Reviews: Blackwell Epiphany:

Blackwell Epiphany


Mit 'Blackwell Epiphany' findet Dave Gilberts beliebte Retro-Pentalogie ihren Abschluss. Das Medium Rosa und der Geist Joey Mallone stehen ein letztes Mal im Zentrum, wenn es darum geht, einen narrativen Bogen um die bisherigen Ereignisse zu spannen. Diesmal haben wir es mit einem brutalen Seelentöter zu tun, der es aus irgendeinem Grund nur auf bestimmte Personen abgesehen hat. Ob das Spiel aus unserer Sicht die vom Titel implizierte Erleuchtung bereit hält, erfahrt Ihr jetzt im Test.


Fluch der Gabe

Blackwell Epiphany
Mit Hilfe von Joey kann Rosa verlorene Seelen in die Zwischenwelt bringen

Seit Generationen ist die Blackwell-Familie mit einer sehr speziellen Gabe versehen. Ihre Aufgabe ist es, verlorenen Seelen das eigene Ableben klarzumachen. Eine Erkenntnis, die den Verstorbenen manchmal widerstrebt. Um die irdische Welt in Richtung Jenseits verlassen zu können, ist diese zermürbende Einsicht elementar. Menschen mit dieser seltenen Fähigkeit werden “Bestower“ genannt. Ihrer Berufung gehen sie für gewöhnlich zusammen mit einem Geist nach, der an ihre Existenz gebunden ist und nach ihrem Tod sozusagen auf die nächste Generation übertragen wird. So war es auch im Fall von Rosa Blackwell, deren Mutter im plötzlichen Wahn verstarb, wodurch sie früh zum Waisenkind wurde. Schon als kleines Mädchen musste sie somit einen hohen Preis bezahlen und erst viele Jahre später beginnt sie die Gründe dafür wirklich zu verstehen...


Suche nach dem Seelentöter

Blackwell Epiphany

Frühere Bestower kamen mit dieser Verantwortung nicht zurecht...

'Blackwell Epiphany' stellt sich der Herausforderung, die beliebte Geister-Reihe abzuschließen und alle Karten auf den Tisch zu legen. Bereits der Prolog vermittelt das Gefühl, dass Wadjet Eye Games uns bei diesem schwierigen Unterfangen nicht enttäuschen wird. Im Gegenteil. Was zunächst einfach beginnt, gewinnt immer mehr an Komplexität, Dynamik und Spannung. Das Medium Rosa und der Geist Joey haben es diesmal mit einem besonders mächtigen Gegenspieler zu tun. Einem Wesen, dem es nicht reicht, einem Menschen “nur“ das Leben zu nehmen - nein, die Seele soll in Stücke gerissen werden, wodurch der letzte Seelenfrieden auf immer und ewig verwehrt bleibt. Doch wer steckt dahinter und warum? Noch dazu vertuscht die Polizei zunächst einen damit verknüpften Mord und will Rosa von allem fern halten, was ihre Nachforschungen keineswegs einfacher gestaltet. Von derartigen Hürden lassen sich die beiden aber nicht beirren und so bohren wir eifrig weiter nach Antworten. Und die haben es in sich und führen uns tief bis in die Vorgeschichte der beiden Hauptfiguren, wo viele Fragezeichen der letzten Episoden nach Antwort dürsten.


Narrativer Höhepunkt der Serie

Blackwell Epiphany

Die Geister-Schicksale können sehr berührend sein

Trotz mancher offener Fragen zählte die Blackwell-Reihe nie zu jener Sorte Fortsetzungsgeschichte, die den Spieler mit fiesen Cliffhangern zappeln lässt. Wäre sie nie vollendet worden, die bisherigen vier Teile hätten trotzdem funktioniert, obgleich sie für sich genommen kaum jene Tiefe gehabt hätten, die nun dank 'Blackwell Epiphany' erreicht wird. Spätestens jetzt wird deutlich, welche umfassende Idee sich hinter dieser Pentalogie verbirgt - warum gewisse Charaktere ein paar Mal wiederkehren, was es mit dem Wahn in Rosas Familienstammbaum auf sich hat und wieso wir ihre Vorfahren spielen durften. Wie dessen Vorgänger, ist auch 'Epiphany' für komplette Neulinge ein sehr unterhaltsames Spiel, doch mit Vorwissen ist es noch viel besser. Als der Abspann nach rund sieben Stunden auf meinem Bildschirm flimmerte, verspürte ich den dringenden Wunsch, dass Gilbert ein TV-Konzept daraus bastelt und es schleunigst an den Verantwortlichen einer Fernsehstation schickt. Das emotionale Finale zählt wahrscheinlich auch am Ende dieses Jahres noch zum Besten, was dieses Genre aktuell zu bieten hat. Wenn ich in diesem Kontext etwas zu kritisieren habe, dann dass der dritte Akt ruhig länger hätte sein können. In dieser Phase legt das narrative Tempo gravierend zu und so sieht man sich binnen weniger Minuten plötzlich mit vielen verbalen Erklärungen konfrontiert. Dem hätte man ruhig mehr Raum geben können, aber dieser Kritikpunkt fällt in die „Meckern auf hohem Niveau“-Kategorie.

