Klassiker-Tests: Indiana Jones 4 - Indiana Jones and the Fate of Atlantis:

Indiana Jones and the Fate of Atlantis


Kein Name steht wohl mehr für Abenteuer als Indiana Jones. Anfang der 1990er Jahre, eine Zeit, in der es wilde Spekulationen um eine Kinofortsetzung gab, entwickelte man bei LucasArts tatsächlich einen Nachfolger: 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' erschien Ende 1992 und brachte eine wahrhaft Filmreife Geschichte mit: Die Nazis sind noch immer dabei, Europa in Schutt und Asche zu legen. Um dabei noch effektiver vorgehen zu können, suchen sie nach neuen Energiequellen. Eine könnte das mystische Metall Orichalcum sein, aus dem der Legende nach schon die Bewohner Atlantis ihre Energie zogen. Schon bald ergibt sich eine spannende Suche nach der versunkenen Stadt. Das Spiel versinkt jedoch nicht. Im Gegenteil: 'Indy 4' gehört zu den besten Adventures, die LucasArts je veröffentlicht hat.

 

Das tat weh: Indy muss im Vorspann ganz schön einstecken.

Das Spiel beginnt bereits actiongeladen mit einem der interaktivsten Vorspanne der Geschichte. Kurz nachdem der bekannte 'Indiana Jones' Schriftzug verschwunden ist, kracht Indy peitschenschwingend durch ein Fenster und steht inmitten einer Sammlung historischer Gegenstände. Er ist auf der Suche nach einer Statue, die vermeintlich schnell gefunden ist. Doch kaum hat man die Statue angeklickt, öffnet sich eine Falltür und Indy landet unsanft eine Etage tiefer. Macht aber nichts, denn auch hier finden sich Statuen. Durch verschiedene Unfälle, die man sich immer wieder gern anschauen kann, landet Indy schließlich leicht verbeult im Keller, wo die gesuchte Statue endlich gefunden wird. Erst jetzt wird klar, welche Sammlung Altertümer Indy gerade verwüstet hat, denn wenig später steht er zusammen mit Marcus Brody, dem Dekan des Barnett College und einem Mr. Smith in seinem Büro. Die Statue entpuppt sich als Überbleibsel aus Atlantis und birgt sogar eine Orichalcum Perle. Für Mr. Smith die Gelegenheit, auf die er gewartet hat. Nach einem kurzen Kampf verschwindet er samt Statue und Perle durch das Fenster und hinterlässt nur seinen Mantel, der Aufschluss über seine wahre Identität gibt. Mr. Smith heißt eigentlich Klaus Kerner und ein Agent von Nazi-Deutschland. Außerdem findet sich in Kerners Unterlagen eine Spur zu Indys ehemaliger Gefährtin Sophia Hapgood, die sich ihren Lebensunterhalt als professionelles Medium verdient und nebenbei noch eine Vortragsreihe über Atlantis und seine Geschichte hält.

Die Bild der Archäologie führt Indy zu Sophia

Kurzentschlossen stattet Indy Sophia einen Besuch ab, mit dem Ergebnis dass auch er von der Existenz der versunkenen Stadt überzeugt wird. Doch wie findet man eine Stadt, die seit Jahrtausenden versunken ist? Die Antwort steht natürlich in den Büchern, genauer gesagt in Platos verlorenem Dialog. Das Problem an diesem notierten Gespräch ist natürlich, dass er eben verloren ist. Doch auch hier finden Sophia und Indy Wege. Zwei weitere Atlantis Forscher werden besucht, ehe dann feststeht, wo sich das Buch befindet.




Der Wege sind Drei

Indy steht vor der Wahl: Allein, Action oder mit Sophia?

Hier kommt zum ersten Mal eine Besonderheit des Spiels zum Tragen, auch wenn man sie bei nur einmaligem Durchspielen nie erkennen wird. Das Buch steckt in einer von drei Sammlungen, die nun wiederum gefunden werden. Bei jedem Spielstart wird eine andere Sammlung angegeben, die über andere Wege gefunden werden muss. Ist das Buch dann gefunden, wird der Spieler vor die Wahl gestellt. In einem Gespräch mit Sophia kann einer von drei Wegen gewählt werden: Action, Rätsel oder Team. Während Indy bei den ersten Wegen auf sich allein gestellt ist, begleitet Sophia ihn auf dem Teamweg. Je nachdem, welchen Weg der Spieler wählt, unterscheidet sich auch das Spiel beträchtlich, nicht nur die Rätsel sind andere, auch die

