Reviews: Tales from the Borderlands:

Tales from the Borderlands


Telltale meets Gearbox. Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet die Adventure- Schmiede Telltale am Universum eines First Person Shooters versuchen würde? Wir sicher nicht. Seit knapp zwei Wochen können Spieler auf PC, Xbox One, Xbox 360, PS3 und PS4 einen ersten Ausflug nach Pandora unternehmen. Ob es sich lohnt und Telltales mit 'Tales from the Borderlands' möglicherweise der nächste große Wurf gelingt, erfahrt Ihr in unserem Test. 

 

Borderlands

Was ist eigentlich Borderlands?

Borderlands

Willkommen in den Borderlands...

Die Kategorisierung der 'Borderlands' Spiele als Ego oder First Person Shooter ist ungefähr so aussagekräftig, wie zu sagen: Ein Hamburger ist ein Brötchen mit einem Stück Fleisch drauf. Auch wenn die Aussage an sich richtig ist, trifft sie dennoch nicht des Pudels Kern. Jeder Fan würde (mit Recht) behaupten: Borderlands ist mehr als das. 

Vereinfacht basiert die Faszination mit den 'Borderlands' auf drei Säulen: Spaßigem, schnellen Action Gameplay, ansprechender, einzigartiger Ästhetik und Humor sowie den RPG-Elementen des Erkundens und Plünderns. 

Bereits bei flüchtigem Hinsehen sticht die charakteristische Comic- Grafik mit ihren überzeichneten Modellen, den handgezeichneten Texturen und den Cartoon- und Cel Shadern ins Auge. Ebenfalls Bestandteil dieser besonderen Ästhetik ist auch der schräge Humor, mit dem Gearbox dem Genre begegnen. Schnell wird klar: In der Welt der 'Borderlands' ist nichts heilig und nichts und niemand wird ernst genommen. Dass dies gut ankommt, beweist auch der Erfolg von Entwickler Gearbox. Nicht umsonst haben sich Gearbox, die bis dato noch vollkommen unbekannt waren, innerhalb kürzester Zeit einen echten Namen im AAA-Bereich gemacht und viele Fans um sich scharen können. 

Obwohl der Fokus in 'Borderlands' auf dem Gameplay und nicht dem Storytelling liegt, haben doch Setting und Charaktere eine Menge zu bieten. Alles dreht sich um den Planeten Pandora, eigentlich mehr eine öde Hülle von einem Planet voller tödlicher Viecher, Banditen und ehemaliger Minenkolonien. Einzig das kürzlich erschienene PreSequel spielt auf Pandoras Mond Elpis und der Hyperion Raumstation, die auch in Telltales Serie auftaucht. 

Diese hängt bedeutungsschwanger im Orbit von Pandora und passenderweise geformt wie ein überdimensioniertes 'H'. Nicht sehr subtil, aber das ist Hyperion auch nicht. Pandoras Geschichte wird dominiert von Mega- Konzernen, Siedlern, Banditen und Söldnern, alle auf der Suche nach den Hinterlassenschaften der verlorenen eridianischen Kultur und deren unermesslichen Schätzen. Diese sind gut verborgen und versteckt in sogenannten „Vaults“, die die Träume der pandorischen Siedler beflügeln. In den bisherigen Spielen spielten Spieler sogenannte Vaulthunter, Söldner und Schatzjäger auf der Suche nach diesen sagenumwobenen, lovecraftisch anmutenden Vaults. 

Da Telltale jedoch keinen weiteren RPG- Shooter, sondern ein Telltale- typisches Adventure im Universum der 'Borderlands' entwickelt hat, sind die Helden der 'Tales from the Borderlands' weder Söldner, noch professionelle Revolverhelden oder Schatzjäger.

