Reviews: The Walking Dead:

The Walking Dead - Episode 101: A New Day


'The Walking Dead' ist nicht nur eine seit 2003 erscheinende Comicbuchreihe über eine Gruppe von Menschen inmitten einer Zombie-Apokalypse, sondern inzwischen auch eine äußerst erfolgreiche Fernsehserie, die sich - wenn auch nicht ganz originalgetreu - zumindest der gleichem Prämisse widmet. Damit war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich auch eine Videospiel-Versoftung endlich den lebenden Toten annehmen wird. Im Zuge ihrer Lizenzoffensive im letzten Jahr hat sich dabei Telltale die Rechte für die Veröffentlichung eines solchen Titels gesichert und liefert in bekannter Episodenstruktur neue Abenteuer rund ums Überleben in der gefährlichen Zombie-Welt. Doch schafft es Telltale auch, die Ernsthaftigkeit der Vorlage einzufangen und damit ein spannendes Erlebnis zu schaffen?


Ein neuer Tag

Mit dem Gesetz im Konflikt: Hauptcharakter Lee Everett

Im Leben des Hauptcharakters gab es mit Sicherheit schon angenehmere Situationen, als jetzt die Zeit in Handschellen auf dem Rücksitz eines Polizeifahrzeugs zu verbringen. Nein, dabei handelt es sich natürlich nicht um Rick Grimes, den Ordnungshüter und Protagonisten aus Comic und TV. Held in der Telltale-Umsetzung von 'The Walking Dead' ist stattdessen Lee Everett, der zuletzt leider etwas zu stark mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Nicht nur muss Lee nun für seine vergangenen Taten gerade stehen, zu allem Überfluss bekommt er unfreiwillig noch ein Gespräch des redseligen Fahrers auf das Ohr gedrückt. Doch schon in wenigen Minuten wird er sich diese Situation wahrscheinlich mehr als nur zurück sehnen. Während der Fahrer sich einer kurzen Unaufmerksamkeit hingibt, kommt das Auto von der Straße ab und lässt Lee am Bein verwundet und bewusstlos im Fahrzeug zurück. Als er wieder zu sich kommt und mit etwas Nachhelfen aus dem Autowrack gelangt, stolpert er dabei mehr oder weniger über eben jenen Polizeibeamten, der den Aufprall mit sehr viel weniger Glück leider nicht überstanden hat. Auch wenn die Hilfe für seinen Aufpasser bereits etwas zu spät kommt, eine ärztliche Versorgung wäre zumindest für ihn noch immer dringend notwendig. Mit den Handschellen ein nicht ganz so einfaches Unterfangen, wobei zumindest dieses Problem mit den Schlüsseln des Polizisten schnell aus der Welt zu schaffen sein sollte.

Wohin man sieht, hungrige Untote auf der Suche nach Frischfleich.

Kaum wieder in Freiheit, bleibt jedoch nicht viel Zeit zum Luft holen, denn der eigentlich tot geglaubte Gesetzeshüter hat trotz seiner nun blassen Gesichtsfarbe noch mehr Energie in sich, als es sich Lee möglicherweise in seinem tiefsten Inneren gewünscht hat. Spätestens aber als aber aus dem umliegenden Wald noch mehr Untote in Lee ein festliches Mahl wittern, bleibt nur noch die letzte rettende Option: die Flucht über einen Gartenzaun in ein angrenzendes Wohngebiet. Doch auch in der eigentlichen Vorstadtidylle zeichnet sich kein wirklich besseres Bild. Die Häuser sind verlassen, Autos stehen quer über die Straße und weit und breit keine Aussicht auf Hilfe oder ein Lebenszeichen - abgesehen von der kleinen Clementine, die sich auf dem Grundstück ihres Elternhauses versteckt und dort beharrlich auf die Rückkehr ihrer Familie wartet. Bislang ganz auf sich alleine gestellt, nimmt sich nun Lee dem kleinen Mädchen an und startet mit ihr die Suche nach der restlichen Zivilisation. Doch die Gefahren sind damit längst noch nicht vorüber...

Keine blutleere Handlung

Blutig geht es zu. Trotz Comic-Look kein Spiel für die jüngere Generation.

