Storyteller-Reviews: Star Wars Jedi: Fallen Order:

Star Wars Jedi: Fallen Order


Electronic Arts hat seit geraumer Zeit die 'Star Wars'-Lizenz von Disney. Zählbares ist dabei nur wenig rausgekommen – vor allem für Storyteller-Freunde. Respawn Entertainment hatte den Auftrag, das für EA zu ändern: 'Star Wars Jedi: Fallen Order' sollte ein reiner Singleplayer-Storyteller werden und die milliardenschwere Franchise auch in Spielen wieder zu großen Zeiten führen. Ob das Abenteuer von Cal Kestis in Sachen Gameplay und Story als 'Star Wars'-Spiel taugt? Kann es vielleicht sogar mit anderen Spielegrößen der heutigen Zeit mithalten? Lest selbst in unserem Storyteller-Review.

 

 

Order 66: Die Jedi sind tot. Oder?

 

Cal Kestis von Jedi Fallen Order am Schrottplaneten
Cal Kestis am Schrottplaneten. Ein typischer 'Star Wars'-Beginn.

'Star Wars'. Allein diese Überschrift bekräftig, dass das Spiel im Universum ernstgenommen werden will. Wir befinden uns fünf Jahre nach 'Star Wars: Episode III – Rache der Sith'. Die Jedi wurden fast vollständig durch den Order 66 des Imperators getötet. Die Letzten werden durch Inquisitoren gesucht. Wir schlüpfen in die Haut von Cal Kestis (Cameron Monaghan, u. a. 'Gotham' und 'Shameless'). Er ist einer der wenigen, übriggebliebenen, ehemaligen Jedi Padawan, die sich vor dem Imperium verstecken. Die große Jedi-Säuberung beginnt gerade. Cal ist deswegen auf dem vom Imperium kontrollierten Planeten Bracca inkognito unterwegs. er arbeitet an der Verschrottung und Wiederverwertung von alten Schiffen aus den Klonkriegen. Eines Tages passiert jedoch ein Unfall und er hat die Wahl seinen Freund Prauf sterben zu lassen oder doch die Macht einzusetzen.

 

Diese Entscheidung stellt sein Leben vollkommen auf dem Kopf. Er muss flüchten und bekommt es mit einer Iniquisitorin, die nur Zweite Schwester genannt wird, zu tun. Er zückt sein Lichtschwert, merkt aber schnell seine Chancenlosigkeit. Glücklicherweise retten ihn zwei Unbekannte mit ihrem Schiff – die zentralen Figuren Cere Junda und Greez Dritus. Warum helfen sie ihm? Was haben sie vor? Wird Cal ein Jedi? Eine typische Young-Adult-Geschichte rund um Identität und der persönlichen Vergangenheit und Zukunft von Cal Kestis entfaltet sich.

 

So macht man Star Wars.

 

Jedi Fallen Order ist nicht nur Fan Service
Ein echtes 'Star Wars'-Spiel, das auch Nicht-Fans ansprechen kann.

Schon in den wenigen Sätzen wird den 'Star Wars'-Fans klar werden, dass das Potenzial für ein gutes Spiel haben kann. Die interplanetare Schnitzeljagd liefert in den ungefähr 20 bis 40 Stunden Spielzeit (je nach Gründlichkeit) nämlich genau das: Eine solide Geschichte eines ehemaligen Jedi-Schülers. Die üblichen Konflikte mit der dunklen Seite gehören natürlich dazu. Ebenso kommt der typische Humor durch die komische Entlastung in Person des Greez Dritus oder des Droiden-Begleiters BD-1 nicht zu kurz. Das Action RPG 'Jedi: Fallen Order' nutzt die Geschichte für Tiefgang und Abwechslungsreichtum, auch wenn die Story für sich keine Preise gewinnen würde. Es wird aber völlig zurecht als das beste 'Star Wars'-Spiel seit 'Knights of the Old Republic' gesehen.

 

Daneben kann die Story aber mehr als nur die übliche Jedi-Geschichte liefern. Vielmehr geht es um die Charakter-Entwicklung die Geschichte der verschiedenen Persönlichkeiten. Die Protagonist*innen und Antagonist*innen des Spiels haben eine erstaunliche Tiefe – nicht nur für ein Action-RPG. Vielmehr steht die Entwicklung der Persönlichkeit von Cal Kestis und Cere Junda im Mittelpunkt der Geschichte. Zusätzlich erfahren auch Charaktere abseits der zentralen Figuren eine Entwicklung. Bösewichte, unser Pilot Greez oder selbst BD-1 ist davon nicht ausgenommen. Das alles macht die Story umso spielenswerter. Selten sieht man diesen Fokus und diese Art von Charakterentwicklung heutzutage in großen Spielen. Hier steht deswegen weniger das Erwachsenwerden im Sinne des „wie wird Cal ein Jedi“ als vielmehr das Überwinden der schwierigen Jugend und die Bildung des Charakters im Vordergrund.

