Reviews: The Journey Down:

The Journey Down - Over The Edge


Afrikanische Maskenköpfe und Hobbypiloten im Kampf gegen einen mysteriösen Energiekonzern. Klingt durchgedreht, oder? Zugegeben, ganz frisch ist diese Reise nicht mehr. Schon vor gut zwei Jahren wurde das Adventure 'The Journey Down' mit dem Untertitel 'Over the Edge' als Freeware-Variante mit niedriger Auflösung für den PC an abenteuerhungrige Zocker verteilt. In diesem Jahr wurde das Spiel der schwedischen Softwareschmiede Skygoblin neu veröffentlicht. Außer hochauflösender Grafik, komplett vertonten Dialogen und neuen Rätseln gibt es einen weiteren entscheidenden Unterschied: 'Over the Edge' wird nach und nach durch drei weitere Folgen zu einem größeren Episodenadventure ergänzt werden. Da der zweite Teil, glaubt man den vagen Aussagen des Entwicklerteams, nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, haben wir uns die erste Folge vorgeknöpft und sagen euch ob sich Zeit und Geld lohnen um dieses durchaus ungewöhnliche Independent-Abenteuer anzugehen.

 

REVIEW: Chapter 2

REVIEW: Chapter 3

 


Das Leben eines Tankwarts...

Bwana und sein Bruder Kito müssen der schönen Lina helfen.

... ist nicht besonders glamourös. Glaube ich jedenfalls. Bei Bwana ist es auf jeden Fall so. Er und sein Bruder Kito schmeißen in Kingsport Bay eine Tankstelle für Wasserflugzeuge und Boote, die man mit Wohlwollen als schäbige Bruchbude bezeichnen könnte. Das Geschäft läuft schleppend und Bwana und Kito machen sich Sorgen darüber, wie sie in Zukunft über die Runden kommen sollen. Zu allem Übel hat der mächtige Energiekonzern Armando Co. den lokalen Stromanbieter geschluckt und ist mit Kunden in Zahlungsrückstand wesentlich weniger nachsichtig. Kurzerhand wird der Tankstelle der Saft abgedreht und für Bwana und Kito sieht es buchstäblich düster aus. Aber bevor sie zwei klare Gedanken zur miesen Situation machen können, schneit eine hübsche junge Dame herein die dringend Hilfe benötigt. Sie ist auf der Suche nach einem alten Buch, laut ihren Nachforschungen zuletzt im Besitz eines gewissen Kaonandodo. Bwana und Kito werden stutzig. Den Namen ihres seit langer Zeit verschollenen Vaters haben sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. Das Buch, sagt die Dame mit Namen Lina, ist der Schlüssel zu einem gut gehüteten Geheimnis. Einem Geheimnis das mit dem mysteriösen Underland zusammenhängt. Das Underland liegt, darf man den vielen Märchen und Geschichten glauben, auf der anderen Seite der Welt und damit jenseits der Kante. Nur darf seit langer Zeit niemand mehr auf die andere Seite. Die komplette Kante ist Sperrgebiet. Und wer hat die Grenze aufgestellt? Dieselben Fieslinge die Bwanas Tankstelle gerade das Licht ausgeknipst haben. Für Motivation ist also gesorgt und Bwana und Kito erklären sich einverstanden Lina zu helfen.


Es muss nicht immer Telltale sein


Die Rätsel sind nicht zu schwer aber kniffelig genug um richtig Spaß zu machen.

