Reviews: Dreamfall Chapters:

Dreamfall Chapters - Book Five (mit Gesamtwertung)


Episode fünf ('Redux') beendet das skandinavische Fantasy-Adventure 'Dreamfall Chapters'. Zurück liegt eine lange Reise, die im Oktober 2014 begonnen hatte. Im Test soll es jedoch weniger um inhaltliche Details geben, sondern um grundlegende Fragen: Wird ein würdiges Finale geboten? Wie abgeschlossen ist das Ende? Gibt es erneut gravierende spielerische Defizite? Neben einigen Antworten auf diese Fragen (Spoiler vermeiden wir wie gewohnt), könnt Ihr dem Test unsere finale Wertung zur kompletten Staffel entnehmen.

Dreamfall Chapters

Rekapitulieren wir zunächst die Ausgangslage rund um den Anfang der Geschichte. Zwei Welten existieren in diesem Fantasy-Universum nebeneinander: Stark, die Welt der Wissenschaft (sprich unsere Welt), und Arcadia, die Welt der Magie. Verbunden sind diese durch Träume, deren Essenz jedoch bedroht wird. Wer die Träume beeinflusst, kann die Realität steuern. Es geht also um viel, wobei die genauen Hintergründe erst nach und nach an die Oberfläche treten.

Dreamfall Chapters

Die Wesen der Magie und ihre Helfer machen sich für die letzte Schlacht bereit

Als eine von drei spielbaren Hauptakteuren kehrt Zoë Maya Castillo zurück, die Protagonistin des Vorgängers 'Dreamfall'. Inzwischen lebt sie in Propast (Stark). Sie hat die Gabe, Träume formen zu können und dieses besondere Talent ist essentiell für die Rettung der Welten. Leider kann sie sich zunächst nicht an ihre eigentliche Bestimmung erinnern und hat ein paar Lücken im Gedächtnis. Das Schicksal der Welt schwebt jedenfalls nicht nur in ihren Händen. In Arcadia steuern wir den Azadi-Krieger Kian Alvane, der sich – im Gegensatz zu seinen Landsleuten – für die Rechte der magischen Wesen einsetzt und bald im Untergrund arbeitet. Und dann gibt es noch die junge Saga, die wir schon als Kleinkind kennenlernen und deren Rolle in diesem Abenteuer zunächst das wohl größte Geheimnis bleibt. Mehr wollen wir dazu nicht sagen, um Spoiler zu vermeiden.


Ein rundes Ende?

Angesichts von Episodenspielen (z.B. 'Game of Thrones'), die am Ende frech auf die zweite Staffel vertrösten, drängt sich die Frage auf, ob 'Dreamfall Chapters' ein abgeschlossenes Ende bietet. Auch deshalb, weil es vermutlich kein weiteres 'Dreamfall'-/'The Longest Journey'-Abenteuer geben wird, denn das hat Ragnar Tørnquist kürzlich per Twitter durchsickern lassen.

Dreamfall Chapters

Chapters nimmt Bezug auf den Vorgänger 'Dreamfall' und auf 'The Longest Journey'

Erfreulicherweise setzt das Finale alles daran, nicht nur den Vorgänger 'Dreamfall' abzuschließen, sondern auch dem im selben Universum spielenden, aber eine eigene Geschichte erzählenden 'The Longest Journey' so etwas wie einen möglichen Schlusspunkt zu schenken. Das ist Red Thread Games sehr hoch anzurechnen und für Fans der Reihe sicherlich eine tolle Sache. Gleichzeitig verkompliziert es die Angelegenheit für die verbleibenden zwei, drei Stunden ganz ordentlich. Selbst nach Episode vier hatte man noch nicht das Gefühl, kurz vor dem Ende zu stehen und sah sich mit mehr Fragen als Antworten konfrontiert. Dabei hat sich viel getan, denn für die gesamte Staffel ist mit einer satten Spieldauer von über 20 Stunden zu rechnen.

