Reviews: Detroit - Become Human:

Detroit: Become Human


Wenn es nach dem französischen Entwicklerstudio Quantic Dream ('Heavy Rain') geht, dann gibt es menschlich aussehende Androiden in 20 Jahren an jeder Straßenecke. Doch wo genau liegt die Grenze zwischen künstlicher Intelligenz und neuer Lebensform? Der PS4-Exklusivtitel 'Detroit: Become Human' (Publisher: Sony) beschäftigt sich mit dieser und anderen Fragen und lässt den Spieler in die Rolle von drei Androiden schlüpfen. Unabhängig voneinander durchleben sie eine verblüffend ähnliche Entwicklung, was in der Öffentlichkeit nicht unbemerkt und ohne Folgen bleibt.

Detroit

Beginn einer Revolution

Durch die Produktion von vielseitigen Androiden sieht sich die Großstadt Detroit im Jahr 2038 am Höhepunkt. Allerdings mehren sich sonderbare Vorfälle: Androiden widersetzen sich der eigenen Programmierung und begehen mitunter schwere Verbrechen (sie werden Abweichler genannt). Bahnt sich am Ende womöglich eine Revolution an?

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Zur Rettung eines Mädchens widersetzt sich Kara ihrer eigenen Programmierung

Zu Beginn der Geschichte verbringen wir viel Zeit damit, den Alltag der drei Hauptfiguren (allesamt Androiden) kennenzulernen, die allesamt künstliche Lebensformen sind. Als Spezialermittler hilft Connor der hiesigen Polizei bei Fällen, die mit besagten Abweichlern zu tun haben. Markus arbeitet wiederum für den alten Maler Carl Manfred, der an den Rollstuhl gefesselt lebt. Dazwischen begleiten wir Kara, die sich um das Haus und die Tochter eines gewalttätigen Mannes kümmert. Im Zuge dieser ersten Szenen erledigen wir zum Beispiel Besorgungen, räumen auf und bereiten das Essen zu. Das ist obendrein eine gute Gelegenheit um relativ stressfrei die Steuerung kennenzulernen.

Für Markus und Kara kommt eines Tages der Punkt, an dem sie sich gezwungen sehen, die eigene Programmierung zu durchbrechen und die Flucht zu ergreifen. Für Kara ist dieser Schritt besonders riskant, denn das Mädchen begleitet sie und braucht ihren Schutz. Die Polizei ist ihnen jedoch auf den Fersen... allen voran Connor.


Eine starke interaktive Geschichte

In 'Detroit: Become Human' steuern wir die drei Spielfiguren aus der Third-Person-Perspektive, versetzen uns in ihre Rolle und treffen zahlreiche Entscheidungen. Die Geschichte ist sehr cinematisch inszeniert und ungemein kurzweilig. Echte Durchhänger gibt es im Grunde so gut wie keine. Insbesondere die charakterliche Entwicklung von Connor und Kara ist mitreißend gelungen und selbst der häufige Rollenwechsel bereitet keine Probleme.

 

Wer 'Beyond: Two Souls', 'Heavy Rain', oder 'Fahrenheit' kennt, der weiß was in spielerischer Hinsicht zu erwarten ist. Wobei die Steuerung deutlich intuitiver und geradliniger funktioniert, als bei den früheren Werken von Quantic Dream. Sie erinnert in einigen Momenten an Telltale Games. Auf übertriebene Tastenverrenkungen und allzu lästige Quick-Time-Mini-Games wird dankenswerterweise verzichtet. Die SciFi-Spielwelt ist reich an Details und es gibt viel Optionales zum Erkunden. Klassische Rätsel sollte man sich keine erhoffen, vereinzelt gibt es immerhin explorative Rätel der einfacheren Sorte.


Entscheidungen stehen im Mittelpunkt

Entscheidungen stehen bei 'Detroit' im Zentrum, doch das Gameplay hat zwischendurch schon noch mehr zu bieten. Connor ist anhand von Hinweisen zum Beispiel in der Lage, Ereignisse visuell zu rekonstruieren. Durch beliebiges Vor- und Zurückspulen können weitere Hinweise entdeckt werden (der Blickwinkel ist zu diesem Zweck veränderbar), wodurch der Vorfall immer konkreter wird. Bei Kara gibt es ansonsten ein paar Schleichpassagen. Solche und andere Gameplay-Elemente sorgen für Abwechslung.

 

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Connor kann Tatorte rekonstruieren

Der Schwierigkeitsgrad (es gibt zwei Stufen) orientiert sich an Gelegenheitsspielern. Schnelles Drücken einer bestimmten Taste ist manchmal erforderlich, was für gewöhnlich gut schaffbar ist. Oft führen Fehler sogar dazu, dass man stärker mit der Spielfigur mitfühlt. Beispielsweise, wenn Kara über eine dicht befahrene Straße läuft und dabei stets versucht, das Mädchen zu beschützen. Mit jedem Fehler wird sie von einem Auto erwischt. Sie hält einiges aus und gibt nicht auf. Wird eine Spielfigur geschnappt, kann das eine neue Szene triggern, die man sonst nie erlebt hätte und wo wir vielleicht eine zweite Chance vorfinden. Tatsächlich ist der Wiederspielwert bei 'Detroit: Become Human' sehr hoch. Nahezu jeder wichtige Charakter kann vorzeitig sterben. Das betrifft selbst die Protagonisten.