 

Meet Rhys

Yeah

Darf ich vorstellen: Rhys

Rhys, dem wir zuerst begegnen, ist Angesteller bei Hyperion und nimmt seinen Job zwar ernst, trägt es jedoch mit Humor. Wie im richtigen Leben, kommt auch in Rhys‘ Leben immer alles anders und statt der erwarteten Beförderung, wird er von seinem Erzrivalen Vasquez kurzerhand zum Vize- Hausmeister degradiert. Zufällig bekommt er jedoch mit, wie Vasquez einen unglaublich fischigen Anruf erhält und in einen Deal einwilligt, der für ihn den ganz großen Wurf bedeuten könnte. Da Rache bekanntlich Blutwurst ist, entscheiden sich Rhys und Vaughn kurzerhand, sich Vasquez‘ Deal unter den Nagel zu reißen. Das Objekt der Begierde: Ein Vault Schlüssel! Das Besondere an 'Tales from the Borderlands' ist, dass die Geschichte von zwei verschiedenen Standpunkten aus erzählt wird. Rhys teilt sich das Scheinwerferlicht mit Fiona.

 

And Fiona

{Beschreibung der Grafik}

Eine alte Bekannte

Fiona ist eine der Bewohner Pandoras, die Spieler im 'Borderlands' Universum sonst eher als Questgeber oder NPC erleben würden. Gemeinsam mit ihrer Schwester versucht sie auf Pandora über die Runden zu kommen und dies mithilfe, nennen wir es mal unlauterer Geschäftsmethoden. Fionas Geschichte konvergiert schnell mit Rhys‘ und bald wird klar, dass Rhys ein unzuverlässiger Erzähler ist, der gerne Sachverhalte ausschmückt, um sich selbst in einem besseren Licht darzustellen. Fiona hingegen ist ein direkter, „no- nonsense“ Charakter, die jedoch ebenfalls genau so ehrlich ist, wie sie, bzw. der Spieler, es in der Situation für angebracht hält. Beide Charaktere wirken nach dem ersten Treffen als durchaus gelungene Protagonisten mit viel Entwicklungs- aber auch Konfliktpotenzial für die kommenden Episoden der ersten Staffel. 

Auch die Nebencharaktere, passen wunderbar ins Borderlands Universum und bereichern das Erzählte mit ihren teilweise sehr eigenen Meinungen, Einstellungen und Aktionen. Zahlreiche Charaktere aus den bisherigen Borderlands-Spielen haben Gastauftritte, teils zunächst nur als Stimme am anderen Ende des Kommunikators. 

 


Erzählstil, QTEs

Anders als die meisten bisherigen Telltale-Spiele, hat 'Tales from the Borderlands' ein ziemlich hohes Erzähltempo. Dialoge sind nicht lang und tragend wie noch in 'The Walking Dead Season Two', sondern flott und humorvoll, also passend zur Welt von Pandora. Wer fackelt, der wackelt. Oder so. Auch der Ton ist nach den eher düsteren Produktionsvorgängern herrlich leicht und spaßig, ohne dabei ins Oberflächliche abzugleiten. In vielen Zeilen erkennt der aufmerksame Beobachter, dass hinter den Worten Motive und innere Konflikte liegen, die der Spieler noch nicht kennt. In gewohnter Manier kontrolliert der Spieler durch seine Entscheidungen den Verlauf von Dialogen und Situationen, mit wenigen Ausnahmen ist bisher noch nicht absehbar, inwiefern sich diese im Verlauf der Staffel auswirken.

Border2

Für Borderlands-Fans viel Bekanntes

Ungemein spaßig ist jedoch, dass sich vor allem für Kenner der 'Borderlands' einiges erahnen lässt, was Spieler natürlich zu Spekulationen einlädt und zu spannenden Diskussionen führen sollte. Auch Neulinge sind natürlich eingeladen, ihren Senf dazu zu geben und neue Perspektiven anzuregen. 

Dies führt uns direkt zum Thema Einsteigerfreundlichkeit, denn natürlich schmeißen Telltale ihre Spieler nicht unvorbereitet in ein Abenteuer auf Pandora. Ernsthaft, das wäre ziemlich unfair. Die Einführung ins Spiel bietet eine kurze Übersicht über die Vaults und Pandoras Geschichte um ein wenig Kontext zu liefern. Man kann sich darüber streiten, wie sinnvoll es ist, den Spieler vor Beginn des Spiels bereits so mit Informationen zu überladen, zumal ohne Bezug zur Spielewelt davon nicht viel hängen bleiben dürfte.

