Reviews: Night Call:

Night Call


Mitte Juli kam das Krimi-Adventure 'Night Call' bei Raw Fury erschienen. Die Entwickler Monkey Moon und BlackMuffin Studio setzen nicht nur buchstäblich auf einen Noir-Look, sondern auf ein verregnetes Paris, wo wir als Nachtschicht-Taxifahrer eine Mordserie aufklären sollen. Das handgezeichnete Spiel setzt zusätzlich auf Taxigäste, die nebenbei ihre eigenen Geschichten erzählen: Man ist typisch Noir-überzeichnet Freund, Vertrauter, Psychiater und ein wenig Voyeur zugleich. Ob dieser Mix aus Taxi-Kurzgeschichten und Mordermittlung funktioniert? Lest selbst.

 

 

Neon-Licht in der Notaufnahme

 

Night Call im Neonlicht
Geradeso einen Mordversuch überlebt.

Langsam öffnest du die Augen. Die grellen Neonlichter verschwimmen immer wieder. Die Orientierung fehlt, ein bitterer Geschmack ist im Mund. Eine Frau informiert dich schließlich, dass du zwei Wochen im Koma lagst, nachdem ein mysteriöser Serienkiller deinen Fahrgast getötet und dich lebensgefährlich verwundet hat – er entkam. Die Erinnerung an die Ereignisse fehlt dir aber völlig und du wirst schließlich entlassen. 

 

Zurück im Taxi macht sich dein Chef Sorgen, schließlich ist der Mörder noch auf freiem Fuß. Du willst trotzdem weiterfahren. Selbst die Kollegen meiden dich. Was soll's, die nächsten Kunden warten. Plötzlich steigt eine streng dreinblickende Dame ein und du zuckst zusammen. Sie ist eine Kriminalbeamtin, die für den Fall zuständig ist und legt dir ein Angebot vor, das du nicht ablehnen kannst: Du musst aus fünf Verdächtigen den Killer finden. Bekannte befragen, auf Infos von Insassen warten und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Die Suche nach dem Mörder beginnt und eine Woche bleibt dir.

 

 

Rahmenhandlung ist nur Nebensache

 

Night Call Wall of Evidence
Wir sammeln Infos beim Taxifahren und blenden aussortierte Verdächtige aus. 

Das alles scheint recht spannend zu sein, ist aber für den Großteil des Spiels lediglich Nebensache. Ohne große Dialogzeilen stecken uns nämlich die Insassen einfach Infos zu, die es später zu Hause bequem per einfachem Klick zu lesen gilt. Auf einer Tafel sieht man dann alle Hinweise und schließt so im Laufe des Spiels darauf, wer es sein könnte. 

 

Selbst die Handvoll Sonder-Ziele, bei denen man Freunde und Bekannte befragt oder schlichtweg in ein Gebäude einbricht, kaschieren das eher schlecht als recht. Der Kern des Noir-Abenteuers ist vielmehr das Reden mit den Taxigästen. Jeder der 75 Taxigäste hat seine eigene Geschichte und reagiert auf verschiedene Antworten oder Fragen von uns völlig anders. So beeinflusst man nicht nur deren Leben, sondern manchmal auch Schlagzeilen und das fiktive Paris selbst. 

 

 

Wiederspielwert durch Kurzgeschichten

 

Night Call Passidex
Die Mitfahrer haben allesamt äußerst abwechslungsreiche Geschichte. Lustig, traurig und meist realistisch.

Den Reiz des Spiels machen die kleinen Kurzgeschichten aus, von denen man pro Ermittlungstag ein paar erleben kann. In einer Übersicht, dem Passidex – Pokémon-Fans denken hier nicht umsonst an den Pokédex -, finden wir alle Passagiere, die wir im Spiel gefahren haben und in welche Richtungen das Gespräch ging. Manche kann man auch öfter fahren und die Geschichte wird dann sogar weitererzählt. 