 


Typische Herausforderungen

Blackwell Epiphany

Joey kann auch jene Orte betreten, die für Rosa verschlossen sind

Unterhaltsam ist ansonsten nicht nur die Handlung, auch im Hinblick auf die Rätselkost weiß das investigative Adventure zu überzeugen. Die Handschrift der New Yorker Indie-Schmiede ist kaum zu übersehen: Mit dem Handy dürfen wir wie gewohnt nach Namen recherchieren (leider kann man gar keine Worte abseits der zur Lösung relevanten Suchbegriffe googeln, was das Spielgefühl ein bisschen trüben kann). Hinweise setzen wir zudem miteinander in Beziehung, um weiterführende Antworten zu erhalten und die Objekte der Umgebung sind seltener fürs Inventar gedacht, als das sie uns wertvolle Informationen liefern. Lediglich ab und an kombinieren wir Gegenstände miteinander. Passend zu den Eigenheiten des sympathischen Gespanns, dürfen verbotene Bereiche nicht fehlen, die naturgemäß nur unser gesprächiger Geist Joey betreten kann. Dieser wiederum kann seinerseits Luft erzeugen und so leichte Objekte in Bewegung versetzen. Diese Limitierung gilt es gezielt einzusetzen.

Sämtliche Rätsel sind eng an die Handlung gebunden und in der Regel logisch nachvollziehbar. Gut implementiert wurden überdies die obligatorischen Steam-Achievements: Wer bei manchen Herausforderungen nicht gleich die richtige Herangehensweise wählt, bekommt die zugehörige Errungenschaft oft nicht gutgeschrieben und so sagt die Anzahl hier tatsächlich einiges über den Spielerfolg aus. Unabhängig davon, bewegt sich der Schwierigkeitsgrad im durchschnittlichen, angenehm fordernden Bereich. Drei, vier Mal hatte ich deutlich länger zu grübeln. Wer einmal nicht weiter weiß, kann notfalls im Gespräch mit Joey wertvolle Hinweise ergattern, die selten allzu konkret sind, aber meist den nötigen Denkanstoß liefern. Jedoch ist das Rätseldesign in der ersten Spielhälfte spürbar abwechslungsreicher und lässt mit Fortlauf der Geschichte etwas nach. Spielerisch zählt 'Blackwell Epiphany' aber trotzdem zu den interessantesten Titeln der letzten Monate.


Markante Retro-Kunst

Blackwell Epiphany

Einige Schauplätze bieten eine schöne Retro-Optik

Das Wadjet Eye Games sich bei der Entwicklung ihrer Adventures stets der AGS-Engine bedienen, ist nüchtern betrachtet ebenfalls kritisierbar. Mit aufwändigeren Adventures wie beispielsweise 'The Raven', vermag der markante Retro-Stil sich nicht zu messen, obgleich dieser natürlich einen sehr eigenen Reiz ausstrahlt und es auf einen solchen Vergleich nicht abgesehen hat. Andererseits übertrifft der Umfang die Vorgänger deutlich und es ist so oder so fraglich, ob das kleine Indie-Studio ein solches Projekt mit anderen Mitteln überhaupt realisieren hätte können. Nicht viel mehr als zwei Stunden dauerte das erste Abenteuer und 'Epiphany' bietet schätzungsweise den dreifachen Umfang. Damit ist es Dave Gilberts umfangreichstes Spiel. Kaum einer der zahlreichen Schauplätze (die übrigens meist auf realen Orten in New York basieren) wird in dieser Zeit oft recycelt. Ein paar Hintergründe wirken zwar schlicht, aber in Summe vermittelt die Optik eine ansprechende Ästhetik (sofern einem dieser Stil zusagt).