Wollen noch mehr zerstören: Indys Lieblingsgegner

Orte, die der Spieler zu sehen bekommt, unterscheiden sich. Im Team-Modus halten Indy und Sophia in einem Hotelzimmer in Monte Carlo eine Seance ab, um einen gewissen Alan Trottier eine Steinscheibe abzunehmen. Wählt Indy den Rätselweg, auf dem er alle Nüsse allein knacken muss, wird Trottier entführt und Indy muss in einer Actionsequenz zuerst das Auto der Entführer zum stehen bringen, um dann die Steinscheibe zu suchen. Im Actionweg findet Indy die Steinscheibe schließlich in einer Grabungsstätte in der Sahara. So unterschiedlich, wie die verschiedenen Wege anfangen, gehen sie auch weiter. Mal muss Indy einen Heißluftballon zusammenbauen, mal wird er geklaut. Mal steht eine Art Historischer U-Bahn für die Tour nach Atlantis bereit, mal muss Indy per U-Boot den Weg in die Versunkene Stadt finden. Erst in Atlantis vereinigen sich die Wege wieder zu einem großen Ganzen.


Gameplay

Noch ist im Inventar jede Menge Platz. Aber das ändert sich bald.

Indy und Sophia lassen sich ganz einfach per Maus steuern. Zum Einsatz kommt dabei das schon in 'Monkey Island 2' eingesetzte SCUMM-Interface, bei dem im unteren Bilddrittel neben den neun Verben auch jeweils zehn Gegenstände als Piktogramme angezeigt werden. Trotz der drei unterschiedlichen Wege ist das Spiel recht linear aufgebaut und es stehen immer nur wenige Orte zur Verfügung. Das Spiel ist zwar offiziell nicht in Kapitel unterteilt, dennoch bilden beispielsweise die Suche nach dem verlorenen Dialog, die Suche nach Atlantis und schließlich Atlantis selbst in sich geschlossene Abschnitte. Um sicherzustellen, dass der Spieler kein wichtiges Item übersehen hat und so dann in eine Sackgasse gerät, haben sich die Entwickler das Steinsystem ausgedacht: Die Türen nach Atlantis öffnen drei Steinscheiben. Für die Kolonien, die schon früh im Spiel bereist werden können, genügt eine Steinscheibe. In den Kolonien findet sich dann die zweite Steinscheibe, die wiederum die Tür zu einem Vorposten öffnet. Erst hier gibt es den dritten Stein, mit dem sich dann endlich der Weg nach Atlantis auftut. Nur mithilfe dieser Steine ist es möglich, in den jeweils nächsten Abschnitt des Spiels zu kommen.

Manchmal benutzt Indy auch schlagkräftige Elemente

Egal, welchen der drei Wege man geht, 'Indy 4' bietet einiges an Action. Angefangen bei den Prügeleien, die sich Indy sich mit so manchem Gegner leistet, ist über Verfolgungsjagden, Ballonfliegen, Bootfahren bis zum Plattenhüpfen alles dabei. Wenn Indy sich schlägt, werden im unteren Bilddrittel Energie- und Kraftbalken angezeigt. Je voller der Kraftbalken ist, desto heftiger ist der ausgeführte Schlag. Jeder Treffer verbraucht Energie von dem Energiebalken. Ist dieser auf Null gesunken, geht der entsprechende Gegner – oder Indy – k.o. Ganz wie in 'Indiana Jones und der letzte Kreuzzug'. Auch in 'Indy 4' gibt es die Möglichkeit, zu Schummeln. Ein Druck auf die Taste „0“ beschert Indy den Sieg in allen Boxkämpfen. Dann jedoch bekommt der Archäologe keine Punkte für den Indy-Quotienten, in dem jede gelungene Aktion und jedes gelöste Rätsel ein paar Punkte bringen.

Die Autoverfolgungsjagd gestaltet sich hektisch und recht umständlich.

Die bereits oben erwähnte Verfolgungsjagd mit dem Auto ist recht hektisch, denn Indy muss das Auto der Entführer mehrere Male rammen, ehe die Verfolgungsjagd beendet ist. Leider macht die Maussteuerung das Ganze recht umständlich, denn Indy kann nicht wenden. Außerdem ist es immer nur dann möglich, in eine andere Straße abzubiegen, wenn das Auto direkt vor der Kreuzung steht. Fährt Indy ein Stück zu weit, muss er eben die nächste Kreuzung nehmen. Dafür gestalten sich die Fahrten mit dem Heißluftballon oder dem U-Boot gemächlicher. Hier gilt es einfach nur, den richtigen Weg zu finden und das Gefährt durch entsprechende Steuerungselemente zu lenken.

Doch egal, vor welchen Rätseln Indy mit oder ohne Sophia auch steht, die Lösungen sind stets logisch und das Spiel gibt auch oft Hinweise, was wann zu tun ist. Der Schwierigkeitsgrad zieht im Laufe des Abenteuers an, so dass in Atlantis schon einige wirkliche Kopfnüsse zu knacken sind. Dank des gelungenen Gamedesign von Hal Barwood und Noah Falstein bleibt das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute spannend und lässt den Spieler so schnell nicht wieder los, das Indyquotient-Punktesystem verschafft zusätzliche Motivation.


