Reviews: BEYOND: Two Souls:

Beyond: Two Souls


The Beyond – das Jenseits. Ein Thema, das gern in Filmen und Spielen aufgegriffen wird. Auch Quantic Dream, unter der Leitung von David Cage, befasst sich bei 'Beyond: Two Souls' damit. Genauer gesagt sind zwei Fragen Hauptgegenstand, die die Menschen schon lange beschäftigen: Was passiert mit uns nach dem Tod und können wir mit den Toten Kontakt aufnehmen? Das Studio ist nicht zuletzt durch seine andersartigen Spiele 'Omikron', 'Fahrenheit' und 'Heavy Rain' bekannt geworden. Auch der neue PS3-Titel ist da keine Ausnahme und beeindruckte schon seit den ersten Bildern, Trailern und Grafikdemos. Ob das Spiel selbst auch so beeindrucken kann, haben wir uns angesehen.

Jodie Holmes und Aiden

Jodie

Jodie Page...äh... Ellen Holmes...äh... Ellen Page als Jodie Holmes

Wir begleiten Jodie Holmes im Alter von acht bis 23 durch ihr außergewöhnliches Leben. Geprägt wird dies vor allem durch Aiden, einem spektralen Wesen bzw. im Spiel wird er als Entität bezeichnet. Das Besondere an Aiden ist die direkte Verbindung mit Jodie. Er kann sich nicht zu weit weg bewegen und beide spüren die Schmerzen des Anderen. 'Beyond: Two Souls' führt nichtlinear durch das Leben von Jodie Holmes und so springen wir quer durch ihr Leben ohne spezielle Ordnung in einzelne kürzere oder längere Abschnitte. Dies reicht eben vom Kindesalter, wo der Umgang mit Aiden noch nicht vollständig ausgereift ist, bis zuletzt Anfang 23, wo sich beide nahezu blind verstehen.

 

Diese zeitliche Unordnung kennt man wohl nicht zuletzt aus Filmen wie 'Babel', 'Memento' und 'Pulp Fiction', aber auch 'Inception' gehört zu diesen und von dort kennen wohl einige Ellen Page, die hier Jodie Holmes verkörpert. Sie ist wohl die tragende Figur des Spiels, denn ihre schauspielerische Leistung steht im absoluten Mittelpunkt. Quantic Dream konnte wohl kaum eine bessere Schauspielerin finden, denn Ellen Page brilliert, und gepaart mit dem hervorragenden Motion-Capturing, das die Gesichtsmimik geradezu naturgetreu wiedergibt, fühlt man sich wie in einem meisterhaft geschauspielerten Film. Andere weltbekannte Schauspieler wie Willem Dafoe, als Mentor von Jodie, dürfen hierbei auch nicht vergessen werden, denn auch diese vertreten ihre Kunst auf beeindruckende Weise.

Cutscenes oder doch interaktiver Film?

wieder Jodie

Alles richtig gemacht?

Hier liegt aber auch einer der wichtigsten Fragen, wenn nicht sogar Kritikpunkt, zu Grunde. Ist 'Beyond: Two Soul's ein Spiel oder ist es schon ein interaktiver Film – oder sogar beides? Wenn nicht gerade eine Zwischensequenz abläuft, steuern wir Jodie in Third-Person-Sicht oder auch Aiden in First-Person per linkem Analog-Stick durch die Welt und interagieren mit dem rechten Analog-Stick (oder steuern damit die Kamera). Hier reicht ein grober Wisch in Richtung des Hot Spots, markiert durch einen weißen Punkt. Dazu kommen dann die für Quantic Dream typischen Quick-Time-Events.


Eine Mischung aus Tasten und Richtungseingaben des rechten Sticks lassen Jodie Berge erklimmen, Faustschläge ausführen oder Aiden Gegenstände herumwerfen. Manchmal geschieht das ganze unter Zeitdruck, aber bei solchen Szenen wird immer kurz in Zeitlupe umgeschaltet. Hier wirken auch die zwei einstellbaren Schwierigkeitsgrade, die den Spieler vor die Frage stellen, ob er regelmäßig spielt oder nicht so erfahren mit dem Controller ist. Je nachdem muss man dann auch reaktionsschneller sein. Im Gegensatz zu Heavy Rain wurde hier schwer nachgebessert und die neuen Quick-Time-Events kann man durchaus als adventurefreundlich bezeichnen, denn auch im schweren Modus ist es selten unfair. Trotzdem muss klar gestellt werden, dass man ein Freund von actionreicheren Szenen sein sollte und einige Adventure Fans werden wohl auch Rätsel vermissen. Dafür bietet das Spiel hervorragende Dialoge, bei denen man des öfteren die Fragen direkt per ausgewähltem Stichwort stellt.

