Reviews: AR-K:

AR-K: The Great Escape


Das kleine spanische Studio Gato Salvaje ist wahrscheinlich nahezu unbekannt. Die ersten beiden Teile von 'AR-K' – 'Gone With The Sphere' und 'The Girl Who Wasn't There' ließen jetzt auch keine Jubelschreie ausbrechen. Diese Kritik ließ sie aber nicht verzweifeln und sie holten sich den Comicbuch-Autor Greg Rucka mit ins Boot. Er ist bekannt für Comics, wie 'Batwoman''Detective Comics' und 'Whiteout', aber auch für das Spiel 'Syphon Filter: Logan's Shadow' aus dem Jahr 2007. Dekoriert mit einigen Preisen, u.a. vier prestigeträchtigen Eisner Awards und unzähligen Nominierungen wagte er sich an das Spiel. Ob er das Ruder herumreißen konnte und die Qualität diesmal stimmt, erfährt im Review.


 

Krankenstation

Überraschung: Auch im geheimen Sektor 8 gibt es eine Krankenstation

Dunkelheit. Alica Van Volish liegt in einer dunklen Mülldeponie unter der Stadt. Sie ist von der Polizeistation auf der Stadtoberfläche durch einen langen Tunnel in den mysteriösen Sektor 8 gekracht. Darüber hinaus hat sie Empfangsschwierigkeiten mit ihrem PDA und kann ihren Freund Franky nicht gut verstehen. Aber es kommt noch richtig dicke, denn beim Aufprall hat Alicia sich das Bein gebrochen. Was für eine Ausgangslage. Nachdem sie zusammengeflickt wurde, will sie herausfinden, was dieser Sektor 8 auf sich hat und warum die Oberfläche nichts davon weiß. Ein Rätsel, das Ausmaße einer Verschwörungstheorie annimmt. Für Spannung ist also gesorgt.

 

 

 

Schwache Vorgänger


{Beschreibung der Grafik}'AR-K: The Great Escape' ist der dritte Teil der episodischen Geschichte um Alicia Van Volish. Anfangs erhielten die Spanier von Gato Salvaje Studio zurecht Kritik für ihre ersten beiden Episoden. Die Grafik war fürchterlich, Zwischensequenzen verschwommen und die Rätsel sehr obskur. Ein Hund schmeißt ein Regal um, das Alicia viel zu schwer ist oder sie hackt sich in das Campus-System ihrer Universität. Oder die Designer treiben es völlig auf die Spitze: Alicia lässt ein Modell einer Magnetschwebebahn entgleisen, um an einen starken Magneten zu kommen. Mit diesem kann sie eine ID-Karte aus einem Bücherregal herausziehen, ohne die wenigen Bücher durchsuchen zu müssen. Natürlich!

Dabei bleibt aber die Hintergrundgeschichte durchwegs spannend, wenn auch undurchsichtig. Dazu kommt die notorische Kürze von Episoden-Adventures. Es bleibt ein relativ schwacher Zweiteiler, den man spielen kann, aber nicht muss. Glücklicherweise lässt dies Gato Salvaje offen. Der dritte Teil bietet nämlich auch eine Rückschau an, bei der die Handlung der Vorgänger noch einmal gut zusammengefasst werden. Somit sind diese beiden Vorgänger optional zu sehen und nicht zwingend nötig, um die Ereignisse zu verstehen. Natürlich werden einige Details genauer erzählt. Ob man sich aufgrund der schwachen – dafür kurzen – Vorgänger durchquält, ist jedem selbst überlassen.

 

Und nun das Ganze in »Gut«

{Beschreibung der Grafik}

Netterweise erklärt uns der Vorarbeiter direkt was Sache ist.

Die Spanier haben sich die Kritik der Spieler zu Herzen genommen und bieten mit 'AR-K: The Great Escape' ein rundum erneuertes Spiel. Bereits das erste Rätsel zeigt dies hervorragend. Wir müssen im Sklavenbetrieb irgendwie Freizeit für uns besorgen, sodass Alicia in Ruhe nachforschen kann, was hier so schiefläuft. Die Industrieanlage muss also sabotiert werden. Ein Roboter überwacht uns jedoch und wir müssen das möglich so machen, dass er nicht mitkriegt, dass wir das waren. Kurzer Hand wird der Roboter unschädlich gemacht und wir steigern Druck und Reaktor-Kern ins Unermessliche – Voilà, dieses Mal ein Rätsel mit Logik. Ebenso augenscheinlich ist die verbesserte Grafik, die es nun durchaus mit der Adventure-Mittelklasse oder Oberklasse aufnehmen kann. Charaktere haben ihren eigenen Stil und wirken trotz bewusst gesetzter Einfachheit nicht grob dargestellt. Es ist auch von den Schauplätzen deutlich abwechslungsreicher, denn zehn bildschirmfüllende Orte bereisen wir in den circa drei Stunden Spielzeit. Die kurze Spielzeit ist wahrscheinlich der einzige Wermutstropfen im Spiel. Dazu kommt der handelsübliche Episoden-Cliffhanger. Leider müssen deutschsprachige Spieler wegen des geringen Budgets auch auf eine Übersetzung verzichten. Derzeit gibt es Sprachausgabe und Untertitel nur auf Spanisch und Englisch.

