A Plague Tale - Innocence - Storyteller-Test

Pest, Mittelalter, Inquisition und Hundertjähriger Krieg. Das klingt fast wie ein Auszug aus einem Bingo über spannende, unverbrauchte Spieleszenarien. Asobo Studio aus Bordeaux widmet sich genau diesen vier Themen und lässt 'A Plague Tale: Innocence' in dieser historischen Mixtur spielen. Man nehme eine Prise Stealth-Gameplay, Exploration und eine Young-Adult-Geschichte und fertig ist der Kritiker-Liebling – so die Theorie. Was die Franzosen gemeinsam mit Publisher Focus Home Interactive richtig und falsch machen, das erfahrt Ihr im Storyteller-Review. Disclaimer: Aufgrund eines technischen Problems waren die Screenshots des Spiels unbrauchbar. Deswegen müssen wir ausnahmsweise auf offizielle Screenshots zur Illustration zurückgreifen. Wir bitten Euch um Entschuldigung.

Bilder

Fazit

Wertungs-Lupe 67%

'A Plague Tale: Innocence' ist schwierig zu bewerten. Wer narrative Spiele mag, sollte hier eigentlich gut aufgehoben sein, wenn nicht die Action-Sequenzen wären. Diese sind zwar selten schwer, durch die automatischen Speicherpunkte muss man manche Sequenzen aber leider öfter wiederholen. Auch die Stealth-Mechanik hat keine große Tiefe, denn genre-typische Flächen mit hohem Gras oder hüfthohe Mauern und Hindernisse dominieren die Spielwelt. So bietet das Spiel zwar eine ordentliche Young-Adult-Geschichte, enttäuscht aber im Gameplay.

Dann wäre da noch die Krux mit der Geschichte. Das Grundthema ist interessant und die ersten Spielstunden wirken vielversprechend, obwohl sie kaum ein Klischee auslassen. Später wird es aber dann schon fast ein 'Star Wars'-Spiel mit Macht-Attacken und verliert auch in den eingesetzten Metaphern völlig die Bodenhaftung. So wird auch kaum ein aufgenommenes Geheimnis aufgelöst und das Spiel endet äußerst unbefriedigend. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

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9 Kommentare

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N
NoReply (Gast) 12.11.19 11:18 Uhr #1
Ihr bewertet ein triple A Titel mit 67%? Wie wird dies mit dem Pixelmüll in Relation gestellt? Es ist ein Storyteller-Test, gut, aber dennoch finde ich das schon sehr bedenklich.

s
sinnFeiN 12.11.19 11:58 Uhr #2
weil AAA nicht gleich Qualität bedeutet. Ob jetzt eine Marvel-Produktion anspruchsvolles Arthouse-Kino ist, sei auch dahingestellt :).

Zusätzlich ist A Plague Tale eher AA, allein schon die Produktionsqualität zeigt nix anderes (man beobachte die Ratten einmal genau :D). Das Art-Design ist aber echt das wirklich uneingeschränkt positive am Spiel. Das passt von Beginn bis Ende. Der Rest... nun ja.

Würden wir Grafik in Richtung Fotorealismus ins Zentrum stellen, müsste ohnehin seit einiger Zeit fast jedes Frostbite-Spiel 95-100er Wertungen bekommen :).

Das nebenbei. Vielmehr geht es aber darum, wie gut funktioniert die Story, wie gut funktioniert das Spiel. Die laufen leider in dem Fall völlig auseinander. Superhelden-Gameplay zur vermeintlich schwachen, jungen Adeligen passt halt einfach überhaupt nicht zusammen. Und leider echt viel mehr :/.

Gutes Stealth-Spiel gesucht? Prey, Dishonored 1+2. Die haben auch eine echt feine Story.
Gutes Mittelalter-Spiel gesucht? Da wirds schon rarer im Storyteller-Bereich (hinter meiner Kingdom Come Wertung steh ich auch nicht mehr so ganz). Da würde ich eher Crusader Kings 2 empfehlen :). Das ist tatsächlich Mittelalter! Für Stereotype: Fire Emblem: Three Houses

d
defcon 15.11.19 14:36 Uhr #3
Hmm, interessanter Test und Wertung. Hab bis jetzt zwar nur die Demo gespielt, aber auch die hat mich durch die übertrieben vielen Stealth-Einlagen schon eher abgeschreckt.

Was mich bei Spielen mit einem solchen Setting aber am meisten stört: Die Charaktere sprechen wie Menschen aus unserer Zeit miteinander. Das wirkt jedes Mal völlig unpassend und ruiniert die Immersion.

Und das mit der übertriebenen Action gerade gegen Ende hin würde mir wahrscheinlich auch nicht gefallen. Wie du schon schreibst: Ein junges Mädchen als Ein-Frau-Armee wirkt nicht gerade glaubwürdig.

s
sinnFeiN 15.11.19 21:52 Uhr #4
:beer:

Ja, tatsächlich versuchen sie einen gehobenen, adeligen Stil. Natürlich auch mit ein paar alten Wörtern. Sonst ist es einfach aktuelles Englisch mit französischem Akzent - oder halt einfach Deutsch :).

Was in SciFi beliebt ist, fremde Sprachen einfach zu verwenden, ist halt einfach in Mittelalter noch nicht angekommen. Im Gegenteil! Da hab ich letztens einmal ein Gespräch mit einer Designerin (glaube ich) gehört, die davon sprach, dass Mittelhochdeutsch einfach nicht ankommt - und natürlich schwer zu schreiben ist. Ohne teure Germanisten wird das nix.

M
M4gic (Gast) 16.11.19 10:24 Uhr #5
Es ist kein AAA Spiel!

J
Jehane 22.11.19 11:36 Uhr #6
sinnFeiN hat geschrieben::beer:

Ja, tatsächlich versuchen sie einen gehobenen, adeligen Stil. Natürlich auch mit ein paar alten Wörtern. Sonst ist es einfach aktuelles Englisch mit französischem Akzent - oder halt einfach Deutsch :).

Was in SciFi beliebt ist, fremde Sprachen einfach zu verwenden, ist halt einfach in Mittelalter noch nicht angekommen. Im Gegenteil! Da hab ich letztens einmal ein Gespräch mit einer Designerin (glaube ich) gehört, die davon sprach, dass Mittelhochdeutsch einfach nicht ankommt - und natürlich schwer zu schreiben ist. Ohne teure Germanisten wird das nix.
Germanisten sind nicht so teuer :D Aber ein Mittelalterspiel mit Mittelhochdeutsch als Sprachoption wär schon lässig, wenn auch unrealistisch, weil das vom Aufwand her vermutlich einfach nicht dafürsteht.

s
sinnFeiN 22.11.19 13:50 Uhr #7
eben, bei dem Aufwand kommen halt immense Stunden zusammen. Alleine wird das auch niemand machen wollen. Das wird den Studios einfach zu teuer :D.

J
Jehane 27.11.19 15:22 Uhr #8
Eben. Ein einzelner Germanist ist ja bescheiden, aber für so ein Projekt braucht man sicher ein Team, und das wird dann wieder teuer :D Es zahlt sich halt auch überhaupt nicht aus, das Zielpublikum ist dafür vermutlich viel zu klein, grad in Relation zum Aufwand. Und DAS Mittelhochdeutsch gibt's ja auch nicht, geschweige denn verbindliche Grammatik oder dergleichen :)

s
sinnFeiN 27.11.19 16:18 Uhr #9
voll, voll... ein interessantes Projekt wärs trotzdem :).

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