Von der Steuerung her hat sich seit 'The Walking Dead Season 2' und 'The Wolf Among Us' nichts geändert, nach wie vor werden Charaktere entweder direkt mit WASD gesteuert oder Dialogoptionen mit der Maus gewählt. Wie gut dies auf dem PC funktioniert, kann ich an dieser Stelle nicht beurteilen, es ist jedoch klar, dass der Fokus auf einer Controller- freundlichen Steuerung liegt. Wie immer in Telltale Spielen kommt niemand an Quicktime Events vorbei, die in einem schnell erzählten, actionreichen Spiel wie Tales from the Borderlands natürlich eine prominentere Rolle einnehmen als zum Beispiel in 'The Wolf Among Us'. Zur Erklärung: Prominent heißt in diesem Fall vor allem häufiger, teilweise auch deutlich länger. Die Erkundungssequenzen, die schon in 'The Wolf Among us' und 'The Walking Dead Season 2' immer geringer ausfielen, finden sich in auch in 'Tales from The Borderlands' wieder. Als Rhys können Objekte mithilfe seines augmentierten Auges betrachtet werden, so dass zusätzliche Informationen erlangt werden können. Fiona, als geschickter Langfinger, filzt Gegenstände nach Bargeld, was jedoch (noch) von wenig Konsequenz ist. 

Auch wenn es typisch für Telltale Spiele und wenig überraschend ist, ist diese extrem eingeschränkte Bewegung - ich mag sie kaum Freiheit nennen - gerade im 'Borderlands' Universum sehr ungewohnt. Selbstverständlich ist ein episodisches Adventure kein Open World FPS RPG, aber etwas mehr tatsächliche Erkundung und echte Bewegungsfreiheit hätte ich mir als Spieler doch gewünscht. Wo Borderlands alles auf spielerische Freiheit setzt, zwängen Telltale den Spieler in eine vom Autor strengst vorgegebene Richtung. Immerhin gibt es zumindest in den Dialogen die Möglichkeit, die Charaktere so zu „Rollenspielen“ wie es der Spieler wünscht. 

 

 

Grafik

{Beschreibung der Grafik}

Ziemlich schöne Grafik, wenn auch quietschbunt

'Tales from the Borderlands' sieht ziemlich gut aus. Telltales eigener Stil passt gut ins 'Borderlands' Universum und die Charaktere sind mit viel Liebe zum Detail designt. Pandora selbst, dessen Größe, Weite und Offenheit ein essenzieller Bestandteil dessen ist, was den Reiz am Spiel ausmacht, wirkt sehr, sehr klein und beengend. Das liegt sicher in der Natur des Ganzen und soll auch in der Bewertung keine große Rolle spielen, mir als Spieler ist es jedoch aufgefallen. Es wirkt ein wenig so, als hätte man ein sehr großes Universum in sehr kleine Schuhe gestopft. Was komischer klingt, als es ist. Auch wenn die Grafik von 'Tales from the Borderlands' insgesamt gut ist, merkt man doch, dass Telltales eigene Engine langsam an ihre Grenzen stößt. Animationen und Texturen sind noch recht ansehnlich, die Betonung liegt jedoch auf "noch". 

 

Sound

Auch 'Tales From the Borderlands' bewegt sich im Bereich der Sprecher auf gewohnt hohem Niveau. Neben einigen aus früheren Telltale Spielen bekannten Sprechern, ist mit Nolan North und Troy Baker auch die Creme de la Creme englischsprachiger Synchronsprecher am Start. Bei Troy Bakers langer Liste an Credits muss man mittlerweile beinahe eher fragen, wen er nicht gesprochen hat, sein Spektrum reicht von Pagan Min aus 'Far Cry 4', über Talion in 'Mittelerde: Mordors Schatten', Booker deWitt aus 'Bioshock Infinite' bis hin zum Joker in 'Batman: Arkham Origins'. Nolan North sollte Spielern vor allem als Nathan Drake, dem Held der 'Uncharted' Serie, Oswald "Penguin" Cobblepot aus den Arkham Spielen, Desmond Miles aus 'Assassins Creed' oder President Nolan North of the United States of America aus 'Saints Row IV' bekannt sein. Ob bekannt oder unbekannt, das Ensemble liefert eine einwandfreie Performance ab.

