Interview mit Bill Tiller

Lange hat es gedauert, bis es nach dem noch immer unvollendeten 'A Vampyre Story' Neuigkeiten um die Vampirin Mona und ihren kleinen Freund, die Fledermaus Froderick gab. Umso erfreulicher, dass es nun wohl wirklich losgehen könnte, zwar nicht mit der Fortsetzung, aber immerhin mit der Vorgeschichte 'A Vampyre Story: Year One'. Zumindest dann, wenn Entwickler Bill Tiller seine unlängst gestartete Kickstarter-Kampagne erfolgreich beendet. Aus diesem Anlass haben wir ihm einige Fragen gestellt und werfen in dem Interview nicht nur einen Blick auf sein aktuelles Projekt, sondern auch auf seine Vergangenheit bei LucasArts und die Chancen eines möglichen 'A Vampyre Story 2'.

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9 Kommentare

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R
Risten (Gast) 17.06.13 18:33 Uhr #1
Da verbiegt aber jemand die Realität, um sich seine eigenen Fehler nicht eingestehen zu müssen... "Dann traf uns die große Rezession und niemand wollte mehr Adventures finanzieren". AVS erschien 2008 bei Crimson Cow. Danach erschienen noch 2 Pendulo Adventures bei Crimson Cow. Zumindest eines wurde also nach 2008 noch neu finanziert. Ghost Pirates erschien 2009 bei dtp fast zeitgleich mit Black Mirror II. Danach erschienen noch zwei weitere Cranberry Adventures bei dtp, die also später noch neu finanziert wurden. Das keiner da also keiner mehr Adventures finanzieren wollte, ist also völliger Quatsch. Viel mehr wollte keiner mehr in seine Firma als Adventure Entwickler investieren. Und wenn man sich anguckt, wie er das Kickstarter Projekt geplant hat und handhabt, wundert mich das gar nicht...

g
garnidor (Gast) 17.06.13 20:36 Uhr #2
Stimme Risten da zu! Vielmehr hat man doch hier und dort gehört, dass beide seiner Publisher Probleme hatten, von Herrn Tiller überhaupt fertige Spiele für ihre Investition zu bekommen. Ich meine, wie oft sind die verschoben worden? Bei der zweiten Vampirgeschiche ist ihm dann wohl der Vorschuss ausgegangen, weil er die Kohle schon mit AVS1 und Ghost Pirates verbrannt hatte. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht 100% - ist aber das, was ich so auf den jährlichen Adventuretreffen *hust Köln hust* aufgeschnappt habe.

Was er wohl auch nicht erzählt ist, dass schon während der Entwicklung von Ghost Pirates das Studio dicht gemacht hat und das Spiel nur mit Ach und Krach zuendeprogrammiert worden ist.

Es ist eine Sache kein guter Geschäftsmann zu sein. Alleine dafür kriegt er schon nicht mein Geld auf Kickstarter. Aber sich so selbst in die Tasche zu lügen (bestenfalls) .... zünftig, zünftig.

I
Indiana 17.06.13 21:47 Uhr #3
Ja, das haben wir auch schon gehört. Vielleicht sollte er sich einem Studio anschließen, DoubleFine oder Telltale vielleicht, die scheinen durchaus mehr Geschäftsleute zu sein. Bills Talente liegen ganz eindeutig eher im Bereich Grafik und Geschichten. Ist ja auch nicht schlimm, aber leider nicht von Vorteil, wenn man eine eigene Firma hat.

H
Henrick (Gast) 20.06.13 00:29 Uhr #4
@Risten
Du hast bei Deiner Aufzählung etwas vergessen. Die Spiele sind zwar alle nach 2008 erschienen, aber produziert wurden die schon mindestens zwei bis drei Jahre früher. Es dauert schließlich eine Weile bis ein Spiel fertig ist.
Hinzukommt noch das Du nur, bis auf AVS, europäische Adventures aufgezählt hast und dabei anscheinend vergessen hast das der gute Herr in Amerika arbeitet. Dort ist es schon lange her das die Spielefirmen locker flockig Kohle vom Publisher für Adventure bekommen haben. In Europa sieht das ganze noch ein wenig anders aus, da hier noch viele Leute diese Art von Spielen spielen und auch kaufen.

