Reviews: The Perils of Man:

The Perils of Man


Begonnen hatte IF Games 'The Perils of Man' als Auftragsarbeit für eine Versicherung. Damals hätte das international zusammengewürfelte Team aus der Schweiz wohl kaum damit gerechnet, dass daraus ein narratives 3-D-Adventure mit solidem Umfang werden würde. Offenbar entwickelte die Grundidee einen solchen Reiz für die Macher, dass sie sich kurzerhand dazu entschieden, ein eigenes Spiel daraus zu basteln. Inzwischen ist das Comic-Abenteuer voll im Besitz des Studios und lediglich das Thema deutet noch auf die einstigen Wurzeln hin. Erste Erfolge wurden damit bereits gefeiert und bei den Swiss Game Awards 2014 gab es die Auszeichnung "Spiel des Jahres".

 

Da die erste Episode zu 'The Perils of Man' seit wenigen Tagen im App Store zu finden ist (iPad, iPhone), haben wir nun einen Test dazu vorbereitet. Eine Gesamtwertung wird es diesmal jedoch erst geben, sobald auch die zweite und letzte Episode verfügbar ist. Ende 2014 soll es soweit sein und dann werden wir unseren Test entsprechend ergänzen.

 

The Perils of Man

 

Home Save Home

Es gibt das, was man ein behütetes Zuhause nennt und dann gibt es das, was Ana Eberling täglich erlebt. In einer schmucken Villa wohnt das 16-jährige Mädchen bei ihrer Mutter Nadia, doch die exzentrische Frau treibt das Wort „fürsorglich“ geradezu im Minutentakt an die Spitze. Blitzt und donnert es, hat Ana um jeden Preis drinnen zu bleiben. Fällt nachts der Strom aus, soll sie sich von dunklen Räumlichkeiten fernhalten. Und wehe, das Kind trägt einmal keine Socken. Kurz und gut, alles was auch nur ansatzweise gefährlich sein könnte, versucht die Mutter vom wohl gehüteten Nachwuchs fernzuhalten. Zwar meint sie es gut, doch kommt Ana allmählich in ein Alter, wo sie lieber Freunde treffen und feiern würde. Weil das vorerst nicht möglich ist - ihr könnte ja etwas zustoßen – sucht sie den Kick woanders und begibt sich an ihrem 16ten Geburtstag auf die Spuren ihres Vaters, dem berühmten Erfinder Max Eberling...

Perils of Man

Die junge Ana sucht nach Hinweisen zum Verschwinden ihres Vaters...

Der verschwand nämlich unter mysteriösen Umständen und ließ die Familie alleine zurück. Übrigens nicht der erste Eberling, bei dem es so kam. Oft haben Mutter und Tochter seltsamerweise das Gefühl, als wäre er ganz in der Nähe. Nadia vermutet seinen Geist dahinter, doch die eher wissenschaftlich orientierte Ana ist dem skeptisch gestimmt. Verstärkt werden ihre Zweifel durch ein seltsames Objekt von ihrem Vater, in dessen Besitz sie ausgerechnet an diesem Tag gerät. Ruht darin vielleicht der Schlüssel, um sein geheimes Labor zu entdecken? Genau dort hofft sie seit geraumer Zeit Antworten zu finden. Die Ermittlungen verlaufen jedoch anders als erwartet und führen das Mädchen auf eine Zeitreise durch die Vergangenheit...


Filmischer Zugang zur Story

Perils of Man

Anas Mutter ist übervorsichtig

Auf inhaltlicher Ebene merkt man dem humorvollen Adventure an, dass Max Huber, seines Zeichens einer der drei Gründerväter von IF Games, eigentlich Filmemacher ist. Die Erzählweise ist kompakter gestrickt, als viele Genre-Vertreter und nahezu jedes Detail tangiert das Thema Unsicherheit. Über weite Strecken schmeckt die Erzählung dadurch stimmig, zwischendurch hätte man 'The Perils of Man' aber ruhig mehr narrative Freiheit lassen können.

