Reviews: Darkness Within - In Pursuit of Loath Nolder:

Darkness Within


Ein neues Horrorabenteuer in Anlehnung an die Werke von H.P. Lovecraft verspricht die Verpackung von 'Darkness Within – In Pursuit of Loath Nolder'. Lovecraft, der 1890 in den USA geboren wurde, gilt als einer der einflussreichsten Autoren im Bereich der Horror-Literatur. Ob die Geschichte von 'Darkness Within' an seine Werke heranreicht und ob sich Zoetrope mit dem Spiel selbst auch zu den führenden Entwicklern von Horror-Adventures zählen darf, verraten wir in unserem Review.


 



Der Detective Howard A. Loreid befindet sich zur Behandlung in der psychiatrischen Klinik von Wellsmoth. Obwohl die Ärzte der Auffassung sind, dass sich sein Zustand bessert, beschleicht ihn das Gefühl, dass er täglich mehr Erinnerungen verliert. Aus diesem Grund beschließt er, alles das niederzuschreiben, was sich vor der Einlieferung in die Klinik ereignet hat. Alles begann mit den Ermittlungen des Mordes an Clark Field.

In den Mord scheint ein gewisser Loath Nolder verwickelt zu sein, ein ehemaliger Privatdetektiv, den Detective Loreid aufgrund seiner Genialität bewundert. Nolder, der als bester Privatermittler der Gegend galt, war der Erste, der mit den Ermittlungen im Mordfall Clark Field beschäftigt war. Doch Nolder brach die Ermittlungen von einem Tag auf den Anderen ab und machte sich auf eine Auslandsreise, die zehn Jahre dauerte. Über diese Reise, die Nolder nach Afrika und Ozeanien führte, kursieren absurdeste Gerüchte. Man munkelt sogar von einem Aufenthalt bei einem Kannibalenstamm. Fest steht jedoch, dass Nolder nach seiner Rückkehr nicht mehr der Selbe ist, nicht nur sein Aussehen hat er gänzlich geändert, auch seine Denkweise scheint eine Andere geworden zu sein. Nichtsdestotrotz widmet er sich nach der Reise gleich wieder dem Fall um den ermordeten Field. Dabei kommt er des Öfteren mit dem Gesetz in Konflikt und wird so schon bald zum Hauptverdächtigen. Schnell gelingt es der Polizei, ihn festzunehmen und der Fall könnte eigentlich zu den Akten gelegt werden. Doch Nolder gelingt die Flucht und die Jagd beginnt erneut. Genau hier beginnen die Aufzeichnungen von Detective Loreid und damit auch das Spiel, denn wir führen für den Detective die Ermittlungen in seinen Gedanken durch.


Schock!

Das Ego-Adventure führt uns dabei in verschiedenste gruselige Häuser, noch gruseligere Keller und schaurige Gruften. Da wir auch Howards Alpträume spielen und somit hautnah erleben dürfen, verschwimmt die Wahrnehmung mit der Zeit immer mehr und man fragt sich, ob das Erlebte nur ein böser Traum oder wahnwitzige Realität ist. Dafür wissen die Entwickler von Zoetrope die Ego-Perspektive geschickt einzusetzen: Gleich zu Beginn des Spiels steht Howard im Flur vor seiner Wohnung, den ein Sprayer mit auf den ersten Blick Sinnfreien Graffitis besprüht hat. Die Tür links von Howard, die eigentlich zu seiner Wohnung führt, hat keine Klinke, genauso wie die Tür rechts von ihm. Die nächste Tür lässt sich aber öffnen. Howard betritt einen Raum und ist zuerst einmal geblendet, denn der Raum ist im Gegensatz zu dem Flur von Licht durchflutet. Sonst scheint in dem Raum aber nicht viel zu sein, also beschließt Howard, den Raum wieder zu verlassen. Beim Umdrehen sieht man in der unteren Monitorecke einen Fuß herumliegen. Noch ehe man reagieren kann, übernimmt Howard wieder die Steuerung: Auch er hat den Fuß gesehen, die Kamera reißt herum und wir erblicken eine Leiche. Aus den Lautsprechern ertönt ein lauter Pulsschlag, Howard erschreckt sich und will nur noch raus aus dem Raum, doch die Tür ist verschlossen. In diesem Moment erwacht er schwer atmend aus seinem Alptraum. Im späteren Verlauf des Spiels häufen sich solche Erlebnisse und das nicht nur in Howards Träumen.


