Reviews: Forgotton Anne:

Forgotton Anne


Das recht cinematisch inszenierte Plattform-Abenteuer 'Forgotton Anne' stammt aus Dänemark und handelt von einer jungen Frau, die sich im Zuge eines Rebellenangriffs dazu gezwungen sieht, ihre Entscheidungen und Ziele gründlich zu hinterfragen. Ob dieser ungewohnte Mix aus asiatischer und westlicher Grafik auch spielerisch und narrativ gelungen ist, sehen wir uns jetzt im Review an.

Forgotton Anne

Im Reich der Vergessenen

Die junge Hüterin Anne und der alte Meister Bonku leben in einer sonderbaren Welt, in der es sonst nur vergessene Objekte gibt: Ausgediente Schuhe, Spielzeugpistolen, Lampen und mehr trifft man dort. Im Gegensatz zur realen Welt sind diese jedoch fähig zum Kommunizieren und Denken. Selbstverständlich drängt sich gleich die Frage auf, was die zwei Menschen hier überhaupt verloren haben. Eine Antwort gibt 'Forgotton Anne' im Laufe des Abenteuers.

Forgotton Anne

Anne erwacht unsanft durch einem Rebellenangriff

Gemeinsam kontrollieren Bonku und Anne die Fantasiewelt und sorgen in einem strengen Regime für Struktur und Ordnung. Durch ein seltsames Gerät auf dem Arm können sie Objekte ihrer Lebensenergie berauben und Energie umverteilen, was ihnen viel Macht verleiht. All ihre Anstrengungen werden mit dem Ziel unternommen, eine gewaltige Ätherbrücke zu erschaffen, um darüber zurück in die Welt der Menschen zu gelangen. Viele Objekte ordnen sich diesem Ziel unter, in der Hoffnung eines Tages selbst in eine bessere Welt zu gelangen. Die meisten kristallisieren bis dahin jedoch, denn auch das Leben in der Welt der Vergessenen hat ein Ablaufdatum.

Doch nicht alle Bewohner sind glücklich mit der gegenwärtigen Situation, die für ein Klima der Unterdrückung gesorgt hat. Zu Beginn der Geschichte erwacht Protagonistin Anne durch einen großflächigen Rebellenangriff. Schleunigst macht sie sich auf dem Weg, um im Auftrag ihres Meisters gegen diesen Widerstand anzukämpfen. Sie sieht sich aber bald mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert und muss sich Gedanken über ihre Ziele machen.


Schalter, Energiequellen und Entscheidungen

Das Gameplay ist eng mit der Story von 'Forgotton Anne' verwoben. Oft steht man vor der Frage, ob man ein Problem durch Lebensentzug eines lebenden Objektes lösen möchte, oder lieber eine friedliche Lösung anstrebt. Meist ist beides möglich, kleine Fehler (zum Beispiel durch ein falsches Vorgehen im Gespräch) können die friedliche Lösung aber auch schnell verbauen. Am Ende müssen wir uns für zwei Wege entscheiden, können danach aber jeden Abschnitt der Geschichte erneut betreten und andere Varianten probieren.

Forgotton Anne

In diesem Modus kann die Protagonistin Energiequellen erkennen und umverteilen

Ein anderer wesentlicher Aspekt ist die Umverteilung von Energie, was ebenfalls prima zur vorherrschenden Struktur-und-Ordnung-Politik dieser Fantasiewelt passt. In vielen Situationen müssen wir erst eine Energiequelle auffüllen und den Energiestrom richtig umleiten, um einen Schalter oder Hebel betätigen zu können. Dieses Prinzip wird immer wieder leicht abgewandelt und die Komplexität nimmt zu. Der Schwierigkeitsgrad orientiert sich jedoch bis zum Ende an einem Casual-Publikum und die Geschichte steht im Vordergrund. Vereinzelt muss man die Aufgaben aber sehr gut timen (zum Beispiel im Zug, wo drei Öffnungen nur sehr kurze Zeit offen bleiben, und man sie immer wieder auffrischen und parallel dazu die Energie umleiten muss).

