Orwell - Review

Kurz die Tasse Kaffee in die Hand nehmen und einen Schluck der bitteren, heißen Brühe schlürfen. Nebenbei den Wetterbericht lesen und dann weiter an die Arbeit. Ich lese die Krankenakte von Nina Maternova. Ein Hacker namens “initiate“ schreibt sie an. Gespannt verfolge ich das Gespräch und trage ins 'Orwell'-System ein, dass der Hacker die Seite der regierenden Partei lahmlegen will. Nebenbei finde ich noch Hinweise, dass jemand möglicherweise der Drahtzieher eines Terroranschlags ist. Schnell gebe ich ihre persönlichen Daten ins System ein. 'Orwell' und die Polizei werden schon wissen, wie sie damit umgehen. Kurz Mittagspause und danach erfahre ich prompt, was passiert ist. Der Verdächtige wurde ohne Gerichtsverhandlung eingesperrt. Die Welt ist sicherer – dank totaler Überwachung. Ich habe sie sicherer gemacht. Aber Moment! Da ist ein Widerspruch. Der Täter war eigentlich nur einkaufen. Ein kleiner Fehler führte dazu, dass ich das Leben eines Mitmenschen komplett zerstört habe. Naja, irren ist menschlich. Weiter geht’s mit der totalen Überwachung.

Bilder

Fazit

Wertungs-Lupe 89%

'Orwell' will die Spieler geradezu polarisieren. Das Spiel selbst sieht aus wie ein Browser und lässt sich gleich bedienen. Das Gameplay ist also wie das tägliche Internetsurfen und womöglich sogar Arbeiten. Es handelt dann auch noch über die totale Überwachung durch das Internet der Dinge. Welche Auswirkungen das hat, kann man noch gar nicht wirklich vorhersehen. Die Osmotic Studios zeichnen eine dystopische Geschichte im Stile von '1984' vor und zeigen dem Spieler die positiven und negativen Konsequenzen dieser Überwachung. Dazu betten sie das Spiel noch in aktuelle Themen ein: ein Terroranschlag in der hiesigen Stadt. Zusammen mit der spannenden, wendungsreichen Geschichte zeigt sich ein individuelles Spielerlebnis, das durch die Spielerentscheidungen sehr deutlich von anderen Spielern abweichen kann. Geleitet wird das ganze durch die Grundeinstellung der Spieler. Ist man gegen oder für Überwachung? Sieht man eher die Vorzüge oder die Nachteile der Überwachung? Lässt man Verbrecher lieber laufen, oder nutzt das System? 'Orwell' schaffte es mich ein wenig zum Nachdenken zu bringen, denn der relativ neutrale Zugang zum Thema ist sehr selten. Ein wunderbares Erlebnis, das nahezu uneingeschränkt zu empfehlen ist!

Fazit von Tobias Maack: Wer steckt wirklich hinter den Anschlägen? Diese Frage trieb mich in 'Orwell' dazu, zunächst einfach mal die Datenchunks ins Überwachungssystem zu ziehen. Aber deutet mein Vorgesetzter diese Informationsbrocken so, wie ich? Schnell kann ein unbedachter Timeline-Post wie "Ich hasse das System" dazu führen, dass ein ansich harmloser Mitmensch zu einem Terrorverdächtigen wird. Viele Daten machen nur im Kontext Sinn und ergeben davon losgelöst ein ganz anderes Bild. Zu spät habe ich gemerkt, dass mein Vorgesetzter einzelne Daten anders beurteilt hat als ich und habe dann laut geflucht, als 'Orwell' mir die Konsequenzen meines Handelns unverblümt "live" präsentierte. Ich fühlte mich schuld daran, dass fremde Menschen meinetwegen nun ernsthafte Konsequenzen bekommen. Und genau das schafft 'Orwell': Man wird in die Welt des Überwachungsstaates gezogen. Dabei muss ich das System futtern, um weitere Zugriffsrechte zu erhalten. Wie aber gehe ich mit dieser Macht um? Nutze ich sie aus, um die Welt ein wenig besser zu machen? Und ist das, was ich als "bessere Welt" empfinde auch eine bessere Welt für die Anderen? 'Orwell' stellt den Spieler vor genau diese unangenehmen Fragen und ist damit hoch aktuell. Unbedingt anschauen!

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