@garnidor
Man muss kein schlechter Geschäftsmann sein um eine Firma an den Rand der Pleite zu bekommen. Besonders nicht wenn man in dieser Branche arbeitet. Und noch weniger wenn man als Spielstudio Adventures machen will. Adventures haben halt nicht den Marktanteil wie CoDs.

H
Henrick (Gast) 20.06.13 08:22 Uhr #5
@Henrick:
Dir hat sich offenbar der Zusammenhang, den ich in meinem ersten Kommentar angerissen habe, nicht erschlossen. Denn dieser hebelt Bills bzw. Deine Argumente halt aus. Ich schlüssle das nochmal auf.

Also das Bills Firma Autumn Moon Entertainment in Amerika sitzt, hat bei den beiden bisherigen Adventures seiner Firma bereits keine Rolle gespielt, denn diese hat er von zwei deutschen Publishern finanzieren lassen. Ghost Pirates wurde von der DTP entertainment AG und AVS von Crimson Cow finanziert (nicht nur vertrieben). Die Spiele wurden 2009 bzw. 2008 veröffentlicht.

Stellt sich also die Frage, warum diese beiden Publisher mit Bill keine Anschlussprojekte gemacht hat, wo sie doch schon mit ihm gearbeitet hatten. Haben die DTP entertainment AG und Crimson Cow zu der Zeit tatsächlich aufgehört Adventure Projekte zu finanzieren?

Antwort: Nein – haben sie nicht!
Und das sieht man wie folgt:
Der Entwickler Cranberry hat ebenfalls durch die DTP entertainment AG finanziert 2009 Black Mirror II veröffentlicht. Es kam wie Ghost Pirates Ende 2009. D.h. Cranberry und Bills Firma mussten sich im selben Zeitraum um ein Folgeprojekt bemühen. Während die DTP entertainment AG mit Cranberry aber nicht nur eines, sondern zwei Folgeprojekte machte (Black Mirror III und Lost Chronicles of Zerzura), machte man mit Bills Firma keines.
Bei Crimson Cow ist es ähnlich. Hier kam AVS 2008. Der Entwickler Pendulo hat, finanziert durch Crimson, nach AVS noch Runaway III rausgebracht. D.h. Pendulo musste sich sogar später um ein Anschlussprojekt bemühen. Und Crimson Cow hat trotzdem mit Pendulo ein Anschlussprojekt gemacht, nämlich Der Fall des John Yesterday. Mit Bills Firma hat man aber keines mehr gemacht.

Ergo:
1. Das Bill in Amerika sitzt, spielt keine Rolle, denn er hat sich ja in der Vergangenheit schon durch deutsche Publisher finanzieren lassen.
2. Die Aussage, dass allgemein keine Adventure Projekte mehr finanziert würden und er deswegen keine Adventures mehr machen konnte, ist Quatsch. Er hatte schon die Connections zu entsprechenden Publishern, aber die wollten mit ihm keine Anschlussprojekte mehr machen, wobei sie mit anderen Entwicklern sehr wohl noch Adventure Projekte gemacht haben. Warum wohl?

I
Indiana 20.06.13 11:32 Uhr #6
dtp hat auch noch Gray Matter rausgebracht, an dem mit Jane Jensen auch eine amerikanische Spieldesignerin beteiligt war. Das war 2010. Problematisch ist in dem Fall vielleicht, dass die deutschen Publisher kein Adventure von Bill Tiller mehr finanzieren wollten (oder zumindest nicht das ganze Risiko tragen wollten) und amerikanische Publisher gar kein Adventure mehr machen wollten, wie ja auch Tim Schafer berichtete. Und der hatte zuvor ja schon mehrfach bewiesen, dass er Spiele entwickeln kann.

