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Detective Di: The Silk Rose Murders


In den 1950er-Jahren wurden die Krimi-Fälle des Richters Di Renjie vom Sinologen Robert van Gulik für den westlichen Raum aus dem Chinesischen übersetzt. Bald darauf hat er viele eigene Geschichten mit dem Ermittler verfasst. Das Original soll aus dem 18. Jahrhundert stammen und auf einer historischen Persönlichkeit basieren, die während der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert gelebt hat. In seinen fiktionalen Abenteuern dient oft Kaiserin Wu Zetian als Widersacherin und er hat stets damit zu tun, für Balance zwischen Macht und Gerechtigkeit zu sorgen.

Während die Bücher hierzulande eher in Vergessenheit geraten sind, erlebt Di Renjie derzeit ein Revival in Hong Kong, wo mehrere Action-Kinofilme in Top-Besetzung gedreht wurden. Angesichts dessen ist es wohl nicht abwegig, ein Point&Click-Adventure der alten Schule zu entwickeln. Das kleine kanadische Studio Nupixo Games hat das gewagt und erzählt mit interaktiven Mitteln eine eigene Geschichte. Finanziert wurde dieses Unterfangen durch eine Kickstarter-Kampagne, wobei mit WhisperGames inzwischen ein Publisher involviert ist. Im Review sehen wir uns das Resultat näher an.

Detective Di

Unser Abenteuer beginnt in Penglai, einige Jahre vor der Machtübernahme von Kaiserin Wu Zetian. Auf einem entlegenen Anwesen soll ein Abkommen zwischen Korea und China ausverhandelt werden. Zwischen diesen beiden Nationen hat es in der Vergangenheit kriegerische Auseinandersetzungen gegeben. Mit einem diplomatischen Erfolg möchte der amtierende chinesische Herrscher seine Position stärken. Die ist bereits gehörig geschwächt und seinen Gegnern kommt jeder Fehler recht.

Detective Di

Im Prolog erleben wir den ersten schweren Fall von Di Renjie

Die Verhandlungen laufen nicht nach Plan und der koreanische Botschafter wird kurz vor dem Abschluss in einer Höhle tot aufgefunden. Zum Ermitteln wird Di Renjie herbestellt, der neue Magistrat von Penglai. Dieser hat noch wenig Erfahrung mit Mordfällen und wird ins kalte Wasser gestoßen. Der Fall gibt dann tatsächlich einige Rätsel auf: Kaum jemand eignet sich als Zeuge, denn alle auf dem Anwesen waren bewusstlos, als das Verbrechen begangen wurde. Mit dem Lösen dieses Falls macht er schließlich erstmals auf sich aufmerksam.

Jahre später bestellt die nunmehr alleinige Machthaberin Wu Zetian den klugen Magistrat zu sich nach Chang'an, in die Hauptstadt der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert. Ab sofort soll er dort die Ermittlungen leiten und als erste Amtshandlung einen kürzlich zu den Akten gelegten Mordfall neu aufrollen. Die Kaiserin ist überzeugt, dass sein Vorgänger den falschen Mann verurteilen ließ. Dem Opfer wurde auf grausame Art und Weise das Herz entwendet und der Tatort mit einer Rose versehen. Was es damit wohl auf sich hat?


Interessante Geschichte, restriktives Gameplay

Inhaltlich bietet 'Detective Di: The Silk Rose Murders' recht spannende Krimi-Kost und klärt erst am Ende alle Fragen auf. Zudem gibt es interessante Wendungen und die Entwickler sind bemüht, diverse Eigenheiten der damaligen Zeit in die Dialoge einfließen zu lassen. Lediglich mit dem Prolog hatte ich Probleme, da dieser Fall für meinen Geschmack zu viele Unstimmigkeiten hatte. Selbst ein unerfahrener Ermittler hätte weiterbohren müssen.

Detective Di

Gespräche lassen sich erst beenden, nachdem alle Optionen ausgewählt wurden

Hingegen erweist sich das Gameplay als streng linear und ziemlich restriktiv: Wir suchen den Tatort nach Hotspots ab und bei Befragungen klappern wir stets alle Gesprächsoptionen ab, selbst wenn manche Fragen für uns nicht so relevant sind. Das Gespräch kann man leider erst beenden, sobald sämtliche Fragen gestellt sind. Dieser Zwang ist für die Immersion nicht unbedingt förderlich. Jeden NPC - überspitzt formuliert - nach der Lebensgeschichte fragen zu müssen, kam mir zumindest manchmal unnötig vor.