Erwähnenswert ist auch, dass die Entscheidungen der drei Hauptfiguren sich wechselseitig aufeinander auswirken können. Markus prägt wie Androiden den Menschen begegnen, ob kämpferisch, oder friedlich. Das wiederum wirkt sich auf Kara und Connor aus und wie andere Menschen auf sie reagieren. Bezüglich der Spielzeit ist übrigens mit etwa 15 Stunden zu rechnen, je nachdem wie gründlich wir die Welt erkunden und wer das SciFi-Abenteuer überlebt.


Filmtaugliche Präsentation

'Detroit: Become Human' greift auf reale Schauspieler zurück, deren Mimik und Emotionen gut per Motion-Capture-Verfahren eingefangen wurde. In den letzten Jahren hat sich diese Technik sehr weiterentwickelt. Viel fehlt nicht mehr und man fühlt sich wie in einem richtigen Film. Manches wirkt im Spiel natürlich etwas starrer als im realen Leben. Bei Androiden passt das eigentlich sogar perfekt zur Rolle. Nichts auszusetzen gibt es an der englischen Sprachausgabe. Wer hingegen die deutsche Sprache bevorzugt, dem steht eine komplette deutsche Vertonung zur Auswahl.

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Selbst eine Liebesgeschichte ist möglich

In visueller Hinsicht schöpft Quantic Dream das Maximum aus den Möglichkeiten der PlayStation 4 heraus, für die 'Detroit: Become Human' exklusiv entwickelt wurde. Im Gegensatz zur Pro-Variante der Konsole sind v.a. die Hintergründe in der normalen Version ein bisschen verwaschener und die Framerate weniger flüssig. Teilweise übertreiben es die Entwickler zudem ein wenig mit der Tiefenunschärfe. Das ändert jedoch wenig am starken Gesamteindruck und der wirklich schönen Spielwelt.

Filmtauglich ist zuletzt der dichte orchestrale Soundtrack von John Paesano, Philip Sheppard und Nima Fakhrara, der sich stets sehr gut ans Geschehen anpasst und Atmosphäre und Spannung erzeugt. Drei Komponisten sind es deshalb, weil jeder für einen anderen Hauptcharakter zuständig ist. Trotzdem wirkt die Soundkulisse sehr homogen.


Gute Besetzung, aber ohne Stars

'Beyond: Two Souls' hat mit Ellen Page und Willem Dafoe die Latte enorm hoch gelegt. Im neuen Abenteuer geht es das Studio gerade bei den Hauptrollen ruhiger an und begnügt sich mit weniger klingenden Namen: Bryan Dechart spielt Connor (u.a. Bekannt aus 'As Good As You' und The Remaining'), Jesse Williams erleben wir als Markus (u.a. 'Grey‘s Anatomy' und 'The Cabin in the Woods') und Valorie Curry verkörpert Kara auf eine sehr empathische Art und Weise (u.a. 'The Tick', 'House of Lies' und 'The Following'). Sie machen ihre Sache gut. Lediglich bei Markus hakt es manchmal ein bisschen, doch das hat wohl eher mit dem Drehbuch zu tun. Sein plötzlicher Aufstieg zum Anführer einer Bewegung passiert nämlich recht überhastet.

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Die Nebenrollen sind mitunter spannender besetzt (hier Clancy Brown als Hank).

Etwas bekanntere Namen tummeln sich dafür bei den Nebenrollen. Sehr positiv bei den Nebenrollen ist uns dort Clancy Brown als Hank Anderson aufgefallen, der der markanten Rolle als heruntergekommener Detective viel Tiefe verleiht. Ihn kennt man vielleicht durch Filmklassiker wie 'Die Verurteilten', oder 'Starship Troopers'. Ähnlich eindrucksvoll ist die Performance von Lance Henriksen der in der Vergangenheit sogar auf drei Nominierungen bei den Golden Globes zurückblicken kann (für die TV-Serie 'Millennium'). Er spielt den Maler Carl Manfred.


Galerien

Fazit:

Wertung: 91%

'Detroit: Become Human' ist wahrscheinlich das in Summe stimmigste Spiel von Quantic Dream. Die abwechslungsreiche SciFi-Geschichte bleibt bis zum Ende spannend und die Steuerung drängt sich nicht unnötig in den Mittelpunkt, was bei 'Heavy Rain' und Co. ja nicht immer der Fall war. Selbst der Wechsel zwischen den drei Hauptfiguren wurde aus unserer Sicht überzeugend umgesetzt und war nicht schwer, in die jeweilige Situation einzutauchen. Lediglich bei Markus verläuft der Wandel zum Anführer einer Bewegung etwas zu plötzlich, doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Wer auf richtige Rätsel verzichten kann, eine PlayStation 4 besitzt und SciFi mag, der sollte definitiv einen Blick auf 'Detroit: Become Human' riskieren. Ein richtig heißer Kandidat für das Spiel des Jahres.

geschrieben am 03.10.18, Matthias Glanznig

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