c
costa (Gast) 26.06.13 02:08 Uhr #7
Die Vergleiche gehen nicht ganz auf. Bei Cranberry handelte es sich um ein internes Entwicklerstudio von dtp, dessen Mitarbeiter so oder so bezahlt werden mussten. Außerdem ist es pure Spekulation, ob und, wenn ja, warum es keinen Anschlussvertrag für AME gab. Zum einen gehörten Runaway und Black Mirror einfach zu den erfolgreichsten Adventures dieser Zeit. Fortsetzungen der eigenen Erfolgsserien sind bei Anzeichen einer Marktabkühlung die naheliegende Option eines Publishers. Zum anderen kann es gerade bei dritten Teilen bereits vorherige, sehr konkrete Abmachungen über die Finanzierung gegeben haben. Tatsächlich war dtp 2010 derart finanziell ausgeblutet, dass sie sogar ihr Prestigeprojekt, die Rollenspielsparte, komplett einstampfen mussten, mit der sie eigentlich international durchstarten wollten. Dadurch rutschte bspw. ihr Partner Radon Labs in die Insolvenz. Bereits 2007 war Legend: The Hand of God wohl ein Flop. Selbst die Partnerschaft mit Larian über Divinity 2 (2009) rentierte sich weder für den Publisher noch für den Entwickler, der es aufgrund dieser Erfahrung zudem vorzieht, sich selbst zu publishen. Gray Matter war endlos in der Entwicklung und bei Erscheinen 2010 drei Jahre überfällig. Dann muss man noch den Einbruch des Nintendo-DS-Marktes mit einbeziehen, in dem beispielsweise dtp Young Entertainment besonders aktiv war (und ebenfalls für die Insolvenz von Radon Labs mitverantwortlich war).

Betrachtet man das größere Gesamtbild, merkt man, dass Tillers Behauptungen nicht an den Haaren herbeigezogen sind. Die Frage ist eher, warum AVS nicht zu den oberen 10% gehörte, die trotz allem weiterfinanziert wurden. Die Gründe dafür können durchaus in den Erfahrungen der Geschäftsbeziehung liegen, sie können aber einfach auch durch BWL-Zahlen begründet sein. Ohne Insiderkenntnisse sind das aber wüste Spekulationen.

I
Indiana 26.06.13 08:58 Uhr #8
Danke für den Überblick was dtp angeht, das klingt alles sehr schlüssig und war mir bislang so noch nicht bekannt. Ich muss zugeben, dass ich die Rollenspiele seinerzeit aber auch nicht wahrgenommen habe, da genügend Adventures erschienen sind ;)

Was AVS angeht, ist es allerdings keine Spekulation, was garnidor da oben angedeutet hat.

R
Risten (Gast) 28.06.13 19:43 Uhr #9
@costa:
Cranberry gehörte zwar zu dtp, aber das ist nicht zwingend ein Grund, dass man sie ein Adventure Projekt machen lässt. dtp hatte schließlich auch keine Hemmungen House of Tales quasi zu schließen und später hat man Cranberry ja auch Browsergames machen lassen. Nur an den erfolgreichen Serien hat es auch nicht gelegen. Denn dtp hat ja Cranberry anschließend noch „Lost Chronicles of Zerzura“ machen lassen. Und Crimson Cow hat Pendulo nach Runaway III noch John Yesterday machen lassen. Beides Adventures, die keiner Serie entstammten. dtp hat bis zu seinem Ende in Adventures investiert. So hat man ja auch nach dem Release von Ghost Pirates die Rechte an Haunted von Deck13 aufgekauft und selbst nach der Insolvenzanmeldung erschien noch Memento Mori II. Ich denke es sagt schon etwas aus, das beide Publisher nach Release der AME Adventures noch in neue Adventures investiert haben und zwar auch in welche, die keiner populären Serie angehörten, aber eben in keine AME Adventures mehr investiert haben. Man war offensichtlich unzufrieden. Und man gucke sich an, wie Bill die Kickstarter Kampagne handhabt. Glaubt da ernsthaft noch jemand, der Mann könne planen?

Und das dtp 2010 seine Rollenspielsparte komplett dicht gemacht hatte, stimmt so auch nicht. 2010 selbst erschienen noch Addons für Drakensang und Divinity II, 2011 die PS3 Umsetzung von Venetica und das Cursed Crusade für PC/PS3/XBox 360. Vor allem aber investierte man in das Otherland MMO. Meiner Meinung nach ein viel zu großes Projekt für dtp und ich denke, sicher mit ein Grund, wenn nicht der Hauptgrund für die Insolvenz.

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