Reviews: The Dark Pictures Anthology: Man of Medan:

The Dark Pictures Anthology: Man of Medan


Supermassive Games hat sich mit 'Until Dawn' einen Namen gemacht. Mit 'Hidden Agenda' wollten sie an diesen Erfolg anknüpfen, konnten die hohen Erwartungen allerdings nicht ganz erfüllen. Nun haben sich die Briten mit dem Publisher Bandai Namco zusammengetan, um an der 'The Dark Pictures Anthology' zu arbeiten. Alle sechs Monate soll eine eigenständige Horror-Kurzgeschichte erscheinen. Aktuell sind acht Spiele geplant – es könnten sogar noch mehr werden. 'Man of Medan' ist das erste Spiel dieser Serie. Im ausführlichen Test könnt Ihr unsere Erfahrungen mit der PC-Version nachlesen.

 

 

Von Soldaten, Schatztauchern und mysteriösen Geisterschiffen

 

Joe und Charlie in der Mandschurei in Man of Medan
Eine Boxpuppe und ein Wahrsager als Mini-Tutorial.

Im Jahr 1947 ankert ein US-Marine-Frachter in einem Hafen in der Mandschurei in Nordost-China. Zwei Soldaten, Joe und Charlie, sind auf Landgang und haben zu viel getrunken. Ein Vorgesetzter schlägt Joe bei der Rückkehr kurzerhand k. o., worauf dieser in die Krankenstation gebracht wird. Charlie landet hingegen in der Schiffszelle. Noch scheint alles in Ordnung zu sein, aber während sie ihren Rausch ausschlafen, passieren schreckliche Dinge auf dem Schiff. Einmal ausgebrochen bzw. aus der Krankenstation geflohen, stolpern sie über Leichen und eine scheinbar verrückt gewordene Crew. Was ist hier nur passiert?

 

Schnitt in die Gegenwart. Eine junge Amerikanerin und drei Amerikaner mieten ein Tauchboot samt Kapitänin Fliss im Südpazifik. Alex und seine Freundin Julia sind nämlich Schatztaucher. Alex' Bruder Brad hilft ihnen mit Recherchen die genauen Fundorte zu finden. Julias Bruder Conrad ist aus Spaß dabei. Sie suchen nach einem Flugzeugwrack und finden dort Hinweise auf ein Marine-Schiff mit "Mandschurei-Gold". Jedoch braut sich ein Sturm zusammen. Menschliche und scheinbar übernatürliche Gefahren warten auf sie. Hängt all das zusammen? Was ist da passiert? Wo kommt der Horror? Darum geht es in 'Man of Medan'. Ganz nebenbei steht das Leben der vier auf dem Spiel.

 

Zu zweit oder allein? Beides ist bedingt möglich.

 

Ruhig im Rhythmus bleiben Man of Medan
Quick-Time-Events, Dialoge und Erkundung

'The Dark Prictures Anthology: Man of Medan’ ist ein filmisch inszeniertes Third-Person Horror-Adventure wie 'Until Dawn’. Durch Entscheidungen, Quick-Time-Events und freies Erkunden der Umgebung beeinflussen wir das Schicksal der fünf spielbaren Charaktere (Fliss, Julia, Conrad, Alex und Brad). Entschieden wird für gewöhnlich in Dialogen und zwar in Form von dualen Problemen: "Kopf" oder "Herz", d. h. bedacht und teilweise ängstlich oder eher emotional, schnell und sogar liebevoll? Dieser moralische Kompass zieht sich durchs Abenteuer und führt so zu verschiedenen Situationen, wo auf dem ersten Blick nicht unbedingt klar ist, was wirklich die "klügere" Entscheidung ist? Kleine Fehler können erst deutlich später zu schlimmen Konsequenzen führen.