 

Cal Kestis spielt Gitarre in Jedi Fallen Order
Gerade in den ruhigen Szenen und Dialogen brilliert die Geschichte. Action-Epos? Vielmehr Charakter-Geschichte.

Es sei auch erwähnt, dass das Spiel selbst grafisch zwar nicht immer vorne mitmischen kann, aber Respawn und EA zeigen trotzdem ihr Können. Ähnlich wie in 'Anthem' brillieren die Zwischensequenzen der Hauptstory. Mimik, Gestik und Motion Capturing sind hervorragend gelungen. Die Schauspieler sind ebenso nicht umsonst zum Teil aus Hollywood oder teuren TV-Produktionen. Hier wird über weite Strecken ein Feuerwerk abgebrannt. Vor allem die englische Sprachausgabe weiß hier auch zu überzeugen: Herausragend inszeniert! Die deutschen Stimmen mischen ebenso im Feld der besten Synchronisationen mit, aber an die englischen Sprecher kommen sie nicht heran.

 

Souls-like trifft Uncharted und God of War?

 

Kinoreif in Jedi Fallen Order
Parieren, Kontern und Ausweichen. Das Ganze aber mit kinoreifen Animationen.

In einem Action-RPG spielt traditionell das Gameplay noch eine große Rolle. Das ist auch in 'Jedi: Fallen Order' der Fall. Der erste Eindruck zeigt dabei, dass es sich stark an das Souls-Like-Genre orientiert. Action-betonte Kämpfe, in denen man parieren oder ausweichen muss, sind der Standard. Dazu kommt, dass selbst einfache Sturmtruppen nicht einfach nur Gegner zum Wegschnetzeln sind, sondern eine Taktik verlangen. Das führt dazu, dass man bei jedem Gegnertyp die Angriffs- und Verteidigungsmuster erlernt. Meistert man diese, fühlt man sich äußerst mächtig. Einerseits geht man so unbeschadet durch die Gegnerhorden, andererseits sind die mächtigeren Konterangriffe meist mit Abschlagen von Gliedmaßen oder ähnlich spektakulären Finishing-Moves gepaart. 

 

Außerdem lassen sich Macht-Fähigkeiten gezielt miteinander kombinieren. Verlangsamt man einen Blasterschuss, kann man zum Beispiel einfach eine Sturmtruppe per Macht-Greifen hineinziehen und ihn so zur Strecke bringen. 'Jedi: Fallen Order' bietet somit einen recht kreativen und vielfältigen Sandkasten, mit dem Ihr Euch stilvoll und ästhetisch durch Imperiale (Sturmtruppen, AT-ST und viele mehr), große Kreaturen und andere, menschliche Lebewesen kämpft. Dazu kommt das ausgeklügelte Schwierigkeitsgrad-System. Dieses bestimmt nämlich lediglich die Aggressivität der Gegner, deren Schaden, den sie austeilen und das Fenster, wie lange ihr zum erfolgreichen Parieren Zeit habt. Somit fühlt man sich selbst im einfachen Story-Modus mächtig und kann genauso stilsicher Kämpfen als jene, die im Jedi-Meister oder Jedi-Großmeister ihre Herausforderung suchen. Gleichzeitig haben aber die hohen Schwierigkeitsgrade keine Bullet-Sponges als Gegner. Sie halten also nicht mehr aus als in den anderen Schwierigkeitsgraden und kann sie auch gezielt in wenigen Hieben beseitigen – meist reicht sogar selbst bei stärkeren Gegnern ein gezielter Konterangriff. Das macht die Spielerfahrung in allen Schwierigkeitsgraden äußerst befriedigend. Im höchsten Schwierigkeitsgrad ist es deswegen schon ein typisches, hartes Souls-Like. Stirbt man, verliert man die Erfahrungspunkte und kann sie sich durch einen Treffer am Erzfeind wiederholen.

 

Jedi Fallen Order hat auch Exploration und Rätsel
'Star Wars Jedi: Fallen Order' hat auch ausgeklügelte Rätsel-Gräber aus 'Tomb Raider' mit dabei.

