Storyteller-Reviews: Candle:

Candle


Feuer: Eine der wichtigsten Entdeckungen der Menschheit – wenn nicht sogar die Wichtigste. Es war nicht nur der einzige Weg Essen zu kochen, sondern wurde von Beginn an für etwas Essentielles eingesetzt: das Licht. Ohne Licht konnte man nicht arbeiten, denn die Dunkelheit ließ es nicht zu. Die Dunkelheit steht aber auch immer für Düsternis und Geheimnisse, das Licht für das Gute und vor allem die Hoffnung. Genau um diese Hoffnung geht es in 'Candle'. Dabei trägt der Protagonist Teku die Hoffnung sprichwörtlich stets bei sich, außer es geht die Kerze in seiner Hand wieder einmal aus. Mit dem Licht in seiner Hand offenbart sich eine rätselhafte Welt, die sowohl Kopfzerbrechen, als auch eine gehörige Menge Geschick benötigt. Ein Puzzle-Plattformer mit etwas anderem Setting steht uns bevor.

 

 

 

 

Von Gier, Ehrgeiz und falschen Göttern

{Beschreibung der Grafik}

Gut und Böse klar getrennt

Mythologisch beginnt die Geschichte von 'Candle'. Das Licht haucht der Erde erst Leben ein. Die hölzernen Wesen, um die es in dem Spiel geht, beten ihre Gottheiten an und durch den erlangten Wohlstand kommt es zum Unausweichlichen: Gewalt und Krieg. Einzelne Stämme kämpfen gegeneinander und im Mittelpunkt steht die Religion. Gottheiten befehlen ihnen diesen Krieg. Dabei wird eine dieser Gottheiten als gütig angesehen. Teile der Bevölkerung zweifeln deswegen an der Wahrhaftigkeit dieser Güte und des Gottes selbst. Ein Opfer dieses Konflikts ist Tekus Dorf, wo die Wakcha wüteten. Symbolisch trägt dieses Volk keine Kerze an der Hand, sondern einen Haken. Ebenso ziert ihr Antlitz nicht die typische Holzmaske, sondern eine Art Totenkopf mit Hörnern. Ganz klar: das sind die Bösen! Teku entledigt sich geschickt der letzten übrig gebliebenen Wakcha Wache und zieht symbolisch als letzter Hoffnungsschimmer in sein Abenteuer. So abstrakt und mythologisch der Stoff klingt, so aktuell ist er. Stürzen wir uns ins Abenteuer.

 


Hervorragendes Setting

{Beschreibung der Grafik}

Die mythologischen Ursprünge sind kaum zu übersehen

Von Beginn an fällt die ansehnliche Optik des Spiels auf. Die Landschaft ist farbenprächtig und durchzogen von Elementen der bekannten lateinamerikanischen Hochkulturen. Symbole, Gottheiten und Wandmalereien dürfen ebenso wenig fehlen, wie mythisch wirkende Maschinen, die durch Feuer und Wasser angetrieben werden. Dazu kommen noch mythologische Figuren, wie überlebensgroße Frösche, große Steinstatuen und diverse Rituale. Das ist die größte Stärke von 'Candle'. Oft bewundert man Hintergründe und lauscht den stets mythologisch angehauchten Geschichten des Erzählers. Ganz nebenbei zündet man Kerzen an, bedient diverse Maschinen oder interagiert mit den einzelnen Bewohnern. Stets wird das Fantastische mit durchaus realistischen Maschinen und Problemen vermengt. Die Geschichte weiß zu faszinieren, denn sie könnte direkt aus diversen Mythologie-Büchern stammen und Freunde der lateinamerikanischen Hochkulturen werden einiges wiedererkennen.

 


Dann kam der Frust

{Beschreibung der Grafik}

Sprungeinlagen mit dem löwenartigen Diwus können frustrieren

Das durch Kickstarter finanzierte Projekt weiß dadurch so zu bezaubern, dass man sorglos durch die Welten stapft und hüpft. Bis Teku wieder einmal einen vermeidbaren Tod stirbt. Das passiert nicht gerade selten, denn viele Rätsel legen Wert auf Timing. Dazu kommen dann noch einige Stellen, die man erst durch das berüchtigte Trial & Error-Prinzip unbeschadet übersteht, sofern man nicht schon zu Beginn des Rätsels Lösung errät. Diese Momente ziehen sich durchs ganze Spiel und brechen so regelrecht den Spielfluss und den Spaß am Spiel ab. Aus dem wundersamen Rätseln wird dann häufig ein frustrierendes Durchsterben. Ungeduldige Gemüter werden schon früh die Flinte ins Korn werfen. Ebenso muss betont werden, dass Geschicklichkeit und eine gewisse Jump & Run-Affinität mitgebracht werden sollte, denn schon früh wird dies im Spiel gnadenlos eingefordert. Möglich sind alle Rätsel und Passagen, aber mehrmaliges Sterben ist keine Seltenheit. Wer eine ähnlich responsive Steuerung aus anderen Jump & Runs erwartet, wird aber gleicht enttäuscht. Manchmal kann das dann auch die halbe Sekunde sein, die man zu viel verschwendet hat – auch wenn es nie der einzige Grund fürs Scheitern ist. Deswegen warnen wir hier vor dem fast sicheren Frust. 