Das expositorische Kapitel thematisiert jene Angst vor Unsicherheit, mit der die junge Protagonistin lange konfrontiert wird. Auch in den Rätseln spiegelt sich das wieder: So tricksen wir die Mutter aus, um gefährliche Orte im Haus betreten zu können, oder unser Zuhause bei Blitz und Donner kurz zu verlassen. Später sehen wir uns mit jenem Gerät konfrontiert, das Unsicherheit vorhersagen kann. Doch wie sinnvoll ist es, das tun zu können? Immerhin wäre es dadurch möglich, Katastrophen rechtzeitig zu verhindern und Nadia müsste sich kaum mehr um die Sicherheit ihrer geliebten Tochter sorgen. Eine Antwort auf diese schwierige Frage wird uns 'The Perils of Man' wohl erst im Rahmen von Episode zwei präsentieren. Zunächst beschäftigt uns vor allem die Rolle von Max Eberling in dieser Geschichte.


Humorvolle Kost

Perils of Man

Die Maschine Darwin hilft uns...

Alles in allem bietet 'The Perils of Man' einen bunten Mix aus Science-Fiction, Fantasy und Comedy. Es ist bestimmt kein Adventure, wo eine Pointe wild die nächste jagt, sondern diesbezüglich ansatzweise vergleichbar mit Filmen wie zum Beispiel 'Zurück in die Zukunft' (oder der interaktiven Interpretation von Telltale Games zum besagten Zeitreise-Abenteuer). In jedem Fall sind die Gags reif genug, um Erwachsene sowie Jugendliche ansprechen zu können.

 

Einen kleinen Drahtseilakt probieren die Entwickler beim Schwierigkeitsgrad, der wohl nicht zu leicht und nicht zu schwer sein möchte. Obgleich eine leichte Steigerung bei den Rätseln spürbar ist, stellen diese noch keine Hürde dar. Jedoch umfasst die erste Episode erst schätzungsweise 40% des gesamten Spiels, weshalb es verfrüht wäre, den Schwierigkeitsgrad abzustempeln. Hin und wieder kann man trotzdem für ein paar Minuten ins Grübeln kommen und manche Puzzles erstrecken sich dankenswerterweise über mehr als nur zwei Schauplätze. Mit rund zwei Stunden Spielzeit ist diese Episode allerdings nicht sonderlich umfangreich.

 


Ungewöhnliche Gameplay-Mischung

Perils of Man

Ein Blick durch die Brille offenbart üble Gefahrenherde...

Trotz 3-D-Optik, sowie Touch-Steuerung auf iOS-Geräten, orientiert sich 'The Perils of Man' an klassischer Point-and-Click-Kost. In der Umgebung lesen wir also wie gewohnt Objekte auf und sammeln sie im Inventar. Für manche Rätsel ist es erforderlich, zwei Objekte im Inventar miteinander zu kombinieren un einmal sind es sogar drei. Allerdings gibt es eine Herausforderung, die recht flott und problemlos durch Versuch-und-Irrtum zu lösen ist (Großvateruhr), was schade ist.

 

Die Logik ist in der Regel aber gut nachvollziehbar. Wer dennoch einmal auf dem Schlauch steht, für den hat das facettenreiche Zeitreise-Abenteuer eine kleine Hinweisfunktion auf Lager, die bemüht ist, nicht zu viel zu verraten (hin und wieder jedoch konkreter sein könnte). Auch an Hotspots mangelt es nicht, wenngleich es im dritten Kapitel ruhig noch mehr hätten sein können.

Interessant wird das Gameplay aber insbesondere dann, wenn es um die Analyse von Gefahrenquellen geht: Klicken wir im Interface auf das Analyse-Symbol, wechseln wir in die Ego-Perspektive der Protagonistin. Der Ausblick, den wir sogleich sehen, hängt von Anas letzter Position ab. Wir können uns in diesem Modus weder vor, noch zurück bewegen, sondern lediglich die Umgebung betrachten. Je nach Position sind manche Gefahrenquellen besser oder auch schlechter auszumachen. Dieses spielerische Element ist zwar bislang noch nicht fordernd, es hebt dieses Spiel jedoch von vielen weiteren Adventures ab, bringt Abwechslung und ist förderlich für die Exploration.


