Reviews: Die Säulen der Erde:

Die Säulen der Erde


Etwas mehr als ein halbes Jahr nach dem Auftakt von 'Die Säulen der Erde' erschien das dritte und letzte Buch. Obwohl einige Aspekte der Story für Kenner der Bücher von Ken Follett grob bekannt sein dürften, ist Daedalic Entertainment ein spannender interaktiver Zugang gelungen, der aber auch Neulinge ansprechen soll. Im Review werfen wir unsere prüfenden Blicke auf das komplette Werk.  Großteils verzichten wir auf Screenshots der späteren Titel wegen der großen Spoilergefahr.

 

 

Der Winter ist da


Familie im Winter

Tom und seine Familie

England in der Mitte des zwölften Jahrhunderts. Es herrscht Winter und die Familie von Tom Builder sucht verzweifelt Unterkunft und Arbeit. Sie drohen zu verhungern. Tom und seine Frau Agnes erwarten ein drittes Kind. Jederzeit kann es soweit sein. Der ältere Bruder Alfred und die kleine Schwester Martha sitzen daneben und frieren bitterlich. Tom facht ein Feuer an und sucht etwas Wasser, das er dann abkochen kann. Kaum findet er das Wasser und kocht es bildet sich unter Agnes eine kleine Blutlache. Das Kind kommt! Mitten im Wald muss er, ein Steinmetz, Hebamme sein und verlangt schnell nach heißem Wasser. Sein Sohn kommt zwar gesund auf die Welt, aber die Mutter ist durch den Blutverlust äußerst schwach. Deshalb versucht Tom Builder seine Familie abzulenken und erzählt der kleinen Martha über seinen Traum eine Kathedrale zu bauen. Doch die Mutter ist zu schwach und stirbt vor den Augen der Kinder und ihres Mannes. In tiefster Trauer begraben sie Agnes. Die Suche nach Arbeit wird jetzt noch dringlicher. Toms Leben steht also vor einem Umbruch. Neben ihm gibt es noch andere spielbare Hauptcharaktere, wie den Mönch Philip und Jack, den Sohn der Ausgestoßenen Ellen. Nebenbei entfaltet sich die Zeit der Anarchie in England und ein offener Machtkampf um den Thron steht bevor. Äbte, Könige und Bischöfe ringen um die weltliche Macht. Ein wahres Spiel um den Thron Englands.



Von 0 auf 100 in zwei Bücher

 

Spannung in Die Säulen der Erde

Spannung gibt es genug.

Zu Beginn ist das Erzähltempo langsam, es passierte relativ wenig. Mit jedem Kapitel kommt aber immer mehr Spannung und Fahrt hinein. Aus den jungen Helden werden Erwachsene. Liebe und Intrigen bestimmen den Alltag. Überall lauert förmlich die Gefahr und der Tod. Gleichzeitig schwingt stets eine gewisse Grundhoffnung mit, denn vieles ist erreicht und vieles soll noch erreicht werden. Mehr wollen wir zur Geschichte nicht verraten.

An dieser Stelle sei festgehalten, dass Daedalic dem literarischen Original treu bleibt und einige Wendungen und Veränderungen hinzugefügt hat. Selbst wichtige Charaktere können sterben. Die Entscheidungen sind also nicht nur aufgesetzt und man spielt nicht einfach nur das Buch nach. Es bleibt dadurch eine abwechslungsreiche Story, die natürlich ohne Vorwissen der Bücher noch einmal spannender wird und selbst mit Vorwissen, aufgrund der vielen Änderungen und Entscheidungsmöglichkeiten, unterhaltsam bleibt.



Altbekannte Steuerung

 

Säulen der Erde Dialogsystem

Die Steuerung setzt auf Altbewährtes.