Was die musikalische Untermalung angeht, so ruht die Stärke auf den stimmungsvollen Jazz-Kompositionen, die prima zum Geist der Pentalogie passen, deren Handlung sich über mehrere Generationen, bis in die Gegenwart erstreckt. Je weiter der Soundtrack in den Bereich elektronische Musik rückt, desto weniger zeitgemäß klingt die Untermalung. Generell ist die Klangqualität relativ durchschnittlich und auch in diesem Bereich wird deutlich, dass wir es mit einem kleinen Indie-Unternehmen zu tun haben, obwohl eine Steigerung zu früheren Teilen sehr wohl spürbar ist. Abgesehen davon profitiert die Geschichte von gekonnt platzierten akustischen Effekten, die viel zur gelungenen Atmosphäre beitragen. Auch am durchwegs überzeugenden Voice-Acting ist übrigens wenig zu rütteln. So ziemlich alle Rollen wurden stimmig besetzt und Dave Gilbert gibt wie gewohnt ein Gastspiel. Leider ist vorerst keine deutsche Lokalisierung in Planung, weshalb man bei diesem Abenteuer über gute Englischkenntnisse verfügen sollte.


Galerien

Fazit:

Wertung: 85%

'Blackwell Epiphany' bietet eigentlich alles, was man sich als Fan der Mystery-Reihe wünschen kann und mehr. Es ist nicht nur smart erzählt, sondern es verleiht der gesamten Reihe eine Tiefe, die vorher nur im Ansatz greifbar war. Zugleich kann dieser fünfte und letzte Teil selbst für jene unterhaltsam sein, die Joey und Rosa noch gar nicht kennen. Wesentliche Informationen können zum Beispiel im Gespräch oder anhand diverser Erinnerungsstücke in Rosas Wohnung, rekapituliert werden. Doch auch spielerisch gibt es wenig Grund zur Enttäuschung, obwohl das Adventure in der zweiten Spielhälfte einen Tick variantenreicher hätte sein können. Kurz und gut: Wer für Retro-Kost ein halbwegs offenes Auge hat und eine sehr durchdachte Mystery-Krimi-Geschichte mit emotionalem Finale zu schätzen weiß, der sollte zuschlagen. Sehr gut!


Fazit von Nicole:

Mir hat 'Blackwell Epiphany' gut gefallen und ich werde bei nächster Gelegenheit auf Dave Gilbert anstoßen. Als Abschluss einer fünfteiligen Serie fand ich das Niveau überraschend hoch, die Story ausgereift und schlüssig. Auch das etwas eilige Ende war für mich vollkommen okay. Alles andere hätte die Eile, die dem Spieler suggeriert wurde, zu einer Eile mit Weile verkommen lassen. Zudem ist die Atmosphäre durchweg gelungen und das Spielprinzip eingängig. Ich empfehle dieses Adventure insbesondere all jenen, die schon die bisherigen Spiele von Wadjet Eye Games mochten, oder auch Spaß an Serien wie zum Beispiel 'Buffy', 'Doctor Who' und 'CSI' finden. 'Blackwell Epiphany' bietet jedenfalls eine sehr gekonnte Mischung und ist mit gutem Gewissen weiterzuempfehlen.

geschrieben am 29.04.14, Matthias Glanznig

Systemanforderungen Weitere Links
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Dieses Review gehört zu  Blackwell Epiphany.




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Kommentare 1
Johnny
28.04.2014, 22:11

Wirklich ein tolles Game. Mir hat der leichte Anflug von Noir sehr gut gefallen. Das hätte der Serie auch schon früher nicht geschadet, wurde aber nur angedeutet. Wenn man sich die Details im Spiel ansieht merkt man sofort, dass dort keine große Spielefirma, sondern einzelne Personen mit gutem Auge für die wirklich wichtigen Dinge am Werk waren. Die Rätsel sind abwechlungsreicher als bei so manchem 40€-Titel und die Atmosphäre ist wirklich fesselnd. Das liegt vor allen Dingen an der über viele Passagen hinweg wirklich ausgezeichneten, musikalischen Untermalung. Lediglich die an einigen Stellen etwas zu gefällige Jazzmusik hat mich ein bisschen rausgerissen. Das Ende war überraschend und hatte meiner Ansicht nach genau die richtige Länge. Es ist Gilbert definitiv gelungen mich zu fesseln und am Ende sehr zu überraschen. Über eine Art Spin-Off, gern auch wieder mit düsterem Anklang, würde ich mich wirklich freuen!


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