 

Neu an dieser altbewährten Mischung ist, dass man abermals wieder zu zweit spielen kann. Es gibt keine zufällige Spielpartnerin oder Spielpartner, sondern man muss jemanden kennen, die oder der mitspielen will. Natürlich geht das auch online über das Internet. Beide treffen dabei Entscheidungen, die den Ausgang und auch das persönliche Verhältnis zwischen den Charakteren beeinflusst. Letzteres scheint uns im Test eher ein wenig wichtiges Gimmick ohne große Konsequenzen zu sein – außer vielleicht in Extremfällen. Spannend ist dabei auch, dass man dadurch nicht alle fünf Charaktere gleichzeitig steuert, sondern die zweite spielbare Figur in einer Szene quasi gleichzeitig und unabhängig von den eigenen Ideen gesteuert wird. So hat jeder eine eigene Spielerfahrung mit vielleicht sogar mehr Information als die oder der andere.

 

Der Kurator in Man of Medan
Der Kurator fungiert als Erzähler

Damit man auch solo das komplette Spiel erfahren kann, gibt es den "Curator’s Cut", der den zweiten Weg als Einzelspielererfahrung bereithält. Dieser Modus hat jedoch fixe Entscheidungen und es sind nicht unbedingt alle Enden möglich. Derzeit ist er nur für Vorbesteller erhältlich und wird erst später per DLC kaufbar sein. Ohne den "Curator’s Cut" oder eine Koop-Partnerin oder -Partner lassen sich zudem nicht alle sammelbaren Geheimnisse finden. Die wichtigsten Geheimnisse, die die Story stark beeinflussen (weil sie den Charakteren Informationen preisgeben), sind allerdings ohnehin in der normalen Spielfassung erhältlich. Bonusfilme, die Hintergründe zur Geschichte und dieser Art Horror zeigen, sind hingegen erst nach Erhalt sämtlicher Geheimnisse abspielbar.

 

 

Von befriedigend bis brillant

 

50 Secrets of Medan
50 Geheimnisse gibt es in Man of Medan zu finden

Für einen Spieldurchlauf dürft Ihr mit vier bis fünf Stunden rechnen. Wollt Ihr auch den "Curator’s Cut" angehen und alle versteckten Geheimnisse entdecken, sind bis zu zehn Stunden möglich. Diese Spielzeit könnt Ihr mit diversen Sprachversionen bestreiten: Deutsch und Englisch sind natürlich dabei. 

 

Zum direkten Vergleich haben wir den ersten Durchlauf auf Englisch und den "Curator’s Cut" auf Deutsch gespielt. Die Schauspieler sind meist eher unbekannt. Shawn Ashmore ('Quantum Break', 'The Following' und die 'X-Men'-Filmserie) als Conrad und Pip Torrens ('Preacher') als Kurator / Erzähler blicken aber auf viel Erfahrung in der Film- und TV-Branche zurück. Schön ist, dass andere Nebencharaktere entsprechend der Gegend trotzdem Chinesisch oder Französisch mit Untertiteln in entsprechender Sprache sprechen. Das trägt zur dichten Atmosphäre bei.

 

Shawn Ashmore ist Conrad in Man of Medan
Shawn Ashmore brilliert als Conrad

Die englische Vertonung ist zum Großteil hervorragend gelungen, sie unterstreicht die technischen Mängel und Unzulänglichkeiten von 'Man of Medan' dadurch jedoch umso mehr: Gesichtsanimationen wirken manchmal schwer übertrieben. Nach Abspielen dieser Emotion verfällt das Gesicht gleich wieder in eine leere, neutrale und fast schon gefühlslose Mimik. Schauerlich! Allgemein kann es mitten in Nahaufnahmen plötzlich zum Texturnachladen kommen (zumindest am PC). Auch die Geh-Animationen wirken etwas steif. Die Umgebungen sehen dafür meist recht gut aus. 