 

Das Spektrum der Geschichten ist dabei äußerst weit. Katzen mit eigenem Willen, Cosplayer auf dem Weg zur nächsten Con oder an Tourette-Syndrom leidende Aristokratinnen sind hier nur ein paar der schrägen Ausgeburten. Es muss aber nicht nur schräg sein, denn es sind teilweise auch Alltagsgeschichten, die perfekt in die heutige Zeit passen. Insgesamt erlebt man eine nett verpackte Gesellschaftskritik. 

 

Die 75 Gäste schafft man auch beim ersten Durchspielen. Pro Lauf kann man mit ungefähr zwei Stunden Spielzeit rechnen. Nach viermaligem Durchspielen begegnete ich zwar etwas mehr als der Hälfte der Figuren, kannte aber noch nicht alle Auswüchse deren Geschichte. Wer Spaß an solchen Kurzgeschichten hat und ein Spiel für eine halbe bis Viertelstunde sucht, mag hier richtig sein.

 

 

Blasser Krimi und Survival

 

Night Call sinnloser Survival
Im Story-Modus konzentriert man sich eher auf die Geschichte. Die Survival-Aspekte greifen erst in den höheren Schwierigkeitsgraden.

Die Kriminalfälle sind vielmehr dazu da, um das Spiel zeitlich zu begrenzen. Nach einer Woche ist Ende und man muss sich auf den vermeintlichen Mörder festlegen (männlich oder weiblich). Insgesamt gibt es dazu drei Fälle, die sich in Hintergrundgeschichte und Schwierigkeit zwar unterscheiden, aber das Grund-Gameplay unangetastet lassen. 

 

Entgegen den Erwartungen ist die Wahl des Falls völlig belanglos. Der Beginn, der Ablauf und das Erlangen von Informationen bleibt völlig gleich. Man muss schon sehr an den Kurzgeschichten interessiert sein, um nach den drei Fällen noch weiterspielen zu wollen. Damit es nach nicht völlig langweilig werden die Täter zufällig aus einem Pool an verdächtigen gewählt. So wird es auch nach vielfachem Durchspielen nicht trivial. Die Spielerfahrung begleitet entspannende und angenehme Musik, die nach Fahrgästen variiert. Optisch hat es einen außergewöhnlichen, minimalistischen aber durchaus ansehnlichen Stil. Eine Sprachausgabe sucht man vergeblich und Texte sind nur auf Französisch und Englisch verfügbar.

 

Wählt man nicht den Story-Mode, sondern den ausbalancierten (Empfehlung der Entwickler) oder den schweren Modus, erinnert 'Night Call' an ein Survival-Spiel, bei dem man Geld machen muss, um nicht pleite zu gehen und vom Taxi-Unternehmen gefeuert zu werden. Fahrten müssen gezielt gewählt werden, um an mehr Geld zu kommen und selbst Rubbellose an Tankstellen gaukeln uns einen vermeintlichen Jackpot vor. Hier muss man gegen Bezahlung tanken oder kann in Zeitungen nützliche Informationen lesen. Der Survival-Aspekt konnte mich aber nicht wirklich packen und war bei dieser stark narrativen Erfahrung eher ein Klotz am Bein als für das Spielgefühl förderlich.


Galerien

Fazit:

Wertung: 69%

An einem lauen Sommerabend oder zwischendurch als Entspannung ein Spiel gefällig? Dann ist ‘Night Call‘ vielleicht der richtige Lückenfüller – oder hätte es sein können. Es warten nette Geschichten von Passagieren auf uns, die Kriminalfälle bieten ein nettes Setting, aber schnell wiederholt sich alles zu sehr. Nach dem ersten Fall dachte ich mir noch, dass das Spiel jetzt vieles anders machen wird. Dem war nicht so. Angesichts des Preises, der relativ kurzen Spielzeit pro Fall und des relativ repetitiven Gameplays ist mein Fazit dementsprechend gedämpft. Wer nur Kurzgeschichten hören will, könnte einen Blick hineinwerfen. Die Alltags-Geschichten, die stets überraschen, sind tatsächlich herausragend geschrieben. Selten findet man so natürlich wirkende Charaktere in Spielen.

geschrieben am 16.08.19, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
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Dieses Review gehört zu  Night Call.




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