'The Journey Down' spielt sich als klassisches Grafikadventure mit offensichtlichen Anleihen an Lucas Arts Klassiker wie 'Monkey Island'. In der ersten Episode steuert man Bwana durch Kingsport Bay auf der Suche nach Ersatzteilen für sein Wasserflugzeug. Per Maus bewegt ihr den Cursor und steuert Bwana so klicktechnisch durch die Hafengegend. Dabei trefft ihr auf alle möglichen obskuren Gestalten mit denen ihr per Dialogauswahlmenü ins Gespräch kommt. Natürlich dürfen bei einem richtigen Adventure die Items nicht fehlen. Die sammelt, klaut, tauscht und findet Bwana hier und da und packt sie bei Gefallen in sein Item-Menü das per Rollover am unteren Bildschirmrand erscheint. Auf verschiedene Aktionsmodi wurde in 'The Journey Down' verzichtet. Der Cursor bleibt Cursor egal auf was oder wen Bwana ihn bewegt. Ein sammelbarer Gegenstand wird deswegen genauso per Klick aufgeklaubt wie ein Gespräch angefangen. Technisch ist das ganze hervorragend umgesetzt. Das zeigt, dass es bei Episodenabenteuern nicht immer zwangsläufig Telltale sein muss. Die unabhängigen Skygoblin haben ganze Arbeit geleistet. Das Spiel hat keine Macken, keine Glitches und weder Sound- noch Grafik- noch irgendwelche Logikfehler. Mankos die beim eben erwähnten Episodenabenteuer-Powerhouse leider allzu häufig auftreten.


Die spinnen die Schweden


Jupp. Ihr seht richtig. Der böseste Schnurrbart der Welt ist jetzt Rausschmeißer in einem Adventure.

Was ebenfalls positiv auffällt ist die Fülle an Kreativität sowohl im Rätseldesign aber vor allem in der Story. Bwana ist einer der coolsten neuen Adventure-Charaktere, die seit viel zu langer Zeit über den Bildschirm wanderten. Das innovative Design beruht auf dem Aussehen afrikanischer Zeremonienmasken und erinnert leicht an Manny Calavera und Konsorten aus 'Grim Fandango', deren Aussehen wiederum vom mexikanischen Totenkult inspiriert war. Zum interessanten Aussehen der Charaktere kommt eine tolle Backstory dazu die von Anfang an fesselt, obwohl in der ersten Episode noch vieles im Dunkeln bleibt. Aber wenn Bwana wehmütig das Foto seines verschollenen Pilotenpapas Kaonandodo anschaut, kann man einfach nicht anders als mehr über das Fliegerass und seine Vergangenheit erfahren zu wollen. Wen kümmert es da, das Bwana und seine Kollegen sich weiter nicht um ihre afrikanischen Wurzeln scheren und mit dem breitesten Jamaika-Akzent diesseits von Bob Marley daherkommen. Im Hintergrund läuft passend dazu spitzenmäßige Reggae-Mucke welche entfernt an das groovige Karibik-Jazz-Mischmasch des dritten 'Monkey Island' Spiels erinnern. Herz was willst du mehr? Es ist die perfekte Stimmung für Retro-Genrefans, was aber nicht heißen soll, dass Anfänger nicht auch auf ihre Kosten kommen.

Dafür sorgt ein ausgewogenes Rätseldesign, das, nicht zu einfach und nicht zu happig, endlich mal wieder Knobeleien präsentiert, die sinnvoll in die Story und Spielwelt integriert wurden und nicht konstruiert und aufgesetzt wirken. Damit scheinen viele Abenteuer aus der jüngsten Vergangenheit oft Probleme zu haben. Bei 'The Journey Down' macht alles genau so viel Sinn, wie es für gutes Adventure nötig ist. Natürlich beinhaltet das an der einen oder anderen Stelle auch die gewünschte Portion Schwachsinnigkeit, die Perlen wie zum Beispiel 'Sam and Max Hit the Road' zu dem machten was sie sind.


Aber ich bin noch gar nicht müde Mama!


Die Rendersequenzen sind ein Augenschmaus.

Wenn etwas Spaß macht, vergeht die Zeit wie im Fluge. Bei 'The Journey Down' bedeutet es leider, dass sich die verhältnismäßig geringe Spielzeit von ca. 4 Stunden noch viel kürzer anfühlt. Sie ist auch das einzig wirkliche Manko am gesamten Spiel das ansonsten vieles richtig macht. Für ein Indieadventure dürfte dabei besonders die optische Qualität auffallen. Sämtliche Hintergründe wurden mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und schaffen eine hervorragende, ganz eigene Stimmung. Aber auch die CGI-Sequenzen, im besonderen der Cliffhanger mit dem der Spieler am Ende des ersten Kapitels gemeinerweise verlassen wird, sind ganz hervorragend gelungen und machen Lust auf mehr.