Die Steuerung ist Genre-Veteranen ohne nachzusehen fast schon ins Blut übergegangen. Ein Rechtsklick lässt die oder den Protagonisten über ein Objekt oder einen anderen Charakter nachdenken – vollkommen leise in kurzen Phrasen, um die Atmosphäre nicht zu brechen. Ein Linksklick lässt Dinge benutzen, mit Charakteren sprechen oder schlichtweg wohin gehen. Eine Hotspot-Anzeige fehlt natürlich auch nicht. Neulinge können auch eine Art Quest-Log einblenden, das stets anzeigt, was als nächstes zu tun ist. Die Controller-Steuerung konnte ich in der uns gezeigten Version nicht testen, hat aber bei den Daedalic Days schon sehr gut funktioniert. Auch hier gibt es also keine negativen Überraschungen. 

Spannender ist hier schon das Inventarsystem des Spiels, denn es setzt auf zwei unterschiedliche Inventare. Eines für physikalische Gegenstände und ein anderes für Gedanken, Hinweise und Fragen, die man explizit dann mit der Umgebung oder auf andere Charaktere anwenden kann. So bekommt Philip beispielsweise in einem Gespräch einen Hinweis, dass in einem Riss in der Kathedrale ein Schlüssel versteckt ist. Wendet man dann den Hinweis auf den Riss an, sucht er diesen ab und schon hält Philip den Schlüssel in der Hand. Glücklicherweise verzichtet 'Die Säulen der Erde' eigentlich auf den berühmt berüchtigten Zeitdruck. Dialoge lassen zwar nur begrenzt Zeit fürs Entscheiden, aber die ist so großzügig, dass kein Stress aufkommen kann. Das Adventure versucht erfolgreich den Spagat zwischen narrativen Spielen und klassischen Adventures. Interaktion wird großgeschrieben. Gleichzeitig setzen sie den Fokus deutlich auf die Geschichte. Deswegen sucht man Rätsel zumindest im ersten Buch vergeblich. Die Komplexität bleibt gering, aber unterfordert fühlt man sich selten. Der Stoff an sich zeigt nämlich deutliche Parallelen zum moderneren und deutlich brutaleren Lied vom Eis und Feuer ('Game of Thrones') – viele Charaktere und ordentlich Tiefgang. 



Grafisch brillant, musikalisch perfekt

 

Grafik Die Säulen der Erde

Hübsch anzusehen ist es allemal.

Der Grafikstil spaltete von Beginn an die Meinungen. In Bewegung ist er jedoch wirklich sehenswert. Von wunderschön gezeichneten Hintergründen, über hübsch animierte Figuren, es passt alles hervorragend zur Art der Geschichte.

Grundsätzlich bleibt 'Die Säulen der Erde' ein 2D-Point-and-Click-Adventure, obgleich die Rätsel nicht im Zentrum stehen. Geringe Reaktionszeiten sind so gut wie nie gefragt, Action gibt es meist nur selbstlaufend und der Kern des Spiels sind ganz klar die großartig geschriebenen, mit Zitaten aus dem Buch durchsetzten Dialoge. 

Untermalt ist das Ganze mit einem erstklassigen Soundtrack vom Komponisten Tilo Alpermann. Matthias Kempke, Kevin Mentz und er einigten sich auf einen klassischen Soundtrack mit typischen Kino-Klängen. Aber auch mittelalterliche Elemente tauchen immer wieder auf und geben dem Spiel einen besonderen Charme. Nicht zuletzt die Chorstücke, die in der Berliner Friedenskirche aufgenommen wurde, verleihen dem Spiel das typische Kloster-Flair. Zusammen mit einem Prager Orchester zauberten sie einen wahren Ohrenschmaus in die Kopfhörer und Lautsprecher.


Wo bleibt denn die Kritik?

 

Fluss der Geschichte Die Säulen der Erde

Manchmal fließt die Geschichte von selbst, manchmal muss man doch interagieren.