Gruselgrafik

'Darkness Within' ist im Bereich Grafik alles andere als ein High-End Titel. Im Gegenteil, viele aktuelle Titel bieten hübschere Grafik. Nicht nur die wenigen Figuren wirken leblos und hölzern, auch die Hintergründe machen einen recht kargen Eindruck. Animationen sind eine absolute Seltenheit. Das Höchste der Gefühle sind ein paar Motten, die um eine Lampe herumflattern. Diesen offensichtlichen Mangel macht 'Darkness Within' aber durch eine geschickte Beleuchtung wett. Vor Allem die Räume in den alten Häusern wirken durch die schwache Beleuchtung herrlich gruselig. Dennoch muss man ganz klar sagen, dass die Grafik einen der größten Schwachpunkte des Spiels bildet. Vieles wirkt heute einfach nicht mehr Zeitgemäß. Mitmenschen bekommt Howard während der Ermittlungen auch fast nie zu Gesicht und wenn, dann stehen sie einfach fast unbewegt in der Gegend herum. Nicht einmal seinen Kollegen bekommt er zu Gesicht, denn die Kommunikation erfolgt einzig und allein über Howards Handy. Schade eigentlich, denn ein wenig mehr Figuren und Bewegung hätte dem Spiel sehr gut getan.


Lesebrille aufsetzen!

Gar keine Bewegung gibt es bei den unendlich vielen Briefen, Büchern und sonstigen Texten, die Howard im Laufe der Ermittlungen zu Gesicht bekommt. Angefangen beim Autopsiebericht, der noch schnell gelesen ist, geht es über das Tagebuch des Toten Clark Field zu Gedichtbänden über Themen wie Hexen und Geister. So kommt es, dass man jede Menge Zeit mit dem Lesen von Geschichten verbringt. Einige dieser Geschichten sind zwar wirklich interessant und bergen interessante Informationen über die Vorgeschichte von Field oder Nolder, andere hingegen haben mit der Geschichte nicht das Geringste zu tun, bieten dafür aber Anhängern schauriger Gedichte einigen Lesestoff. Die Texte werden dabei nicht, wie inzwischen üblich, vorgelesen. Dem Spieler wird einfach nur der Text angezeigt. Schön ist hingegen, dass die wichtigen Texte nicht einfach nur gelesen werden müssen. Um das Spiel lösen zu können, müssen in verschiedenen Texten wichtige Stellen unterstrichen werden, damit Howard seine Schlüsse daraus ziehen kann. Dabei findet sich hin und wieder auch ein versteckter Hinweis, den Howard zwar nicht für die Lösung des Falles benötigt, der aber am Ende des Spiels in einer persönlichen Bewertung aufgeführt wird.


Ich höre… Stimmen!

Ähnlich wie die Grafik genügt auch der Sound nicht mehr aktuellen Ansprüchen. Man erwartet heutzutage einfach, dass lange Texte vorgelesen werden. Auch wenn das selbst lesen eigentlich immer schneller geht. Doch das ist längst nicht alles. Generell vermisst man oft die Sprachausgabe, denn Howard verhält sich genau so, wie jeder normale Mensch es auch tun würde. Wenn er redet, dann nur, wenn er auch gehört wird, also in Gesprächen. Gedanken werden nicht gesprochen, sondern ausschließlich als Textfeld im unteren Bildschirmbereich angezeigt. Dafür wurde nicht an schaurigen Soundeffekten gespart. Wenn Howard in alten Häusern unterwegs ist, fühlt man sich sofort unsicher. Irgendwo knarrt eine Diele, eine Tür wird zugeschlagen und… hat da nicht jemand gesprochen? Dabei ist doch außer Howard niemand im Haus… oder etwa doch?