 

--> Hier gehts zum Test der zweiten Episode

--> Hier gehts zum Test der dritten Episode

--> Hier gehts zum Test der vierten Episode

 --> Hier gehts zum Test der fünften Episode



Galerien

Fazit:

Telltales' Tales from the Borderlands ist ein rundum gelungener Einstieg in eine neue Serie. Freunde gut erzählter, temporeicher Geschichten, die mit viel Witz und auf eine sehr clevere, ansprechende Art und Weise präsentiert wird, sollten dringendst einen Blick auf Tales from the Borderlands werfen. Wer Telltales Stil nicht mag und lieber rätselreichere Kost mag, ist hier sicher, wenig überraschend, fehl am Platze.

Der Einstieg in die Welt der Borderlands ist sehr gelungen und auch für Einsteiger verständlich. Kenner freuen sich über zahlreiche Anspielungen und bekannte Charaktere. Rhys und Fiona sind interessante Anti-Helden mit viel Potenzial, auf deren Entwicklung ich mich schon sehr freue. Während man Rätsel vergebens sucht, erlauben die Dialoge Raum für Rollenspiel, so dass Spieler Rhys und Fiona nach ihren Wünschen formen können. Ich habe schon eine Ahnung in welche Richtung sich dies zumindest für einen der Beiden entwickeln könnte und freue mich tierisch auf die kommenden Episoden.

Statt dem emotional aufreibenden, düsteren Survival Gameplay von The Walking Dead, ist Tales from the Borderlands erfrischend humorvoll und "leicht", ohne dabei oberflächlich zu werden. Telltale beweisen, dass sie auch ein Händchen für actionreiche Geschichten besitzen und lassen den Spieler nach rund zwei Stunden Spielspaß vor allem mit dem Bedürfnis nach "mehr" zurück. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass wir nicht allzu lange auf die nächste Folge warten müssen.


Welcome Vault Hunters... To your doom!

Fazit von Peter Färberböck:

Die erste Episode ist normalerweise nur eine Art Pilot und somit ein Vorgeschmack, ein kurzer Ausblick, auf das was uns erwartet. Telltale Games liefert mit ‘Tales from the Borderlands‘ mehr als das. Ein Endzeit-Western-Adventure, das 2,5 Stunden lang unterhält – durch Spannung und unglaublich viel Humor. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man sich grob im ‘Borderlands‘-Universum auskennt, aber bei weitem nicht Pflicht. Ich kannte die Welt nur durch einen 6-stündigen Ausflug in ‘Borderlands 2‘. Klar bleiben dann nicht alle Anspielungen so wirkungsvoll wie für Fans der Serie. Trotzdem wurde ich die komplette Zeit prächtig unterhalten und ich kann kaum erwarten wieder in die Welt einzutauchen (eine Installation des Shooters ist fast unausweichlich). Bis jetzt ist dies definitiv eine der besten Telltale-Episoden über alle Spiele hinweg.

Für Fans klassischer Adventures fehlen zwar wieder die Rätsel, denn jede kurze Nachdenkpause wird sofort durch einen Tooltip unterbrochen. Trotzdem weiß es zu fesseln, einerseits durch die Spielwelt und die Atmosphäre des Spiels, andererseits durch den besagten Humor. Dazu kommen noch wirklich gute Sprechern – wie üblich wieder nur auf Englisch – und eine ziemlich hübsche Comic-Grafik.

Kurz gesagt ist ‘Tales from the Borderlands‘ für nahezu jeden Spieler einen Blick Wert, für Adventure-Spieler ohnehin.

geschrieben am 15.12.14, Ulrika Tegtmeier

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