Reviews: A Way Out:

A Way Out


Einen Gefängnisausbruch mit einem Mitspieler erleben, wobei es oft um Teamwork gehen soll? Klingt ambitioniert, insbesondere dann, wenn man berücksichtigt, dass mit Hazelight Studios ein doch etwas kleineres Studio aus Schweden hauptverantwortlich ist (Publisher: EA). Gründer Josef Fares konnte aber bereits mit 'Brothers – A Tale of Two Sons' einen echten Indie-Hit landen - insofern war die Erwartungshaltung ziemlich hoch gesteckt. Im Test verraten wir Euch, ob sein neues Abenteuer eine Empfehlung verdient.

A Way Out

Vincent und Leo mit einem gemeinsamen Feind

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Schon die ersten Minuten sind sehr cinematisch gelungen

Leo ist schon ein paar Tage im Gefängnis und weiß einigermaßen, wie der Hase läuft. Sein Leben hängt trotzdem am seidenen Faden: Sein kaltblütiger Ex-Boss Harvey will ihn aus dem Weg räumen lassen und scheut dabei keine Kosten. Erste heimtückische Angriffe von Insassen wendet der Kleinkriminelle nur dank Vincent ab, seinem neuen Zellennachbarn. Auf Dauer kann das nicht gutgehen und so beginnt er, seinen Ausbruch zu planen.

Da ein solches Unterfangen zu Zweit bessere Erfolgsaussichten hat, weiht er Vincent widerwillig in sein Vorhaben ein. Immerhin verbindet beide dasselbe Ziel: der Hass auf Harvey – sowohl Leo als auch Vincent sitzen nur wegen diesem Bösewicht hinter Gittern. Solange der nicht ausgeschaltet ist, ist niemand sicher... das betrifft selbst die Familien beider Hauptfiguren. In den folgenden fünf bis sechs Stunden erleben wir deshalb ein abwechslungsreiches Third-Person-Abenteuer, bei dem wir auch viel Zeit außerhalb des Gefängnisses verbringen dürfen. Mit dem Ausbruch allein ist es also nicht getan.


Zahlreiche Inspirationsquellen

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Bei diesem Balanceakt ist gute Koordination gefragt

Phasenweise wirkt das linear erzählte Koop-Abenteuer wie ein wilder Ritt durch die Hollywood-Streifen der 1970er- bis 1990er-Jahre: 'Scarface', 'Heat', 'Die Verurteilten'... die Liste offensichtlicher Inspirationsquellen ist lang. Nahezu jede Szene bei 'A Way Out' wirkt irgendwie vertraut, ohne langweilig zu sein. Im Gegenteil. 'A Way Out' orientiert sich freilich nicht nur an Filmklassikern. Auch diverse Spielehits finden Berücksichtigungen, wie 'Uncharted' und 'Last of Us'. Zudem warten ein paar Quick-Time-Events, die etwas an Quantic Dream und Telltale erinnern mögen. Mehr dazu später.

Während man sich in beide Protagonisten gut hineinversetzen kann, beschränkt Hazelight sich leider auf sehr eindimensionale Bösewichte, die offenbar einfach nur böse sind und die uns eifrig ans Leder wollen. Gerade in diesem Bereich wäre mehr möglich gewesen, keine Frage. Verzeihen muss man dem Storytelling auch, dass nicht immer alles rundum logisch erscheint. Ob die von uns hinterlassene Spur der Zerstörung das Endergebnis tatsächlich rechtfertigt, ist unterm Strich sehr fraglich. Im Finale hat man zudem mit den limitierten Entscheidungsmöglichkeiten zu kämpfen. Schade, dass es nicht andere Lösungen gibt.


Buntes Gameplay mit schicker Umsetzung

A Way Out

Durch den Splitscreen sehen wir beide Perspektiven.

Die gekonnt inszenierten Zwischensequenzen könnten dafür problemlos aus einem Film der besseren Art stammen. Vom Start weg ist spürbar, dass Josef Fares als Filmemacher begonnen hat. Besonders hervorzuheben ist u.a. eine großartig choreografierte Sequenz im Krankenhaus, die enorm viel Dynamik zu bieten hat und auch spielerisch mächtig Spaß macht. Zum positiven Eindruck trägt obendrein die gute 3D-Grafik bei, die sogar im Bereich Mimik und Animationen überzeugen kann. Auch die englischen Sprecher sind solide besetzt (es gibt deutsche Untertitel), wobei man bei Leo (dieser wird von Fares Fares gesprochen) das Gefühl hat, dass der an diverse Mafia-Streifen erinnernde Slang ein wenig aufgesetzt wirkt.