 


Anspruchsvolle Rätselei

{Beschreibung der Grafik}

Verschiedenste Rätsel begegnen uns im Spielverlauf

Wer gerne knobelt, ist hier genau richtig. Die Rätsel verteilen sich oft auf mehreren Bildschirmen, brauchen durchaus auch ein paar Gegenstände und kombinieren dann Geschicklichkeitsspiel mit Hirnsport. Auch Minigames, wie das bekannte Verlegen diverser Rohrleitunen in einem Raster oder Steuerung eines hydraulischen Brunnens sind gut durchdacht und erfordern einiges an Überlegung. Selbst das Wärmen eines Whirlpools dauert dann schon gerne über eine halbe Stunde. Rätselfreunde können sich also auf die eine oder andere Kopfnuss freuen und dürfen durchaus mit acht bis zwölf Stunden Spielspaß rechnen. Die Rätsel sind auch immer wieder mit Timing, Sprungeinlagen und Versteckspielen kombiniert. So resultiert daraus eine ausbalancierte Mischung aus Geduld, Geschick und Denksport. Durch diese sehr spezielle Art des Spiels ist die Nische aber fast noch kleiner und kann so schon aufgrund dessen nicht jeden Spieler ansprechen.

 


Präsentation überzeugt

{Beschreibung der Grafik}

Tolle Präsentation, durchwachsenes Spiel

Nicht nur die stilistische Präsentation kann überzeugen, denn auch der englische Erzähler ist sehr gut gewählt. Dieser bleibt die einzige vertonte Stimme. Neben Englisch wird auch Spanisch angeboten. Dazu gesellen sich noch Untertitel auf Deutsch, Französisch und Japanisch. Die meisten Dialoge sind aber Bildgeschichten in Sprechblasen und selbsterklärend. Ein kurzer Kommentar des Erzählers räumt alle Unklarheiten aus. Die Musik fügt sich ebenso perfekt ins Setting ein und begleitet mit rhythmischen Klängen der spanischen Gitarren und obligatorischen lateinamerikanischen Flöten. Die historischen und mythologischen Stränge der Geschichte sind dazu im Einklang mit der unterschwelligen Gesellschaftskritik: Gier, übertriebener Ehrgeiz und Unterdrückung dominieren und sollen mittels purer Hoffnung besiegt werden. Es fehlen aber leider die großen Wendungen, um den Spielfluss voran zu treiben und den Spieler bei Stange zu halten.


Galerien

Fazit:

Erneut wandelt Daedalic Entertainment zusammen mit den Spanien von Teku Studios auf Spuren außerhalb des Adventure-Genres. Die Adventure-Aspekte beschränken sich auf Puzzles und Inventar. Ansonsten ist Candle ein typischer Puzzle-Plattformer, der doch ganz gut gelungen ist. Wäre die Steuerung etwas genauer und würden manche Rätsel nicht darauf ausbauen, dass man Schritt für Schritt einzelne Dinge ausprobiert und diverse Tode stirbt, könnte es durchaus in der Oberklasse mitspielen. Durch die Mängel bleibt es aber nur ein mittelmäßiges Spiel, das aber durchaus seine Fans finden kann. Ist man an der Geschichte und Mythologie Lateinamerikas interessiert, kann man durchaus ein Auge zudrücken und zugreifen. Ich konnte mich jedoch meist nicht länger als eine Stunde am Stück dazu durchringen, die einzelnen Rätsel durch zu sterben und an der Lösung zu arbeiten. Die spannende Hintergrundgeschichte hat zu wenig große Wendungen, um zu überraschen und so die Motivation auf lange Sicht oben zu halten. Ein Spiel für Zwischendurch, sofern man mit Genre und/oder Setting etwas anfangen kann.

geschrieben am 21.02.17, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Betriebssystem: Windows 7, 8, 10 Prozessor: Multi Core Processor mit 2,5 GHz oder mehr Arbeitsspeicher: 6GB RAM Grafikkarte: NVIDIA GeForce 8600 GT, AMD Radeon HD 4550 oder neuer Festplatte: 120MB verfügbarer Speicherplatz Offizielle Homepage


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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Candle.




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