The Night of the Rabbit - Review

Zauberer zu sein, ist der Wunsch eines jeden Kindes. Jeremias 'Jerry' Haselnuss ist da auch keine Ausnahme und will ein berühmter Zauberer werden. In 'The Night of the Rabbit' wird dieser Traum für ihn wahr, denn ein weißes Kaninchen, führt ihn in eine Parallel-Welt und dort lernt er dann auch wirklich zaubern. Gewohnt hübsch sieht dieses Daedalic Adventure aus, aber macht es denn auch so viel Spaß wie es aussieht? Ist das Dasein eines Zauberlehrlings für Erwachsene denn überhaupt ansprechend? Schafft es denn nach dem legendären 'Simon the Sorcerer' wieder ein kleiner Zauberer in die Herzen der Spieler? Das alles und mehr wollen wir euch mit unserem Review näherbringen.

Bilder

Fazit

Ausgezeichnet mit dem Adventure Corner Award
Wertungs-Lupe 85%

Zugegeben, zu Beginn ist das Spiel etwas langatmig und wirkt nicht so interessant. Manchmal fallen auch ein paar Detailfehler auf, aber nach den ersten Stunden entfalten sich die Atmosphäre und die Story richtig. Dann ist ein Punkt erreicht, wo nur schwer auszuschalten ist. Manche Rätsel treiben einen manchmal in den Wahnsinn, weil es nicht klappen will, aber auch das wird überwunden und die Freude auf die nächsten Elemente ist umso größer. Humor und Tiefe kommen auch nicht zu kurz, denn das Zauberlehrlingsspiel, das zu Beginn sehr harmlos und kindlich wirkt, hat es faustdick hinter den Ohren und zeigt einige Missstände der Menschheit auf. Allein die letzten Kapitel im Spiel sind es Wert, das Spiel zu spielen. Es sei jedoch gesagt, dass mit etwas Feinschliff im Rätseldesign, Hinweise zu Rätseln, Dialogdesign und Verbesserungen von kleinen Glitches sowie abwechslungsreicheren Mäusen hier locker eine Adventure der absoluten Extraklasse drin gewesen wäre. Story und Atmosphäre hätten das Zeug dazu allemal gehabt. Somit bleibt 'nur' ein sehr gutes Adventure, das so einige spaßige und spannende Stunden bietet und jedem Adventure-Fan ans Herz gelegt werden kann.


Fazit von Matthias Glanznig:
Mit 'The Night of the Rabbit' ist Daedalic und Matt Kempke ein in Summe starkes Adventure gelungen, über dessen Umfang sich eigentlich kaum jemand beschweren sollte. Auch spielerisch bietet es interessante Ansätze, die man von der erfolgreichen Spiele-Schmiede so noch nicht gewohnt ist (z.B. Tag/Nacht-Wechsel, Zaubersprüche). Allerdings hatte ich oft das Gefühl, als hätte dem Spiel der Feinschliff gefehlt, was u.a. für Abstriche im Gesamtbild sorgt.

Konstruktive Rückmeldungen bekommt man beispielsweise selten. Noch dazu werden die Dialoge kaum ausgemistet und nach mehreren Stunden führt man mit vielen Figuren haarscharf denselben Dialog wie am Anfang. Einigen Rätseln hätte mehr Flexibilität zudem gut getan, zumal sich teils alternative Lösungsansätze aufdrängen würden. Ein Gefühl von Gefahr entwickelt sich erstaunlich langsam und die Narration folgt einem gemächlichen Tempo - einige Erklärungen werden dabei bis ganz zum Ende aufgespart, wo dann doch ein wenig viel auf einmal verbal auf den Spieler hernieder prasselt. All das sind Dinge, mit denen man sich vielleicht erst arrangieren muss und die einem nicht schmecken müssen.

Obwohl für meinen Geschmack also nicht alles rund läuft, hat mich 'The Night of the Rabbit' dennoch fesseln können und das sagt letztlich viel über die Qualität des Spiels aus! Die warmherzige, idealistische Handlung zeigt epischen Charakter, die vielen Schauplätze bieten zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten und die Rätsel haben mir trotz mancher Schwächen mehrheitlich sehr viel Freude bereitet. Doch vor allem ist mir die wunderbar stimmungsvolle, atmosphärische Spiele-Welt mit vielen interessanten Nebenfiguren ans Herz gewachsen. Es ist einfach schön, sich hier bewegen zu dürfen. So ganz kann das gelungene Fantasy-Adventure sein gewaltiges Potential also nicht ausschöpfen, doch ein Versprechen für die Zukunft ist es allemal! Sehr empfehlenswert!