Bei einem Telltale-Spiel mit ernsterem Setting ist ein anfängliches Stirnrunzeln sicherlich nicht ganz unangebracht, konnten die bisher veröffentlichten Titel des US-Entwicklers vor allem durch ihre eher humoristische Ader doch etwas über die klar erkennbaren Schwächen der angestaubten 3D-Engine hinweg täuschen. Doch schon mit der Lizenz-Umsetzung zu 'Jurassic Park' gelang es recht gut, eine trotz allem dichte Atmosphäre auf den Bildschirm zu zaubern. Mit 'The Walking Dead' geht Telltale jedoch nochmals einen etwas anderen Weg und setzt erstmals auf eine Variante der Cel-Shading-Technik, um die Spielumsetzung damit optisch auch näher an der Comic-Vorlage zu belassen. Was die ersten Minuten vielleicht noch ungewohnt anmuten mag, entpuppt sich mit der Zeit aber als eine wohl überlegte Entscheidung, denn durch den Comic-Look rückt nicht nur die etwas triste und detailarme Umgebung in den Hintergrund, es wird auch eine originalgetreuere Atmosphäre erzeugt, in der sich selbst die blutige Brutalität der Vorlage bestens entfalten kann, ohne dabei deplatziert oder überzeichnet zu wirken.

Wähle weise, aber schnell!

Die anderen Charaktere registrieren Aussagen und Handlungen von Lee und erinnern sich später auch wieder daran.

Ganz im Gegenteil: Das Spiel wirkt ernst, die Charaktere sind glaubwürdig und die Handlung führt uns Stück für Stück in die bedrohliche Welt von 'The Walking Dead' ein. So lernen wir mit der Zeit mehr über die Gefahren nach der Zombie-Apokalypse, aber auch über die Vergangenheit der beiden Hauptcharaktere Lee und Clementine. Entscheidungen, die der Spieler im Laufe des Abenteuers trifft, haben dabei nicht nur Auswirkungen auf das Verhältnis der beiden zueinander, sondern auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen zu anderen Charakteren und auf bestimmte Ereignisse in der Geschichte. Ist Lee gesprächsfreudig, offenherzig und freundlich zu seinen Mitüberlebenden oder verschließt er seine Gedanken lieber und reagiert stattdessen in Konfliktsituationen unhöflich, selbstzentriert und schroff? Alle Handlungen werden von den anderen Charakteren sorgfältig registriert und beeinflussen das zukünftige Miteinander und die kommenden Dialoge entsprechend.

Zu erledigende Aufgaben beschränken sich in der Regel auf triviale Klickereien.

Auf die Spitze getrieben wird dies durch zusätzliche moralische Entscheidungen, bei denen Lee letztendlich nach eigenem Ermessen zwischen schwerwiegenden Alternativen wählen muss. Geraten etwa zwei der Nebencharaktere gleichzeitig in ernste Gefahr, muss in wenigen Sekunden eine Auswahl getroffen werden, wem Lee nun als erstes zur Hilfe eilen soll - immer verbunden mit den jeweiligen Konsequenzen und dem eigenen inneren Zwiespalt, in den man dadurch als Spieler geraten kann. Vor allem entwickelt sich durch die ständige Bedrohungssituation auch die Zeit zu einem der größten Gegenspieler. Sowohl in einigen Dialogen als auch in den wichtigen Entscheidungssequenzen bleiben jeweils nur wenige Augenblicke zum Handeln und so entsteht durch diesen wiederkehrenden Zeitdruck eine besondere Dynamik, die sich ganz anders auswirkt als etwa in Situationen, die ein zeitlich unbegrenztes Nachdenken über mögliche Konsequenzen ermöglichen. Um jedoch auch nicht unter ständiger Anspannung zu stehen, gönnt 'The Walking Dead' dem Spieler immer wieder Ruhepausen, so dass zwischen den bedeutsamen Gesprächen und gelegentlichen Action-Sequenzen mit Quick-Time-Event-Charakter auch immer genügend Zeit zum Verschnaufen bleibt. In ihnen kann Lee mehr über andere Charaktere lernen und zugleich kleine Aufgaben lösen, die für das weitere Fortkommen der Gruppe von entscheidender Bedeutung sind. Großartige Adventure-Rätselkost ist dabei trotz allem allerdings nicht zu erwarten, denn mehr als das Einsammeln einiger Objekte und das Verwenden selbiger an ganz bestimmten Stelle im Spiel gibt uns Telltale nicht an die Hand.

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Gefährliche Situationen werden durch Quick-Time-Events in Szene gesetzt.

