The Sinking City - Storyteller-Test

Howard Phillips Lovecraft ist längst in aller Munde und viele Spiele nehmen sich den Cthulhu-Mythos als Vorbild. Als Frogwares ('Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter') 2014 als Entwickler für 'Call of Cthulhu’ bekannt wurde, schlugen die Herzen vieler Horror-Adventure-Fans höher. Dann wurde es ruhig um das Projekt ehe es von Cyanide im Februar 2016 übernommen wurde.  Damit war die Romanze zwischen den Ukrainerinnen und Ukrainern von Frogwares und Lovecrafts Horror aber nicht zu Ende. Noch im selben Jahr kündigten sie 'The Sinking City' an. Schnell wurde klar, dass dieser Titel Action- und RPG-Elemente beinhalten wird. Weil diese sehr präsent sind, wird unser Test im Rahmen unserer Storyteller-Rubrik stehen. Ob es dann noch ein guter Storyteller geworden ist? Lest selbst.

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Fazit

Wertungs-Lupe 69%

Dass Frogwares nach 'Sherlock Holmes: The Devil’s Daughter' mehr mit Action liebäugelt war zu erwarten. Dass die Action-Segmente aber nicht mit dem Mainstream mithalten kann, sondern eher schwach und tollpatschig wirken, ist dann schon eine Enttäuschung. Dabei sind die Geschichte und das Setting eigentlich ganz ordentlich gelungen. Der Cthulhu-Mythos wird mit Maya-Mythen vermengt und die düstere Horror-Gegend des Massachusetts nach Lovecraft gefallen. Spätestens nach dem fünften Haus, das gleich aufgebaut ist, fragt man sich aber, ob die Architekten in New England einfach keine Lust hatten, Häuser so zu gestalten, sodass nicht jeder Bewohner identisch wohnt.

Neben der miserablen Steuerung (PS4-Version), den technischen Problemen und der sich ständig wiederholenden Charaktere und Häuser waren für mich die Brüche mit dem Lovecraft-Universum der ausschlaggebende Kritikpunkt, die dann auch dem letzten Storyteller-Aspekt einen unangenehmen Beigeschmack beimengten. Frogwares versuchte das Setting so authentisch wie möglich zu machen und hat selbst den für Lovecraft typischen Rassismus eingebaut – mit entsprechender Reflexion. Dafür ignorieren die Entwickler, dass viele der Wesen des Cthulhu-Mythos die Menschen psychisch schwer zeichnen sollten und selbst bei kurzen Blicken völlig in den Wahnsinn trieben. Charles Reed ist in 'The Sinking City' eher der Badass-Privatdetektiv: Er sieht ein Monster, feuert ein Magazin aus der Tommy Gun darauf ab und löchert das zweite sogleich mit der Schrotflinte. Ein echtes Horror-Gefühl trat bei mir an keinem einzigen Moment der 30 Spielstunden auf. Ein Spiel, das in die Fußstapfen eines Horror-Altmeisters treten möchte, das aber keinen großen Horror-Moment hat, ist irgendwo falsch abgebogen. So fühlt es sich wie ein altbackener Action-Adventure an, der zwar eine interessante offene Welt mit spannenden Ideen hat, diese aber nicht wirklich nutzt.

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5 Kommentare

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advfreak vor 1 Jahr
Da habt ihr wieder mit eurer Wertung voll ins schwarze getroffen, im aktuellen Podcast von "Auf ein Bier" der dieses Game behandelt (nur für Unterstützer) kommt Jochen auch zum Schluß das dieses Game misslungen ist und für Fans von den Sherlock Teilen eine Enttäuschung! :( Call of Cthulu ist das bessere Game. ;) Touche Focus.
sinnFeiN vor 1 Jahr
Und selbst das war nicht herausragend :/.

Leider eigentlich coole Ansätze (mal keine Questmarker, die einem alles vorkauen) und Potenzial, aber das Ding war eine Nummer zu groß für die Ukrainer - oder ein paar Jahre zu früh.

Hab den Podcast noch nicht gehört, aber Jochen Gebauer ist da natürlich auch noch ein Spezialfall. Ctulhu-Experte (wollte ja seine Diplomarbeit zu Lovecraft schreiben), Fan der vorigen Sherlock Holmes Spiele und dann kommt so ein Spiel, das nur am Rande mit den zwei Dingen zu tun hat :D.
advfreak vor 1 Jahr
Die Stimme hatte sich wieder mal überschlagen! :rofl2:

Aber genau das habe ich auch schon befürchtet und deswegen nicht gekauft, ich hatte gehofft es ist ein Sherlock mit Cthulu Setting drüber gestülpt.. :(

Ob wir von Froware noch jemals was hören werden oder war es das jetzt? :cry: :cry: :cry:
Mikej vor 1 Jahr
Nur weil das Spiel nicht so berauschend ist, muss das nicht bedeuten, dass es sich schlecht verkauft. Das Timing vom Release war ziemlich gut, weils nicht viel Konkurrenz gegeben hat. Insofern mal abwarten.

Mir haben bei Sinking City ja schon die Gameplay-Videos im vergangenen Jahr gereicht, das hatte inhaltlich auf mich echt keinen guten Eindruck gemacht. Abgesehen davon ist ein gutes, richtiges Open-World-Spiel normalerweise enorm kostspielig und Publisher Big Ben wirkt auf mich nicht so, als würden die viel Geld für Spiele lockermachen. Ich denke da mit Schaudern an Tennis World Tour. Wahrscheinlich waren die Voraussetzungen da auch nicht so einfach.
sinnFeiN vor 1 Jahr
ein ordentlicher Investor und Publisher, der denen zur Seite steht, und ein gutes, großes Spiel ist da schon möglich :). Wie es sich im Reddit AMA angehört hat, ist das nämlich weiterhin ihr Ziel: Open World Spiele machen.

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