Fazit von Tobias Maack:
'The Night of the Rabbit' entführt die Spieler in eine fabelhafte Märchenwelt, die derzeit im Spielebereich ihresgleichen sucht und von liebevoll gestalteten Charakteren bevölkert ist. Gerade die sind es, die mich während des doch eher zähen Anfangs bei der Stange gehalten haben. Und nach ein paar Stunden war ich plötzlich angekommen im Spiel und wollte nicht mehr weg aus Mauswald, denn die Welt hatte mich mit ihrer Magie eingefangen.

Dennoch gab es immer wieder Punkte, an denen es 'The Night of the Rabbit' den Spielern nicht leicht macht. Dann etwa, wenn man wirklich festhängt und auf einen Tipp des Hilfezaubers hofft, aber nur die Aufgabenstellung wiederholt bekommt. Nach Auskunft der Entwickler ist das Tagebuch aber die echte Hilfsfunktion und da findet Jerry auch etwas bessere Tipps. Zumindest die Namensgebung für den Zauber ist dann aber verwirrend. Noch schmerzlicher war jedoch die Erfahrung, die eine Rätselkette, die den Spieler einige Zeit beschäftigt hat, nach ihrer Lösung hinterlässt. Man sammelt Gegenstände, löst verschiedenste Rätsel, um dem Forscher von Mauswald ein Boot zu bauen... Und dann... Nein, das werden wir hier nicht verraten, weil wir nicht Spoilern wollen. Die präsentierte Lösung ist jedoch recht unlogisch und hat mich auch irgendwie enttäuscht. Dabei wäre es so leicht gewesen: Einfach den Fluß fließen lassen... Spielt das Spiel, dann versteht ihr, was gemeint ist.

Dazu gesellen sich einige Inkonsequenzen bei einigen Rätseln. So gibt es drei klebende Dinge in Mauswald, Jerry kann aber nur mit einem davon einen Briefumschlag zukleben und man fragt sich, warum die anderen Möglichkeiten nur ein "Nein" oder "So nicht" zu Folge haben. Hier und bei ähnlichen Situationen mangelt es dem Spiel eindeutig an Feedback und dem letzten Feinschliff. Das ist schade, denn 'The Night of the Rabbit' hätte eindeutig das Potential zu einem echten Kracher. Leider nutzt es das nicht ganz aus, so dass Daedalic dieses Mal nicht der Spitzenplatz vergönnt ist. Ein gutes Adventure ist 'The Night of the Rabbit' aber trotzdem. Man darf nur nicht den Fehler machen und einen ähnlichen Humor wie in 'Deponia' oder 'Harveys neue Augen' erwarten. Dann wird man nämlich enttäuscht, denn ein Comedy-Adventure will 'The Night of the Rabbit' garnicht sein und das hätte auch nicht gepasst.

Links zum Thema

Verwandte Beiträge

2 Kommentare

Seite 1 von 1
Stefff (Gast) vor 7 Jahren
Guter Test, Danke. Endlich erwartet mal jemand nicht ein neues Deponia mit anderer Grafik. Würdet Ihr das Spiel eigentlich eher als Spiel für Kinder sehen oder eher als eines für Erwachsene?
Mikej vor 7 Jahren
Ich würde sagen beides... wobei ich dieses Spiel jetzt nicht unbedingt einem Kind unter 10 Jahren in die Hand drücken würde und zwar ganz einfach weil die Rätsel sehr anspruchsvoll sein können und es alleine in dem Alter vielleicht eine zu harte Nuss ist. Ab 12 könnte es dann durchaus passen, auch wenn es selbst dann eine anspruchsvolle Angelegenheit ist. Ist aber nur eine Vermutung.

Könnte mir allgemein z.B. auch sehr gut vorstellen, dass man dieses Spiel als Erwachsener prima mit einem Kind spielen kann. Ich denke also beide Zielgruppen können einiges aus dem Spiel ziehen, wie bei einem guten Märchen. Ich hatte jedenfalls immer das Gefühl, dass mich das Spiel ernst nimmt. Kritisch wird aus meiner Sicht eher bei Leuten, die sich Tempo und eine rasche Story-Entwicklung erhoffen - für die ist das dann nichts.

Kommentieren

Bitte beachte unsere Etikette.
Bitte gib einen Namen ein.
Bitte gib die Zeichenkombination ein.
Bitte gib Deinen Kommentar ein.