Was machen dann 'Uncharted', 'Tomb Raider' oder 'God of War’ in der Liste der ähnlichen Spiele? Exploration nimmt in 'Jedi: Fallen Order' nämlich einen ähnlich großen Teil der Spielzeit ein. Wie in Uncharted klettern wir cineastisch durch Ruinen oder schwingen uns an Lianen. Selbst Gräber wie sie Nathan Drake in der Reihe findet, oder Lara Croft in 'Tomb Raider' erkundet, gibt es in Form der Tempel. Hier gibt es auch für Rätsel-Freunde etwas zu tun. Optional findet man dort nämlich längere Physik-Rätselketten, die teilweise sogar komplexer und interessanter gelöst sind als in 'Shadow of the Tomb Raider'.

 

'God of War' hat außerdem mit Atreus einen ähnlich zentralen Begleiter wie BD-1 in 'Jedi: Fallen Order'. BD-1 ist herzerweichend süß und kann es so mit diversen Tieren und Robotern aus animierten Filmen aufnehmen. Er wird nur leider in der Geschichte nicht ganz so zentral eingebunden. Drückt man am Controller kurz am Steuerkreuz nach unten, erkundet sich Cal aber nach des Droiden Empfinden. Schnell wird hier auch ein süßer Fistbump ausgetauscht. Toll! 'God of War' seit außerdem auf ein ähnliches Metroidvania-System. Hat man bestimmte Fähigkeiten im Laufe der Geschichte freigeschalten, kann man plötzlich neue Wege in den altbekannten Planeten einschlagen. Das führt dazu, dass anfangs kleiner wirkende Planeten zu riesigen Spielwiesen mit mehreren Abzweigungen und Ebenen werden. Das lädt zum Erkunden ein. Leider sind am Ende der meist optionalen Wege nicht immer lohnende Dinge zu finden. Ein vielleicht etwas andersfarbiger Poncho für Cal, eine Lackierung für Schiff oder BD-1 sind neben den (bis auf zwei Ausnahmen rein optischen) Bauteilen von Lichtschwerter die üblichen Belohnungen. Hat man Glück, findet man ein Macht-Echo, das die Geschichte etwas vertieft. Hier werden aber meist nur eingefleischte 'Star Wars'-Fans glücklich werden. Nur wenige Bereiche belohnen mit zusammenhängenden Kurzgeschichten in Form dieser Echos, die oft traurige Geschichten des Krieges erzählen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 87%

Spätestens wenn man die bombastischen Musikstücke eines John Williams als Musik im Spiel hört, mit dem Lichtschwert Blaster-Schüsse pariert und zum Speichern an einem Macht-Zirkel meditiert, ist die 'Star Wars'-Erfahrung nahezu perfekt. Jeder ‘Star Wars‘-Fan sollte hier zugreifen – trotz des scheinbar schwierigen Genres. Die innovative Idee der Schwierigkeitsgrade verhilft zu einer wirklich erhabenen Spielerfahrung. Was aber, wenn Ihr kein 'Star Wars'-Fan seid? Nun, dann ist zwar die Atmosphäre etwas weniger verzaubernd, die optionalen Metroidvania-Wege belohnen Euch nicht ganz so gut, aber die Kämpfe und die Exploration sind noch immer äußerst gut gelungen.

Aus Storyteller-Sicht weist das Spiel zwar keine herausragende Geschichte vor, aber der Fokus auf die persönlichen Geschichten der einzelnen Charaktere macht sie trotzdem zu einer runden, wirklich befriedigenden Erfahrung. Dieser seltene Ansatz tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass nach den brillanten ersten Spielstunden eine kurze Flaute einkehrt, die aber im letzten Drittel noch einmal völlig weggeblasen wird. Hier haben die Lust am Erkunden und die wirklich großartigen, abwechslungsreichen Kämpfe hinweggetröstet. Somit bleibt es für mich nicht nur ein hervorragendes 'Star Wars'-Spiel, sondern auch der bis jetzt beste Storyteller des Jahres. Respawn Entertainment hat schon Interesse an einem zweiten Teil angemeldet. Da kann ich nur typisch ergänzen: Möge die Macht mit ihnen sein.

geschrieben am 20.12.19, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Requires a 64-bit processor and operating system
OS: 64-bit Windows 7/8.1/10
Processor: AMD FX-6100/Intel i3-3220 or Equivalent
Memory: 8 GB RAM
Graphics: AMD Radeon HD 7750, NVIDIA GeForce GTX 650 or Equivalent
DirectX: Version 11
Storage: 55 GB available space
Offizielle Website


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Dieser Storyteller-Test gehört zu  Star Wars Jedi: Fallen Order.




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