Mörderische Atmosphäre

Natürlich ist niemand da. Zumindest nicht immer. Manchmal taucht dann aber doch eine Gestalt auf, wo man sie am wenigsten vermutet und wieder bleibt dem Spieler fast das Herz stehen. Oder Howard wird verfolgt. Wir hören dann einen beschleunigten Atem, das Herz schlägt Howard bis zum Hals und auch das hören wir deutlich. Dazu verschwimmt die Sicht und auch die Kamera bewegt sich passend zu den Atemgeräuschen unruhig auf und ab. Panik überkommt nicht nur Howard: werden wir der Gefahr entkommen oder geraten wir in die Fänge von… irgendwas? Perfekt wie ein Horrorfilm vermischt Zoetrope Geräusche und Grafik und lässt den Spieler an der aktuellen Gefühlslage von Howard teilhaben. Das führt zu so mancher Gänsehaut. Dazu trägt auch nicht zuletzt die schaurige Musik von 'Darkness Within' bei. Dank der spannenden Stimmung bleibt man auch am Ball und spielt immer weiter. Trotz der schwachen Grafik und der oft fehlenden Sprachausgabe. Wenn das Spiel dann nach rund 10 Stunden vorbei ist und man feststellt, dass man noch nicht alle versteckten Hinweise oder Geheimnisse der Geschichte gefunden hat hat man auch gleich eine Motivation das Spiel erneut zu spielen und diesesmal aufmerksamer zu sein.


Hobbyschnüffler oder Senior-Detective?

Damit auch jeder die Chance hat, 'Darkness Within – In Pursuit of Loath Nolder' zu beenden, haben die Entwickler von Zoetrope ein intelligentes Hilfesystem in das Spiel eingebaut. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad werden Tipps verfügbar. Im leichtesten Schwierigkeitsgrad, „Standard“ genannt, sind Tipps sofort verfügbar, Dokumente werden automatisch durchsucht und wichtige Details automatisch unterstrichen. In der Schwierigkeitsstufe „Detective“ werden Tipps verfügbar, wenn Howard einige Zeit lang festsitzt und bei „Senior-Detective“ sind die Tipps schließlich abgeschaltet. Den Schwierigkeitsgrad sowie die Anzeige von Tipps können während des Spiels jederzeit geändert werden. Dabei können die Tipps auch sehr hilfreich sein, denn so manches Mal steckt man doch fest. Nicht, weil irgendein Rätsel zu schwer ist, sondern weil man einfach nicht weiß, was als Nächstes zu erledigen ist.


Benutze Brieföffner mit Gehirn

Manchmal hilft dann auch ein Blick in Howards Gehirn. Das ist ein Bestandteil des Inventars. Nein, es ist nicht so, dass Howard sein Gehirn in einem Einmachglas mit sich herumträgt. Vielmehr findet sich im Inventar ein Gedankenbereich, der Howards Gehirn darstellt. Dort können Gegenstände und Gedanken untersucht oder kombiniert werden. Aus verschiedenen Gedanken, die Howard beispielsweise in Gesprächen oder Schriftstücken gesammelt hat, entwickelt sich so oft ein neuer Gedanke, der Howard auf die richtige Spur führt. Klassische Rätsel kommen natürlich auch vor, wenn auch vergleichsweise selten. Meist erstrecken sie sich darauf, Gegenstände zu finden und am richtigen Ort einzusetzen. Dazu kommen noch wenige technische Rätsel, wie das Zusammensetzen von einfachen Zahnradkombinationen.