Auch technisch ansprechend gelungen

Perils of Man

Das Inventar ist recht einfach handzuhaben

Entstanden ist 'The Perils of Man' in Zusammenarbeit von IF Games und boutiq. Auch Bill Tiller ist involviert. Das Resultat ist unterm Strich zufriedenstellend. Was Sprachausgabe und Soundtrack angeht, so wurde dieses Zeitreise-Adventure professionell umgesetzt. Die englische wie auch die (etwas schwächere) deutsche Sprachausgabe können überzeugen und die tolle orchestrale Musik untermalt die Stimmung punktgenau, ohne sich unnötig in den Mittelpunkt zu drängen. Genausowenig Grund zum Meckern bietet die durchdachte Touch-Steuerung, die für gewöhnlich flüssig von der Hand geht.

Im Hinblick auf die Grafik sind Abstriche zu verzeichnen. obgleich Bill Tillers markanter Stil für ansprechende Atmosphäre sorgt. Einerseits sehen die cinematischen Zwischensequenzen schick aus, insbesondere in der zweiten und dritten Episode. Gleichzeitig ist die In-Game-Grafik etwas zu kantig gelungen. Allerdings ist zu bedenken, dass für iOS-Geräte zwangsläufig deutliche technische Kompromisse notwendig sind, zumal einige dieser Geräte zum Beispiel über wenig freien Speicherplatz verfügen. So gesehen bleibt abzuwarten, ob eine PC-Fassung – so diese tatsächlich erscheint – vielleicht noch mehr aus der Grafik herauskitzeln kann. Vereinzelt verliert sich das Comic-Abenteuer zudem in Spielereien. Betritt Ana beispielsweise den nächsten Raum über die Treppe, schwenkt die Kamera gemütlich von oben nach unten mit. Anfangs sieht dieses Gimmick hübsch aus, doch auf Dauer kostet es etwas zu viel Zeit und lässt sich leider nicht überspringen. Zu bemängeln wären noch ein paar Bugs, auf die wir gerade im zweiten und dritten Kapitel gestoßen sind (wir haben auf dem iPad3 gespielt). Diese hatten jedoch keine schwerwiegenden Folgen. Die automatische Speicherfunktion leistet am mobilen Gerät nämlich gute Dienste und so ist auch nach einem erzwungenen Neustart nichts verloren.

 

 

-> Wertung & Test zu Episode 2 findet Ihr hier (mit Infos zur PC/Mac-Fassung)


Galerien

Fazit:

Die erste Episode von 'The Perils of Man' hinterlässt soweit einen guten Eindruck. Die Story ist unterhaltsam, die Protagonistin sympathisch und der dezent gesetzte Humor sorgt für eine charmante Mischung. Klar sind die Rätsel noch nicht besonders knackig, dafür aber recht abwechslungsreich. Abgesehen davon ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass der Schwierigkeitsgrad in der zweiten und letzten Episode noch einen Zacken zulegt. Zu gefallen weiß die Suche nach Gefahrenquellen im letzten Drittel. Sie sorgt für Pfeffer im Gameplay und hebt sich von den gewohnten Genre-Vertretern ab. Zwangsläufig trifft man auch bei 'The Perils of Man' allerdings auf die alte Problematik episodischer Formate: die längere Wartezeit zwischen den einzelnen Folgen und die Unsicherheit, ob das Niveau gehalten wird. Zumindest dürfte das Kaufrisiko angesichts des fair gesetzten Preises (darin sind beide Episoden enthalten) überschaubar zu sein. Ich hoffe jedenfalls, dass die zweite Hälfte wie geplant Ende 2014 verfügbar ist und freue mich auf einen hoffentlich ähnlich guten Rest.

geschrieben am 11.10.14, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
iPad, iPhone, PC/Mac Offizielle Webseite der Entwickler
Im App Store kaufen (iOS, iPad)
Demo im App Store
Bei Steam (PC/Mac)


Spiel kaufen


Dieses Review gehört zu  The Perils of Man.




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Kommentare 2
Digitalis.purpurea
12.10.2014, 12:20

Schade, dass es nur für das IPhone entwickelt worden ist.

Mikej
12.10.2014, 12:40

Eine PC-Portierung ist zumindest recht wahrscheinlich. Aber ich schätze, vor 2015 wird das nix werden - bis dahin bleibt leider nur iPad und iPhone.


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