Trotz grobpixeliger Grafik sind fast alle Hotspots leicht zu finden, wodurch die fehlende Hotspot-Anzeige kaum ins Gewicht fällt. Allzu viele Interaktionspunkte bieten die etwa 45 Schauplätze ohnehin nicht und das Inventar bleibt überschaubar. Wurde eine neue Spur entdeckt, teilt einem der Protagonist mit, wer im nächsten Schritt zu befragen ist und nimmt den Spieler dadurch unnötig bei der Hand. Mehr Freiraum wäre in solchen Momenten sinnvoll gewesen.


Rekonstruktion des Tathergangs und Rätsel

Sind alle Hinweise rund um einen Mord bekannt, ist der nächste Schritt das Nachstellen des Tathergangs. Dabei wird uns die Tat gezeigt, wobei die Spielfigur Fragen zu bestimmten Ereignissen stellt und es für gewöhnlich drei, vier Antwortmöglichkeiten gibt. Wer vorher auch nur halbwegs aufmerksam aufgepasst hat, der muss hier nicht lange grübeln. Bei einem Fehler beginnt diese Rekonstruktion wie von Anfang an. Fehler haben somit keine Auswirkungen und es ist nicht möglich die falsche Person zu verdächtigen. Von Krimi-Adventures wie 'Crimes & Punishments' und 'Lamplight City' sind Genre-Fans diesbezüglich Besseres gewohnt.

Detective Di

Manche Rätsel sind gar nicht mal so einfach

Im 2D-Adventure gibt es zwischendurch allerdings auch komplexere Rätsel: Zum Beispiel ein kodierter Abschiedsbrief, den es zu entziffern gilt. Vereinzelt ist es zudem erforderlich, Gegenstände im Inventar mit der Umgebung zu kombinieren, sei es nun um eine Katze in klassischer Point&Click-Manier zu retten, oder um einem Meinung zu einem Beweisstück zu erfragen. Während 'Detective Di' die meiste Zeit sehr casual ist, geizt es ausgerechnet bei den paar echten Rätseln mit optionalen Hilfestellungen. Das Krimi-Abenteuer bleibt aber stets fair.


Optisch und musikalisch ausbaufähig

'Detective Di: The Silk Rose Murders' setzt auf gewöhnungsbedürftige 2D-Pixel-Grafik und verzichtet dabei auf Sprachausgabe. Der Spieler sollte also gewillt sein, die englischen Texte aufmerksam zu lesen (deutsche Untertitel sind nicht verfügbar). Erfreulicherweise verzichten die Entwickler auf lange Textwalls und es geht recht zügig voran. Auch beim Soundtrack sollte man ein Auge zudrücken können, denn das Niveau der Kompositionen schwankt. Manches ist durchaus atmosphärisches, anderes klimpert so vor sich hin.

Detective Di

Der pixelige Retro-Stil wird nicht jedem zusagen

Wenig Grund zur Klage bietet dafür die gewohnte Point&Click-Steuerung. Ein bisschen störend fällt bei der Fortbewegung lediglich auf, dass das Icon, welches zum Überblick über die bereits gefundenen Hinweisen führt, rechts unten positioniert ist und teilweise beim Verlassen von Schauplätzen im Weg steht. Dramatisch ist das aber nicht.

 

Gespeichert wird übrigens manuell, wobei mehrere Speicherstände zur Verfügung stehen. Bedenkt man das geringe Kickstarter-Budget, dann ist die Spielzeit mit knapp sechs Stunden zufriedenstellend, obwohl ich gern mehr Schauplätze und Charaktere gehabt hätte, um noch tiefer in die Welt des alten China einzutauchen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 72%

Mit der grobpixeligen Grafik von 'Detective Di: The Silk Rose Murders' und der manchmal schwächelnden musikalischen Untermalung konnte ich mich bald anfreunden. Die Mordfälle sind für sich genommen nämlich recht spannend aufgebaut sind und das Setting ist angenehm unverbraucht. Aus dieser Geschichte ließe sich ein unterhaltsamer Roman basteln, der wahrscheinlich sogar besser funktionieren würde, als diese interaktive Umsetzung. Die leidet etwas darunter, dass es bei den Ermittlungen kaum spielerischen Freiheiten gibt und alles streng linear abläuft. Dennoch hatte ich eine angenehme Zeit mit dem Krimi-Abenteuer und würde weitere Abenteuer mit Di Renjie begrüßen.

geschrieben am 07.05.19, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
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