Wer sich vom bereits erwähnten Jamaika-Slang nicht irritieren lässt hat auch an der Sprachausgabe seine helle Freude. Alle Charaktere wurden mit professionellen Sprechern besetzt. Hauptfigur Bwana fällt dabei besonders positiv auf und schafft durch seine tolle Synchro weitere Sympathiepunkte auf seinem Konto zu verbuchen. Auch die Musik, ein bunter Mix aus Reggae und Karibikklängen, weiß zu gefallen.

Wer sich das Spiel zulegen möchte, wird bei zahlreichen Downloadhändlern wie zum Beispiel auf www.desura.com fündig. Ansonsten folgt einfach dem Link im Test-Vorschaukästchen auf unserer Startseite. Solide Englischkenntnisse sollten bei Spielern vorhanden sein, denn deutsche Sprachausgabe oder Untertitel gibt es (noch) nicht. Preislich liegt das Spiel je nach Händler zwischen 6 bis 8 Euro.


Galerien

Fazit:

Wertung: 85%

Mit der ersten Episode 'The Journey Down: Over the Edge' ist Skygoblin ein sehr guter Wurf gelungen der viel Lust auf mehr macht. Sowohl Grafik und Sound als auch Story und Rätsel sind von überdurchschnittlicher Qualität. Die Fantasiewelt in der Bwana und seine Kollegen leben wirkt frisch und spannend. Leider ist ein gewisser Anteil des positiven Feelings auch Vorfreude, denn allzu viel bekommt man in der ersten Episode noch nicht mit. Das Spiel beschränkt sich auf den Hafen und die nähere Umgebung. Insofern wird schon die zweite Episode zeigen müssen, ob die hohen Erwartungen nach diesem gelungenen Einstieg erfüllt werden können. Um die erste Episode in den Auslieferungszustand zu bringen, brauchten die Schöpfer 5 Jahre. Für die zweite Episode haben sie wesentlich weniger Zeit. Man darf und sollte ihnen beide Daumen drücken, dass die weiteren Folgen den guten Ersteindruck bestätigen.

geschrieben am 16.09.12, Hendrik Busse

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP SP 2+, Windows Vista, Windows 7 1.8 GHz CPU 1 GB RAM Direct X 9.0c kompatible Grafikkarte DirectX®:9.0c 1 GB Festplattenplatz Offizielle Homepage (englisch)


Spiel kaufen

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Dieses Review gehört zu  The Journey Down.




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Kommentare 1
grog
17.09.2012, 15:17

Ein richtig cooles und humorvolles Adventure! Habe es vor einigen Wochen gespielt, kann ich auch nur wärmstens empfehlen :) Unbedingt kaufen!

Ich hoff ja nur dass die zweite Episode auch wirklich irgendwann erscheint (in weniger als 5 Jahren)... der einzige Ort an dem man wenigstens ab und zu was dazu hört ist hier (zuletzt Ende Juli):
http://www.desura.com/games/the-journey ... -chapter-2 (siehe auch Seite 2).

Es gibt zwar auch einen offiziellen Blog, Twitter Account und eine Facebook Seite, aber dort hält man es leider nicht für nötig irgendwas zum Thema zu posten. Das lässt mich etwas an den Prioritäten von SkyGoblin zweifeln. Vermutlich widmet man sich eher lukrativeren Auftragsarbeiten.

Wäre vielleicht mal Zeit für ein Kickstarter Projekt damit mehr Kohle reinkommt und es zum Hauptprojekt von SkyGoblin wird!

Oder zumindest könnten sie Episode 1 mal per Greenlight auf Steam einreichen, jetzt wo es diese Möglichkeit endlich gibt... aber auch diesbezüglich passiert derzeit leider nichts.


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