Entsprechend wenig Abwechslung bietet das Gameplay dann auch über die rund zwei Stunden Spielzeit der ersten Episode. Mit WASD-Tastatursteuerung oder wahlweise über einen angeschlossenen Controller, wobei in beiden Varianten die Steuerung nicht frei konfiguriert werden kann, wird Lee durch die Umgebung gelenkt und darf dabei entweder mit optional hervorhebbaren Gegenständen oder Personen interagieren oder muss sein Geschick in automatischen Sequenzen beweisen, indem wiederkehrend beispielsweise schnell auf die Taste Q gehämmert oder mit der Maus ein bestimmtes Ziel innerhalb einer Zeitvorgabe angeklickt werden muss. Das klingt nicht nur anspruchslos, in den meisten Fällen ist es auch genau das. Der Schwerpunkt wird in 'The Walking Dead' ganz klar nicht auf den spielerischen Anspruch, sondern stattdessen auf die Geschichte, die Charaktere und auf die Konsequenzen der Entscheidungen gelegt. So entwickelt man mit der Zeit fast unweigerlich Abneigungen gegen bestimmte Personen, schlägt sich wiederum auf die Seite von anderen und sieht sich schlussendlich, wie in der Realität, mit den entsprechenden Ergebnissen seiner Handlung konfrontiert. Dabei wird dieser Spielfluss lediglich selten unterbrochen, wenn etwa eine der zahlreichen Action-Sequenzen einmal nicht auf Anhieb gelingt. Das ausschließlich automatische Speichersystem führt in diesen Fällen dazu, dass unter Umständen längere Sequenzen noch einmal absolviert werden müssen, inklusive der dazu notwendigen Dialoge und Zwischensequenzen, die auch dann leider nicht übersprungen werden können. Zumindest kommt man damit noch einmal in den Genuss der hervorragend gelungenen englischen Synchronisation, ein erneuter Direkteinstieg vor der jeweiligen Situation wäre allerdings die elegantere Alternative gewesen.


Galerien

Fazit:

Wertung: 80%

Die erste Episode von 'The Walking Dead' macht schon jetzt Lust auf Mehr, zumindest wenn man sich mit dem Telltale-Konzept einer häppchenweise erzählten Geschichte anfreunden kann. Obwohl die spielerischen Aufgaben an Trivialität kaum zu unterbieten und Action-Sequenzen unter Zeitdruck für Adventures eher untypisch sind, macht der Titel gerade in den Bereichen Atmosphäre, Glaubwürdigkeit und Storytelling sehr vieles richtig. Die unterschiedlichen Dialogoptionen sowie wichtigen Entscheidungsmomente zielen darauf ab, beim Spieler innere Konflikte zu schaffen, welchen Weg Lee im Abenteuer einschlagen soll ihn dabei mit den entsprechenden Konsequenzen aus der eigenen Handlung zu konfrontieren. Zwar fallen diese bislang noch nicht allzu groß aus und schlagen sich, bis auf wenige Ausnahmen, nur in unterschiedlichen Folgedialogen wieder, doch falls die Auswirkungen auch für zukünftige Episoden konsequent weiter verfolgt werden, dürfte die Handlung noch einiges Konfliktpotenzial bereithalten und somit sollte genügend Unterhaltungswert allemal garantiert sein.

Da 'The Walking Dead' in Form von fünf Kapiteln/Episoden erscheint, die gemeinsam eine große Story bilden, wird zunächst jede Episode von uns einzeln bewertet. Aufgrund der kurzen Spieldauer der Episoden ist diese Wertung aber nicht direkt mit einem Vollpreisspiel vergleichbar, sondern dient eher dazu den Spielspaß einzuschätzen und in Relation zu späteren Folgen zu bringen.
Eine abschließende Gesamtwertung des gesamten Spiels wird erst nach Veröffentlichung der letzten Episode vergeben, sobald deutlich ist, wie gut sich die einzelnen Teile zu einem Gesamtwerk vereinen.

geschrieben am 12.08.12, Andreas Baumann

Systemanforderungen Weitere Links

Windows XP SP3/Vista/7
2.0 GHz Pentium 4 oder besser
3 GB RAM
2 GB Festplattenplatz
ATI oder NVidia Grafikkarte mit 512MB Ram
Direct X 9.0c
Direct X 9.0c kompatible Soundkarte
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