gc2020: Zu Gast bei Application Systems Heidelberg: Ghost on the Shore


Ghost on the Shore





Mit 'Ghost on the Shore' wurde es dann gespenstisch. Moment? Ist das wieder so ein First-Person Horror-Adventure? Nein, der Schein trügt. Dagmar Blommaert und Kenny Guillaume aus Ghent, Belgien begannen mit einem kleinen Nebenprojekt: 'Marie's Room'. Das Nebenprojekt war auf Steam äußerst erfolgreich und schnell beschlossen die beiden das gemeinsame Studio like Charlie zu gründen. 

Riley ist bei einem Schiffsunglück auf der Insel gestrandet.
Riley ist bei einem Schiffsunglück auf der Insel gestrandet.
Ihr Fokus blieb gleich: Sie wollen narrative Spiele machen und 'Ghost on the Shore' ist genau sowas. Die junge Riley strandet auf einer verlassenen Insel und ein Geist nistet sich in ihrem Kopf ein. Jetzt kann sie mit Josh, dem Geist, plaudern. Gemeinsam erforscht das Duo die verlassenen Häuser und Überreste der Einwohner. Beide wollen u.a. herausfinden, wie Josh gestorben ist. Die damit verbundenen Konversationen gestalten dabei die Geschichte. Jede Dialog-Auswahl ist einmalig und kann nicht geändert werden. Das beeinflusst die Geschichte, bis hin zum Ende des First-Person-Adventures. Die Dialoge wirkten äußerst natürlich, denn Riley und Josh sprachen fast ineinander verwoben. Zudem führten uns ferne Geräusche durch die Spielwelt, wie etwa das Kichern eines Kindes.

In der Demo fiel uns sofort der Grafikstil auf. Dieser soll an Pastell-Malerei erinnern und sämtliche Texturen wirken wie mit Wasserfarben gemalt. Das führt zu einer märchen- oder traumhaften Inszenierung. Rätsel waren dagegen kaum zu finden: in Sachen Komplexität ist es eher "Finde einen Schlüssel und sperre damit einen Kasten auf." Das tut 'Ghost on the Shore' nicht weh, denn es setzt den Fokus ohnehin ganz bewusst auf die Hauptfiguren. Ihr als Spielerin oder Spieler sollt Euch auf diese Weise gut in sie hineindenken und mitfühlen können.

Die Mitgründerin des Studios und Narrative Designerin Dagmar Blommaert betonte im Gespräch einmal mehr, dass es sich hier nicht um ein Horror-Spiel handeln soll. Josh ist zwar ein Geist, aber es geht ihr primär um die Zusammenarbeit des Duos, nicht darum ein Gefühl der Angst zu erzeugen.

Dabei setzen die Entwickler auf drei Säulen:
  • Story
  • Charakter Design
  • Sound Design
Die Beziehung der beiden Charaktere steht wie bereits angedeutet im Zentrum. Dabei soll beim Spieler bis zum Ende (nach etwa drei bis vier Stunden) allmählich ein Gefühl der Verbundenheit entstehen. Die Geschichte geht in eine ernste Richtung, wird zwischendurch aber durch kleine Scherze aufgelockert. Ein Beispiel wäre hier, dass Riley plötzlich “Josh-ua” sagt. Sie spricht einfach nur den Namen laut aus und fragt sich, ob sich nicht langsam verrückt wird. Josh verneint das prompt.

Der Wasserfarbenstil ist anders und schön zugleich. Ja, das ist kein Horror-Adventure!
Der Wasserfarbenstil ist anders und schön zugleich. Ja, das ist kein Horror-Adventure!
Die First-Person-Ansicht hat übrigens einen einfachen Grund: Das Studio besteht lediglich aus zwei Vollzeitkräften, Dagmar und Kenny. Die weiteren Mitarbeiter arbeiten Teilzeit oder komplett nebenbei. Der First-Person-Look war für das kleine Team somit leichter umsetzbar. Aus Budgetgründen wird es obendrein nur eine englische Sprachausgabe geben - dafür auch u. a. deutsche Untertitel. Die Sprecherin und der Sprecher wirkten jedoch bereits in der Demo ausgezeichnet.

Durchs Geschehen begleitet uns laut Dagmar Blommaert eine Art Tagebuch. Darin zeichnet Riley in Pastellfarben Schauplätze nach und schreibt zwecks Rekapitulation Sprüche und Erinnerungen dazu. Außerdem wird eine Art Mind Map im Buch enthalten sein, die Ereignisse und Charakterbeziehungen bildlich darstellt. Das ist insofern wichtig, weil es Nebenhandlungen geben wird, die beim Spielen ablenken können. Es bleibt Euch überlassen, wie Ihr die Handlung zusammensetzt. Die verschiedenen Enden mit endgültigen Entscheidungen unterstreichen dies.

Ein weiterer Punkt im Gespräch war die Frage nach der Inspirationsquelle. Das Spiel erinnert ein wenig an 'Firewatch', 'The Suicide of Rachel Foster' und ähnliche Projekte. Tatsächlicher Ausgangspunkt ist aber ein Traum der Designerin. Sie träumte davon ein Geist zu sein und konnte nicht mehr mit den anwesenden Familienmitgliedern sprechen, die um sie trauerten. Die Anwesenden schlossen schließlich mit diesem Verlust ab, was für sie als Geist frustrierend war. Dadurch entstand schließlich die Geschichte um Josh. Die Entwicklerin reiste sogar auf eine abgelegene Insel in den inneren Hebriden (Schottland), weil sie erfahren wollte, wie es denn so ist, auf einer einsamen Insel zu sein.

'Ghost on the Shore' wird im 1. Quartal 2021 auf Steam erscheinen.

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2 Kommentare

MissSuki vor 3 Jahren
Auf Mutropolis und Rosewater werde ich gespannt warten.
Mario B. (Gast) vor 3 Jahren
Das klingt doch sehr vielversprechend. Freue mich schon.

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