Umso mehr Sinn macht es, auch 'Dreamfall' und 'The Longest Journey' beim Durchspielen im Gedächtnis zu bewahren. Am Ende hat man zwar das Gefühl, dass es durchaus Raum für eine weitere "längste Reise" gäbe und ein paar offene Fragen bleiben zwangsläufig zurück, doch bereitet es im Normalfall keine schlaflosen Nächte, wenn es das gewesen sein sollte. In inhaltlicher Sicht wird trotz so mancher Abstriche gute Unterhaltung geboten. Aufgrund des hohen Erklärungsbedarfs bleibt jedoch wenig Raum für ausgeklügelte Interaktionsmöglichkeiten. Selbst nennenswerte Entscheidungen sind rar. Damit beschäftigen wir uns nun im nächsten Abschnitt.


Story vs. Gameplay

Dreamfall Chapters

Das Musik-Rätsel kann Probleme bereiten, der Rest ist kaum der Rede wert.

Bislang konnte man die Hauptprobleme von 'Dreamfall Chapters' vorwiegend im spielerischen Bereich ausmachen. Nicht so sehr, weil es an Interaktivität mangelte, sondern weil doch einige spielerische Elemente einfallslos und langweilig umgesetzt wurden. Mit dem Update rund um Episode fünf geht übrigens ein veränderter Prolog der ersten Episode einher, der nun intuitiver von der Hand geht und besser zum kompletten Abenteuer passt. Allerdings fielen zwei kleine Rätsel dieser Verbesserung zum Opfer. Das Schrankrätsel gibt es noch.

Wie sieht es nun bei 'Redux' aus? Im Endeffekt wartet vergleichbare Kost auf verträglicherem Niveau, was auch damit zu tun hat, dass das Gameplay sogar noch schlanker als sonst ist. Die Entwickler packen aber ein kleines Musikrätsel aus, welches am Vorgänger angelehnt ist. Hier muss man vier Noten nach Gehör reproduzieren, was nicht jedem Spieler leicht fallen dürfte. Höchst fragwürdig ist wiederum ein Rätsel rund um eine kleine Weinverkostung in Marcuria. Die Lösung ist nicht allzu schwer, aber sie würde deutlich besser zu einem Comic-Adventure passen. Zwei weitere Aufgaben beschränken sich darauf, Hotspots zu suchen und diese viele Male hartnäckig anzuklicken. Unterhaltsam ist auch das nicht, aber die Idee dahinter ist nachvollziehbar. Natürlich bekommt auch Saga wieder ein kleines Suchspiel in der Wohnung, welches diesmal aber kurz und schmerzlos ist.

Dreamfall Chapters

Entscheidungen haben meist leicht überschaubare Konsequenzen

Ähnlich wie im Vorgänger-Spiel gibt es in der Schlussphase ansonsten dezente Action-Momente, in denen rechtzeitiges Reagieren und Laufen durch Gänge gefragt ist. Wer den richtigen Moment verpasst, wird stets unmittelbar vor den Moment des Ablebens zurückversetzt und hat beliebig viele erneute Versuche. Verglichen mit 'Dreamfall' sind diese Einlagen leicht und schnell zu bewältigen.

 

Über weite Strecken kann man sich gut auf die Story konzentrieren. Das ist dringend notwendig, denn es werden enorm viele Fäden miteinander verknüpft und einige Erklärungen geliefert. Die in den bisherigen Episoden getroffenen Entscheidungen sind spürbar, aber bahnbrechende Konsequenzen sollte man sich in der Regel nicht erhoffen. Letztlich läuft es in etwa so ab, wie bei den Spielen von Telltale Games.


Performance?