 

Die deutsche Version ist zwar ordentlich vertont, kann aber mit der englischen Version nicht mithalten. Das liegt weniger an den Sprechern, als an der teilweise schrägen Übersetzung. Während in der englischen Version z. B. bei manchen Dialogoptionen "Traits updated" (Charakterzüge upgedatet) eingeblendet wird, steht auf Deutsch einfach nur "Eigenschaft Akt". Wer nicht die entsprechende Taste drückt, wird nie erfahren, was das bedeutet. Auch manche Sprüche wirken eher gekünstelt lässig und könnten aus eher mäßigen Teenager- oder Studentenverbindungsfilmen kommen.

 

 

Solide, aber durchsichtig

 

Der Horror in Man of Medan
Solider aber selten wirklich guter Horror

Per Controller oder Maus und Tastatur steuern wir die fünf Hauptcharaktere durch eine solide Horror-Story. Jumpscares mögen zu Beginn noch halbwegs gut funktionieren, stumpfen aber bald ab. Während 'Until Dawn' noch mit den Genre-Konventionen spielte und dadurch unerwartet blieb, bleibt 'Man of Medan' eher im typischen übernatürlichen Horror-Korsett stecken. Der zentrale Twist gegen Ende des Spiels ist zusätzlich schon relativ bald (spätestens ab der Hälfte des Spiels) klar erkennbar und entzaubert das Spiel in der zweiten Hälfte deutlich.

 

Geboten wird zwar eine solide Geschichte mit netten Szenen, sowie teils recht unterhaltsamen Dialogen und spannenden Ereignissen, die jedoch vor allem gegen Ende etwas an Fahrtwind verliert. Schade ist auch, dass Supermassive Games dieses Mal weniger zur Weiterentwicklung des klischeebehafteten Genres macht, sondern vielmehr altbekannte Pfade weiter austritt.

 

 

Bugs, die den Spielfortschritt verhindern

 

Brad beim Erzählen seiner Horror Story in Man of Medan
Manchmal blieb uns das Lachen oder Schockiert sein im Hals stecken - die Bugs

Eine Warnung: Schon zu Beginn des Tests stießen wir auf den Bug, dass schon beim Starten das Spiel in einem schwarzen Bildschirm einfror. Nach dem Patch in der ersten Woche wurde dies glücklicherweise beseitigt, bis das Problem dann im finalen Drittel wiederauftauchte. Uns half ein kurzzeitiges Umstellen der Sprache von Englisch auf Deutsch (oder umgekehrt) und Laden des Spielstands. Dann mussten wir abermals ins Hauptmenü wechseln, die Sprache zurückstellen und den Spielstand neu laden. Dieser Fehler ist leider in der PC-Version keine Seltenheit und kann bis die nächsten Patches kommen wiederholt auftreten.

 

Wir entschieden uns für die PC-Version, weil Spieler bei den Konsolen-Versionen zum Teil (vor allem bei den normalen Konsolen, ohne Pro oder X) von größeren Performance-Problemen berichteten.


Galerien

Fazit:

Wertung: 71%

'Man of Medan' ist vor allem eines: Solide. Die Geschichte ist ganz solide, die Steuerung ist in Ordnung und die Länge passt gut zum Spannungsbogen. Der Fehler liegt aber in den Details. Bugs trübten unsere Erfahrung, weil ein einfaches Drauflosspielen nicht gleich möglich war. Nach etwas mehr als einem Drittel der Spielzeit war der zentrale Twist leider durchsichtig wie eine frisch geputzte Glasplatte. Dafür sind die Sprecher zumindest auf Englisch hervorragend und der Wiederspielwert ist mit dem "Curator’s Cut" (sofern man ihn besitzt) durchaus gegeben. Obwohl Supermassive Games diesmal also keinen Super-Hit gelandet hat, wird ein nettes Grusel-Abenteuer geboten, das mit den sympathischen bis überzeichneten Figuren mitfiebern lässt und bei dem man alle retten will. Das Grundprinzip macht nämlich Spaß: Entscheidungen, die zur Abwechslung auch ungeahnte Konsequenzen haben.

geschrieben am 17.09.19, Peter Färberböck

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Dieses Review gehört zu  The Dark Pictures Anthology: Man of Medan.




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