Greg Rucka als Retter?

Sitarrean

Wenns weiter nichts ist...

Die wahre Verbesserung des Spiels liegen aber nicht nur in der Technik und der Rätsel, sondern auch die Charaktere sind vielschichtiger geschrieben. Greg Rucka zeigt, dass er ein Top-Autor ist und auch Nebencharakteren wird ein gewisses Leben und eine Einzigartigkeit eingehaucht. Diese zusätzlich gewonnene Atmosphäre treibt das Spiel in deutlich andere Qualitäts-Sphären als die Vorgänger. Die Schnitzeljagd durch Distrikt 8 ist ein wahres Detektiv-Abenteuer und langsam wird die Flucht eines ehemaligen Insassen, den Alicia schon an der Oberfläche getroffen hat, immer klarer. Auf den Spuren dieser, versuchen wir uns gemeinsam mit Alicia durch den Distrikt zu reden, rätseln und tauschen. Kurzweile, Spannung und Spaß kommen nach den Vorgängern völlig unerwartet auf. Während die ersten beiden Teile nur eine spannende Hintergrundgeschichte hatten, die schlampig im Detail umgesetzt wurde, baut Greg Rucka hier ein ordentliches Grundgerüst auf, das von vorn bis hinten stimmig wirkt.

Eigenartiger Humor

{Beschreibung der Grafik}

Ja, total rechtmäßig illegal

Eines der Markenzeichen von 'AR-K' war von jeher der eigenartige Humor. Mit diesem werden einige nicht unbedingt zurechtkommen, denn manche Scherze sind einfach sehr, sehr flach und jenseits des hohen Niveaus des restlichen Spiels. Es fehlt nur an wenigen Details, wie Humor, noch genauer herausgearbeitete Bösewichte und vielleicht etwas mehr Spielzeit, die das Spiel dann in die absolute Top-Klasse befördern würden. Es bleibt ein kurzweiliges Episoden-Adventure mit erstaunlich schweren, aber nicht unfairen Puzzles. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Teil nicht zu lange auf sich warten lässt. Bisher erschienen die Episoden nämlich jährlich. Ursprünglich erschien 'The Great Escape' am 14. Juli 2015. Wie wir Anfang Februar berichteten, scheint ein Frühjahr-Release des Finales in Reichweite.


Galerien

Fazit:

Wertung: 79%

Die ersten beiden Episoden ließen mich fluchen und hoffen, dass das Ganze schnell vorbeizieht. 'AR-K: The Great Escape' traf mich dann vollkommen unerwartet. Das Spiel macht von Anfang an richtig Spaß und fordert zugleich die grauen Zellen. Während die alten Stärken, wie die sympathische Alicia Van Volish oder die nett anzusehende Comic-Grafik immer weiter ausgebaut wurden, wurden die Schwächen nahezu vollkommen ausgemerzt. So soll sich ein Indie-Spiel weiterentwickeln! Hut ab vor den Spaniern. Bis jetzt sollen sich 100.000 Exemplare verkauft haben und das sicherlich zurecht. 'AR-K: The Great Escape' ist eines der Geheimtipps der letzten Zeit, die man durchaus spielen sollte und dank dem geringen Preis auch leistbar ist. Jetzt heißt es nur noch auf das Frühjahr zu warten, ob das große Finale des Vierteilers an diese Qualität anknüpfen kann. Ebenso kann man sich darauf freuen, dass danach die ersten beiden Episoden überarbeitet werden. Hier hat sich das kleine Team Gato Salvaje über schwächere Spiele zu einem soliden, guten Studio entwickelt. Bitte weiter so!

geschrieben am 12.02.16, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Episodisches Spiel (4 Episoden). Episode 2 seit Juli 2014 erhältlich. Offizielle Homepage mit Download von Episode 1
Projektseite bei Kickstarter
Bei Steam


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Dieses Review gehört zu  AR-K.




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