Grundsätzlich gilt für den technischen Bereich ähnliches wie beim Rest der Staffel, wobei die gute 3D-Grafik etwas weniger detailliert wirkt, als in den ersten Episoden. Zudem merkt man, dass das Budget offenbar nicht mehr für sämtliche Animationen gereicht hat. Beispielsweise bleibt Saga bei der Zubereitung eines Tranks die meiste Zeit regungslos daneben stehen. Die Vertonung ist dafür wie gewohnt sehr gelungen, wobei wir wieder einmal nur die englische Fassung testen konnten, da die deutsche Sprachausgabe weiter auf sich warten lässt. Leider können sich einmal mehr Framerate-Einbrüche bemerkbar machen. Selbst bei Zwischensequenzen, die eigentlich keine Interaktion zulassen, kann es rauf und runter gehen mit den Bildern pro Sekunde. Wenigstens auf durchschnittlichen Computern empfiehlt es sich also, nicht unbedingt mit den höchsten Einstellungen zu spielen.

 

Anmerkung: angesichts der mit dem Final Cut und dem PS4-Release einhergehenden weiteren Verbesserungen, erhöht sich unsere Gesamtwertung (April 2017).


Galerien

Fazit:

Wertung: 75%

Das Finale hatte viele offene Fragen zu klären und bei so einer umfangreichen Geschichte ist das bestimmt nicht einfach. Eigentlich bin ich zufrieden mit dem Resultat und erfreut, dass auch auf 'The Longest Journey' nicht vergessen wurde, obgleich die letzte Episode dadurch manchmal ein bisschen vollgepackt wirkt. Das Abenteuer mit Zoë, Kian und Saga hat jedenfalls durchaus einen würdigen Abschluss bekommen. In spielerischer Hinsicht wird zwar nicht viel geboten, aber immerhin spielt es sich flüssig und man kann sich diesmal gut auf die Geschichte konzentrieren, was bekanntlich die eigentliche Stärke von Ragnar Tørnquist ist, dem Vater dieser Fantasy-Reihe. In Summe mag sein Werk den hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Spielenswert ist es dank der fantasievoll gelungenen Geschichte dennoch.

geschrieben am 24.06.16, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
PC// Betriebssystem: Windows XP/7/8; Prozessor: Core 2 Duo 2GHz oder vergleichbar; Arbeitsspeicher: 3 GB RAM; Grafikkarte: Intel HD Graphics 4000 oder besser; DirectX: Version 9.0c; Festplattenplatz: 20 GB verfügbarer Speicher; +++++++++++++++++++++++++++++++++++++ MAC// Betriebssystem: Mac OS X v10.6 Snow Leopard oder besser; Prozessor: Core 2 Duo 2GHz or equivalent; Arbeitsspeicher: 3 GB RAM; Grafikkarte: Intel HD Graphics 4000 oder besser; Festplattenplatz: 20 GB verfügbarer Speicher; +++++++++++++++++++++++++++++ LINUX// Betriebssystem: Linux Kernel 3.0 or besser; Prozessor: Core 2 Duo 2GHz oder vergleichbar; Arbeitsspeicher: 3 GB RAM; Grafikkarte: Intel HD Graphics 4000 oder besser; Festplattenplatz: 20 GB verfügbarer Speicher (Schätzwert für alle fünf Episoden zusammen) Offizielle Webseite
Konsolenversion für PS4


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Dieses Review gehört zu  Dreamfall Chapters.




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Kommentare 3
simi
24.06.2016, 13:05

Oha, weniger als Kathy beim Treff. Dann werd ich mir stattdessen doch die Rain holen.

sinnFeiN
24.06.2016, 13:10

das kommt drauf an. Willst du ein klassisches Adventure, oder eine starke Narrative, wo das Spiel selbst eher im Hintergrund ist? :)

Mikej
24.06.2016, 13:15

simi hat geschrieben:
Oha, weniger als Kathy beim Treff. Dann werd ich mir stattdessen doch die Rain holen.


Es ist mMn nicht sinnvoll, unsere Wertung zu einem Spiel direkt in Relation zur Treff-Wertung eines anderen Spiels zu setzen. Da gab es zuletzt oft unterschiedliche Wahrnehmungen. Inhaltlich ist Dreamfall C. mMn das mit Abstand bessere Spiel. Spielerisch läuft KR allerdings runder.


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