon um Guybrush auf die "Andere Seite" zu bringen.

Auf Flotsam wurde Guybrush aber, noch bevor der verrückte Franzose ihn anrühren konnte, verhaftet und vor Gericht geschleppt. Neben der Anklage, die Karibik mit den furchtbaren Pocken zu Grunde richten zu wollen, wurden Guybrush auch noch diverse andere Kinkerlitzchen angelastet. Er verlor wertvolle Zeit bis er schließlich Freispruch für alle Anklagen erwirken konnte. Alle außer Pocken-Klage. Um den Schwamm einsetzen zu können, musste Threepwood ihn mit Hilfe eines Voodoorezeptes wachsen lassen, aber als er endlich glaubte, der Schwamm sei einsatzbereit und dieses entsetzliche Abenteuer zu Ende, da tauchte LeChuck auf und zeigte sein wahres Gesicht. Seine Transformation in den gütigen Menschen LeChuck war nur eine Maske, eine Täuschung um die geballte Voodoomacht, aufgesaugt durch den Schwamm, für sich zu gewinnen. Und so kommt es, wie es kommen muss, denn die Karibik ist kein Ort für ein Happy End. LeChuck ersticht erst Morgan und spießt dann Guybrush mit dem verfluchten Krummsäbel von Kaflu auf.

Hörst du das? Ist es das irre Lachen eines Geisterpiraten oder nur das Plätschern der Wellen? Und was ist das Leuchten in der Ferne? Ein paar einsame Irrlichter oder die glühenden Augen eines Dämon? Gute Fahrt, Seemann. Die Geschichte ist aus und ich muss jetzt Segel setzen, muss fort von hier, bevor auch noch der letzte Lichtstrahl erloschen ist. Seit Guybrushs Tod ist der Golf von Melange zu einem wahrhaft verfluchten Ort geworden.


Sag niemals nie!


Selbst Guybrushs Geist ist ein Meister im Beleidigungsfechten.

Also, soll es das wirklich gewesen sein? Mitnichten! Telltale lässt die Piraten-Fan-Gemeinde nicht hängen und präsentiert nach dem düsteren und morbiden 'The Trial and Execution of Guybrush Threepwood', den fünften und letzten Teil ihrer Saga 'Tales of Monkey Island': 'Rise of the Pirate God'. Ja, genau das will LeChuck nämlich werden: ein mächtiger Piraten-Gott. Und Guybrush ist zwar immer noch vorhanden, aber im Augenblick in einem so desolaten Zustand, dass er nicht einmal eine Feder aufheben kann. Guybrush ist nämlich, wie es sich für einen jüngst Verstorbenen gehört, ein Geist. Mehr soll hier zum Plot nicht verraten werden, nur soviel: wer glaubt, dass Guybrush aufgibt, bloß weil sein Körper gerade als Dartscheibe missbraucht wird, der irrt gewaltig.

Das Gameplay des letzten Teils unterscheidet sich dabei in keiner Weise von den vorigen vier Teilen, und diejenigen die Guybrush bis hierher gelenkt haben, werden sich in der Karibik um den Golf von Melange sofort zu Hause fühlen. Eine kleine aber gemeine Besonderheit hat das letzte Kapitel aber in sich. Geister-Guybrush kann in der realen Welt keine Gegenstände aufnehmen und auch nichts anfassen. Der Spieler wird als nicht umhin kommen, sollte er denn den Kampf gegen LeChuck wagen, Guybrushs Geist mit seinem langsam verwesenden Körper zu vereinen. Dabei gilt es natürlich wieder Rätsel zu lösen, Beleidigungsduelle zu führen und diverse andere Abenteuer zu bestehen.

Die letzte Schlacht beginnt.

Leider macht 'Rise of the Pirate God' dabei nach den etwas längeren und schwierigeren Teil 3 und 4 wieder ein Schritt in die falsche Richtung. Allzu leicht sind die kleinen Rätsel gelöst und allzu schnell der Abspann erreicht. Auch wäre es nett gewesen, die vielen Gastrollen, wie Murray oder Stan, noch einmal zu integrieren und in die Handlung mit einzubeziehen oder wenigstens noch einmal auftreten zu lassen. So bleibt es für die alten Bekannten tatsächlich bei Cameos. Die einzelnen Handlungsfäden der Saga werden aber nett verknüpft und bekommen mit der ungewöhnlichen Kulisse in Teil Fünf einen netten Showdown.

Obwohl hier nicht verraten wird, wo sich 'Rise of the Pirate God' größtenteils abspielt, sollte doch erwähnt werden, dass die etwas klobige Grafik, die in den vorigen Teilen manchmal fehl am Platze wirkte, hier besser zur Geltung kommt, was Teil Fünf zumindest grafisch auf Platz 1 verglichen mit den anderen Episoden hebt. Die Musik von Michael Land wirkt dafür in 'Rise of the Pirate God' ein wenig uninspiriert. Vor allem wenn man den actionlastigen Showdown und seinen Aufbau betrachtet, hätte es hier gerne etwas mit ein bisschen mehr Schmackes geben können.


Galerien

Fazit:

Wertung: 83%

Fazit
Die erste Staffel der Piraten-Saga 'Tales of Monkey Island' ist abgeschlossen und es ist Zeit ein kleines Resümee zu ziehen. Telltales Episoden-Fortsetzung zum wahrscheinlich berühmtesten aller Grafikadventure ist ambitioniert, aber nicht genial. Das größte aller Wunder ist wahrscheinlich, dass nach dem gefloppten vierten Teil im Jahre 2000, Lucas Arts Distanzierung zum Adventure-Genre und den vielen Gerüchten um eine Fortsetzung im Jahre 2015 oder noch später, die von Offiziellen mal bestätigt wurden und mal nicht, Telltale kurzerhand in die Bresche sprang und das schwere Erbe weiterführte. Verglichen mit den ersten drei Teilen aus den 90er Jahren, kann 'Tales' nicht mithalten. Die Dialoge sind nicht ausgereift genug, die Gags wollen so manches Mal nicht richtig zünden und auch die Grafik ist, obwohl wie das gesamte Projekt bemüht, manchmal eher ein Dorn im Auge. Dafür wurde das 'Sam and Max' erprobte Fortsetzungskonzept gut auf das 'Monkey Island' Universum angewendet. Die Episoden erzählen definitiv eine gemeinsame Geschichte, versuchen aber auch gleichzeitig eine eigene kleinere und in sich abgeschlossene Geschichte zu erzählen. Das Gesamtkonzept kommt dabei aber wesentlich besser weg. Zusammen mit allen anderen Wertungen zeigt das Endergebnis ein durchaus Überdurchschnittliches Adventure, das zu spielen sich allemal lohnt, und auf dessen Fortsetzung man ruhig hoffen darf und sollte. Vielleicht ist es an der Zeit, die ersten drei Teile endlich in den Adventure-Olymp zu verfrachten und sie nicht mehr zu Vergleichszwecken zu verwenden.


geschrieben am 21.12.09, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / Vista
2.0 GHz +
512MB
DirectX 8.1 kompatible Soundkarte
DirectX 8.1 kompatible Grafikkarte mit 128MB
DirectX 9.0c
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