Bugs und Logikprobleme

Leider ist 'Darkness Within' nicht ganz fehlerfrei. Die Tippfehler in den vielen Dokumenten sind noch zu verschmerzen. Schwerer wiegt dann aber, wenn Gedanken plötzlich verschwinden, die für das weitere Spiel durchaus noch wichtig sein könnten. Das passiert, wenn Howard am ersten Tag des Spiels beispielsweise ein Dokument untersucht und unterstrichen hat. Er merkt sich ein wichtiges Ereignis. Am nächsten Tag ist dieser Gedanke auch noch da, bis er ein weiteres Dokument untersucht hat. Jetzt ist die Erinnerung an das erste Dokument verschwunden. Das Dokument kann auch nicht zweimal untersucht werden, somit bleibt dem Spieler keine Möglichkeit, die Informationen wieder zu bekommen.

Andere Probleme bereiten verschiedene Bildschirme. Wie in Ego-Adventures üblich, gibt es genügend Screens, die einfach nur durchlaufen werden, ohne dass eine Aktion möglich währe. Umso ärgerlicher ist es, wenn man dann direkt vor einem Gegenstand, beispielsweise einer Vase steht und die nicht betrachten kann. Man geht nun davon aus, dass diese Vase einfach zum Hintergrund gehört. Erst später stellt man dann durch Zufall fest, dass diese Vase eben doch untersucht werden kann – allerdings erst einen Bildschirm weiter. Hier steht Howard genauso weit von der Vase weg, wie im vorhergegangenen Bild, nur ist die Vase jetzt ein aktiver Hotspot. Warum das nicht schon im vorangegangenen Screen so war, werden wohl nur die Entwickler wissen.

Die Steuerung geht ansonsten aber leicht von der Hand, wie in Ego-Adventures typisch bewegt man sich per Linksklick von Screen zu Screen, ein Rechtsklick öffnet das Inventar. Alle Grafiken bieten Rundumblick in Auflösungen von 1024x768 bis zu 1280x1024, auch für Breitbild-TFTs. Um die Performance zu verbessern, können Shadereffekte oder Antialiasing abgeschaltet werden.


Galerien

Fazit:

Wertung: 76%

Obwohl Ego-Adventures nicht so viele Anhänger wie die Konkurrenz der zwei oder 2,5D Point & Click-Adventures haben, würde dieses Spiel mit einer anderen Steuerung oder Sichtweise nicht funktionieren. Viele der Schock-Effekte setzen nämlich auf die gleichen Mittel, wie Horrorfilme: Überraschende Kameraschwenks, verbunden mit entsprechenden Geräuschen. Was im Kino funktioniert bringt 'Darkness Within' auch hervorragend auf den Bildschirm und schafft es so, den einen oder anderen kalten Schauer über den Rücken laufen zu lassen. 'Darkness Within – In Pursuit of Loath Nolder', dass hierzulande von Lighthouse Interactive in Zusammenarbeit mit DTP vertrieben wird, gehört vor allem dank dieser Atmosphäre zu den besten Gruseladventures. Die angestaubte Grafik und das Vernachlässigen von Genrestandards wie eine durchgängige Sprachausgabe zusammen mit den genannten Bugs und Schwächen verhageln dem Spiel dennoch eine bessere Wertung. Spieler, die sich von viel Lesearbeit nicht abhalten lassen - und dazu dürften zwangsläufig die Leser der Werke von H.P. Lovecraft zählen – sollten dennoch zugreifen. Spieler mit schwachen Nerven sollten beim Spielen aber unbedingt das Licht anlassen.

geschrieben am 21.01.08, Tobias Maack

Systemanforderungen Weitere Links
Windows XP / 2000
PIII 800 CPU
256MB RAM
1000MB HD
3-D-Karte
Offizielle Homepage


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Dieses Review gehört zu  Darkness Within.




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