Wunderschön, aber mit Makeln

Jodie die dritte

Einige Schönheitsfehler

Die Musik, die Grafik und die Vertonung sind derzeit die oberste Klasse im Spielebereich. Schauplätze sind unglaublich detailliert, seien es schmutzige Ecken, Poster oder Graffiti, überall findet man kleinste Details. Diese sind zwar in den seltensten Fällen spielrelevant, aber sie erzeugen eine sehr dichte Atmosphäre. Auch die hervorragende Musik - von keinem geringeren als Hans Zimmer produziert - und die Effekte tragen dazu bei. Neben dieser grafischen Brillanz muss jedoch erwähnt werden, dass man ein Mädchen durch die Pubertät begleitet und diese sehr überzeugend von Ellen Page gespielt wird. Dies wird nicht jedermanns Sache sein und lässt einen bei zickigen Bemerkungen schon gern einmal in die Tischkante beißen. Schnell bemerkt man, dass überzeugende Darstellung manchmal sogar negativ sein kann. Dramen sollten allgemein nicht euer verhasstes Genre sein, denn in Beyond fließen Tränen in Strömen.

 

Diese wirklich gute Atmosphäre wird leider durch die nicht so geradlinige Handlung abgeschwächt. Immer wieder durchlebt man mit Jodie kleine Seitenstränge der Handlung, die zwar etwas Tiefe, aber in eine komplett andere Richtung, als die Hauptstory gehen. Ähnlich unentschlossen läuft es mit den Entscheidungen ab. Während man doch manchmal relativ schwerwiegende Entscheidungen trifft, wirkt keine einzige wirklich auf den finalen Ausgang. Erst im letzten Kapitel entscheidet man sich dann wirklich und bekommt zwei komplett verschiedene Zweige zu Gesicht. Einer davon hat dann auch noch vier kleinere Verzweigungen. Die Wiederspielbarkeit wird dadurch natürlich nicht gefördert. Jene von uns, die auch einen Blick über den Tellerrand werfen und nicht nur Adventures spielen, werden auch feststellen, dass das Kampfsystem nicht gerade hervorragend ist. Als kleinen Bonus hat man dafür einen Co-Op Modus, in dem einer die Steuerung von Jodie übernimmt und der zweite Spieler Aiden. Durch den filmischen Aspekt, der es geradezu wie eine Mini-Serie anmuten lässt, hat das durchaus Potential einige lauschige Abende mit der oder dem Angetrauten zu verbringen.

 

Der größte Diskussionspunkt an Beyond wird die Spieler-Gemeinschaft jedoch spalten: Wie sehr darf ein Spiel zum Film werden? Teilweise sitzt man wirklich sehr lange davor und sieht einfach nur zu. Darf das sein? Heißt Spielen nicht Interagieren? Das hat nicht nur die Spieler, sondern auch die Kritiker geradezu entzweit. Schon 'Metal Gear Solid 4' hatte ähnliche Kritikpunkte, wurde aber relativ gut angenommen. Wer sich damit abfindet, findet mit Beyond ungefähr zwölf Stunden cineastischen Spielspaß und hat dann wohl großen Respekt vor Ellen Page. Genauso kann man gespannt sein, was Quantic Dream das nächste Mal macht, es könnte ja sogar ein zweiter Teil von Beyond werden, auch wenn sie normalerweise die Spielwelt komplett wechseln. Außergewöhnliche Spiele, die nicht gerade Einheitsbrei sind, machen sie definitiv!


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

'Beyond: Two Souls' bedarf eigentlich zweier Wertungen. Für jene, die es gern filmisch haben und für jene, die alles selbst steuern wollen. Die einen werden es als gutes Spiel, wenn nicht sogar Erfahrung, bezeichnen, auch wenn die Mängel augenscheinlich sind. Alle anderen können mit Beyond: Two Souls nur wenig anfangen. Man sollte sich vielleicht ein Let's Play oder die Demo anschauen. Mir persönlich hat es gut gefallen, von Gänsehaut, bis bedrückte Stimmung und Mitfiebern bei Action-Sequenzen war alles drin. Durch die hervorragenden Schauspieler konnte ich mich gut in die Charaktere hineinversetzen und man fühlt im großen Teil mit. Über die meiste Zeit möchte man eigentlich den Controller auch nicht mehr weglegen. Trotzdem muss man beachten, dass es keine Rätsel gibt und für Action-Verweigerer nur dann etwas ist, wenn einen diese nicht stören, denn im einfachen Modus sind sie nicht sonderlich schwer. David Cage und sein Team hatten sich die Latte hochgesetzt und ein gewagtes Projekt auf die Beine gestellt. Es konnte der geplanten Größe aber leider nicht ganz gerecht werden. Es scheint mir aber, dass es ein sehr gutes Spiel für Videospiel-Neulinge ist, weil es Ähnlichkeiten zu einer TV-Serie hat und dank dem Co-Op Modus auch zu zweit gut zugänglich ist.

geschrieben am 17.10.13, Peter Färberböck

Systemanforderungen Weitere Links
Offizielle Homepage
Quantic Dream Collection für PS4 (mit Heavey Rain)


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