Ganz perfekt ist das Spiel natürlich nicht. Die zähe Einstiegsphase in Buch 1 wird einige Spieler verschrecken – zu Unrecht, wie wir empfinden, denn die Qualität steigt. Gleichzeitig ist es teilweise ein selbstlaufender Film mit Dialogen und Entscheidungen und ähnelt dem typischen Telltale-Stil. Wer ein klassisches Daedalic-Adventure erwartet, ist an der falschen Adresse. Vielmehr soll es ein interaktives Epos sein, das teilweise durch die beschleunigte Geschichte wenig Interaktion hat, in gewissen Kapiteln des Spiels aber viel Interaktion, Laufwege und übliche Such-“Rätsel“. Wahre Rätsel gibt es diesmal nicht, aber die Geschichte entschädigt dafür. Pro Buch verbringt man ungefähr 6 Stunden im Spiel, was insgesamt doch stattliche 18 Stunden ausmacht.

Der Hauptkritikpunkt liegt letztlich an der Vorlage selbst: Ken Folletts Romane sind nicht für jedermann. Gleiches gilt für das Spiel. Wer ein Mittelalter-Faible hat, oder gerne epische Werke mit Intrigen, Liebesgeschichten und vielen Details liest oder spielt, ist hier richtig. Wer wiederum etwas Kurzweiliges für zwischendurch ohne Tiefgang sucht, ist schon Angesichts der langen Spielzeit an der falschen Adresse. Diese Tiefe und somit auch Schwere erschwert es, uneingeschränkt eine Empfehlung auszusprechen. 'Die Säulen der Erde' hat eine gewisse Zielgruppe und die wird jubeln. Alle anderen sollten zumindest einmal einen Blick riskieren.


Galerien

Fazit:

Wertung: 86%

Je länger es dauerte, umso besser funktionierte 'Die Säulen der Erde' für mich und umso besser kam ich in den Stoff hinein. Hat man sich eingelebt, möchte man eigentlich gar nicht mehr aufhören. Obwohl ich mit dem Buch immer noch nicht ganz zurechtkomme, weiß das Spiel mich zu fesseln. Es versteht genauso Emotionen zu transportieren und Entscheidungen richtig und mit Konsequenzen einzusetzen. Zum Teil klingt es wie ein gutes Telltale-Spiel mit mehr Tiefgang und Länge und genau das ist es auch in meinen Augen. Es ist keine Kopie, sondern eine Weiterentwicklung des Konzepts mit mehr Emotionalität und Tiefe. 'Die Säulen der Erde' zeigt, dass Daedalic auch moderne Adventures umsetzen kann – und richtig gute. Danke!

geschrieben am 30.03.18, Peter Färberböck

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Dieses Review gehört zu  Die Säulen der Erde.




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Kommentare 5
BumBum
30.03.2018, 22:01

Die einen nennen es "modernes Adventures", die anderen nennen es wenig interaktives Novel. Schön wenn es geallen hat, mir selber gar nicht. Daedalic selber hat es nicht mal mehr als Adventure beworten. Glaube kaum das sie noch dazu zurück finden.

sinnFeiN
30.03.2018, 22:23

klingt nach den Aussagen nicht danach, nein. Der Zug ist wohl erstmal abgefahren - wundert mich bei den Verkaufszahlen seit Deponia Doomsday auch nicht.

Rasi
31.03.2018, 00:24

Deponia Doomsday war halt auch einfach nicht gut. Viel zu viele Minispiele und viel zu sehr Fokus auf Slapstick. Sie hätten es bei 3 Teilen belassen sollen.

realchrisunterwegs
31.03.2018, 13:27

Ken Follet und Tiefe......... Da spricht der Literat, nächt.

sinnFeiN
31.03.2018, 15:26

realchrisunterwegs hat geschrieben:
Ken Follet und Tiefe......... Da spricht der Literat, nächt.

dass er sich gerne in Details verläuft, sollte bekannt sein ;)
dass da viel drin steckt, hab ich nach einer recht ausführlichen Analyse auch mitgekriegt - allein schon das Frauenbild und die Religion im Buch und Spiel sind Riesen-Themen :)


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