Das Gameplay passt sich stets an die Erfordernisse der Geschichte an. Beispielsweise muss ein Spieler die Wache im Auge behalten, während der andere an einem Fluchtausgang werkelt. Oder einer lenkt eine Krankenschwester ab, während der andere sich vorbei schleicht, um etwas zu stehlen. Auch ein Werkzeug in die Zelle zu schmuggeln erfordert Umwege - um eine Lösung zu finden, muss man sich erst in Ruhe umsehen. Manchmal sind auch mehrere Herangehensweisen möglich. Will man jemanden ausschalten oder lieber für eine Ablenkung sorgen? Nimmt man einen Schleichweg oder versucht man es direkt?

In anderen Situationen kämpft man oder schießt in 'Uncharted'-Manier. Wie bei einem richtigen Actionfilm dürfen auch Verfolgungsjagden nicht fehlen. Autos und dergleichen darf man mitunter sogar selbst steuern. Die Schauplätze sind recht groß geraten, und man kann sich hier relativ frei umsehen. Dank vieler Hotspots bereitet es mächtig Spaß, sich umzusehen und vieles auszuprobieren. Optional sind übrigens die Minigames: Vier Gewinnt darf gespielt werden, Baseball und mehr. Selbst ein Klavier-Minigame gibt es, bei dem wir im richtigen Zeitpunkt die richtige Taste drücken.


Nichts für Action-scheue Spieler

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Gerade gegen Ende mehren sich die Ballereinlagen

'A Way Out' ist ein Genre-Hybrid, der deutlich näher an Action-Adventures dran ist als an reinen narrativen Spielen. Für Action-scheue Adventure-Fans ist das kurzweilige Koop-Abenteuer des schwedischen Studios wahrscheinlich die falsche Kost, obgleich es durchaus immer wieder kleine Rätsel und einige explorative Elemente gibt. Gerade gegen Ende nehmen die Ballereinlagen und Verfolgungsjagden deutlich zu. Der Schwierigkeitsgrad orientiert sich dabei an Gelegenheitsspielern, wodurch es keine großen Hürden geben sollte. Höchstens bei den Verfolgungsjagden sind vielleicht mehrere Anläufe notwendig. Wie bei vielen cinematischen Spielen sind die Entwickler offensichtlich bemüht, dass die Handlung nie unnötig ins Stocken gerät und alles gut schaffbar ist.

Unbedingt zu bedenken ist, dass ein Mitspieler erforderlich ist, denn 'A Way Out' verfügt über keinen Solo-Modus. Der Mitspieler kann entweder vor Ort auf derselben Konsole mitspielen, oder online - sozusagen wie bei einem Multiplayer-Spiel. Zum gemeinsamen Durchspielen reicht es in beiden Fällen, wenn nur ein Spieler das Spiel gekauft hat. Welchen Charakter man spielen möchte, kann man zu Beginn bestimmen. Bei den Entscheidungen kann man anhand des Cursors immer sehen, zu welcher Auswahl der Mitspieler gerade tendiert. Durch das durchdachte Gamedesign ist in der Regel klar, was zu tun ist. Selbst ohne Kommunikation klappt die Zusammenarbeit prima. Benötigt einer die Hilfe des anderen, kann das Gegenüber per verbalem Hinweis aufgefordert werden. Wichtige Ziele werden auf dem Bildschirm vermerkt, was ebenso hin und wieder zur Orientierung beiträgt. Durch den Splitscreen sieht jeder was der andere sieht. Anfangs kann das verwirren, doch damit findet man sich rasch zurecht. Für das originelle Spielprinzip macht es definitiv Sinn. Die Story hat zwar Luft nach oben, aber das Koop-Konzept macht richtig viel Spaß.


Galerien

Fazit:

Wertung: 83%

Allzu kritisch sollte man die Story von 'A Way Out' nicht beäugen. Angesichts der sehr gelungenen filmischen Präsentation und des abwechslungsreichen Gameplays ist das aber leicht zu verzeihen. Die Action ist über weite Strecken imposant inszeniert und die Handlung bietet kurzweilige Unterhaltung. Praktisch ist zudem, dass der Mitspieler das Abenteuer nicht selbst besitzen muss, um bis zum Schluss dabei zu sein. Was das kleine Entwicklerstudio aus Schweden hier auf die Beine gestellt hat, verdient zweifellos Hochachtung und hält sich gar nicht schlecht im Vergleich mit AAA-Abenteuern. Und zumindest in spielerischer Hinsicht ist 'A Way Out' der logische nächste Schritt nach 'Brothers: A Tale of Two Sons' und macht mächtig Lust auf weitere Koop-Abenteuer dieser Art. Unterhaltsam!

geschrieben am 29.03.18, Matthias Glanznig

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