Abgesehen davon gibt es öfters kleine Geschicklichkeitseinlagen, bei denen wir über Hindernisse springen, oder hochgelegene Kanten erreichen wollen. Selbst bei einem Sturz aus größter Höhe passiert Anne nichts – ein vorzeitiges Ableben braucht man nicht zu fürchten. Übrigens verfügt unsere Heldin in einigen Abschnitten über Flügel, mit denen sie noch weiter und höher springen kann. Damit das geht, müssen wir allerdings darauf achten, dass unsere Energiereserven aufgefüllt sind. Abzapfbare Quellen sind aber leicht zu finden.


Steuerung, Grafik und Soundtrack

Während das Gamplay bei den Energierätseln in der Regel gut funktioniert, muss man sich bei den schwierigeren Sprungeinlagen manchmal ärgern. Versucht man zu nahe vom Rand wegzuspringen, beginnt die Spielfigur, anstelle des Sprungs, gerne mal zu schwanken. Tut man das mit Anlauf, führt das leicht dazu, dass sie aus großer Höhe herunterfällt. Generell wirken die Sprungeinlagen sehr geskriptet und bieten nicht allzu viel Freiraum. Blickt Anne in die falsche Richtung und springt dann in die Höhe, kann sie die Richtung beispielsweise nicht mehr wechseln. Solche Dinge lassen die Steuerung manchmal etwas hölzern wirken, sind aber meistens verschmerzbar.

Forgotton Anne

Die Zwischensequenzen erinnern an Anime-Filme, haben aber trotzdem auch einen westlichen Touch

Einen erfreulicheren Eindruck macht die interessante 2D-Grafik, die zwar an Anime-Streifen erinnert, aber zugleich doch irgendwie westlich wirkt. Je nach Abschnitt zeigt uns das narrative Plattform-Abenteuer eine totale Einstellung, oder zoomt näher heran. Die Zweidimensionalität wird immer wieder dadurch aufgelockert, dass manche Abschnitte einen vorderen und hinteren Bereich haben, den man z.B. durch eine Brücke erreichen kann. Ab und zu werden zudem recht schön visualisierte, cinematische Zwischensequenzen geboten. Lediglich bei den Animationen hätte es gerne noch flüssiger sein können.

Einen klaren Pluspunkt gibt es für die Vertonung - sowohl was den Soundtrack anbelangt, als auch für die Sprachausgabe. Throughline Games und Publisher Square Enix Collective haben eigens für 'Forgotton Anne' das Copenhagen Philharmonic Orchester engagiert und das macht sich in jedem Fall bezahlt. Die abwechslungsreiche musikalische Untermalung bringt viel Atmosphäre ins Geschehen und trägt einiges zur guten Präsentation bei. Ähnliches gilt für die professionelle englische Sprachausgabe, die sich keine groben Schnitzer leistet. Zwar gibt es keine deutsche Vertonung, aber immerhin deutsche Untertitel.


Galerien

Fazit:

Wertung: 82%

'Forgotton Anne' bietet ein interessantes, fantasievolles Setting, gepaart mit einer recht unterhaltsamen, gefühlvollen Story, sowie einem großartigen Soundtrack. Das Gameplay zeigt sich bemüht, für Abwechslung zu sorgen, wobei die Steuerung bei den Geschicklichkeitseinlagen schon etwas besser sein könnte. Trotz der sehr linearen Erzählweise, wird der Spieler oft mit den eigenen – nicht immer einfachen - Entscheidungen konfrontiert, was für eine individuelle Note sorgt, aber die Geschichte natürlich nicht maßgeblich ändert. In Summe ist 'Forgotton Anne' eines der wenigen Plattform-Abenteuer, die man getrost als Adventure bezeichnen kann, da Story und Entscheidungen das Geschehen nie aus den Augen lassen. Genre-Fans, die kleine Plattform-Einlagen der eher einfachen Art nicht verweigern, können getrost einen Blick riskieren. Geboten wird nämlich unterhaltsame Kost mit rund sieben Stunden Spieldauer.

geschrieben am 16.05.18, Matthias Glanznig

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