Nur-Ab-Sal trifft Edward Teller

Indy und die Ausserirdischen: Ein Hinweis auf den vierten Film?

Begleitet werden die zwei Suchenden nicht nur von Nur-Ab-Sal, einem atlanteanischen Gott, der in Sophias Kette zu leben scheint, sondern auch von jeder Menge Anspielungen auf andere Spiele oder Filme. Am schwarzen Brett des Barnett College hängt beispielsweise ein Zettel mit der Aufschrift “Edward Teller: Nach Hause telefonieren!“. Oder Indy braucht einen Baseball, der von einem berühmten Spieler signiert wurde. Schaut Indy sich diesen Ball jedoch genauer an, findet er eine Unterschrift, die eher nach der eines gewissen Ron Gilbert aussieht.


Grafik und Sound

Indys Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit: Das Bild wird zunehmends heller.

Sicher, 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' hat nach heutigen Maßstäben alles Andere als eine gute Grafik. Dennoch strotzt das Spiel nur so vor Details und bietet eine für damalige Verhältnisse hervorragende Grafik. Ganz so bunt, wie 'Monkey Island 2', das 1991 erschien, ist 'Indy 4' zwar nicht, es würde aber auch nicht in die Welt des Archäologen passen. Für einige Szenen, wie beispielsweise das interaktive Intro, wird von der üblichen Scumm-Drittelung des Bildes weggegangen hin zu einer Vollbilddarstellung des Raumes. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn außer „Gehe zu“ keine andere Aktion möglich ist. LucasArts zeigt hier aber schon einmal, wo der Weg hin gehen wird.

Bei dem Soundtrack bleibt natürlich gar nichts anderes übrig, als auf den von John Williams komponierten berühmten Raiders March zurückzugreifen. Der Soundtrack wurde für das Spiel noch etwas erweitert, die zusätzlichen Themes fügen sich aber hervorragend in das Williamsche Gesamtkonzept ein und unterstützen die Stimmung in den einzelnen Spielabschnitten hervorragend. Das Repertoire reicht von Jazz bis zu eher schaurigen Klängen. Auch was den Sound angeht, profitiert 'Indy 4' von den Entwicklungen, die bei 'Monkey Island 2' erstmals eingesetzt wurden. So wird auch hier das von Michael Land und Peter McConnell entwickelte iMUSE Soundsystem eingesetzt, dass es ermöglicht, mit der Spielmusik auf die Aktionen des Spielers zu reagieren.


Versionen und Verfügbarkeit

'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' erschien 1992 für den PC in VGA-Grafik mit 256 Farben auf 5 HD-Disketten. In Deutschland lag in dem Karton ein Poster des Spielcovers sowie eine „Lösungshilfe“, die den Teampfad bis zum Ende verriet, bei. Später erschien noch eine Version auf CD-ROM mit englischer Sprachausgabe. Wer bei dieser Version jedoch auf die Stimme von Harrison Ford hofft, wird enttäuscht. Aus Kostengründen hat LucasArts auf die markannte Stimme verzichtet. Der gewählte Ersatz macht seine Sache aber auch nicht schlecht.
'Indy 4' wurde außerdem in der Zeitschrift 'Bestseller Games' veröffentlicht. Die letzte Veröffentlichung von LucasArts erfolgte im Rahmen der „10 Adventures Box“, die aber auch nicht mehr erhältlich ist. Da das Spiel eine recht große Verbreitung gefunden hat, ist es noch immer problemlos über Auktionsplattformen erhältlich.


Galerien

Fazit:

Wertung: 5 / 5

Erst heute, nachdem 'Indiana Jones und das Königreich der Kristallschädel' im Kino angelaufen ist, versteht man, welche Glanzleistung Falstein und Barwood mit der Story von 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' geschafft haben. Sie schufen ein Spiel, das sich nahtlos in die etwas mystische Welt des Archäologen einfügt. Noch dazu mit drei verschiedenen Wegen, die jeder für sich eine gelungene Geschichte erzählen und doch unterschiedlich sind. Gerade diese drei unterschiedlichen Wege zum Ziel spornen immer wieder zum Neuspielen an. Doch auch ohne diese Wege findet man in 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' nach jedem Neustart genügend Änderungen, die das Spiel nicht langweilig werden lassen. Den vollen Indy Quotienten erreicht man ohnehin erst dann, wenn alle Rätsel auf alle möglichen Varianten gelöst wurden. Eine große Aufgabe. Und nicht nur deswegen zählt 'Indiana Jones and the Fate of Atlantis' zu den Spielen, die man einfach gespielt haben muss – selbst wenn man den peitschenschwingenden Archäologen sonst nicht mag.

geschrieben am 31.07.08, Tobias Maack

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