Specials: Kolumnen: Jurassic Park:

Böser Verdacht: Schönt Telltale Metacritic-Wertungen?


Vor wenigen Tagen erschien Telltales neuestes Adventure 'Jurassic Park'. Für das auf der gleichnamigen Filmreihe basierende Spiel haben die Entwickler ihren bisherigen Gameplay-Ansatz umgekrempelt und setzen auf jede Menge Quicktime Events. In diesen geht es darum, die richtige Taste im rechten Moment zu drücken – Ganz ähnlich, wie es der erfolgreiche Playstation 3-Titel 'Heavy Rain' vormacht. Wie viel Adventure nun eigentlich noch in dem Titel steckt, konnten wir vor der Veröffentlichung des Spiels nicht testen – ungewöhnlich für Telltale. Wer nun dennoch schon wissen möchte wie das Spiel geworden ist, greift in der Regel auf Meinungen anderer Spieler zurück. Diese finden sich beispielsweise auf Webseiten wie Metacritic, die Wertungen von Magazinen und Spielern zusammenfasst und daraus Durchschnittswerte errechnet.

Am Releasetag lagen dort noch keine Wertungen von professionellen Testern vor, vier Nutzer gaben dem Spiel jedoch jeweils die Höchstnote und schwärmten in ihrem Bewertungstext auch von anderen Telltale-Titeln. Dass die Nutzer zudem ihre erste Bewertung auf dem Portal abgegeben hatten, machte unsere Kollegen von gamespot.com stutzig. Eine Google-Suche nach den Nutzernamen führte dann auch schnell zu einem Ergebnis und bestätigte den Verdacht: Es handelt sich zum Teil um Mitarbeiter von Telltale, die da ihr eigenes Spiel bewertet haben.

Mit Jurassic Park setzt Telltale auf Quick Time Events ähnlich wie Heavy Rain. Das kommt nicht bei allen Spielern gut an.

Der Entwickler selbst hat sich auf Nachfrage dazu geäußert. Demnach hat man nicht vor, die eigenen Mitarbeiter in ihren Internet-Postings zu zensieren oder ihnen gar einen Maulkorb zu verpassen. Man hätte allerdings vereinbart, dass die Mitarbeiter deutlich machen müssen, dass sie bei Telltale arbeiten. In diesem Fall hätten zwei Mitarbeiter, die stolz auf ihre Arbeit waren, Bewertungen mit ihren aus dem Telltale-Forum oder vom XBLA-Account bekannten Namen verfasst: “Telltale Games do not censor or muzzle its employees in what they post on the internet. However, it is being communicated internally that anyone who posts in an industry forum will acknowledge that they are a Telltale employee. In this instance, two people who were proud of the game they worked on, posted positively on Metacritic under recognizable online forum and XBLA account names.“

Dass Telltale seinen Mitarbeitern nicht vorschreibt, wie sie das Internet zu nutzen haben, ist sicherlich vernünftig. Die Aussage jedoch, dass die Beiträge dank der Nutzernamen als von Telltale-Mitarbeitern geschrieben erkennbar wären, ist so nicht hinnehmbar. Wohl die wenigsten Nutzer von Meta-Seiten überprüfen jeden einzelnen Nutzernamen, ob dieser eventuell mit einem der beteiligten Unternehmen in Verbindung steht. Das kann auch niemand verlangen. Vermutlich ist es sogar nur Zufall, dass dieser Vorgang aufgefallen ist: Längst bieten unzählige Agenturen an, Produktbewertungen bei Amazon, Metacritic und ähnlichen Seiten zu schönen.

Auf der Gegenseite steht der Protestuser, der geschönte Kritiken mit „Korrekturbewertungen“ ins Gegenteil verkehrt: Für die Xbox360-Version von 'Jurassic Park' stehen zehn Bewertungen mit der Höchstpunktzahl von 10 Punkten 22 Wertungen mit 0 Punkten gegenüber. Der Userscore der Konsolenausgaben stehen aktuell bei 2,8 (PS3, Xbox 360), die der PC-Version bei 3,0 Punkten. Die Wertung dürfte jetzt aber ebenso unrealistisch sein, wie nach den Wertungen der Mitarbeiter. Unter dem Strich stellt sich daher die Frage nach dem Sinn von anonymen Bewertungsseiten. Geschönte Wertungen durch Mitarbeiter oder Agenturen können durch die Portale ebenso wenig ausgeschlossen werden, wie schlechte Wertungen durch Mitbewerber. Und ab welcher Meta-Wertung ist ein Spiel eigentlich „gut“? Sollten nicht vielmehr Verkaufszahlen und echte Wertungen darüber entscheiden? Da die Community solches geschönte Wertungen – sofern sie denn gefunden werden – umgehend abstraft, fügen sich die Entwickler dadurch aber mehr Schaden zu als eine nicht ganz so gute, aber dafür korrekt zustande gekommene Bewertung einbringen würde, wie auch die aktuellen Zahlen belegen.

Es bleibt zu hoffen, dass diese Aktion ein Ausrutscher war oder die Mitarbeiter einfach nur unüberlegt gehandelt haben und sich den Auswirkungen ihrer Aktion nicht bewusst waren. Auf jeden Fall sollten Entwicklern und Publisher in Zukunft sensibler sein, wenn sie ihre Meinung vom eigenen Baby – das ja bekanntermaßen immer das Hübscheste und Beste ist – unters Spielervolk bringen wollen. Denn, mal ganz ehrlich: Wenn es ein Spiel nötig hat, dass die Wertung manipuliert wird, ist es dann vielleicht auch möglich, dass das Spiel doch nicht ganz so gut geworden ist, wie man selbst denkt?


geschrieben am 20.11.2011, Tobias Maack



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